Der Sozialstaat und seine Gewinner

Die Sozialstaats-Kommission meldet Vollzug. Kürzen bleibt verboten, Umverteilen wird garantiert und perpetuiert. Wer das Zauberwort Solidarität kennt, kann leistungslos bis zu seinem Lebensende kassieren.

picture alliance / epd-bild | Rolf Zoellner (Zöllner)

Die Sozialstaats-Kommission hat geliefert – ziemlich genau das, was ihre Auftraggeberin Bärbel Bas von ihr erwartet hatte. Die wichtigste Botschaft: Alle Ansprüche bleiben erhalten, Leistungen werden nicht gekürzt, auch in Zukunft wird jeder zweite Euro aus den Etats von Bund, Ländern und Gemeinden für soziale, nein, für sozial genannte Zwecke draufgehen. Wofür genau, werden weitere Kommissionen auswürfeln. Der Handel mit Sozialprodukten kann also weiterlaufen, die Kommission hat ihren Auftrag erfüllt.

Die Parole, unter der Fürst Bismarck den Sozialstaat seinerzeit begründet hatte, hieß: Einer für alle, alle für einen! Alle, das meinte: Alle, die beigetragen, eingezahlt, geleistet haben. Und schloss diejenigen aus, die das versäumt hatten: Keine Leistung ohne Gegenleistung, das war die zweite Parole der staatlich reglementierten Wohlfahrt. Beide Grundsätze sind durch Angela Merkels panisch verfügte Grenzöffnung außer Kraft gesetzt worden. Denn alle, das hieß von nun an: Alle, die da sind. Schloss also diejenigen ein, die nichts beigetragen hatten, wahrscheinlich auch nie etwas beitragen würden, weil sie Hartz IV als Beruf und Bürgergeld als Lohn betrachten.

Frau Bas will die gegenseitige Verpflichtung – das do ut des – durch die Solidarität, eine gewerkschaftlich Kampftugend, ersetzen: Man solidarisiert sich ja nicht nur für, sondern immer auch gegen irgendwen und irgendwas. Die Solidarität kennt nicht nur Freunde, sie sucht und kennt und pflegt auch ihre Feinde. Sie unterscheidet zwischen Opfern und Tätern, und weil sie sich solidarisch mit den Opfern fühlt, macht sie mobil gegen die Täter. Wann immer der DGB seine Truppen zum Kampf gegen Kapitalisten, Faschisten, Sexisten und so weiter aufruft, heißt die Parole: Wir gegen die!

Täter sind stark, Opfer sind schwach, manchmal auch ziemlich dumm. Deshalb brauchen sie Anwälte, die sie über ihre Rechte belehren und sie dazu ermuntern, ihre Ansprüche gegen die Täter durchzusetzen. Die Berater und Betreuer, Dienstleister und Helfer sind die Gewinner der Sozialpolitik, der letzten Wachstumsbranche eines wirtschaftlich erschöpften Landes. Sie bevölkern die Beiräte und Kommissionen, die Arbeitskreise, Studiengruppen, Fachgesellschaften, Stiftungen und NGOs, von denen täglich ein paar mehr gegründet werden. Die Sache lohnt, weil man sich beim Weiterreichen von Spenden und öffentlichen Geldern die Finger vergolden kann. Ihr großes Vorbild ist die AWO, die Arbeiterwohlfahrt, die sich wie niemand sonst darauf versteht, unter Solidaritäts-Parolen in die eigene Tasche zu wirtschaften.

Der Ruf nach Solidarität ist so beliebt, weil er beides verspricht, Geld und Macht – soziale Macht, die eben deshalb so gefährlich ist, weil sie die Maßstäbe, nach denen sie entscheidet, nach denen sie nimmt und gibt, belohnt oder bestraft, selbst festlegt. Sie ist nicht kontrollierbar, weil sie ja nicht Gerechtigkeit, sondern soziale Gerechtigkeit üben will; und wie die aussieht, was sie erlaubt, verlangt oder verbietet, ist eine Frage, die sich nur willkürlich beantworten lässt.

Wie willkürlich, wurde offenbar, als sich Millionen vom Fremden Zutritt zum deutschen Wohlfahrtsstaat verschafft hatten. Wenn es je eine Last gab, die gesamtgesellschaftlich zu tragen war, dann diese; doch eben das geschah bekanntlich nicht. Anstatt dass alle sie gemeinsam schultern, wurde diese große Aufgabe den Mitgliedern der Gesetzlichen Krankenversicherung zugeschoben – lauter kleinen Leuten, die sich der Zumutung nicht entziehen konnten, weil sie zur Mitgliedschaft gezwungen worden waren. Jeder von ihnen musste nun doppelt zahlen, einmal für sich, dann aber noch einmal für irgendeinen anderen, der das, wofür das Zwangsmitglied lebenslang seine Beiträge entrichtet hatte, umsonst erhielt.

