Jetzt, wo Merz all seine politischen Positionen und Versprechen aufgegeben hat, wäre es nur konsequent, auch den Widerstand gegen Merkel aufzugeben. Die Altkanzlerin als Bundespräsidentin wäre die Vollendung seiner politischen Selbstaufgabe. Merkel Redivivus – von der Präsidialkanzlerin zur Kanzlerpräsidentin.
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Noch vor einiger Zeit lagen alle richtig, die behaupteten, Friedrich Merz würde alles tun, um eine Bundespräsidentin Angela Merkel zu verhindern, und dass Merkel nur Bundespräsidentin nach dem Sturz oder zumindest der weitgehenden Entmachtung von Friedrich Merz werden könnte. Doch es mehren sich die Anzeichen, dass Friedrich Merz, der Weltmeister im Räumen von Positionen, auch diese Position zu räumen im Begriff steht. Es deutet sich an, dass Merz entweder Merkel, so paradox es klingen mag, als Stütze seiner Regierung, als Hilfe – auch gegen Wüst – sieht oder sie für ihn die Möglichkeit eines ehrenvollen Abgangs bietet. Denn dass er als Bundeskanzler gescheitert ist, sollte ihm langsam dämmern, wenn ihm nicht Clique und Claqueure, mit denen er sich umgibt, den letzten Zugang zur Wirklichkeit versperrt hätten.
Im Frühjahr hatte Merkel auf der grünextremen Digitalkonferenz re:publica auf die Frage nach einer möglichen AfD-Kanzlerin gedroht: „Ich werde alles tun, was in meiner Macht noch steht, dass das nicht passiert.“ Da man inzwischen den Sozialismus in der DDR fast als liberal im Vergleich zu Merkels Vorstellungen von Demokratie bezeichnen könnte, stellt sich die Frage, über welche Macht die überbezahlte Pensionärin noch verfügt oder über welche Macht die aus dem Ruhestand wieder zurückkehrende Politikerin denn verfügen will. Über die Macht, Parteien zu verbieten, über die Macht, Wahlen rückgängig zu machen, über die Macht, Zensur auszuüben, über die Macht, frei nach Brecht, sich ein neues Volk zu wählen, ein neues Wahlvolk zu küren, damit es dann demokratisch aussieht? Mit Letzterem begann sie ja schon 2015 mit der Grenzöffnung. Verdächtig oft drängt Merkel in die Öffentlichkeit – und lässt dabei ihrer Verachtung für die Ostdeutschen freien Lauf.
Es kann kein Zweifel daran bestehen, dass Merkel zurück in die Politik drängt. Bisher galt als Axiom, dass ihr Widersacher Friedrich Merz ihr diesen Weg verlegt. Doch was gilt bei Friedrich Merz außer dem ängstlichen Klammern ans Amt? Um sich an der Macht zu halten, könnte er mit Merkel ein Arrangement treffen. Sie könnte paradoxerweise zur Stabilisierung seiner Regierung beitragen, und er könnte ihr ins Amt helfen. Ein seltsames, surreales Quiproquo. Die Abneigung gegenüber Merkel könnte sich in der heftigen Liebe des Friedrich Merz zum Kanzleramt dann doch in Grenzen halten und reduzieren. Merz hat weder die Merkel-Zeit aufgearbeitet noch ein Parteiausschlussverfahren gegen Merkel eingeleitet. Im Gegenteil, wie der abhängigste Vasall setzt er Merkels Politik mit Konvertiteneifer fort. Wenn es stimmt, dass Merkel damit gedroht hatte, dass sie aus der CDU austritt, falls diese mit der AfD kooperiere, bräuchte Merz doch nur mit der AfD zu kooperieren, in Magdeburg beispielsweise, und er wäre die grüne Politikerin los. Welch grandioses Angebot. Doch selbst diese Chance lässt er verstreichen.
