Schulzes rote Generalprobe: CDU in Sachsen-Anhalt öffnet sich zur Linkspartei

Sven Schulze holt Dieter Hallervorden in den CDU-Wahlkampf und überlässt ihm die Bühne für Angriffe auf die eigene Parteiführung und Israel. Der Auftritt weist den Weg: Sachsen-Anhalts CDU bereitet sich mit Hilfe der Linken auf den Machterhalt vor beziehungsweise auf das, was die Roten der CDU davon noch lassen.

picture alliance / Geisler-Fotopress | Agentur Wehnert/M. Gränzdörfer
Dieter Hallervorden und Sven Schulze beim Auftakt der Gesprächsreihe 'Kunst braucht Freiheit' im Capitol. Halle (Saale), 28.07.2026

Sven Schulze führt vor, was von der CDU nach ihrer jahrelangen freiwilligen Einweisung ins Brandmauerirrenhaus noch übrig geblieben ist. Sechs Wochen vor der Landtagswahl tourt der CDU-Spitzenkandidat gemeinsam mit Dieter Hallervorden durch Sachsen-Anhalt. „Kunst braucht Freiheit“ heißt die Veranstaltungsreihe, mit der Schulze einen prominenten Unterstützer präsentieren und die verbliebenen Machtpositionen seiner Partei retten will.

Hallervorden machte jedoch gleich klar, dass seine Unterstützung nicht der CDU gilt. Für Friedrich Merz werde er keine „Reklame“ machen, erklärte er. Bei Sven Schulze sei das etwas anderes. Auf der Leinwand erschienen Merz und Boris Pistorius, dazu Panzer, Bomben und zerstörte Städte. Hallervorden sang gegen Aufrüstung, nannte Pistorius einen „Kriegsminister“ und fragte, ob dieser selbst mitmarschiere, nachdem er seinen Sohn angeblich aufgefordert habe, im Krieg zu töten.

Schulze sitzt daneben und lächelt brav, während er den eigenen angeschlagenen Bundeskanzler sowie die Politik der Bundesregierung auf seiner Wahlkampfbühne von einem Linken vorführen lässt. Schulze ist irgendwie der Otto geworden, der er nunmal ist. Und dann für Fotos noch „Daumen gemacht“. Kann auch nicht jeder.

Der CDU-Wahlkampf in Sachsen-Anhalt ist die rotrote Generalprobe. Der CDU-Landesvorsitzende hatte Hallervorden zuvor ausdrücklich freie Hand zugesichert. Hinterher räumte er lediglich ein, manches sei vielleicht ein wenig „an der Grenze“ dessen gewesen, was man auf einer CDU-Bühne erwarten könne. Also der Steimle-Moment für die CDU.

Die Grenze verlief für Schulze offenbar auch dort noch nicht, wo Hallervorden den Israelhass auf die CDU-Bühne brachte. Hinter dem Kabarettisten erschienen Bilder einer Demonstration mit der Aufschrift „Stoppt den Völkermord in Gaza“. Hallervorden sang von „Tätern“ und davon, wegen solcher Aussagen zum Verräter und Feind erklärt zu werden. Der Mann inszenierte sich als verfolgter Wahrheitsverkünder, weil er die gegen Israel gerichtete Völkermord-Erzählung verbreitet. Schulze ließ ihn gewähren.

Hallervordens Vorgeschichte hierzu ist bekannt. Der Mann hat sein lebenslang aufgebautes Renommee selbst erfolgreich abgetragen. Im April 2024 veröffentlichte er ein Gaza-Gedicht, das er gemeinsam mit dem langjährigen Linken-Bundestagsabgeordneten Diether Dehm geschrieben hatte. Das Video arbeitete mit Material der Hamas und Ausschnitten von Al-Jazeera. Man kann genug dazu lesen.

Sachsen-Anhalts CDU spreizt sich für Linkspartei

Der Auftritt ist deshalb weit mehr als eine peinliche Wahlkampfnummer. Er zeigt, wohin Schulzes CDU marschiert. Die bisherige Koalition aus CDU, SPD und FDP besitzt nach den derzeitigen Umfragen keine Mehrheit mehr. FDP und Grüne könnten aus dem Landtag fliegen. Die Linke liegt bei rund zwölf Prozent. Eine Minderheitsregierung unter Schulze wäre damit auf Stimmen von außen angewiesen.

In der Brandmauerordnung käme dafür praktisch nur noch die Linkspartei infrage.

Schulze versichert, es werde mit ihm keine Minister der AfD und keine Minister der Linken am Kabinettstisch geben. Das klingt entschlossener, als es ist. Und was kümmert einen CDUler überhaupt noch sein Geschwätz vor einer Wahl nach der Wahl? Rein gar nichts. Eine Duldung seiner Regierung durch die Linke braucht keinen Ministerposten. Auch eine Wahl Schulzes mit Stimmen der Linkspartei lässt sich hinterher als unbestellte Hilfe verkaufen. Der MDR bezeichnet eine Tolerierung durch die Linke bereits ausdrücklich als mögliche Konstruktion. Die Linkspartei selbst hat ihre Bereitschaft zur Zusammenarbeit angeboten, um eine AfD-Regierung zu verhindern. Also legt man sich mit der antisemitischen Partei der Mauermörder ins Bett.

