BDSM, Queere Theologie und „Demokratiekirche“ – Die Funktionäre sind beim Katholikentag unter sich

Parteipolitiker statt Gläubige, Zeitgeist statt Evangelium: Der Katholikentag ist längst keine katholische Veranstaltung mehr – sondern die Bühne eines Funktionärskatholizismus, der sich selbst für die Kirche hält.

picture alliance/dpa | Sven Hoppe
Markus Söder Ministerpräsident von Bayern, Irme Stetter-Karp, Präsidentin des Zentralkomitees der deutschen Katholiken (ZdK), und Bundespräsident Frank-Walter Steinmeier, nehmen auf dem Residenzplatz an der Eröffnung des 104. Deutschen Katholikentags teil, Würzburg, 13.05.2026

Die erste Merkwürdigkeit beim Katholikentag steckt im Namen. Queere Events, postkoloniale Perspektiven, gendersensible Sprache und – halten Sie sich fest – ein „Ökumenischer Arbeitskreis BDSM und Christsein“: Das alles bietet die 104. Ausgabe dieses Treffens, das einst als ultramontanes Event glaubenstreuer Katholiken begann und heute als Zelebration des jeweiligen politisch-gesellschaftlichen Zeitgeists endet. Warum da noch nicht von „Katholik*innentag“ die Rede ist, liegt vermutlich nur an der Behäbigkeit des deutschen Verbandskatholizismus, der als eigentlicher Verantwortlicher fungiert.

Denn Veranstalter dieses ursprünglichen Laien-Events ist nicht die Katholische Kirche, sondern das Zentralkomitee der deutschen Katholiken (ZdK), das jeweils mit dem Ausrichtungsbistum einen gemeinsamen Rechtsträger ins Leben ruft. Sie wissen schon: das ZdK, das in Deutschland den Synodalen Weg veranstaltet und etwa Segnungen für Homosexuelle fordert, die der Vatikan unmissverständlich ablehnt. Den Vorsitz des Katholikentages hat dementsprechend Irme Stetter-Karp als Präsidentin des ZdK inne. Sie hatte die Großzügigkeit, dem Papst mitzuteilen, er solle sich wegen der Homo-Segnungen nicht so anstellen. Womöglich wäre „Anti-Katholikentag“ noch eine treffendere Bezeichnung, aber anders als der mit dem Gendersternchen weniger vermittelbar bei den Veranstaltern.

Statt „Hab Mut“ wäre „Hab Gratismut“ als Motto ehrlicher

„Ich mag keinem Club angehören, der mich als Mitglied aufnimmt“, sagte einst Groucho Marx. Als katholischer Publizist kann man dazu nur „Amen“ sagen. Selbst wenn man eine Einladung zu diesem Event bekäme, müsste man sie ausschlagen. Denn der Katholikentag steht nicht nur für die kunterbunten Abwege dessen, was einmal eine anti-preußische, romtreue Bewegung war, die im Kulturkampf noch die sakramentale Ehe gegen die Zivilehe verteidigen wollte, sie heute aber bereitwillig für ein Linsengericht aufgibt. Er steht für eine Verbindung von Kirche und Staat, die keinem Katholiken gefallen darf.

„Hab Mut, steh auf!“ – so lautet das gratismutige Motto einer Veranstaltung, die wie ein Fisch im Wasser aller gesellschaftlichen Fragen mitschwimmt und das Evangelium als Gute-Laune-Quelle versteht; ansonsten dient es als theologischer Steinbruch, aus dem man sich passende Brocken heraussucht. Was dem widerspricht – etwa Christi sehr klare Aussagen zur Ehe – muss dann „interpretiert“ werden. „Hab Mut“ gilt hier allein für die Durchsetzung der eigenen, blassen Ideen eines ausgelutschten Reformkatholizismus der 1970er Jahre, der für Männer und Frauen unter 45 so altbacken wirkt wie ein Achtundsechziger-Priester, der glaubt, in einer Lederjacke cool auszusehen. Man meint dort noch immer, Debatten über Sex, Homosexualität und Klimawandel seien rebellisch und provozierend. Man sieht einer dem Rentenalter entgegenstrebenden Generation zu, die einfach nicht einsehen will, dass sie keiner mehr sehen kann.

Nicht Christus, sondern das ZdK mit seiner „Theologie“ steht im Zentrum

Während die Besucherzahlen mau bleiben, meint es Vater Staat weiterhin gut mit der ZdK-Veranstaltung. Allein drei Millionen Euro stammen vom Land Bayern, rund eine Million vom Bund, 500.000 Euro von der Stadt Würzburg. Man muss kein Atheist sein, um nachzuhaken, warum für die Selbstbeweihräucherung katholischer Laienverbände so viel Steuergeld fließt – wohlgemerkt keine Kirchensteuern, sondern allgemeine Steuergelder. Im Gegensatz zur vulgär-atheistischen Sichtweise des „Elften Gebots“ (Du sollst deinen Kirchentag selbst bezahlen!) handelt es sich eben nicht um eine Kirchenangelegenheit, sondern um eine Funktionärschimäre, die auch der Politik den roten Teppich ausrollt.

