Abschottung im Schafspelz in der EU

Regierungen wollen oft ökonomische Gesetze aushebeln, um kurzfristig zu gefallen. Doch ökonomische Gesetze wirken immer. Sie schaffen die Basis für künftigen Wohlstand. Von der Politik verbogen ergeben sie Arbeitslosigkeit und Armut.

© EMMANUEL DUNAND/AFP/Getty Images
British Secretary of State for Exiting the European Union (Brexit Minister) David Davis (L) and European Union Chief Negotiator in charge of Brexit negotiations with Britain Michel Barnier (R) address media representatives at the European Union Commission Headquarters in Brussels on August 28, 2017

In Großbritannien kippt die Stimmung. Labour-Chef Jeremy Corbyn hat lange rumgeeiert und sich jetzt für eine weichen Brexit ausgesprochen. Vielleicht hat er meinen „Weckruf für eine weichen Brexit“ vom 9. Juni hier auf Tichys Einblick gelesen. Man sollte die Hoffnung nie aufgeben – selbst bei Sozialisten!

Nach der Wahlschlappe von Theresa May bei der Unterhauswahl im Juni und dem Verlust ihrer absoluten Mehrheit war klar, dass diese „Klatsche“ nicht ohne Folgen für die britischen Brexit-Verhandlungen sein konnten. Die Premierministerin ist weiterhin stark unter Druck und es ist nicht ausgemacht, ob sie die nächsten Monate politisch überlebt.

Grossbritannien-Wahl
Weckruf für einen weichen Brexit
Schon hat Außenminister Boris Johnson Zugeständnisse bei den Scheidungskosten angekündigt. Fast könnte man glauben, die EU sei in der Vorderhand und könne den Briten den Takt diktieren. Zumindest kann man sich des Eindrucks nicht erwehren, dass die EU-Kommission besser vorbereitet ist. Nach wie vor will die EU-Kommission an Großbritannien ein Exempel statuieren. Nie wieder soll ein Mitgliedsstaat es wagen auszutreten. Gerade in Richtung Polen, Tschechien und Ungarn soll dies wirken. Ob dies die Zentrifugalkraft durch den wachsenden EU-Zentralismus beseitigt, muss bezweifelt werden. Als Kitt und Lockmittel wirken dann letztlich nur noch die Gelder, die aus Brüssel verteilt werden.

Schon schlägt Frankreichs Präsident Emmanuel Macron eine Verschärfung der Entsenderichtlinie vor, um den französischen Arbeitsmarkt gegen Arbeitnehmer und Unternehmen aus Osteuropa zu schützen. Er will die Entsendung auf maximal 12 Monate begrenzen. Mitarbeiter von entsendeten Firmen sollen nicht mehr nur den Mindestlohn des Landes erhalten, wo sie vorübergehend arbeiten, sondern den vergleichbaren Lohn. Wer jemals in der EU vom Abbau von Handelshemmnissen fabuliert hat, sollte künftig lieber still sein. Wer den Binnenmarkt, seine wohlstandsschaffende Wirkung auf die Märkte von Dienstleistungen und Waren jemals verstanden hat, sollte nicht weiter Hand an die ohnehin viel zu bürokratische Entsenderichtlinie und insbesondere ihre Umsetzung in die nationalen Gesetze anlegen.

oder: in flagranti
Institutionelles Versagen als konstituierendes Merkmal der EU
Schon heute muss jedes Unternehmen, das im Nachbarland vorübergehend tätig ist, weil es eine Maschine aufbaut oder diese wartet, einen Wust an Bürokratie bewältigen, den mittelständische Firmen nicht ohne fremde Hilfe stemmen können. Damit wir die Wirkung eines gemeinsamen Marktes durchkreuzt. Es wäre so, als wenn ein Unternehmen aus Niedersachsen, das in Bayern eine Werkzeugmaschine installiert, vorher über das dortige Wirtschaftsministerium um Erlaubnis fragen muss. So weit sind wir innerdeutsch zum Glück noch nicht. Aber zwischen Frankreich und Deutschland, zwischen Deutschland und Österreich läuft es genau so. Macron will „Frankreich first“ durchsetzen und schadet damit dem eigenen Land. Wenn Unternehmen den Lohn des Einsatzlandes bezahlen müssen, dann wird es noch komplizierter. Woher soll ein Mittelständler aus Ostwestfalen mit 150 Mitarbeitern das Wissen hernehmen? Soll er extra dafür jemanden einstellen oder Anwälte damit beauftragen?

