Mehr Freiheit für Otto Normalverbraucher

Neben dem Beschäftigungswunder gibt es eine gravierende Veränderung des Arbeitsmarktes. Der Drang zur Selbstständigkeit und neue Beschäftigungsformen wie die Clickworker, die über Portale Aufträge akquirieren, kommen zunehmend.

© Christof Stache/AFP/Getty Images

Der Arbeitsmarkt verändert sich. Auf vielfältige Weise. Auf der einen Seite erlebt Deutschland ein Beschäftigungswunder. Seit der Deutschen Einheit gab es noch nie so viele Beschäftigungsverhältnisse. Aktuell sind es 44,5 Millionen. Inzwischen sind nur noch durchschnittlich 2,53 Millionen als arbeitslos registriert. Die Bundesagentur für Arbeit meldet nur noch eine Quote von 5,7 Prozent. All diejenigen, die bislang meinen, es würde die Arbeit in Deutschland ausgehen, sind eines Besseren belehrt. Natürlich sind das nicht alle, die Arbeit suchen. In vielen Bereichen wird die Statistik geschönt. Der Bereich der ALG II-Empfänger gehört nicht dazu, auch diejenigen, die ein Asylverfahren durchlaufen, fallen raus und viele andere mehr. Dennoch ist die Entwicklung positiv. Denn vor 15 Jahren, als Gerhard Schröder die Reformen am deutschen Arbeitsmarkt eingeleitet hatte, lag die Arbeitslosenzahl bei rund 5 Millionen, bei nahezu ebenso Vielen, die aus der Statistik herausgeschönt wurden.

Eine Analyse des Status Quo
Gewinner und Verlierer der Digitalisierung
Überall werden Facharbeiter und Handwerker gesucht. Nicht nur Elektriker und Fliesenleger fehlen, sondern auch LKW- und Gabelstaplerfahrer. Gerade hier liegt eine große Herausforderung für die Weiterbildung. Doch man muss sich fragen, ob dazu die Bundesagentur für Arbeit die richtige Adresse ist. Sie hat nur noch die Hälfte der „Kunden“ gegenüber Anfang des Jahrtausends, aber beschäftigt immer noch fast die gleiche Anzahl an Mitarbeitern. Ende 2016 waren es 96.800 Vollzeitkräfte und sie verwaltete einen Etat von über 35 Milliarden Euro. Wer über die Effizienz des Staates nachdenkt, muss hier ansetzen. Denn bereits vor 15 Jahren war die Nürnberger Behörde ein fast unmanövrierbarer Tanker. Unter dem langjährigen BA-Chef Frank-Jürgen Weise, der bis Ende 2017 Vorstandsvorsitzender der Behörde war, hat sich die ehemalige Bundesanstalt für Arbeit unbestritten weiterentwickelt. Dennoch herrscht Reformbedarf. Die Qualifizierung und Weiterbildung ist keine staatliche Aufgabe, sondern eine privatwirtschaftliche. Dazu bedarf es Freiräume für Unternehmen und Marktteilnehmer.

Denn neben dem Beschäftigungswunder gibt es eine gravierende Veränderung des Arbeitsmarktes. Insbesondere der Drang zur Selbstständigkeit hält an. Neue Beschäftigungsformen, wie die der Clickworker, die über Portale Aufträge akquirieren, kommen zunehmend in Mode. In Deutschland, so berichtet die FAZ, arbeiten inzwischen eine halbe Million in diesem Sektor. DGB-Bundesvorstand Annelie Buntenbach, die auch Vorsitzende des BA-Verwaltungsrates ist, hat jetzt verlangt, dass Portale wie Myhammer Sozialabgaben für diejenigen bezahlen sollen, die auf ihrer Plattform Aufträge entgegennehmen. Sie gehörten in den „Schutz der Sozialversicherungen“.

