Zwei AfD-Politiker hängen Wahlplakate auf. Aus den Fenstern umliegender Gebäude ertönen Rufe wie „Nazis raus!“ und „Verpisst euch!“, Passanten beschimpfen die Wahlkämpfer. Sophia Juwien über die neue Normalität der Intoleranz.
IMAGO / serienlicht
Ein sonniger Freitagmittag in Berlin-Mitte, unweit der Landesvertretung Sachsen-Anhalt. Die Autorin dieser Zeilen nutzt ihre Mittagspause für einen Spaziergang, als sich vor ihren Augen eine unwirkliche Szene abspielt: Zwei AfD-Politiker, Julian Adrat und Thorben Schwarz, hängen gemeinsam mit zwei Helfern Wahlplakate an Straßenlaternen auf. Aus den Fenstern umliegender Häuser schallen wiederholt die Rufe „Nazis raus!“ und „Verpisst euch!“. Passanten laufen vorbei und beschimpfen die Gruppe.
Im Gespräch mit den Betroffenen berichten diese, dass kurz zuvor ein Fahrradfahrer vorbeigefahren sei und in den Rollwagen gespuckt habe, mit dem die Wahlkämpfer ihre Plakate transportierten. Thorben Schwarz, der sich in Steglitz-Zehlendorf für die AfD engagiert, weist darauf hin, dass es mit den Anfeindungen besser geworden sei. Vor zehn Jahren hätten sie sich ohne Polizeischutz nicht so bewegen können; sie würden nicht nur Hass, sondern auch positive Resonanz erfahren.
Kein gutes Zeugnis für die Demokratie im Land, wenn derartige Feindseligkeiten als Verbesserung wahrgenommen werden können.
Julian Adrat, der auf Platz 15 der Berliner Landesliste kandidiert, zeigt sich betroffen: „Wenn ein erwachsener Mensch voller Hass seine Rotze in deinen Wagen rotzt, ist das schon eine unangenehme Situation. Man wird vorsichtiger“, sagt er. Auch eine gewisse Resignation wird aus seinen Worten deutlich: „Mich wundert es schon gar nicht mehr. Solche Aktionen sind keine Einzelfälle, sondern der Alltag einer Partei, die legal zur Wahl steht und deren Mitglieder im öffentlichen Raum regelmäßig mit Hass und Gewalt konfrontiert werden.“
Aggression statt politischer Diskurs
Beschimpfungen und Anfeindungen als Alltag. Nicht nur das macht fassungslos, sondern auch das Desinteresse, mit dem solche Aggressionen von Unbeteiligten hingenommen werden. Niemand schreitet ein, niemand weist die Aggressoren in ihre Schranken. Was sie tun, gilt als akzeptables, vielleicht sogar als angemessenes Verhalten, wenn AfD-Mitglieder ihrem politischen Engagement nachgehen.
Wie weit sind wir in Deutschland gekommen? Demokratie funktioniert nur, wenn es verschiedene, gegensätzliche Meinungen geben darf. Ohne linke Politiker gäbe es keine rechten – und umgekehrt. Essenziell ist, dass die eine Seite die andere beobachtet und kritisiert. Auch scharf. Aber auf der Grundlage, dass die andere Seite ein Existenzrecht hat.
Die Aufgabe einer Opposition besteht darin, der Regierung auf die Finger zu schauen, Kritik zu üben und ein Korrektiv zur Macht zu bilden. Wer Opposition physisch und verbal aus dem öffentlichen Raum drängt, erweist der Gesellschaft einen Bärendienst. Umso beunruhigender, dass diejenigen, die so agieren, dies in dem festen Glauben tun, der Demokratie zu dienen.
Das Ergebnis jahrelanger Hetze
Julian Adrat sieht in solchen Aktionen das Ergebnis jahrelanger einseitiger Medienberichterstattung. Denjenigen, die ihn anfeinden, könne er verzeihen. Nicht aber den Medien, die die Menschen aufwiegeln.
Wer der Bevölkerung tagtäglich einredet, im „Kampf gegen Rechts“ sei nahezu jedes Mittel legitim, darf sich über die Quittung auf der Straße nicht wundern.
Das zeigen auch die neusten Zahlen der Berliner Polizei: Bis zum 17. August wurden insgesamt 227 gemeldete Sachbeschädigungen an Wahlplakaten von verschiedenen Parteien gemeldet. In 117 Fällen davon waren Plakate der AfD betroffen. Weit abgeschlagen folgt auf dem zweiten Platz die CDU mit lediglich 33 beschädigten Plakaten.
