Anschlag in Brandenburg: Wie verwundbar Deutschlands Stromnetz ist

Wie sicher ist die Stromversorgung in Deutschland? Die Kapazitäten gesicherter Stromproduktion gehen zurück, es wird weiter abgeschaltet, Nachbarländer müssen bei der Netzregelung helfen. Dann kommen noch Leute, die auf ihre Weise den Kohleausstieg vorziehen wollen – wie der Anschlag am brandenburgischen Umspannwerk Turnow-Preilack zeigt.

picture alliance/dpa | Frank Hammerschmidt
Jan Redmann (CDU), Innenminister von Brandenburg, und Martina Klement, Wirtschaftsministerin in Brandenburg, beim Pressestatement zum Anschlag in Turnow-Preilack, 01.09.2026

Am 1. September gab es einen weiteren Angriff auf unsere Stromversorgung. Medien sprechen von einem „mutmaßlichen Anschlag“. Nach dem Auffinden selbstgebastelter Raketen und explosiver Materialien kann man gesichert von einem Anschlag ausgehen, denn weder ein Unfall noch Fahrlässigkeit kommen hier in Betracht. Warum diese Wortakrobatik?

Offenbar selbstgebastelte Raketen in zweistelliger Zahl sollten leitfähiges Material zwischen die Leiterseile am brandenburgischen Umspannwerk Turnow-Preilack (Landkreis Spree-Neisse) schießen, so dass ein Kurz- oder Erdschluss erfolgt. Die Polizei spricht von USBV, unkonventionellen Spreng- und Brandvorrichtungen. Das war in einem Fall erfolgreich, so dass der Block B im Kraftwerk Jänschwalde über die Generatorschutzauslösung um 7:31 Uhr 500 Megawatt Leistung abwarf. Ein anderer Block mit gleicher Leistung lief ungestört weiter. Den wirtschaftlichen Schaden muss das Unternehmen LEAG tragen, denn der Strom des ausgefallenen Blockes war bereits vermarktet, er musste nun anderweitig über die Strombörse beschafft werden.

Der Chef der Bundesnetzagentur, Klaus Müller, weist im Interview darauf hin, dass keine Gefahr für das Netz bestand, weil „genug Erneuerbare“ einspeisten. Richtig ist, dass die Netzsituation entspannt war und genug Reserven verfügbar waren, falsch ist, dass die „Erneuerbaren“ die ausgefallene Leistung ersetzt hätten. Dazu wäre es nötig gewesen, dass sie kurzfristig die Leistung steigern könnten, was nicht möglich ist, da sie auf Grund des Einspeisevorrangs meist alles einspeisen, was die Naturkräfte hergeben.

Das Umspannwerk in Turnow-Preislack führt den Strom des Kraftwerks Jänschwalde, früher eines der größten Kraftwerke Deutschlands, ins Landesnetz ab. Sechs Höchstspannungsleitungen (400 Kilovolt) der einzelnen Kraftwerksblöcke enden dort. Über Sammelschienen erfolgt die Verteilung nach Neuenhagen bei Berlin, Graustein bei Spremberg (Brandenburg) und Streumen in Sachsen. Von dort wird der Strom zumeist weitergeleitet in Richtung Thüringen/Hessen und weiter nach Süddeutschland. Fast durchgehend liefert der Nordosten Deutschlands in den Südwesten, von sonnenreichen Tagen abgesehen.

Wäre das Kraftwerk mit der noch verfügbaren Leistung von 1.500 Megawatt am Netz gewesen und es wäre durch den Anschlag gelungen, alle drei Blöcke vom Netz zu trennen, hätte dies erhebliche Wirkung im Netz gehabt. Europaweit stehen 3.000 Megawatt Primärregelleistung zur Verfügung, die kurzfristig in solchen Störfällen aushelfen können. Es wäre immerhin die Hälfte der gesamten europäischen Reserveleistung, die dann in Anspruch hätte genommen werden müssen und im Fall von zeitnahen Störungen in anderen Regionen wäre eine kritische Situation nicht nur im deutschen, sondern im gesamten europäischen Netz möglich gewesen.

Nach den Anschlägen auf die Stromversorgung von Tesla im März 2024, in Berlin-Johannisthal im September 2025 und in Berlin-Lichterfelde im Januar 2026 zeichnet sich eine gefährliche Lage ab. Spezialisten wie Roderich Kiesewetter (CDU) brachten im Fall Lichterfelde sofort den allschuldigen Putin ins Gespräch, was in einem Bekennerschreiben der Vulkan-Gruppe sofort zurückgewiesen wurde. Man lässt sich nicht eigene Erfolge wegnehmen. Die polizeilichen Ermittlungen führten bisher nicht zum Erfolg.