Für die CDU wäre es die logische Fortsetzung ihres Abstiegsweges. Sie hat kein eigenes politisches Programm mehr. Ihre verbliebene Aufgabe besteht nur noch im Erhalt der Posten und des winzigen Abstellraums, die ihr die linken Parteien innerhalb der morschen Brandmauerwände noch zugestehen. Sie liefert die Stimmen für linke Projekte und erhält dafür einige Ministerien. Dafür vollzieht sie die Politik ihrer ehemaligen politischen Gegner und darf im Gegenzug den Regierungschef stellen. Der Wähler soll diese organisierte Selbstentkernung weiterhin für bürgerliche Politik halten. Hin und wieder bisschen vermeintliches Streit-Theater für Medien und Dummdeutsche, die sich gerne an der Nase rumführen lassen, und im direkten Anschluss am Abend gemeinsamer Krabbencocktail und Champagner auf Kosten der Steuerzahler.

Rüdiger, Du bringst mich noch ins Grab

Die passende Rollenverteilung hat Hallervorden bereits 1985 in „Didi und die Rache der Enterbten“ vorgeführt. Nach dem Tod des Privatbankiers Gustav Böllemann streitet eine groteske Verwandtschaft um dessen Millionen. Hallervorden spielt gleich mehrere Angehörige, darunter Florentine Böllemann, eine geizige ehemalige Kellnerin, die ihren erfolglosen Ehemann Rüdiger herumkommandiert. Ihr ständig wiederholter Satz lautet: „Rüdiger, du bringst mich noch ins Grab.“

Vier Jahrzehnte später wird der Film in Sachsen-Anhalt Realität. Hallervorden übernimmt erneut die Rolle der Florentine, nun als Verkörperung des linken Lagers. Sven Schulze spielt den fügsamen, hochdevoten Rüdiger. Er darf nominell Ministerpräsident sein, hat innerhalb der Brandmauer-Ehe aber nichts zu bestimmen. Florentine entscheidet, welche Parteien als gesellschaftsfähig gelten, welche Positionen geäußert werden dürfen und mit wem der Rüdiger nach der Wahl zusammenleben muss.

Die Hosen trägt in dieser Beziehung die rote Florentine. Der enteierte CDU-Rüdiger stellt ihr die Wahlkampfbühne hin, lässt dort den eigenen Bundeskanzler vorführen und schweigt, wenn Israel als Völkermörder angeklagt wird. Anschließend beruft er sich auf die Freiheit der Kunst und freut sich über Hallervordens persönliche Wahlempfehlung. Als Staubsauger-Vertreter Rüdiger sammelt die Schulze-CDU die Stimmen des bürgerlichen Lagers mit dem Staubsauger ein und liefert den Beutel anschließend bei Florentine ab.

Hallervorden muss Schulze nicht einmal mehr herumkommandieren. Rüdiger hat verstanden, was von ihm erwartet wird und auch, wo sein Platz ist. Die CDU Sachsen-Anhalts übernimmt die Feindbilder des linken Milieus und hält sich weiterhin für den Hausherrn, weil sein Name noch am Klingelschild steht. Sollte er doch einmal einen Rest eigener Haltung zeigen, dürfte es wieder aus der roten Ecke schallen: „Rüdiger, du bringst mich noch ins Grab.“ Das gilt demnächst auch für die CDU im Bund.

Vom einem politischen Markenkern der CDU ist rein gar nichts geblieben. Nur noch die unbedingte Bereitschaft, sich jedem Linken wie eine abgeranzte Hafendirne anzudienen, die man auf der schäbbigen Matratze der Brandmauer-WG durchknallt wie eine straffgezogene Heilsarmeepauke.

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Kommentare ( 90 )

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NullKommaNix
13 Tage her

Diddi Hallervorden – Mein Gott, wie kann man so ehrlos abtreten! Da kommen einem echt die Tränen.

the toothfairy
13 Tage her
Antworten an  NullKommaNix

Frei nach dem Spruch: „Ich war jung und brauchte das Geld.“ Er ist alt und braucht die Publicity.

luxlimbus
13 Tage her
Antworten an  NullKommaNix

Didi hat sich in die Kohorte der „Bratwurst-Comedians“ eingereiht!

MaxVanMoritz
12 Tage her

Da werden dann die AfD Wähler mal zu Didi gehen und sich vom Gelabere von Sven überzeugen lassen, bei ihrer Wahl zu bleiben.
Ob die CDU noch einmal regieren kann oder nicht, ist nicht die Frage, sondern wann sie endgültig zerbricht!

ralf12
12 Tage her

Dieses Gaza-Gedicht finde ich nicht mal so schlecht. Die Kinder, die dort ums Leben kommen haben garantiert nichts mit dem Anschlag vom 3.10. zu tun, das aber nur nebenbei. Was Schulz hier macht, ist schlau. Er toleriert Hallervordens Kritik an Merz und co. wohl wissend, dass Merz bei den Menschen in Sachsen Anhalt unten durch ist, genau wie dieses kriegsgeile Gehabe von Pistorius und Konsorten. Somit kann er als der „saubere konservative“ Politiker rüberkommen. Rhetorisch ist der Ulrich Siegmund nicht einmal ansatzweise gewachsen, also braucht er einen Helfer (Hallervorden) der ihn dazu macht. Hoffentlich fällt der Wähler nicht darauf rein.

