Die Delta-Panik und der nächste Lockdown 

Eine neue Panik geht um: die Delta-Variante. Es gibt keinen Grund, eine Katastrophe zu befürchten – doch die Politik holt schon zum nächsten Lockdown aus. Neue Daten aus Großbritannien stellen die Wirksamkeit der Impfstoffe fundamental infrage.

IMAGO / Steinach

NDR Info klärt auf mit einem Faktenposting: „Darum ist die Delta-Veriante so gefährlich.“ Darin heißt es, dass die Symptome mit Kopfschmerzen, Schnupfen und rauer Kehle anders seien, als bei den vorherigen Varianten. Gerade aufgrund dieser Symptome – und jetzt kommt’s – werde die Infektion insbesondere bei jungen Menschen oft als Erkältung abgetan. Das heimtückische daran: „U.a. wegen diesen Eigenschaften verbreitet sich die Delta-Veriante so schnell“. 

Wir schreiben das Jahr 2021, eine Krankheit ist hoch gefährlich, weil man oft gar nicht merkt, dass man sie hat. Was zunächst nach einem Scherz klingt, ist bittere Realität. Denn „Delta“ ist mittlerweile das Hauptargument, warum Lockerungen gebremst werden und manche, mittlerweile gut bekannte Wissenschaftler, Journalisten und Politiker offenbar den nächsten Lockdown herbeireden. Lissabon wurde bereits abgeriegelt, Großbritannien verschiebt die Lockerungsschritte um vier Wochen. Hessen Ministerpräsident Bouffier sagte: „ob wir eine vierte Welle bekommen und wieder zu Kontaktbeschränkungen zurückkehren“ sei nicht ausgeschlossen. 

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Doch was weiß man denn nun von der Delta-Variante? Eigentlich relativ wenig. Die Delta-Variante scheint ansteckender, aber nicht tödlicher zu sein. Die Studienlage ist dünn, aber da sich die Delta-Variante tatsächlich schnell ausbreitet und die anderen Varianten verdrängt, scheint die erhöhte Infektiosität Tatsache zu sein. Die Situation erinnert ein wenig an den Ausbruch der Alpha-Variante (früher bekannt als britische Mutante): Auch über sie prophezeiten manche, die Fallzahlen würden explodieren – doch die Infektionen stiegen, die Zahl der Toten aber kaum. Fast überall, wo diese Variante „wütete“, sank die Fallsterblichkeit auf ein Rekordtief. Bis heute ist das wissenschaftlich nicht restlos aufgeklärt: Studien legen aber nahe, dass Alpha auf keinen Fall gefährlicher war als der Ursprungstyp. 

Eine solche Entwicklung ist grundsätzlich logisch. Bereits am 18. Februar wies TE genau auf eine solche voraussichtliche Entwicklung hin „Es gibt nämlich keinen evolutionären Druck in Hinblick auf die Selektion von Viruspopulationen mit verstärkter Pathogenität. Der evolutionäre Druck richtet sich vielmehr ausschließlich auf die Selektion von Populationen mit erhöhter Virulenz (Ansteckungsgefahr). Erhöhte Pathogenität wäre sogar ein negativer Selektionsfaktor, weil die Infizierten isoliert werden und dann das Virus nicht weiter verbreiten können.“ schrieb damals der Molekularbiologe Prof. Dr. Wolf-Dieter Schleuning an dieser Stelle.

Manche Viren werden mit der Zeit tendenziell harmloser und dann genau deshalb infektiöser, weil eine Infektion eben gar nicht mehr auffällt. So wurde aus einst schweren Krankheiten mit der Zeit ein Schnupfen. Den gleichen Weg könnte Corona ebenfalls gehen. 

Gemeldete Corona-Tote der sogenannten ersten, zweiten und dritten Welle

Es ist insofern überhaupt nicht verwunderlich, dass eine neue Welle kommt – allerdings eine Welle an Infektionen, nicht unbedingt an Toten. Das zeigte sich bei der britischen Variante ja ebenfalls. Als in Deutschland Anfang des Jahres die „zweite Welle“ zu Ende ging und die Zahlen bereits sehr niedrig waren, verbreitete sich die B117-Variante schnell und sorgte für die sogenannte „dritte Welle“ – die allerdings nur bei den Infektionen zu erkennen war, die Todeszahlen blieben niedrig und unter dem Niveau einer herkömmlichen Grippe-Welle. Womöglich wird die vierte Welle ähnlich verlaufen, vielleicht wird dieser Effekt noch extremer – mehr Infektionen, weniger Tote. 