Vor Ort in Turnow-Preilack wurde kein Pass mit kyrillischen Buchstaben, kein Portemonnaie mit Rubeln und keine leere Wodkaflasche gefunden. Die Vulkangruppe kommt als Täter in Frage, allerdings spricht die eher laienhafte Ausführung mit selbstgebastelten und teils nicht funktionsfähigen Raketen, ähnlich Silvesterraketen, eher für Trittbrettfahrer. Zudem fehlt bisher ein Bekennerschreiben, das die Vulkangruppe früher in verschwurbelten Formulierungen selbstgefällig lieferte. Es gibt leider genug irre, meist junge Menschen, die mit solchen Aktionen ihr verqueres Weltbild umsetzen wollen.

30 Jahre Hass und Hetze gegen Kohle und Kernkraft zeigen Wirkung. „Scientists for Future“, „Teachers for Future“, militante Gruppen wie „Ende Gelände“ und zahlreiche Mitglieder der „Klimaallianz“ inklusive kirchlicher Gruppen indoktrinierten Kinder und Jugendliche ohne jedes Maß und fernab der energiewirtschaftlichen Realitäten. „Fridays for Future“ wurde in den regierungsbegleitenden Medien kritiklos gehypt und Teile der Energiewirtschaft wurden schlicht dämonisiert. Schülerstreiks bejubelte man, obwohl sie Bildung verhinderten. Nun sind die Schulstreiker älter geworden und ihre Demos hatten keinen Erfolg. Im Buch „Klimadämmerung“ formulierte ich es so: „Fähnchen schwenken wird den Kindern und Jugendlichen bald nicht mehr reichen … Aktivitäten sind angesagt …“

Leider wird dieser Anschlag wohl nicht der letzte sein. Potenzielle Angreifer aus Moskau, Peking oder Teheran brauchen keine Raketen schießen, wir demontieren uns selbst. Unter anderem mit Silvesterraketen. Dagegen helfen keine Patriots.

Update: An einem Umspannwerk in Bergheim im nordrhein-westfälischen Rhein-Erft-Kreis ist es in der Nacht zu Mittwoch zu einem Großeinsatz der Polizei gekommen. Die Polizei Essen übernahm die Ermittlungen, nachdem es zu einem Kurzschluss und dem Ausfall mehrerer Stromleitungen gekommen war. Die Polizei geht von einer vorsätzlichen Tat aus und nicht von einem technischen Defekt. Sie prüft mögliche Zusammenhänge zum Sabotageakt am Stromnetz in Brandenburg.

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Kommentare ( 49 )

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Harry Hirsch
8 Tage her

Vielleicht sollte man endlich mal die Alimentation der linksextremen NGOs einstellen und deren Anhänger einer sinnvollen Arbeit zuführen, dann hätten sie auch keine Zeit mehr Deutschlands Infrastruktur in Schutt und Asche zu legen.

man without opinion
8 Tage her

Moin,
Es passiert gerade genau das, was mich seit Jahren umtreibt.
Wieso verüben Terroristen üble Mordanschläge?
Eine bessere Silvesterrakete mit 10m Draht über eine Stromleitung geschossen, bindet dutzende Fachleute mindestens über Stunden. Im Falle einer sensiblen Örtlichkeit womöglich mehr Schaden als ein Volltreffer ballistischer Rakete.
Ich will hier gar nicht aus der Schule plaudern.
Und da faselt Pistolius von kriegstauglichkeit. Wir sind nicht mal resilient gegen Gleichstellungsbeauftragte.
LG

Nibelung
8 Tage her

Das können nur die Russen gewesen sein und wird die gleiche Arie werden wie in Leibzig, wo gleich der Verdacht im Raume stand, die Russen seien es gewesen und dann hatte man zunächst Hinweise um den Vorgang zum Laufen zu bringen, ohne glaubhafte Verdachtsmomente um es danach zu bestätigen daß es welche waren aus dem östlichen Raum, wo man gleich den Teufel an die Wand malen kann, was glaubhafter wäre, als die kriminalistischen Fähigkeiten, die sich ein Gespenst malen, was man vor aller Öffentlichkeit fast gehabt hätte und trotzdem entschwunden ist und welch ein Glück, denn dann hätte eine Anklage… Mehr

Antti Stulzky
8 Tage her

Die Ermittlung gegen die Vulkangruppe verlaufen ergebnislos.
Wären sog. Reichsbürger involviert, dann sähe das anders aus.