Merz und Steinmeier können sich im Licht einer vermeintlich alle Katholiken repräsentierenden Veranstaltung sonnen. Die Politik – und vor allem die mit den Verbänden verwobene Parteipolitik – hat allen Grund, diese Publicity auf Steuerzahlerkosten mitzunehmen. Dass das ZdK mit Parteipolitikern durchsetzt ist, sollte daher niemanden verwundern. Das ZdK ist ein Instrument der Parteipolitik, die unter dem Deckmantel von Laienschaft und „kirchlicher Demokratie“ Einfluss auf die Kirche und das katholische Geistesleben nimmt.

Giovannino Guareschi, der Vater von Don Camillo und Peppone, hatte für dieses Zusammengehen von Staat und Kirche einen Namen: Klerikalismus. Wenn die Kirche den Staat legitimiert, indem sie dem Gläubigen nahelegt, was er politisch zu denken hat, kehren wir in jene düsteren Zeiten zurück, in denen nicht mehr das Bekenntnis zu Christus oder das katholisch gebildete Gewissen zählt. Dieser Klerikalismus ist eine Perversion des Katholizismus. Der Unterschied zu damals: Es geht heute nicht mehr um die Vormundschaft des Klerus über das Volk, sondern um die Vormundschaft von Funktionären über das Volk. Diese geht, wie gezeigt, so weit, dass Stetter-Karp sich auf einer Augenhöhe mit dem Kirchenoberhaupt sieht.

Katholikentag als „Demokratieprojekt“ gegen die AfD

Dass Jesus Christus in den vielen Veranstaltungshinweisen so gut wie keinen Platz einnimmt, sagt dabei alles. Es geht nicht um den Erlöser – es geht „um uns“. Der Katholikentag stellt sich selbst ins Zentrum. Er stellt die Funktionäre ins Zentrum. Er stellt Politiker wie den Bundeskanzler und den Bundespräsidenten ins Zentrum. Hier liegt die Crux, warum Steuergelder in die Veranstaltung fließen: Es ist ein „Demokratieprojekt“. Auf keinen Fall dürfe Religion instrumentalisiert werden, hört man immer wieder aus den Reihen von Kirche und ZdK.

Dass das ZdK genau dies tut, wenn es eine unliebsame Partei ausschließt, für die mittlerweile 25 Prozent der Befragten bei der nächsten Bundestagswahl stimmen wollen, zeigt, dass es das Erbe jenes von Guareschi kritisierten Klerikalismus ist. Alles erinnert an den Filz der italienischen Christdemokratie, die dem Wähler weismachen wollte, man sei nur dann ein guter Christ, wenn man auch die Christdemokraten wählt. So erklärt sich auch, warum selbst konservative Katholiken, die vielleicht keine AfD-Fans sind, diesen Tag boykottieren: Man hat keine Lust, als geduldeter Paradiesvogel im Käfig vorgezeigt zu werden und damit das Geschehen zu legitimieren. Was dieser Katholikentag braucht, ist eine echte katholische Gegenveranstaltung.

Unterstützung
oder

Kommentare ( 46 )

Liebe Leser!

Wir sind dankbar für Ihre Kommentare und schätzen Ihre aktive Beteiligung sehr. Ihre Zuschriften können auch als eigene Beiträge auf der Site erscheinen oder in unserer Monatszeitschrift „Tichys Einblick“.
Bitte entwerten Sie Ihre Argumente nicht durch Unterstellungen, Verunglimpfungen oder inakzeptable Worte und Links. Solche Texte schalten wir nicht frei. Ihre Kommentare werden moderiert, da die juristische Verantwortung bei TE liegt. Bitte verstehen Sie, dass die Moderation zwischen Mitternacht und morgens Pause macht und es, je nach Aufkommen, zu zeitlichen Verzögerungen kommen kann. Vielen Dank für Ihr Verständnis. Hinweis

46 Comments
neuste
älteste beste Bewertung
Inline Feedbacks
Alle Kommentare ansehen
Ho.mann
25 Tage her

Ach, Steinmeier und Seinesgleichen wollen mit kirchlichem Beistand „ihre“ Demokratie festigen und ausbauen. Wie auch immer deren zweckerfüllende Zielsetzung der Demokratiebeseitigung lauten mag, man kann nur hoffen, dass auch sie bald den Preis für ihre verlogene Demokratiebewahrung bezahlen müssen.