Den Herzenswunsch der CSU, Ilse Aigner zur Bundespräsidentin zu machen, torpediert Merz, indem er völlig absurd eine unbekannte CDU-Politikerin aus dem Ärmel zieht. Doch warum zieht Merz kein Ass aus dem Ärmel, sondern eine Neun, wo er doch ein Grand-Spiel anstrebt? Warum eine unbekannte Politikerin, die erkennbar nur eine Platzhalterposition einnimmt? Es gibt nur eine Erklärung für diese laienhafte Taktik. Merz will Unruhe schaffen, Aigners Weg blockieren, eine Pattsituation provozieren, aus der heraus sich dann – heftig gebeten und bebettelt, versteht sich – Angela Merkel aus staatspolitischer Verantwortung herablässt, „unsere Demokratie“, die Herrschaft der dysfunktionalen Eliten, zu retten.
Sollte Merkel antreten, wären ihr die Stimmen der Union gewiss, aber auch die der SPD, und die Grünen würden für die Bundespräsidentin der grünen Diktatur natürlich stimmen. Merkel würde nur antreten, wenn Merz ihr machtpolitische Zugeständnisse machen würde, und sie besäße ein Druckmittel, denn nach der Wahl in NRW im April 2027 stünde dann auch Hendrik Wüst als Kanzlerprätendent zur Verfügung. Vielleicht sucht Merz auch nur noch nach einem gloriosen Abgang, der ihm erlaubt, im Sommer oder Herbst 2027 hocherhobenen Hauptes und mit allen Ehren das Bundeskanzleramt zu verlassen und in die Welt hinauszudüsen.
Kein Bundespräsident wird so viel Macht besessen haben, wie Merkel heimlich, still und leise zusätzlich usurpieren wird, denn sie ist entschlossen, alles zu tun, was in ihrer „Macht noch steht“, damit Wahlen so ausgehen, wie Angela Merkel das will.
Man darf eines gewiss sein, dass Deutschlands dysfunktionale Eliten so lange nicht von der Schlittenpartie ablassen, wie sie mit Deutschland noch Schlitten fahren können. Merkel hatte als Bundeskanzlerin und CDU-Vorsitzende das Amt des Bundespräsidenten merklich beschädigt. Sie hatte es beschädigt mit der Besetzung eines Mannes, der wie sie und Wolfgang Thierse erst in der Friedlichen Revolution auftauchte, als keine Gefahr mehr drohte, als es um das Absahnen, das Abstauben von Posten und Pöstchen ging, der sich als erster Spalter im Amt erwies, als er Deutschland in Hell- und Dunkeldeutschland einteilte, und zwar Joachim Gauck. Man glaubte schon, dass nach Gauck das Amt des Bundespräsidenten nicht weiter zu ruinieren sei. Nur hatte man da nicht mit Frank-Walter Steinmeier gerechnet. An beiden Präsidentschaften ist Merkel nicht unschuldig, nicht unschuldig daran, dass dieses wichtige Amt in den Tagen von Deutschlands Niedergang immer mehr wie teurer Nippes wirkt.
Merkel könnte, Merkel würde das ändern – doch nicht im guten, nicht im demokratischen Sinne. Ihr fehlt die Achtung vor dem Volk und vor der Freiheit. Eine Bundespräsidentin Merkel wäre ein Dekadenzphänomen. Deutschlands fünfter Sargnagel.






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Sie entwickeln da ein Horror-Szenario, verehrter Herr Mai, angesichts dessen mir die Lust auf den Nachmittags-Kaffee vergeht, während die wilde Sehnsucht nach einem doppelten Brandy steigt, um den Brechreiz niederzukämpfen…
Vielleicht oder auch vielleicht nicht. Es kann auch sein, dass Merz überhaupt keine Strategie hat, auch in diese Politikerkungelei hineinstolpert und sich letzten Endes wie so häufig über den Tisch ziehen lässt. Ach ja, wieviel Milliarden kann der Ukrainer heute wieder bei der Sonderauslosung abgreifen?
Wieso Merz? Merkel will Merkel als Nachfolger und das genügt der CDU vermutlich.