„Feministische Außenpolitik“ gibt es schlicht nicht

Der schwedische Außenminister hat recht, wenn er den auch von Annalena Baerbock verwendeten Begriff der „feministischen Außenpolitik“ ersatzlos streicht. Denn es ist ein Etikett ohne Inhalt. Aber was ist von einer Politik zu halten, die sich so vermarkten zu können glaubt?

IMAGO / photothek
Annalena Baerbock, Bundesaußenministerin, bei einem Pressestatement im Rahmen des Western Balkans Summit. Berlin, 21.10.2022.

Feministische Außenpolitik war bis eben noch der letzte Schrei. Die Schweden hatten eine seit 2014, als die Außenministerin Margot Wallström hieß. Nun gibt es einen Mann, der dem Außenministerium vorsteht, und was tut dieser toxische Kerl? Genau. Er streicht den Ausdruck, denn: „Etiketten haben die Tendenz, den Inhalt zu verschleiern.“ Also nur ein Etikett? Und der Inhalt ist verschleiert? Hm. Um welchen Inhalt geht es also? Darüber wüsste man gern mehr. 

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Sollte der Begriff auf den Ersten Internationalen Frauenkongress 1915 zurückgehen, dann wäre Pazifismus das oberste Ziel eines feministisch gelesenen Außenministeriums. Die Resolution 1.325 des UN-Sicherheitsrates aus dem Jahr 2000 wird schon spezifischer: Sie ruft Konfliktparteien dazu auf, die Rechte von Frauen zu schützen und Frauen gleichberechtigt in Friedensverhandlungen, Konfliktschlichtung und den Wiederaufbau mit einzubeziehen. Auch sei Vergewaltigung von Frauen ein Kriegsverbrechen. 

In der Tat, das ist allerdings nicht neu, obwohl es Menschen gibt, die solch Rache der Sieger verstehen, soweit sie sich gegen deutsche Frauen richtete. Auch, dass Frauen beim Wiederaufbau beteiligt werden müssen, ist ein alter Hut. In Deutschland etwa erinnert man sich an die vielen Trümmerfrauen, die nach dem Zweiten Weltkrieg die Scherben wegräumen mussten. 

Ist das alles also ein Meilenstein auf dem Weg zur „Geschlechtergerechtigkeit“, wie es im „Aktionsplan der Bundesregierung zur Umsetzung der Resolution 1325“ heißt, verfasst noch unter Außenminister Heiko Maas?

Dass im Konfliktfall die Rechte von Frauen geschützt werden sollten, ist ein schöner Gedanke, besser wäre noch, man schützte auch Leib und Leben und die Rechte der Männer. Wobei, wie Hillary Clinton einst meinte, deren Tod zuvörderst den Frauen Schaden zufüge, die um Väter, Brüder und Söhne trauern müssten. Klar: Tote trauern ja nicht mehr. Ich habe selten etwas so Zynisches vernommen. 

Doch zurück zur feministischen Außenpolitik. Dass Frauen so selten an Friedensverhandlungen beteiligt sind, könnte natürlich schlicht daran liegen, dass sie seltener in den dafür verantwortlichen Positionen anzutreffen sind. Im freien Westen fehlen sie dort allerdings aus eigenem freien Willen, nicht, weil das Patriarchat sie heute noch daran hindern würde. Und wie wir in Bezug auf die letzten drei deutschen Verteidigungsministerinnen sehen: Ihr Fehlen muss kein Fehler sein. 

Allein die Vorstellung, dass Frau von der Leyen schwangere Frauen an die Front schicken wollte, ist alarmierend. Tatsächlich aber verzögerte sich die Auslieferung von 350 Schützenpanzern des Typs „Puma“ vor einigen Jahren auch deshalb, weil sie für hochschwangere Soldatinnen geeignet sein mussten. 

Nun, man könnte versöhnend einwenden, dass feministische Politik als friedensstiftende Kraft von Panzern nichts verstehen muss, die bei unserer Außenministerin Annalena Baerbock liebevoll „Tierpanzer“ heißen. Und von denen sie behauptete, dass man mit ihnen allein, anders als im 19. Jahrhundert, keinen Krieg mehr führen könne. Ach, Annalena. Hätte Napoleon Panzer gehabt, hätte er nicht gegen Russland verloren. 