h.milde
24 Tage her

Papst Leo XIV, hat nmbM. nur 2 Möglichkeiiten. Entweder er bringt diesen iwSdW. verMARXten „Regenbogen-Satanisten“ ein & nachdrücklich das „Pater Noster“ & „Ave Maria“ wieder bei, indem er einen in der Art eines „Don Camillo“ schickt, mit Händen groß wie Bratpfannen & Schuhgröße 46°, oder aber er läßt diese Häretiker die „woke-katholische Kirchensteuerkirche“ engültig in Dantes Hölle untergehen. Bergoglio hat das zu lange schleifen lassen, wie als Erzbischof Marx auf dem Tempelberg das Kreuz JESU verleugnete uä. Häresien, die in DeutschLALA-land passierten. Benedikt XVI, Ratzinger, aber hätte diesen Spuk schon längst einen durchsetzungsstarken wie „Don Camillo“ geschickt, wie Erzbischof Gänswein,… Mehr

Siggi
24 Tage her

Und natürlich mittendrin die lachende linksextreme Staatseule. Den dürfen wir bei der Abrechnung nicht vergessen.

moorwald
24 Tage her

Die beiden zu Brüllen komisch…und im Hintergrund die bodyguards Söder lächelt auch so ein bißchen verlegen
Man fragt sich allerdings, was ein Bundespräsident, der nicht einmal katholisch ist, auf dieser Schlußverkaufsveranstaltung zu suchen hat

Last edited 24 Tage her by moorwald
Casa Done
24 Tage her

Diese Politiker sind genauso abgewirtschaftete Gestalten wie die katholische Kirche in Deutschland (und natürlich die EKD). Sie sind wie abgestorbene Korallenriffe: noch hält die äußere Hülle, wenn das Leben schon längst ausgehaucht wurde.

Nibelung
24 Tage her

Die Regenbogenfahne ist schon seit Thomas Müntzers Zeiten die Fahne göttlichen Beistandes, wo der Regenbogen vor der Sonne stand und es als Hilfe Gottes gegen die Obrigkeit gedeuted wurde und setzte sich fort im Bauernaufstand und später in den revolutionären Wirren Italiens und heute ist es das Gotteslästerliche Zeichen der Kirchen und aller Linken, die darunter ihr falsches Spiel betreiben und mit dem Ursprung so gut wie nichts zu tun hat, weil es zweckentfremdet wurde und in die falsche Richtung weist. Selbst die größten Sauereien werden heutzutage unter diesem Banner zelebriert und da sieht man nicht nur die Verkommenheit sondern… Mehr

Kaesebroetchen
24 Tage her

Amen. Man kann als Katholik nur den Kopf schütteln und diesen traurigen Verein schnellstmöglich verlassen. Die deutsche katholische Kirche ist heute auf dem Weg zu einer ideologisch korrekten Staatskirche, ähnlich der aus der EKD im NS-Regime entstandenen, nationalsozialistischen Deutschen Kirche. Die Geschichte wiederholt sich, diesmal als besonders krasse Farce. Ökumenisches BDSM, das ist die selbe Liga wie das evangelische Vulvenmalen. Wer braucht solchen Schrott außer dem Tiefgrünen Staat?

Marcel Seiler
24 Tage her

Ein Hoffnungsschimmer könnte dieser Gedanke sein: Wenn eine Bewegung am Bodensatz einer Gesellschaft angekommen ist, also bei denen, die alles zuletzt merken, wie hier beim Katholikentag, dann ist das ein Zeichen, dass sie zu Ende geht.

Der Artikel schreibt ja, und das sollte ermutigen, die Besucherzahlen seien „mau“. Interessant wäre die Alterszusammensetzung der Besucher.

Dellson
25 Tage her

Gott ist omnipotent und braucht keine Kirche! Zudem gehört das Christentum nicht der Kirche! Lt. Gesetz sind Staat und Kirche getrennt. Ist das noch so? Wie viele Kirchenvertreter wurden von Gott direkt ernannt? Die Schwäche der westlichen Welt hat auch damit zu tun,dass sie kein Glaubensdogma mehr lebt! Bischöfe warnen vor der AfD. Besser würde man Kinder warnen vor der katholischen Kirche, besonders ihren Priestern.Ein katholischer Bischof bekommt in Frankreich nur 1400 Euro im Monat. Während ein katholischer Bischof und die Kardinäle hierzulande mit 12.000 Euro direkt vom Staat wie Beamte bezahlt werden!  „Seht euch die Vögel des Himmels an: Sie… Mehr

Theophil
25 Tage her

Der Papst ist, wenn er Ex Cathedra spricht, unfehlbar. Was er nicht weiß: Unfehlbarkeit kann man studieren, seit es das Fach Sozialpädagogik gibt. Stetter-Karp hat das Fach studiert.

moorwald
25 Tage her

Daß die Kirchen sich dem Zeitgeist andienen, zeigt nur, daß sie ihre eigenen Lehren nicht glauben und ihnen keine Anziehungskraft mehr zubilligen

Last edited 25 Tage her by moorwald