Der Delta-Lockdown im Landeanflug: Und jetzt alles nochmal von vorne?

Aktuell scheint das Lockdown-Lager angesichts niedriger Inzidenzen verschwunden. Doch die Meldeinzidenzen werden eher früher als später steigen. Bis dahin müssen die Mythen der Corona-Politik fallen, sonst droht das Desaster von vorne zu beginnen.

IMAGO / Future Image

Die Corona-Infektions- und Todeszahlen sinken und sinken, aber es gibt da so eine brandgefährliche Variante, die sich ganz rasant ausbreitet. Man weiß zwar nicht, ob sie gefährlicher ist, es wäre auch nicht wirklich naheliegend, aber man muss ja schließlich auf Nummer sicher gehen. Also kommt der nächste Lockdown. Was heißt der nächste: Der alte Lockdown wird einfach verlängert. Kommt Ihnen das bekannt vor?

Merkel sagt jetzt, wir müssten „alles versuchen“ um die vierte Welle zu verhindern. Damit ist eigentlich alles gesagt. Bereits Ende Mai kündigte sie in Bezug auf die Bundesnotbremse an: „Sollte sich etwas entwickeln durch Mutationen, was wir alle nicht hoffen, dann können wir das jederzeit reaktivieren“. Und täglich grüßt das Murmeltier.

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Und tatsächlich: Angesichts der steigenden gemeldeten Infektionszahlen im Vereinigten Königreich, angesichts der sich ausbreitenden „Delta-Variante“ scheint es nur eine Frage der Zeit zu sein, bis eine „vierte Welle“ kommt. Die Frage ist nur: Was bedeutet es, wenn die gemeldeten Infektionszahlen steigen? Bei der mit den ähnlichen Horrorfloskeln angekündigten „dritten Welle“ stiegen die Corona-Todeszahlen insgesamt in Deutschland nur geringfügig an. In Indien, wo Delta ja bekanntlich „wütete“, bleiben die Todeszahlen auf die Bevölkerung gerechnet weit unter deutschem Niveau. Die Frage ist, wie gefährlich eine vierte Welle wirklich für die Bevölkerung ist.

Was passiert, wenn die Inzidenz wieder steigt?

Inzidenz bedeutet Tote, das hat sich bis heute gehalten. Trotz neuer Studien, trotz den Kurvenverläufen in zahlreichen Ländern im letzten Jahr, die eine andere Sprache sprechen. Selbst im Lager der Lockdownkritiker machen es sich die meisten bequem und argumentieren jetzt allein mit der gegenwärtig niedrigen Inzidenz. Allerdings ist ein Aussetzen des Lockdowns bei niedriger Inzidenz keine Abkehr vom Lockdown-Kurs. Da widerspricht nicht mal mehr Karl Lauterbach. Die Frage ist: Was passiert, wenn die Inzidenz wieder steigt? Das wird eher früher als später geschehen. Doch die Frage will sich keiner stellen, man sonnt sich lieber in neuen Minimalrekorden: Wieder ein Kreis bei Inzidenz 0, wieder ein Bundesland unter 5.

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Dabei liegen die Fakten längst auf dem Tisch: Dass die gemeldeten Intensivbettenkapazitäten künstlich nach unten manipuliert wurden, dass die Meldeinzidenz wenig bis keine Aussagekraft besitzt, dass Lockdowns kaum oder gar nicht wirkten – das ist alles bekannt. Doch es wird getrost ignoriert, weil man es ignorieren kann.

TE fragte das RKI, wie man es denn noch vertreten könne, die DIVI-Zahlen zu den Intensivkapazitäten einfach weiter zu vermelden, wo doch der Bundesrechnungshof nachgewiesen hat, dass das RKI selbst bereits im Januar gegenüber dem Gesundheitsministerium die Ansicht äußerte, die Zahl sei ohnehin nicht mehr aussagekräftig. Antwort: „Das Intensivregister hat zu jeder Zeit belastbare Daten zur Bewertung der Pandemie und der Lage auf den Intensivstationen bereitgestellt.“ Was ist das? Bewusste Realitätsverweigerung?

Dazu kommen ungemütliche Nachrichten aus England, über die TE schon vor einer Woche berichtete, die mittlerweile aber sogar Karl Lauterbach aufgriff: Daten des englischen Gesundheitsamtes lassen allerdings Negatives vermuten. Demnach wurden von den insgesamt gut 60.000 registrierten Delta-Infizierten über 17.500 vorher einfach oder doppelt geimpft, das sind immerhin knapp 30 Prozent. Bei den Toten ist es noch gravierender: Von den 73 hier registrierten Toten (mit oder an der Delta-Variante) waren 37 vorher geimpft worden – also gut 50 Prozent. Nimmt man nur die zweifach Geimpften ist es noch eindeutiger: Hier ist das aus diesen Zahlen hervorgehende Sterberisiko gemessen am Bevölkerungsanteil für zweifach Geimpfte sogar höher als das für Ungeimpfte.