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Unsere feministische Außenpolitikerin aber ist sich sicher, dass man Russland die Beine wegschlagen müsse, damit es niemals wieder auf dieselben komme. Wenn solche Kriegsrhetorik feministisch sein soll, dann können wir uns nicht nur von der Vorstellung der grundsätzlich friedfertigen Frauen verabschieden, wobei die ja nie stimmte, sondern auch von den Sitten und Gebräuchen außenpolitischer Diplomatie. Ausgerechnet die feministische Ministerin fällt also für Friedensverhandlungen flach. Aber lassen wir das. 

Es geht ja doch, wie es heißt, um „eine Antwort auf die systematische Diskriminierung und Unterordnung, die den Alltag unzähliger Mädchen und Frauen auf der ganzen Welt prägt“. Das wird der Grund sein, warum die deutsche Außenministerin zwar geharnischt gegen Russland ins Feld zieht, aber sich im Fall des Mullahregimes im Iran die allergrößte Zurückhaltung auferlegt. Erst meinte sie immerhin, die Frauen im Iran müssten „gehört“ werden. Dann interpretierte sie den Kampf der Frauen und Männer gegen das islamistisch orthodoxe Regime der Bärtigen auf gänzlich unorthodoxe Weise: „Wenn die Polizei, wie es scheint, eine Frau zu Tode prügelt, weil sie aus Sicht der Sittenwärter ihr Kopftuch nicht richtig trägt, dann hat das nichts, aber auch gar nichts mit Religion oder Kultur zu tun.“ Aha. Sondern? 

Das Geheimnis feministischer Außenpolitik ist schnell gelöst. Es ist ein Etikett ohne Inhalt. „Feministische Außenpolitik“ gibt es schlicht nicht. 


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Kommentare ( 48 )

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VollbeschaeftigtmitNichtstun
1 Monat her

Unfaßbar wie so eine ungebildete Annalena Baerbock Außenministerin werden kann. Aber es sagt eigentlich alles.

Gutmuetiger
1 Monat her

Aber als Annalena auf dem Grünen Parteitag von der Erfolgen Ihrer feministischen Außenpolitik schwadronierte gab es frenetischen Beifall aus dem gesamten Saal.
Hat Sie gelogen (wie Habeck bei der Energie?) oder sind die Grünen einfach zu gutgläubig? Ach so, ja, Entschuldigung, ich rede ja von den Grünen……..

Hadrian17
1 Monat her

Tja, die Amazonen und Spartanerinnen … das Problem ist nicht neu. Dank der emotionalen Intelligenz eher eine Focussierung auf Einzelthemen als mit differenziertem Denken die Lage insgesamt zu erfassen und rational zu handeln … .

Immerhin hat die Dame unseres Herzens (s. Beliebtheitsranking) seit Wochen die Klimaplatte nicht mehr aufgelegt … .

fatherted
1 Monat her

Der Begriff „feministische Außenpolitik“ ist absolut ausgrenzend rückwärtsgewand. Es müsste heißen „gender-gerechte Außenpolitik“. Das sollte auch bei Frau Baerbock zwischenzeitlich angekommen sein. Die Ausgrenzung von mindestens 82 anderen Geschlechtern aus der derzeitigen Außenpolitik ist einfach nicht hinnehmbar. Die Grünen entwickeln sich zunehmend zu „ewig gestrigen“.

giesemann
1 Monat her

Solange ein Kritiker von Kinderehen, besser Missbrauch von muslimischen Mädchen hierzulande als Volksverhetzer verurteilt wird, solange wird das in der Tat nichts, https://www.gesetze-bayern.de/Content/Document/Y-300-Z-BECKRS-B-2018-N-58571?hl=true
„Auch sei Vergewaltigung von Frauen ein Kriegsverbrechen“. Es ist kein Krieg nötig bei so manchen Kulturen, um aus Mädchen mit 13/14/15 ganz schnell Mütter zu machen – zur Beschleunigung des finanziell-demographischen Jihäds. https://de.wikipedia.org/wiki/Kinderheirat und etwa https://www.dw.com/de/unicef-prangert-kinderehen-an/a-49095562 und https://en.wikipedia.org/wiki/Love_jihad
Oder ist DAS der eigentliche Krieg? Mit der Folge von Männerüberschüssen, die dann bei uns Furore machen? Dumme Frage, ich weiß. https://www.tichyseinblick.de/kolumnen/stephans-spitzen/feministische-aussenpolitik-gibt-es-schlicht-nicht/
 

Thrym
1 Monat her

„Feministische Außenpolitik“ geht schon, sie würde halt eine sofortige Kriegserklärung an den Iran, Katar, Saudi-Arabien, Die VAR und ähnliche Länder bedeuten. Machen wir halt nicht, weil die Täter nur dann interessant sind, wenn sie weiß und männlich sind.