Die schlimmen Bilder aus Indien waren in erster Linie ein Produkt des desolaten indischen Gesundheitssystems – insgesamt hat aber auch Indien auf die Bevölkerung gerechnet nie mehr Corona-Tote zu verzeichnen gehabt als Deutschland. 

Brisante Daten aus England: zweifach Geimpfte sterben öfter an der Delta-Variante als Ungeimpfte

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Ein Punkt ist bei Delta allerdings offen: Wie wirksam die Impfstoffe noch sind. Zwar gibt es erste Studien, die zumindest nahelegen, dass die Impfung vor schweren Verläufen schützt. Daten des englischen Gesundheitsamtes lassen allerdings Negatives vermuten. Demnach wurden von den insgesamt gut 60.000 registrierten Delta-Infizierten über 17.500 vorher einfach oder doppelt geimpft, das sind immerhin knapp 30 Prozent. Bei den Toten ist es noch gravierender: Von den 73 hier registrierten Toten (mit oder an der Delta-Variante) waren 37 vorher geimpft worden – also gut 50 Prozent. Nimmt man nur die zweifach Geimpften ist es noch eindeutiger: Hier ist das aus diesen Zahlen hervorgehende Sterberisiko gemessen am Bevölkerungsanteil für zweifach Geimpfte sogar höher, als das für Ungeimpfte. Public Health England schreibt dazu: es wäre „zu früh, um eine formale Bewertung der Todesfälle von Delta, stratifiziert nach Alter, im Vergleich zu zu anderen Varianten auszuweisen.“ Es ist also noch eine sehr kleine Datenbasis – dennoch ist der Trend beunruhigend.

Auf TE-Anfrage, ob entsprechende Daten oder Schätzungen in Deutschland vorlägen, erklärte das Robert-Koch-Institut: „Eine Einschätzung zur Mortalität von Delta kann noch nicht gegeben werden. Die Verbreitung von Delta ist in Deutschland erst seit wenigen Wochen zu beobachten.“

Die Politik scheint trotz dieser noch sehr ungenauen Datenlage weiterhin fest auf die Impfung zu setzen. Die Strategie bleibt wohl: Lockdown bis zur Durchimpfung. Dabei zeigt gerade Delta, dass das eben genau der falsche Weg ist. Hinter diesem Konzept steht am Ende die NoCovid-Idee – irgendwann, so glaubt man, könnte man Corona von der Landkarte tilgen. Das ist ein schwerwiegender Irrtum: Corona mutiert immer weiter und scheint so auch mittelfristig den Impfschutz umgehen zu können.

Corona wird bleiben – es wird aber womöglich immer harmloser. Corona war – das haben sowohl die neuesten Studienergebnisse über die Ergebnisse der PCR-Tests als auch der Skandal um die manipulierten Intensivbettenstatistiken gezeigt – nie so gefährlich, dass ein Lockdown gerechtfertigt war. Ob ein solcher überhaupt wirksam ist, sei mal dahingestellt. Delta führt die Lockdownstrategie so oder so ad absurdum. Denn ein neuer Lockdown jetzt, würde den Lockdown für immer bedeuten. In einer alternden Gesellschaft mit schwächelndem Gesundheitssystem kann auch die nächste Grippewelle schon zu fundamentalen Problemen führen.