Wenn die Mythen von Triage, Inzidenz & Co. jedenfalls nicht fallen, ist der nächste Lockdown programmiert. Im Strom der Panik, unter dem Eindruck nach oben zeigender Diagrammkurven, werden auch die Gemäßigten umfallen, wie schon die Male zuvor, sofern es nicht gelingt, die Instrumente der Pandemie-Politik als das zu entlarven, was sie sind: Realitätsfern.

Die Agenda der letzten Merkel-Tage ist klar. Erst wenn die Corona-Ära abgeschlossen ist, wird man genauer hinschauen, was schief gelaufen ist. Solange man den Ball im Spiel halten kann und die Leute in latenter Panik, wird die Aufarbeitung gelähmt – es wird versucht, die Negativfolgen auf die nächste Regierung zu schieben.

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Kommentare ( 43 )

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Gisela Fimiani
5 Monate her

Um welch ein Gewinde muß es sich hier handeln, in dem sich keine Schraube überdrehen läßt? Das Gewinde heißt – Deutschland -.

Mayor Quimby
5 Monate her

Erst wenn die Corona-Ära abgeschlossen ist… Wann ist das? BK Frau Dr. Merkel bei einer gemeinsamen Klausur der Spitzen von CDU und CSU zum Wahlprogramm der Union in Berlin, am 21.06.2021 vermeldet (nicht mehr leicht zu finden, etwa hier): https://www.rnd.de/politik/corona-zahlen-sinken-angela-merkel-warnt-vor-uebermut-WJHSNX3LYXNCOA3KO2TOANDQVI.html > Die Pandemie werde erst zu Ende sein, wenn die ganze Welt geimpft sei. „Wir müssen an den Rest der Welt auch denken“, sagte Merkel demnach. Offenbar hat sie eine dahingehende Äußerung – die Pandemie ist nicht vorbei, bevor nicht alle Menschen auf der Welt geimpft sind – schon auf dem G7 Gipfel getan, wie am 19. Februar 2021 berichtet… Mehr

Harrycaine
4 Monate her
Antworten an  Mayor Quimby

Ich schlafe erst wieder gut, wenn diese Frau einschließlich ihrer Schergen für ihre Taten vor Gericht gestellt werden. Wer immer noch meint, dass es hierbei wirklich um Gesundheit geht, wird es wohl nie verstehen. Wenn man sich die aktuellen Entwicklungen in Australien anschaut, kann sich ausmalen, was uns im Winter droht..und zwar total unabhängig davon, wie sich die Bürger jetzt verhalten und ob und wie lange der nächste Lockdown dauern wird.

dill
5 Monate her

Leider völlig richtig. Unsere wöchentlichen Kundgebungen gegen die Corona-Maßnahmen haben wir erstmal ausgesetzt. Aus der Bevölkerung kamen zunehmend Reaktionen wie „was wollt ihr eigentlich, ist doch alles wieder offen“. Maskenpflicht, Erfassung von Kontaktdaten, Testpflicht als Preis der Öffnung werden von Besuchern, Veranstaltern und Inhabern achselzuckend hingenommen („muss ja sein“) , nicht einmal gegen die damit verbundenen Umsatzeinbußen rebellieren die Geschäftsinhaber. Und das ganze ist auch keine „Michel“-Spezialität sondern scheint sich in den meisten zivilisierten Ländern so oder ähnlich abzuspielen. Ich sehe darin einen traurigen und erschreckenden Massenwahn: eine inszenierte Pandemie der Testergebnisse, basierend auf Panik und Hysterie, welche von der… Mehr

Harrycaine
4 Monate her
Antworten an  dill

leider wahr und je höher der eigene Status, umso mehr wird im Gleichschritt mitmaschiert. Die soziale Fallhöhe ist dann wichtiger als die Maßnahme selber.

lexus1
5 Monate her

Ich fürchte auch, der Zug ist abgefahren. Selbst hochgebildete und technisch Versierte in meinem Bekanntenkreis sind nicht in der Lage, simpelste Zusammenhänge zu verarbeiten, beispielsweise, daß OP-Masken keine Aerosolverbreitung von Viren verhindern können, da deren Poren schlicht größer sind als Viren und der Atem ja trotzdem irgendwo hin muss. Etwas weniger Tröpfchen? Geschenkt. Dahin kommt man in der Diskussion gar nicht. „Masken schützen“ ist einer der Glaubenssätze, die nun in den Hirnen verankert sind wie die „Leichenberge in Bergamo“, die überall drohen müssen, wenn man nicht folgsam ist. Man kann Kontrollgruppen ins Feld führen, wie man will, es bleibt dabei.… Mehr

Kassandra
5 Monate her
Antworten an  lexus1

Kann man sich leider nicht ausmalen, die Zukunft. Denn mit derart Unpässlichen, die Merkel willkommen heißt, kann man keinen Staat machen.

Politkaetzchen
5 Monate her

Srry bis Herbst die Corona Mythen aus dem Weg zu schaffen ist ungefähr so als würde man die Menschen des Mittelalters an einem Tag zu verklickern versuchen, dass die Erde keine Scheibe ist.