Neuheide
12 Tage her

Didi als CDU Stimmenfänger???

Da fragt man sich,wer ist eigentlich Sterbehelfer,wer der Sterbende?

Judith Panther
12 Tage her

Es ist nicht Hallervordens Israelkritik, die mich stört. Ich frage mich nur immer: Nach welchen Kriterien entscheidet sich jemand für eine von zwei Parteien, die sich in Bezug auf Unrecht, Brutalität und Grausamkeit jeweils in nichts nachstehen?
Was macht den Folterknecht auf der einen Seite sympathischer als den auf der anderen Seite?
Wie kann man aus dem menschlichen Leiden überhaupt ein Ranking machen, zumal wenn der „ewige Sieger“ ohnehin immer schon im Voraus feststeht?
 

Judith Panther
12 Tage her
Antworten an  Judith Panther

Interessant: Ich hatte mit einem ganzen Dislike-Tsunami gerechnet von all denen, die Israel nach drei Generationen Gehirnwäsche inzwischen für sakrosankt halten und immer noch glauben daß das, was die Öffentlichen Anstalten nicht berichten, auch nicht stattgefunden hat.

Judith Panther
12 Tage her
Antworten an  Judith Panther

Genau: Sie meine ich.

Fred Katz
12 Tage her

Was sagt denn Hallervorden Junior dazu, dass Senior behauptet, Pistorius hätte ihn aufgefordert, im Krieg zu töten?
Hat Hallervorden Senior die Wahnvorstellung, im Kriegsfall von eigenen Sohn wegen Wehrkraftzersetzung abgeholt zu werden?

brummibaer_hh
12 Tage her

Komisch, als Hallervorden die Regierung massiv krotisisert hatte, die Waffenlieferung in die Ukraine, Herrn Merz – da lobte ihn Tichy hier in den Beiträgen. Jetzt, wo Schulze ihn mit in seinen Wahlkampf nimmt, ist von dem Lob plötzlich nichts mehr zu lesen. Ob es daran liegen mag, so kritisch Herr Hallervorden unsere Regierung angereift, dass er sich zu Unrecht von der AFD damit vereinnahmt fühlt und sich klar von dieser distanziert? Ein Schelm, wer Böses dabei denkt. Eine Zusammenarbeit Schulzes mit der AFD fändet Ihr gut – die mit der Linken ist Teufelszeug. Wohl dabei vergessend, dass es in beide… Mehr

verblichene Rose
12 Tage her
Antworten an  brummibaer_hh

Sie haben nicht, Sie sind…

Or
12 Tage her
Antworten an  brummibaer_hh

Was von Ihnen zu belegen wäre … !

Donostia
12 Tage her

Dieter Hallervorden ist wie seine Altersgenossen mental in den 70ern und 80ern Jahren stehen geblieben. Damals war die SPD noch für die Arbeiter und die CDU für die bürgerlich konservativen Bürger da. Heute haben sich beide Parteien noch weiter links positioniert als die SPD unter Schmid jemals war. Wenn man die KI befragt wie hoch der Anteil der CDU und SPD Wähler der Alterskohorte über 70 Jahre ist besagt diese folgendes für die Wahl 2021. (Für die letzte Wahl liegen anscheinende keine Werte vor, dürften aber ungefähr ähnlich sein). SPD 34,2 %Höchster Wert aller Altersgruppen CDU 30,8 %Ebenfalls stark bei Älteren CSU… Mehr

Phil
13 Tage her

Einfach nur noch peinlich, Schulze versucht sich in grösstmöglicher Distanz zu seinem eigenen Kanzler. Wie können 24-25% Ars**geige sowas noch wählen, sind wohl bereits ein wenig Matsch in der Birne. Jeder der noch irgendwas kann, wird sich in den nächsten 2 bis 3 Jahren aus diesem Land und am besten gerade aus Europa verpisst haben. Rentner, dunkel Pigmentierte und strunzdoofe marxistische Quotenweiber werden sich dann noch um die Restverwertung kümmern, was mich nicht die Bohne kümmert, weil es einfach einen Menschenschlag gibt, mit dem man nicht einmal mehr im Ansatz noch was zu tun haben möchte.

karlotto
13 Tage her

Was sagen die DDR Opferverbände dazu ?
Ja schade , ohne Lobby, geht nichts in diesem Lande.

Apfelmann
13 Tage her

Ob Hallervorden oder Steimle, Komiker sollten ihren Klamauk vortragen aber sich doch bitte aus der Politik raushalten. Denn das ist ganz und gar nicht ihr Job!!!