Adrat beschreibt die deutsche Medienlandschaft als „Meinungskartell“. Dieses Meinungskartell zeigt sich in Wahlkampfsendungen und Talk-Shows, in denen ein AfD-Politiker bewusst gegen eine Phalanx feindseliger Talkgäste aufgestellt wird und der Moderator sich offen auf deren Seite positioniert – einer gegen alle. Auffällig auch, dass der Vertreter der AfD besonders oft unterbrochen, mit als Fragen getarnten Unterstellungen konfrontiert und bedrängt wird. Journalisten sollen kritische Fragen stellen. Hier aber wird die Diskussion zum Tribunal.
Eine mediale Blaupause für das Verhalten von Bürgern gegenüber der AfD: Sachliche Argumente? Fairness? Nicht notwendig.
Im Extremfall wird sogar mit falschen Tatsachenbehauptungen gearbeitet, wie im Sommerinterview mit Alice Weidel geschehen. Auch das wording, das von diesen Medien verbreitet wird, trägt dazu bei, Hetze gegen die AfD als legitim erscheinen zu lassen: Die konsequente Bezeichnung als „rechtsextrem“, Andeutungen oder direkte Vergleiche zur NSDAP, „1933“ oder „Weimar“ sollen die AfD als Bedrohung inszenieren, gegen die jedes Mittel recht sei.
Aufruf gegen die Demokratie
Die Einschüchterungen, Drohungen, Brand- und Säureanschläge und tätlichen Angriffe, die von selbsternannten Antifaschisten ausgehen, sind zwar massiver als Spuckattacken und Beschimpfungen. Aber letztere sind dennoch keine Lappalien. Zum einen beginnt die Enthemmung im Kleinen. Bezogen auf rechtsextreme Gewalt wird „wehret den Anfängen“ geradezu als Mantra bemüht, und das nicht zu Unrecht.
Zum anderen beruht die Gewalt der Antifa auf linksextremer Ideologie, wird präzise geplant und teils mit terroristischer Professionalität koordiniert. Spontane Beschimpfungen durch normale Bürger hingegen zeigen, dass der Glaube, dass man AfD-Politiker und ihre Unterstützer öffentlich anfeinden dürfe, weit verbreitet und in Teilen der Bevölkerung bereits normalisiert ist – auch ohne Verankerung in einer extremistischen Ideologie und ohne Zugehörigkeit zu gewaltbereiten Gruppierungen.
Dafür spricht auch, dass der Aufschrei, die Menschenketten und Andachten, die beim geringsten Verdacht auf eine rechtsextreme Gewalttat veranstaltet werden, auch bei massiven Gewalttaten gegen als „rechts“ betrachtete Opfer ausbleiben. Man macht vielleicht nicht mit. Aber man findet es zumindest nicht bedauernswert oder bedauernswert genug.
Einige mitgliederstarke Strukturen, etwa linke Parteien wie Grüne und Linke, aber auch Verdi und DGB gehen über diese Haltung sogar bereits hinaus: Sie rufen offen zur Mobilisierung gegen die AfD auf. Wie in Gießen und Erfurt ersichtlich, verschwimmen hier die Grenzen zum Linksextremismus, der bis tief in die Mitte hinein hoffähig gemacht wird. In Erfurt etwa wollte das Bündnis „Widersetzen“ mit Blockaden den Zugang erschweren. Verdi unterstützte die Anreise von Demonstranten finanziell, Grüne organisierten Busse.
Bei all dem ist noch gar nicht die Rede vom unverhohlen undemokratischen Ausschluss von AfD-Politikern von Wahlen, wie es das rot-grün regierte Niedersachsen vorexerziert.
Niemand muss die AfD wählen. Niemand muss ihre Positionen teilen. Wer sie ablehnt, hat in Berlin am 20. September die Möglichkeit, sein Kreuz bei einer anderen Partei zu machen. In einer funktionierenden Demokratie verpasst man dem politischen Gegner nicht durch Beschimpfungen oder Gewalt einen Denkzettel. Sondern mit dem Wahlzettel.