Aber wer weiß das schon? Wer will das überhaupt noch wissen? „Die Unwissenheit gibt uns Ruhe, die Lüge Glück“, tröstet sich einer der Unglücklichen, die Opfer der Willkürherrschaft geworden waren, mit der die französischen Revolutionäre die Welt in Ordnung bringen wollten. Die Opfer der deutschen Wohlfahrtsindustrie können sich dasselbe sagen, auch ihnen schenkt die Unwissenheit Ruhe, die Lüge Glück. Niemand weiß, wem da genommen und wie viel gegeben wird, denn die Ströme, auf denen Milliardenwerte umverteilt werden, fließen unterirdisch. Die große Konfusion, hat Norbert Blüm einmal gesagt, sei das Feld der Manipulateure. Er wusste, wovon er sprach.

Gegen die Willkür zu protestieren, ist reizvoll, aber gefährlich. Wer ein Regime, das Leistungen auch ohne Gegenleistung gewährt, für ungerecht hält und das auch noch sagt, muss damit rechnen, der gruppenbezogenen Menschenfeindlichkeit angeklagt zu werden; und dann erscheint auch schon die Polizei. Deswegen geht alles weitere seinen gewohnten, krummen Gang. Heerscharen von Integrationshelfern bringen Millionen von Flüchtlingen bei, dass und wie sich in Deutschland auf fremde Kosten gut leben lässt. Wenn sie das kapiert haben, gelten sie als integriert, dürfen bleiben und den Sozialstaat ruinieren.

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Kommentare ( 35 )

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Martin Beckmann
11 Tage her

Zitat: „Vorbild ist die AWO“ – Mit dem korrupten Gebilde haben wir in Hamburg allerbeste Erfahrungen gemacht, bei der „Betreuung“ von Jugendlichen und die Gewerkschaft war selber korrupt in dem Konglumerat.

wegmitdenaltparteien
11 Tage her

Politikern zu applaudieren, weil sie mit erpresstem Geld versorgungsfordernde Untermenschen mit Mittelalterkultur ins Reich holen und versorgen, eine Straße oder ein Krankenhaus bauen, ist dasselbe, als ob man einem einem Geldautomaten applaudiert, weil er einem das Geld auszahlt.

Der Großteil der Deutschen begreift das aber nicht oder heißt es sogar gut, anders sind die Umfrage- und Wahlergebnisse unerklärlich.

Was die Zahnbehandlung nur noch für Selbstzahler angeht, bin ich schwer dafür, unter der Bedingung das dies auch für Asozialenhilfebezieher gelten wird. Gleiches Unrecht für alle wenn ich bitten darf.

spindoctor
11 Tage her
Antworten an  wegmitdenaltparteien

Gleiches Unrecht für alle wenn ich bitten darf.“
You made my day.

Nibelung
11 Tage her

Wenn die liebe Frau Bas, das Werk voller Freude in der Mitte des erlauchten Kreises in die Kamera zeigt, weiß man doch schon längst, was darin aufgeführt ist, denn wäre es anders, würden die Mundwinkel herunterhängen oder man wäre erst garnicht präsent und damit gilt der alte Grundsatz, every Bodys Darling ist every bodys Depp und unter dieser Voraussetzung werden wir nichts mehr begradigen und müssen nur noch auf den Untergang warten, als einzige Größenordnung, die uns am Ende garantiert wird. Wer den Willen nicht mitbringt, weil er zuviele eigene Interessen berücksichtigen muß, kann es gleich sein lassen, denn das… Mehr

maps
11 Tage her

Kennen wir ja vom Beispiel der „Ethikkommission für eine sichere Energieversorgung“, die den Atomausstieg besiegelt hatte. Das Ergebnis steht vorher schon immer fest! Dieser Staat verarscht uns nach Strich und Faden.