Höchste Zeit zur Entbürokratisierung
Gerechtigkeit treibt Komplexität, die der Wohlfahrt schadet
Ob die Selbstständigen dies wollen, mag man bezweifeln. Die allermeisten habe ihre Selbstständigkeit ja freiwillig gewählt. Die Nachfrage von Handwerksunternehmen nach ausgebildeten Gesellen ist besonders hoch. Daher haben die Selbstständigen, die Portale nutzen, um Aufträge zu gewinnen, ihr Geschäftsfeld selbst gesucht und gewählt. Der Gesetzgeber hat gutgetan, bislang die Einbeziehung von Selbständigen in die Sozialversicherungen nur sehr behutsam zu veranlassen. Die Freiheit der Selbständigkeit beinhaltete historisch auch die Freiheit, seinen Krankenversicherungsschutz frei zu wählen oder auch seine Altersvorsorge. Wer diese Freiheit einschränken will, schafft Markteintrittshürden für Existenzgründer und verhindert so die Flexibilität in einer Marktwirtschaft. Das schadet allen. Nicht nur den Existenzgründern selbst, sondern auch den Kunden. Sie müssen in einem engeren Markt mehr für die angeforderte Dienstleistung bezahlen. Dem Millionär mag das egal sein, dem Arbeiter jedoch nicht. Er muss für eine eingekaufte Dienstleistung einen höheren Anteil seines Nettogehalts aufwenden. Er bezahlt also die Regulierungswut des Staates. Dabei profitiert der klassische Arbeitnehmer mit geringen oder durchschnittlichen Einkünften besonders von innovativen Konzepten wie Myhammer und anderen.

Erstmalig kann er ohne aufwändige Ausschreibung Aufträge vergeben und so qualitative oder preisliche Bewertungen vornehmen. Der Dienstleistungsmarkt wird so für viele Privatkunden transparenter und erschwinglich. Mehr Marktwirtschaft hilft daher dem kleinen Mann, er ist dann wirklich als Kunde König.

Unterstützung
oder

Kommentare

Bitte entwerten Sie Ihre Argumente nicht durch Unterstellungen, Verunglimpfungen oder inakzeptable Worte und Links. Solche Texte schalten wir nicht frei. Alle anderen bringen wir ungekürzt. Hinweis

----

Sortiert nach:   neuste | älteste | beste Bewertung

Beschäftigungswunder? Klar, auf befristeten Stellen zu Niedrigstlöhnen. Solch eine verlogene Lobhudelei nun auch hier? Na dann….

Es gibt keinen gottgegebenen Anspruch, hoch bezahlt oder stets lebenslang eingestellt zu werden. Es gibt die Stellen, die es gibt. Keine anderen. Wer weder befristet noch zu niedrigem Lohn arbeiten will, möge sich in die Transfersysteme begeben. Solange andere bereit sind, ihn freizuhalten.

Es gibt noch nicht mal ein gottgegebenes Anspruch darauf das man den nächsten Tag überlebt oder gesund bleibt. Wie wir ja mittlerweile wissen wird das Zusammenleben jeden Tag neu ausgehandelt .

Ich stimme dem Autor zu, wenn wir über Freiberufler und Selbstständige sprechen, die aus Ihrer Selbstständigkeit auch die erforderliche wirtschaftliche Unabhängigkeit schöpfen für sich selber zu entscheiden in welcher Form sie für das Alter, Krankheit oder Notsituationen vorsorgen. Eine wachsende Zahl Selbstständiger zählt da nicht dazu, der Staat sollte im Sinne einer Ordnungspolitik ausschließen dass jemand ohne Kranken, Unfall oder Altersvorsorge für 8,50€ Pakete austrägt oder Regale auffüllt. Sonst ist der Betroffene kein bischchen freier als sein Angestellter Kollege, aber die Sozialkosten werden sozialisiert.

Warum muss ein Handwerker einen Tag arbeiten um eine Stunde eines anderen Handwerkers bei sich zu hause bezahlen zu können? Wo bleibt das Geld hängen? Da liegt der Hund begraben.

Weil der Handwerker schon mal nur so 60% seines Bruttos ausbezahlt bekommt. Aber nicht nur den Bruttolohn, also 100% zahlen muss, sondern mind. 150% zahlen muss, denn Urlaub, Feiertage, Unfallvers. etc. müssen vom Arbeitgeber auch bezahlt werden, die rechnet der halt aud den Stundenlohn drauf. Dadurch werden aus 12 Euro, die der Handwerker ausbezahlt bekommt 30 Euro, die er den Arbeitgeber kosten, die dieser also in Rechnung stellen muss. Dazu kommen dann evtl. noch Maschinen, Kleinmaterial, Auto etc. und der Gewinn des Arbeitgebers. Da ist man ganz schnell bei 50 Euro Stundensatz für den Handwerker.

Handwerker verlangen doch keine 80 EUR Stundenlohn! Sorry aber da haben sie einen Rechenfehler!

Wie kommen Sie auf 80,-€ Kaufkraft? Sorry, da haben Sie einen Denkfehler, wohl die xyabc in der Gleichung durcheinander gebracht?