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Kommentare ( 114 )

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114 Comments
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Montesquieu
5 Monate her

Genau Herr Türkis. Nachdem sich offensichtlich 18 Monate lang kaum noch einer mit einem Influenzavirus auseinander setzen musste, wird die nächste Ernte vermutlich wirklich von der Influenza eingefahren. Aber das können wir ja, wie wir gelernt haben, durch „anständiges“ und „solidarisches“ Verhalten vermeiden. Wir lassen uns einmauern, wie weiland die Menschen während der Pest in Florenz. Zweimal am Tag kommt nach dem Finale der Preludes im Volxgesundheitsempfänger das tägliche RKI-Bulletin über den infektiologischen Frontverlauf, gefolgt von aufbauenden Ansprachen zum Tage von Christian, Karl und Muddi. Maske auf zum Gebet! Gut, dass wir die lebensrettenden Ausnahmeverordnungen schon auf dem Tisch liegen… Mehr

Sinnerer
5 Monate her

In Israelischen Zeitungen gibt es gerade viele Meldungen zu einer neuen Corona-Welle. Verantwortlich sollen „die Killer-Mutante“ einschleppende“ Flugreisende und die noch ungeimpften Kinder sein. Deshalb hat Israel jetzt mit der Begründung der Delta-Variante die Impfung der 12-15-jährigen zugelassen. Wem nützt also der Narrativ um die Delta-Variante?

https://www.haaretz.com/israel-news/bennett-israel-facing-new-coronavirus-outbreak-1.9930027

Seltsamerweise werden in Israel wie in Deutschland und UK nur die „Infektionszahlen“ genannt, keine Todeszahlen. Bei Ourworldindata sieht man, dass die Covid-Todesrate in Israel genauso wenig steigt wie in den anderen Ländern der Nordhalbkugel.

Und übrigens sind auch in Israel 30% aller „Delta-Infizierten“ doppelt geimpft.

Kappes
5 Monate her

Köstlich! Ca die Hälfte der Todesfälle in Brittanien waren geimpfte Mensch, die andere Hälfte der Toten war nicht geimpft. Wenn man nun bedenkt, dass nur ca ein Drittel der Bevölkerung geimpft ist, würde dies bedeuten, dass die Gefahr einer tödlichen Erkrankung für geimpfte Menschen doppelt so hoch ist wie für nicht geimpfte Menschen. Ich werde die Nähe zu geimpften Menschen zukünftig meiden. Die könnten ja gefährlich sein. Wer weiß? Vielleicht verbreiten die ja mehr Viren?

Dieter Kief
5 Monate her
Antworten an  Kappes

GB hat bevorzugt die Risikogruppe geimpft, Kappes.

Simrim
5 Monate her

Eine Krankheit bei der man sich testen lassen muss um zu wissen dass man sie hat… Die Beifinanzierung der deutschen Medienlandschaft mit 5 Milliarden Euro durch Bill Gates scheint sich wohl zu lohnen hinsichtlich dem Verschweigen offensichtlicher Wahrheiten.

ktgund
5 Monate her

Ich schätze die immer sachlich fundierten und gut recherchierten Beiträge von Air Türkis sehr. In Bezug auf die Ausbreitung von Varianten und den Zusammenhang mit den Todesfällen möchte ich aber zwei Dinge anmerken: Der sog. „zweiten Welle“ ging ein massiver Anstieg des Testgeschehens voraus, das den Gesundheits- und Pflegesektor in den Blick nahm. So wurden nicht nur etliche Infektionscluster in Seniorenheimen „entdeckt“, es wurden dort auch Maßnahmen wie strikte Isolation, Personal- und Kontaktreduzierung sowie die Einleitung von Standardbehandlungen ohne sauberen klinischen Befund getroffen. Ob es einen Zusammenhang mit der Virusmutation gab, ist vollkommen spekulativ, es fehlen sowohl Vergleichsdaten als auch… Mehr

Michael Palusch
5 Monate her

dass die Symptome mit Kopfschmerzen, Schnupfen und rauer Kehle… Das hört sich ja ganz furchtbar an. Gibt’s denn dann gar keine Rettung mehr? Wenn’s einen so trifft kann man nur hoffen, dass es schnell endet. Wüsste nicht, welche bisherige Krankheit derart schreckliche Symptome auslöst, dagegen verblasst alles bisher Dagewesen. Ebola, MERS, MRSA, alles Schnee von gestern und vergleichsweise harmlos, jetzt kommt der Killer, jetzt kommt „Delta“! Mal im Ernst, kann das wirklich noch irgendwer für bare Münze nehmen? Man fühlt sich beim lesen solcher Aussagen intellektuell beleidigt, verspottet und verhöhnt. Ich komme mir vor wie ein 3Jähriger, welchen Angst vorm… Mehr

Last edited 5 Monate her by Michael Palusch
Thomas
5 Monate her
Antworten an  Michael Palusch

Eine grosse Mehrheit glaubt das.