Nibelung
11 Tage her
Antworten an  maps

Und soeben habe ich gelesen, daß man den armen Rentnern noch deren bescheidenen Überschuß von ca. 98,– EUR streichen will zum Ausgleich, damit man überhaupt über die Runden kommt und es wäre dann durchaus auch angebracht mal über die Renteneinkünfte der gutsituierten Doppelverdiener mit Eigenheim nachzudenken, was man da zumutbar heraus streichen könnte, denn sparen ja, aber dann überall und nicht in dieser Einseitigkeit und sie sollten nicht mit dem Argument des Gesetzgebund kommen, was immer dann einsetzt, wenn es dem eigenen Vorteil dient und dann geht es plötzlich und damit ein Wunder nach dem anderen geschieht. Da paßt doch… Mehr

spindoctor
11 Tage her
Antworten an  maps

Es ist nicht der Staat, es sind die sich selbst erweiternd reproduzierenden „Eliten“, wie z.B. Philip Türmer.

Holger Tuerm
11 Tage her

Wahrscheinlich unbewusst werden die Milliardenzahlungen für Ukrainer und die Ukraine mit der blau-gelben Wand im Hintergrund symbolisiert, die alle überragt.

Mikmi
12 Tage her

„Gesundheitsökonom Jochen Pimpertz (IW Köln) rechnet in BILD vor: „Im Jahr 2024 verursachten Zahnbehandlung und Zahnersatz gut 18 Milliarden Euro an Ausgaben in der GKV“. Es dürfte ein leichtes sein, diese aufzuschlüsseln nach echten Beitragszahlern und die über Zahlungen von Bürgergeld/Migranten/Geduldeten/Kriegsflüchtlingen verursacht wurden.
Warum wird die Zahl der Krankenkassen nicht reduziert, die Vorstandsgehälter gedeckelt und Mitarbeiter der GKV Gehälter erhalten wie ein Manager in der Wirtschaft, das sind Angestellte!

Deutsche
12 Tage her

Unsere Sozialsysteme wurden zu Asozialsystemen umgebaut. Die Einen zahlen sich tot und Unberechtigte und Faule kassieren. Die Gruppe, die nicht mehr arbeiten kann sei ausdrücklich ausgenommen.
So wie mit unseren Rentnern und Alten umgegangen wird … und auch der Zumutung den Kindern gegenüber, die sich in der Schule drangsalieren und vom Lernen abhalten lassen müssen, zeigt doch dass auf die tatsächlich Schwachen ge“pfiffen“ wird.

OJ
12 Tage her

Stellenausschreibung Beruf: Systemerhalter (früher: „Hartz-IV-Empfänger“) Arbeitgeber: Die Bundesrepublik Deutschland, vertreten durch die Bundesagentur für Arbeit Eintrittsdatum: Sofort – Dauerhaftigkeit ausdrücklich erwünscht Ihre Aufgaben: · Sie halten das wichtigste Wirtschaftsprogramm des Landes am Laufen: den Sozialhaushalt. · Sie stabilisieren die Arbeitslosenstatistik durch zuverlässige Nicht-Teilnahme am Erwerbsleben. · Sie dienen als flexibles Argument in der politischen Debatte – mal als Opfer, mal als Belastung. · Aktive Teilnahme am Bewerbungsmarathon (Ergebnis zweitrangig). Wir bieten: · Ein leistungsorientiertes Grundeinkommen („Bürgergeld“) – Ihre Leistung ist es, das System in Anspruch zu nehmen. KINDER UND JEDES WEITERE KIND STEIGERT IHR EINKOMMEN EXPONENTIELL❗ · Maximale Work-Life-Balance: 24/7… Mehr

Last edited 12 Tage her by OJ
J.Thielemann
12 Tage her

….wurde diese große Aufgabe den Mitgliedern der Gesetzlichen Krankenversicherung zugeschoben – …….. weil sie zur Mitgliedschaft gezwungen worden waren…. Mehr Netto vom Brutto wenigstens. Sobald es geht! Haus abbezahlt, Kinder aus dem Haus von etwas muss man leben- dann eben Teilzeit! Machen viele Bekannte. Ich seit 1.1.2026 auch. Meine Frau und ich, wir wollten uns – Vollzeit – noch was sparen zum Reisen ab Rente. Aber für ggf. Vermögensabgabe, Zwangshypothek und nochmal Erbschafts- Steuer drauf (für unsere Kinder), wenn noch was übrigbleiben sollte – dafür fleißig sein – nö! Dann lieber jetzt an den Baggersee! Mal nach Prag, mal nach… Mehr

Gert Lange
11 Tage her
Antworten an  J.Thielemann

Also aufgegeben, angepasst, mitschuldig, oder?

moorwald
12 Tage her

Der Sozialstaat ist eine Methode, die Bürger mit ihrem eigenen Geld vom Staat abhängig zu machen. (frei nach G, Habermann)