bfwied
8 Tage her

Es wird von Tag zu Tag spannender mit einem vorläufigen Höhepunkt ab Sonntag Abend! Zweifellos werden im Falle einer unerwartet großen befürchteten AfD-Mehrheit die Links-Idioten blind vor Wut und Denkfähigkeit dreinschlagen, worauf auch immer. Lahmlegen, was auch immer geht zur Strafe für „falsche“ Wahl, warum nicht auch Tote, wäre nicht das erste Mal durch Ideologen. Von Berlin wird nur Beschönigung und Verständnis kommen, stammen schließlich aus dem gleichen Tümpel. Es war, ist und wird dasselbe Spiel gespielt: erdichtete Provokation von Rechten, den „Antidemokraten“, den „Antifreiheitlichen“, es ist wie mit all den Morden, für die die Täter gar nichts können, für… Mehr

ceterum censeo
8 Tage her

Auch hier im Hinterkopf, daß die Wahl in S-A vor der Tür steht. Man kann sich schon mal auf weitere „Events“ von der Vulkangruppe etc. vorbereiten, wenn die AFD tatsächlich die Mehrheit bekäme. Androhungen auf Indymedia und Kontrapolis sprechen umfänglich dafür. Eine Regierung unter Schmidt kämpfte seinerzeit gegen die linksautonomen Terroristen. Eine Regierung unter Antifant Klingbeil kämpft mit den Terroristen…

Schwabenwilli
8 Tage her

„. Es gibt leider genug irre, meist junge Menschen, die mit solchen Aktionen ihr verqueres Weltbild umsetzen wollen“

Vorbilder haben sie in der Politik ja genug.

ErwinLoewe
8 Tage her

Profis, die das Elektrizitätssystem kennen, schießen nichts Leitfähiges in Höchstspannungsleitungen oder basteln Raketen zusammen. Profis genügen nur ein paar gleichzeitige Angriffe auf bestimmte Stellen und das System bricht zusammen.

ErwinLoewe
8 Tage her
Antworten an  ErwinLoewe

Aha. Alles Moskau?

depa
8 Tage her
Antworten an  ErwinLoewe
  1. Es gibt viele Arten Freileitungen zu sabotieren. Vieles wurde schon gemacht, noch mehr ist möglich: hier eine Auswahl: Masten sprengen, Übergänge zu Erdkabeln abfackeln, Leitungen kurzschließen, Umspannwerke sabotieren, Brennstoffversorgung unterbrechen usw. Wichtig nur für den Saboteur: es muß funktionieren. Ob der Schaden schnell oder schwer zu reparieren sein soll, hängt von den Interessen des Auftraggebers ab.
  2. Unsere Infrastruktur ist extrem anfällig gegen jede Art von Sabotage, Redundanzen nicht vorhanden. Es muß dabei noch nicht mal was ernsthaft beschädigt werden ( z Bsp Brücken), es reicht der Anschein. Den Rest besorgt die deutsche Bürokratie.
ErwinLoewe
8 Tage her
Antworten an  depa

Das Elektrizitätssystem hat Redundanzen, die das System betriebliche, wetterbedingte und auch einzelne Störungen infolge Einwirkungen Dritter beherrschen lassen.
Das Elektrizitätssystem war von Anbeginn an bis ungefähr Mitte der 1980er, mit Ausnahme kriegsbedingter Ereignisse, von Attacken verschont geblieben. Erst danach gab es einige Anschläge auf z. B. Höchstspannungsmaste, die zu punktuellen Sicherungsmaßnahmen führten.
Heute haben wir eine ganz andere Qualität der Bedrohung des Elektrizitätssystems, die Deutschland und auch benachbarte Länder ins Chaos führen können, wenn nicht sofort begonnen wird, diese Organisationen zu zerschlagen und die Mitglieder in Sicherheitsverwahrung zu bringen.

depa
7 Tage her
Antworten an  ErwinLoewe

Na ja, mit den Redundanzen in Berlin hat es anscheinend nicht so funktioniert, ebenso als damals die Leitung über die Ems? ausfiel. Dabei sind die Umspannwerke an Kraftwerken der Knackpunkt, wenn ich da den richtigen Zeitpunkt zur Sabotage nutze, dann geht in ganz Europa das Licht aus.

ErwinLoewe
7 Tage her
Antworten an  depa

Fachmann des Elektrizitätssystems? Dann werden die ENTSO-E-Regeln ja bekannt sein.

Mike76
8 Tage her
Antworten an  depa

Bitte mal die IP des Verfassers des Original-Beitrags ermitteln lassen. Scheint offensichtlich kein harmloser Geselle zu sein.

Chevalier
8 Tage her

Das ist ja nicht der erste Anschlag aufs Stromnetz. Und der erste wurde durch extreme Linke verübt. Der Schluss liegt nahe, dass es hier auch so war, oder Klima-„Aktivisten“ in der Nähe des Kohlekraftwerks…?

Siggi
8 Tage her

Die Anschläge in Köln und MV gehen wohl auf das Konto der grünextremen Vulkan-Gruppe.