Die Leute sind viel zu verblödet und zu stolz drauf sich allen Vorgaben zu unterwerfen.

Dozoern
5 Monate her

Das Spiel ist klar: Zeit gewinnen, weiter drohen und die Notbremse in Reserve halten. Nicht weil die Virusvarianten eine Bedrohung wären, sondern damit der Schwindel nicht auffliegt. Dabei krachen unter der Last der wissenschaftlichen Untersuchungen (ja die gibt’s noch!) eine nach der anderen der kruden Theorien & Maßnahmen zusammen, das spornt die Lockdown & Impfkamarilla unter den Medien & Politikmachern nur noch mehr an. Man muss jetzt unbedingt die Oberhoheit über das Narrativ behalten! Weil auch die BOOSTER- Impfungen der Pharma – Gang schon fest eingeplant sind. Und weil niemand der Corona – Gangster zugeben wird, dass alles nur ein… Mehr

Last edited 5 Monate her by Dozoern
Harrycaine
4 Monate her
Antworten an  Dozoern

Ich denke mal das 5% der Menschen machtgeil, korrupt und gewissenlos sind, denen aber 80% Opportunisten jeden Weg folgen, solange der Sommerurlaub gesichert ist, die Bundesliga wieder pünktlich startet oder einfach nur persönliche Vorteile bringt. Die restliche Bevölkerung lässt sich von dieser Propaganda zwar nicht um den Finger wickeln, kann aber alleine nichts ausrichten.

Renegade
5 Monate her

Es wurde von Anfang an vorhergesagt, dass Corona ansteckender, aber vermutlich auch harmloser werden wird. Dass die Delta-Variante tatsächlich harmloser ist, scheint sich immer mehr zu zeigen:
– Alexander Kekulé: Ansteckender, aber weniger tödlich Alexander Kekulé: Warum Panik vor Delta-Mutation übertrieben ist – FOCUS Online
– Klaus Stöhr: Erkrankungsschwere scheint vierfach geringer zu sein Delta-Variante: Virologe sieht keine dramatischen Folgen für Corona-Pandemie | MDR.DE

Kassandra
5 Monate her
Antworten an  Renegade

„Viren sind nicht das Problem-bleiben Sie besonnen!“
Das fand ich, als ich das erste Mal Dr. Wodargs Seite besuchte – und das steht dort auch noch heute über allem!

chris
5 Monate her

Erst wenn die Corona-Ära abgeschlossen ist, wird man genauer hinschauen, was schief gelaufen ist.

junger Mann, wovon träumen Sie nachts? Wer ist dieser ominöse man, der genauer hinschauen wird? Schauen Sie sich bitte einmal um: auf der ganzen Welt läuft dieselbe Sause, mal schlimmer, mal weniger schlimm, mit ganz, ganz wenigen Ausreißern (Madagaskar!). Deutschland selber ist fest in der Hand der Abschaffer und der Michel frißt, was ihm geheißen wird. Hier wird sich aller Voraussicht nach nichts ändern, und niemand wird irgendwo hinschauen.

egalo
5 Monate her
Antworten an  chris


genauso ist es!
Die hören erst auf, wenn kein Stein mehr auf dem anderen steht; das ist nicht sinngemäß, sondern wörtlich gemeint.

Last edited 5 Monate her by egalo
Dozoern
5 Monate her
Antworten an  chris

Niemand wird irgendwo hinschauen, wenn die Mächtigen das nicht wollen! Wer sollte das denn sein? Die politisch abhängigen Richter? Die Medien, die an vorderster Front kämpften? Die Ärzte und Wissenschaftler, die wider besseres Wissen mitgemacht haben? Die 75 % der Bevölkerung, die dahinter stehen? Und selbst wenn es Klagen beim EUGH gäbe, wie die ausgehen wissen wir doch, in Sachen Staatsschulden und Eurosystem…

Biskaborn
5 Monate her

Solange die Mehrheit der Deutschen an Merkels und Lauterbachs Lippen hängen wie Fliegen am Fliegenfänger und die einzige Informationsquelle für diese Mehrheit das ZDF und ARD mit seinen täglichen Panikgeschichten sind, wird sich an der benannten Realitätsferne nichts ändern. Mein Eindruck, man sehnt die nächste Welle förmlich herbei, nimmt Einschränkungen gern in Kauf. Sagen wird das so offen kaum jemand, aber die meisten Deutschen haben sich längst an den Entzug ihrer Freiheiten gewöhnt und glauben so müsse es sein. Wir retten die Welt!

Talleyrand
5 Monate her

Ich habe das schon mehrfach angeregt: Wir sollten, sofern wir die Ergebnisse der Coronatests als das nehmen, was sie sind, nämlich unbrauchbar, konsequent den Begriff „INFIZIERTE“ vermeiden. Das führt schlichte Gemüter in die Irre und verfestigt das öffentlich gepflegte Narrativ von der „Pandemie“. Also bitte, etwas mehr Denkhygiene.