Konrad Georg
5 Monate her
Antworten an  Michael Palusch

Ich bin 78, lasse mich weder testen noch impfen und wenn ich die genannten Krankheitszeichen feststelle, dann verlange ich von meiner Ärztin ein Rezept für Ivermectin oder Hydroxiechloroquin.
Mich würde ernsthaft interessieren, womit in den Krankenhäsern behandelt wird.

Gerro Medicus
5 Monate her

Ich schließe gerne eine Wette ab: Wetten, dass ungefähr drei bis vier Wochen vor der Wahl die „Delta-Infektionswelle so sehr wütet“, dass die Bundestagswahl keinesfalls mit Wahllokalen und Präsenzwahl durchgeführt werden kann sondern nur als Briefwahl?

Wolf
5 Monate her

omg, ich habe Delta & LongCovid – Kopfschmerzen, müde, der Hals kratzt, Schwitzen, Nase läuft und der Stuhl ist auch etwas weich – und ich dachte das kommt von zuviel Eis und kaltes, vom kalten Wasser in der Kneipanlage, von der Hitze und dem Wetterumschwung. Und mein Heuschnupfen hat sich dieses Jahr gar nicht gezeigt….. wo ist die nächste Teststation ?

Thomas
5 Monate her
Antworten an  Wolf

—wo ist die nächste Teststation ?—
Keine 20 Meter entfernt.

Kassandra
5 Monate her
Antworten an  Thomas

Ja. In der Entfernung voneinander sind sie sich in den Stadtzentren näher als die Spielhöllen.

Hannibal Murkle
5 Monate her

Müssen wir doch nicht alle an Delta sterben?

„Corona-Neuinfektionen in Indien sinken seit sechs Wochen – trotz Delta-Variante“

https://www.welt.de/vermischtes/article222523568/Corona-Neuinfektionen-in-Indien-sinken-seit-sechs-Wochen.html

Juergen P. Schneider
5 Monate her

Man kann eigentlich nur hoffen, dass die deutschen Untertanen langsam, aber sicher wach werden. Bei meinen Gesprächen im Familien- und Freundeskreis hat sich herausgestellt, dass viele sich eben nur wegen der Angst vor Ausgrenzung haben impfen lassen. Man will halt in Urlaub fahren oder in Konzerte gehen, deshalb unterzieht man sich einer Gentherapie, deren Langzeitfolgen niemand auch nur ansatzweise abschätzen kann. Wenn ich meine eigene Impfenthaltung argumentativ verteidige und als rationales Verhalten rechtfertige, kommen mittlerweile kaum noch Widerworte. Also denken alle entweder, dass ich ein hoffnungsloser Fall bin oder man gibt mir insgeheim Recht, will sich dies aber nicht eingestehen,… Mehr

Thomas
5 Monate her
Antworten an  Juergen P. Schneider

Meine Einschätzung ist, daß die Impffolgen mindestens das Ausmass der Aids Epidemie haben werden.
Da, wie man jetzt weiss, entgegengesetzt der anfänglichen Behauptungen der Akteure, die injezierten Spike Proteine nicht an der Einstichstelle bleiben, sondern sich im ganzen Körper verteilen, insbesondere in den Organen, werden jetzt schon die unterschiedlichsten gruseligen Reaktionen im Körper der Geimpften beobachtet.
Wenn sich jetzt noch herausstellen sollte, daß die Spike Proteine nicht wie behauptet nach einigen Wochen deaktiviert werden, sondern dauerhaft bleiben, ist der Sturm perfekt.

nomsm
5 Monate her
Antworten an  Thomas

Welche Aids-Epidemie? Unter heterosexuellen in der ersten Welt hat es die nicht gegeben. Ich bezweifel ob es überhaupt so möglich über vaginalen Geschlechtsverkehr (ohne Blutung) HIV zu bekommen.
Unabhängig davon gilt natürlich auch: Prävalenz, Häufigkeit der sexuellen Interaktion, Wechselnde Partnerschaften.