Wann hatten Sie den letzten Termin in einer Kfz-Werkstatt? Wenn Sie da noch
unter 80,–€ bezahlen, herzlichen Glückwunsch! Teure Diagnosegeräte,
laufend neue Technik und Lehrgänge, hohe Energiekosten, usw,usw.

Holsteiner Jung: Es ging um Handwerker bei sich hause!!! KfZ Werkstätten organisieren sich üblicherweise nicht im Keller von Einfamilienhäusern!

… und wer zum Mindestlohn arbeiten geht braucht nahezu 2 Arbeitstage dafür…

Das Geld wird für die Goldjungs gebraucht. Nein, war ein Scherz, sind ja alles Facharbeiter.

Die Arbeitslosenstatistik und die regelmäßigen Erfolgsmeldungen erinnern mich eher an Fake News. Wenn man den offiziellen Arbeitsmarktbericht anschaut gibt es in Deutschland ca. 32,79 Millionen Menschen, die sozialversicherungspflichtig beschäftigt sind. Andererseits spricht Herr Schäffler und die diversen anderen Statistiken von ca. 44,5 Millionen Beschäftigten. Da ist eine Differenz von 11,77 Millionen Menschen, die keine sozialversicherungspflichtigen Beschäftigungen haben. Was sind das für Menschen, wo arbeiten Sie? Parallel dazu steigen trotz der anscheinend extrem guten Beschäftigungslage die Ausgaben für HartzIV und sonstige Sozialhilfekosten. Dann gibt es noch die offizielle Zahl der Arbeitslosen, die im Durchschnitt 2017 bei 2,53 gelegen hat. Daneben gibt… Mehr

Mehr Freiheit? Mehr Unsicherheit, mehr Hamsterrad, noch mehr Psychodruck im „Beschäftigungswunderland“ ist vorhersehbar. Wissen Sie eigentlich was Arbeitnehmer und kleine Selbständige in diesem Land zermürbt und krank macht? Reden Sie mit Leuten? Ich tue das mit sehr vielen und das angesprochene Hauptproblem ist nicht das Geld…

Wie man bei einem Artikel über die Freiheit von Selbständigen über Arbeitnehmer jammern kann, ist mir ein Rätsel. Deren Problem ist die Agenda 2010, die so gerne gelobt wird, obwohl die einzige Last, die sie gemindert hat, die des Arbeitsamts ist, weil die nichts anderes mehr tun als zu Zeitagenturen weiterzureichen.
Wer sich nun aber selbständig macht, aber doch gerne noch ne sichere Rente haben will, der hat das Thema nicht verstanden. Zumal für Nichtselbständige schon lange keine sichere Rente mehr unter dem Weihnachtsbaum liegt.

In dem Artikel ging es u.a. auch um LkW- und Gabelstapelerfahrer, um den „klassischen Arbeitnehmer“ für den die neue Freiheit der Selbständigen auch von Vorteil sein soll. Ich habe gerade über die Feiertage bei Besuchen mit Menschen aus verschiedenen Arbeitsbereichen gesprochen, auch, aber nicht nur mit Selbständigen, und kann – selbst wenn man „Klappern gehört zum Geschäft“ abzieht – nur zum Schluss kommen dass der Hase bei uns ganz woanders im Pfeffer liegt. Da stoßen solche Jubelberichte sauer auf.

Migration ist wie Contagan für eine Gesellschaft. Ein minimales Problem (Unruhe/Schlafstörungen bzw das nicht vollständige ausschöpfen der möglichen Profite auf dem Höhepunkt eines Wirtschaftsbooms) wird mit einer Medizin mit schrecklichen Nebenwirkungen vor allem auf die kommenden Generationen behandelt, die sich letztendlich als tödlich für die Gesellschaft erweist (im Falle der Islamisierung). Die türkischen Gastarbeiter aus der Wirtschaftswunderzeit waren über mehrere Generationen gerechnet wohl der teuerste Import aller Zeiten für die BRD. Nur die Entscheidung, als souveräner Staat seine Währung nicht mehr selber zu drucken sondern die Geldschöpfung weitestgehend privaten Finanzmarktakteuren zu überlassen und sich bei diesen zu verschulden war wohl… Mehr

„… sondern auch LKW- und Gabelstaplerfahrer. “ LKW fahreer fehlen, weil große Firmen ihre Lagerhaltung auf die Straßen verlegten, just in time Produktion.
Gabelstaplerfahrer sind meist angelernte Lagerarbeiter, die einen Gabelstaplerführerschein machten. Dafü belegtdn sie einen Kurszur Erlangung des Führerscheins. Hier schon von Fachkraft zu sprechen, hölt die 2-3 jährige Facharbeiterausbildung aus.