Ein unpopulärer Vorschlag meinerseits: Regime-Changes in den genannten Ländern, allerdings mit dem neuen Gesetz, dass dort nur noch Frauen in der Armee dienen dürfen. Ich wäre sehr gespannt, ob diese dann auch weglaufen würden, wenn die Taliban zurückkommen. Vermutlich gäbe es eher Taliban-Hackfleisch.

Inana
1 Monat her

Ehrlich gesagt denke ich „feministische Außenpolitik“ gibt es durchaus – und zwar als eine Art Marketingkonzept. Es ist ja kein Zufall, dass man jetzt überall sehr systematisch hübsche, (relativ) junge Frauen gefördert hat, was eben auch gut ins Diversity-Konzept des Westens passt.
Dass die jungen Damen so aggressiv auftreten ist übrigens auch vermutlich kein Zufall. Es gibt ja diesen latenten Kulturkampf zwischen den Ostmächten und dem Westen, der sich irgendwie besonders liberal und divers gibt.
Was auch klar ist – das Konzept ist hohl. Eine wirkliche Theorie, steht natürlich nicht dahinter, sondern eben, wie ich denke, ein Marketingkonzept.

verblichene Rose
1 Monat her

Das Geheimnis feministischer Außenpolitik ist schnell gelöst. Es ist ein Etikett ohne Inhalt. „Feministische Außenpolitik“ gibt es schlicht nicht.! Richtig. Ich wurde übrigens überwiegend von einer Frau erzogen und das war meine Mutter. Klingt komisch, ist aber so. Meine Mutter „entledigte“ sich lediglich immer dann von der noch härteren Gangart, wenn ihre Kochlöffel, Teppichklopfer und Ohrfeigen nicht mehr ausreichten, mich erziehen zu wollen und dann mein Vater (mit dem mir dann auch noch obendrein des Tages über stets gedroht wurde) ins „Spiel“ kam. Und das der immer ziemlich sauer war, nachdem er das Haus vor zwölf Stunden verlassen hatte, ist… Mehr

Rainer Schweitzer
1 Monat her

Aber natürlich gibt es feministische Außenpolitik. Ebenso gut, wie der Strom im Netz gespeichert und das alles durchgerechnet ist. Ebenso gut wie wir überhaupt kein Stromproblem haben, sondern nur ein Wärmeproblem. Ebenso gut wie in ein paar Jahren alle Autos nur noch elektrisch fahren, zumal wir ja kein Stromproblem haben. Ebenso gut wie es eine Dada und eine Gaga Außenpolitik gibt. Von einer Gaga Energie- und Wirtschaftspolitik ganz zu schweigen. Ja hören Sie es nicht wie der neue, der moderne Trend durch alle Straßen hallt? „Gagagagagagagagagagagaga… Gaga und was haste… Kühe melken und Gagagaga… Grundversorgung war gestern, heute sind wir… Mehr

Peter Pascht
1 Monat her

Das Problem an der Sache,
ist diese schlichte Kindertrotzigkeit
von Mensche welche die Pubertät noch vor sich haben,
hat mit „Feminismus“ im Sinne von Frauenrechten und Frauenwürde nichts zu tun,
im Gegenteil, sie beschmutzen die Frauenwürde unserer Mütter,
die mit Schaufel und Spaten die Trümmer dieses Landes mitbeseitigt haben,
dafür sind sich die Feministchen zu schade,
denn es geht nur um die eigene phatasierte Selbstdarstellung um sich die Rosinen rauszupicken, also andere betrügen.
Die normale Frau, die im Schweiße ihres Angesichts ihren Alltag steht,
die ist damit nicht gemeint.

Last edited 1 Monat her by Peter Pascht