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Zitat: „Julian Adrat sieht in solchen Aktionen das Ergebnis jahrelanger einseitiger Medienberichterstattung“ > Richtig, bei den grünlinken Hofberichterstattern von den „Qualitätsmedien“ (inkl ARD/ZDF-Staatsfunk) und bei deren „einseitige Medienberichterstattung“ ist die Ursache und Schuld zu sehen. Und das wissen sie auch selbst sehr genau. UND besonders was die AfD-Wahlhelfer betrifft, denen kann man für ihre Arbeit und für ihren Mut eigentlich gar nicht genug danken da sie in heutiger Zeit ja nicht nur mit übelsten Pöbeleien und rotzenden Schweinereien, sondern – und das auch aufgestachelt und angeheizt durch das „Altparteien- und Reg.-Kartell“, mit wirklich allem und körperlichen Angriffen rechnen müssen. Dafür… Mehr
„diejenigen, die so agieren, dies in dem festen Glauben tun, der Demokratie zu dienen“ Diese Leute sind auch keine Demokraten. Die haben Demokratie entweder nie verstanden oder aber lehnen sie aktiv ab. Man weiß nicht was schlimmer ist. Dass die erste Gruppe heute vermutlich überwiegt, ist eine Bankrotterklärung an die Bildungspolitik, bzw. das Ergebnis wenn man linke Antidemokraten die Schulen unterwandern lässt. Die Mehrheit der Lehrer sind links – und vermutlich auch Angehörige der ersten Gruppe. Die alten Monarchisten und die nationalen Sozialisten haben Demokratie wenigstens offen verachtet, die Marxisten taten es im Geheimen. Wobei die Monarchisten, anders als beide… Mehr
Ich habe das bereits unter einem anderen TE-Artikel geschrieben, es passt aber auch hier: Der Psychologe Jonathan Haidt hat den pathologischen Hass der Linken auf Rechte mit mehreren Studien nachgewiesen und mit seiner „Moral Foundations Theory“ auch sehr gut erklärt. Kurze Zusammenfassung: Konservative haben 5 moralische „Geschmacksknospen“, sie legen Wert auf Autorität (fachliche oder staatliche), Loyalität, Reinheit (physische und psychische), Gerechtigkeit und Fürsorge. Linke dagegen legen nur Wert auf Gerechtigkeit und Fürsorge und verteufeln die anderen drei Werte: der Polizist ist immer ein korruptes Schwein, Loylalität/Patriotismus führt immer zum Nationalsozialimus und Reinheit ist Zeichen einer psychischen Störung. Dazu kommt, dass… Mehr
„Linke dagegen legen nur Wert auf Gerechtigkeit und Fürsorge…“
Wobei noch zu definieren wäre, was denn „Gerechtigkeit“ eigentlich ist. Denn auch da unterscheiden sich nach meiner Beobachtung Linke und Normale deutlich.
Es ist der gleiche Hass, den auch ein ehem. Politoffizier der Grenzer (Mauermörder) gg. „Republikflüchtlinge“ pflegt und den Grenzsoldaten eintrichterte. Nur weil die sog. „Republikflüchtlinge“ andere Meinungen hatten und anderes leben wollten, als die SED-Bonzen es ihnen vorschreiben wollten. Mit dem gleichen Hass gg. alles, was nicht links ist, und dem gleichen Missionierungswahn wollte ja auch so ein gewisser Hüber dann auch die Polizisten zu Befehlsverweigerung ermuntern. Dieser Hass ist typisch für diese sog. „Zivilgesellschaft“ aus dummen und militanten Lemmingen – so nach dem Prinzip „ich bin nichts, ich kann nichts, gebt mir eine Uniform“.
Ihr „…, gebt mir eine Uniform“ machte mir gleich Lust, mal wieder Captain Sensibles „Gimme A Uniform“ (1982) zu hören.
Herzlichen Dank für den Musiktip.
Deutscher Alltag eben: Hass und Intoleranz gegenüber der AfD, Kriecherei und Opportunismus gegenüber dem Mainstream. In dieser Form anderswo nicht vorstellbar. Nicht einmal an neutrale Gerichte kann man sich noch wenden hierzulande. Mir fällt da ein „Witz“ ein, Stichwort deutsche Touristen im Ausland: „Nicht hingucken, Karl-Heinz, dort sind DEUTSCHE!“.
Jeder hat ja seine eigene Wahrnehmung und ein anderes Umfeld, ich lebe zum Beispiel nicht in Berlin oder HH oder einer anderen linksextremen Hochburg. Ich kann nur meinen Eindruck mitteilen, dass das Verhältnis vieler Menschen zur AfD in den letzten 10 Jahren wesentlich „besser“, eigentlich normaler geworden ist. Selbst Menschen, die die AfD nicht wählen, aus welchen Gründen auch immer, akzeptieren sie inzwischen zunehmend als legitimen oder sogar notwendigen Teil der politischen Landschaft. In meinem Umfeld werden die Wahlplakate in der Regel nicht abgerissen oder beschädigt und wenn doch, dann trifft es die Grünen oder die Linken. Ein abgerissenes AfD-Wahlplakat… Mehr
Seit 1949:
SPD oder CDU, die Mehrheit der Rentner wählen treu wie Schafe.