Richtig! Und die Weiterbildung für Gabelstaplerfahrer sollte eigentlich vom Betrieb getragen werden.

Der Staat mag Selbständige nicht! Deswegen will er Bürgerversicherung, Scheinselbständigkeit, usw. Er mag lieber Untertanen, die von ihm abhängig sind, die mucken auch nicht auf. Wessen Brot ich ess, dessen Lied ich sing.

Großunternehmen mögen (kleine) Selbständige auch nicht, die sind unliebsame Konkurrenz, die hält man sich mit Mindestlohn vom Hals und kuscht als Lobby-Unternehmer mit Mutti.

Für einen Liberalen ist das Recht am Leben eine Selbstverständlichkeit. Weil jeder Mensch ein Recht auf Lebenserhaltung hat, sind m.E. alle staatlichen Gesetze, die dieses verhindern unmoralisch, z.B. Markteintrittsbarrieren wie der Lizensierungszwang.

Ein „Recht auf Lebenserhaltung“ hieße aber, diese Staatsmaschine weiter auszubauen, um jeden am Leben zu erhalten, egal, was dieser jede dazu beiträgt. Was ist daran liberal? Ist es nicht eher so, dass jeder die Möglichkeit haben muss, für sich selbst zu sorgen, und der Staat nicht das Recht hat, dies zu verhindern, ausgenommen im Strafvollzug?

Da merkt man mal, dass man zuerst definieren sollte, bevor man eine Aussage tätigt. Das „Recht am Leben“ ist eine Freiheit, eine Immunität. Eine Freiheit einzuschränken bedarf keiner bloßen Behauptung, sondern eines Beweises, z.B. die Zustimmung desjenigen, dessen Freiheit eingeschränkt werden soll. Für gewöhnlich kommt so etwas in einem Vertrag zum Ausdruck. Zu einem Recht gehört eine Obligation oder Verpflichtung einer anderen Person, zu einer Freiheit oder Immunität das Nichtvorhandensein eines damit in Widerspruch stehenden oder einschränkenden Rechtes einer anderen Person. Und wenn jemand arbeiten geht, gehöhrt ihm der volle Lohn, das ist das Recht an der Lebenserhaltung und kein… Mehr

also ich bezweifle ob die Statistiken immer so stimmen wie angegeben und behaupte einfach mal das die “ Tätigkeitsfelder“ in drei Gruppen aufgeteilt sind.(Rentner und Schüler ausgenommen)
1. Gruppe, Menschen die einer Beschäftigung nachgehen.
2. Gruppe, Menschen die alimentiert werden.
3. Gruppe, Menschen die, die ersten beiden Gruppen überwachen.
Mal ganz einfach gesehen ohne Statisiken. 🙂 und befürchte das die erste Gruppe irgendwann mal das nicht mehr stemmen kann.

https://aktuelle-sozialpolitik.blogspot.de/2018/01/frohe-kunde-aus-dem-jobwunderlanderland.html
https://www.linksfraktion.de/presse/pressemitteilungen/detail/richtungswechsel-in-der-arbeitsmarktpolitik-dringend-notwendig/
dafür beziehen 4.394.451 Menschen Arbeitslosengeld II und müssen ein Leben am oder gar unter dem Existenzminimum führen. Weiß Gott keine frohe Botschaft .
Ein wenig Partei für Lohnempfänger ergreifen täte Herrn Schäffler gut.Oder winkt ein Job in der Neuen FDP?

Ich arbeite in einer der hier hochgelobten freiberuflichen Positionen – nach 17 Jahren fester Tätigkeit und erhalt für due gleiche Arbeit nun weniger als ein Drittel der früheren Vergütung. Wahrlich ein Fortschritt für die Arbeitgeber.

Jahrelang Übersetzer, ca. 60.000 Jahresgehalt stets, mit der Zeit aber wandeln sich die Dinge, heute wohl eher nur noch 30.000 – natürlich blöd, aber so ist das Leben, man hat eben kein Anrecht auf 50k plus: wenn der Mehrwert für andere nicht mehr so hoch ist, ist es eben so

wpDiscuz