Keine Ahnung von Politik, keine von Wirtschaft. Aber Hauptsache, die ÖRR-Gebühren-Monokultur dudelt schön beruhigend ins altersstarrte Hirn, Rente, ÖRR, Kaffee und Kuchen.
Die Büchse der Pandora? Haben die Rentner selbst aufgerissen. Drin war:
Ihre eigene Verblödung plus die Quittung dafür.
Weiter so, ihr Denkmalgeschützten❗
Schönen Dank auch für diese differenzierte Darstellung (Hinweis: Sarkasmus).
Keine Ahnung von Wirtschaft: Wer hat die Wirtschaft denn aufgebaut, die die progressive Jugend gerade mit Hingabe ruiniert?
Keine Ahnung von Politik: Bis die teilgebildeten Nachwuchfachkräfte so vor fünfundzwanzig Jahren in Führungspositionen vorgedrungen sind, lief´s eigentlich ganz gut.
Wenn wir Älteren einen Fehler gemacht haben dann wohl vor allem den, es unserem Nachwuchs viel zu leicht gemacht zu haben. Diese Asche streue ich auch auf mein Haupt. Es käme mir aber trotz Rente, ÖRR, Kaffee und Kuchen niemals in mein altersstarres Hirn, den politischen Irrsinn zu unterstützen.
Danke, sie gehören definitiv nicht zur MEHRHEIT der Rentner ❗
Es wäre eine unzulässige Verkürzung, die politischen und gesellschaftlichen Verhältnis des gegenwärtigen „Schlands“ stringent aus den Geschehnissen des November 1914 herzuleiten (Sturz des Kaisers), doch ohne diese und seine mittelbaren Folgen, u.a. wohl der Zweite Weltkrieg, bleibt die Gegenwart ein Mysterium.
Wer Verständnis für gegenwärtige Zustände sucht, möge die multikulturelle Gesellschaft mit zwei Dicta verbinden: »Demokratie stiftet keine Identität.« (Francis Fukuyama) und »Familie und Religion halten Gesellschaften zusammen« (Emmanuel Todd)
Es war natürlich der November vier Jahre später. Es geisterte noch der Kommentar zur Julikrise im Kopf.
Man kann unterschiedlicheste Menschen einen, indem man ihre Gefühle eint. Das klappt bei negativen, zerstörerischen Gefühlen einfacher, weil diese per se stärker sind. So wird der Hass gegen die AfD systematisch aktiviert. In diesem Gefühl sind sich dann alle einig – ohne zu merken, dass sie von linken Kräften manipuliert werden. Antifas, Autonome, Omas, junge Menschen, Eigenbrötler, Familien, Künstler, Arbeitslose, Einheimische, Ausländer stehen plötzlich Seite an Seite. Es ist doch ganz erstaunlich, wie das Gemeinschaftsgefühl „Hass“ Menschen eint, die eigentlich nichts gemeinsam haben. Entlarven tun sich dann alle selbst bei der Frage, was sie denn gegen die AfD haben. Da… Mehr
Wenn in Sachsen-Anhalt die AfD die absolute Mehrheit bekommt, dann wird die (SA)ntifa die Straßen brennen lassen. Der Hass kommt von den Linksextremisten (Faschisten). Leider glaubt der Hirngewaschene Michel der Propaganda der MSM.
Möglich, aber Straßenrandale geht vorbei. Was dauerhaft bleibt und viel gefährlicher ist, ist die tiefe Niedertracht, mit der sich die beiden politischen Lager inzwischen gegenüberstehen. Wenn die halbe Bevölkerung die andere Hälfte nur noch als Feind betrachtet, ist der Schaden für das Land um ein Vielfaches größer als jeder kurzfristige Krawall von Extremisten. Das ist das eigentliche Gift für unsere Gesellschaft.
Ja – aber wer hat denn damit angefangen? Nicht einmal Christen schaffen es dauerhaft jemandem die andere Wange hinzuhalten, der einem das Existenzrecht abspricht. Außerdem ist es eben auch wahr, dass die heutige linke Politik eben keine gleichwertige Alternative zu „rechter“, also konservativ-liberaler Politik mehr ist. Das war sie, vor allem im wirtschaftlichen Bereich, zwar niemals, denn Sozialismus und Marxismus führten immer in Unterdrückung, Krieg und Verelendung, aber zumindest gab es früher berechtigte Anliegen wie Arbeiterrechte, gerechte Aufstiegschancen usw., welche von der historischen Linken zu Recht vertreten wurden – auch wenn ihre Lösungsvorschläge meist falsch waren. Die heutige „linke Politik“… Mehr