Erschreckend ist, dass die große Koalition und die Regierung in Berlin Macron beispringen. Auch sie wollen den deutschen Arbeitsmarkt abschotten und abriegeln. Sie sagen es nicht so, sondern kommen mit Schlagwörtern wie Dumpinglohn und unfairer Konkurrenz daher. Doch wo hört das auf? Ist es fair, dass Skoda seine Autos auf einem niedrigeren Lohnniveau in Tschechien produziert als VW in Wolfsburg. Müsste nicht Skoda, wenn es seine Autos in Deutschland verkaufen will, auch vergleichbare Löhne der deutschen Automobilindustrie bezahlen? Muss hier nicht auch die EU-Kommission endlich eingreifen? Ist das nicht auch Dumping. Und sind China, Indien und Südkorea nicht alle Dumping-Ökonomien? Müssen dort nicht auch unsere Löhne bezahlt werden? Was unterscheidet eigentlich diese Politik vom handelspolitischen Säbelrasseln eines Donald Trump? Ist es die Geschmeidigkeit? Die bessere Frisur? Regierungen wollen oft ökonomische Gesetze aushebeln, weil sie kurzfristig gefallen wollen. Doch ökonomische Gesetze lassen sich nicht beseitigen, sie wirken immer. Sie schaffen entweder die Basis für künftigen Wohlstand, oder die Politik versucht, sie zu verbiegen und schafft dadurch Arbeitslosigkeit und Armut.

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Kommentare

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  • Medley63

    Ihnen muss geholfen werden. :-)))))

    Thema Hausschuhe: https://www.zalando.de/herren/?q=hausschuhe&r=false

    Ich empfehle die von Birkenstock. Ist echt was solides.

    Thema Handy: https://www.cyberport.de/smartphone-und-foto/handys/liste.html

    Ein Handy, mit dem man nur telefonieren kann, tja, das gibt es natürlich nicht. Aber was ist so schlecht daran, wenn man auch SMS verschicken, UKW-Radio hören oder mp3-Dateien lauschen kann? Einfach mal ausprobieren, macht sicher Spaß unterwegs auch ein bisschen Musik zu hören.

    Außerdem gibt es auch noch so extra Senioren-Mobilfunkgeräte mit großen Tasten, großem Display und minimalisierten Design zur besseren Handhabung.

    Siehe hier: https://testberichte-und-testsieger.de/Elektronik_Foto/Test/seniorenhandy?ts=klettergebiet-212294-21&s=adwords&adid=177697180205&gclid=EAIaIQobChMIvtvZ3biJ1gIVx7ztCh2C8w2WEAAYAiAAEgLqLvD_BwE

    Thema Fernsehgerät: Was ist das denn für eine Marke, die Sie haben?

    Thema Bedienungsanleitungen: Da haben Sie Recht. Mit den Bedienungsanleitungen ist das schon immer ein Kreuz. An der Ausstattung der Geräte kann aus Konkurrenzgründen nicht gespart werden, da macht man es halt bei den Bedienungsanleitungen, wo es dem Käufer zu seinem Ärger erst nach dem Kauf auffällt, was er sich da eingehandelt hat. Diese Manuals werden meist auf dem billigen Weg aus dem japanischen, koreanischen oder chinesischen ins englische und dann ins deutsche übersetzt, anstatt dass man teuer ein Büro engagiert, dessen Mitarbeiter muttersprachlich sind und die die nötigen technischen wie auch linguistischen Fachkompetenzen besitzen, die Anleitungen in einer verständlichen Sprache mit logischen Sinngehalt zu erstellen. Da müsste der Gesetzgeber halt etwas machen, dass man solcherlei Elektronik mit unverständlichen Anleitungen problemlos wieder zurückgeben kann.

    (Bestens Beispiel „WLAN-Geräte“. Da strotzt es in den Anleitungen nur so von Fachbegriffen, die eigentlich nur jemand, der berufsmäßig mit Computer zu tun hat und der daher eine entsprechende Ausbildung besitzt, verstehen kann.)

    Schöne Grüße,
    Martin

    • Reinhard Peda

      Ich frag jetzt mal nicht nach dem nötigen Kleingeld für Ihre Tipps. :-)))

      Grundig, hergestellt in der Türkei – Satelliten- TV-Receiver Ariva.

      Neuestes Problem, Receiver für Fernseher im Kinderzimmer geht aus, Papa hat in der Küche beim Fernsehen keinen Ton mehr. Hatte eigentlich immer die Ehrfahrung das Geräte unterschiedlicher Hersteller nicht zusammen arbeiten, auch wieder falsch.

      • Medley63

        Bei Qualität müssen Sie schon ein bisschen Kleingeld investieren. Dann ärgern sie sich anschließend aber auch nicht über Mängel, die halt dem „Low Budget“-Preis geschuldet sind. Irgendwo muss der Hersteller ja sparen, um günstig anbieten und trotzdem auf seine Kosten kommen zu können.

        Ihr TV-Gerät: Grundig ist schon vor Jahren pleite gegangen. Da hat ein Hersteller aus der Türkei anschließend den Markennamen für ’nen Appel und ’nen Ei gekauft und bietet nun seine mutmaßlich nicht besonders teuren Geräte unter dem Label des ehemaligen Premiumanbieters an. Da haben Sie wohl leider einen Fehlkauf gemacht. Ist vermutlich auch noch ein Röhrengerät, oder? Und beim Ariva-Receiver…nunja, dann schauen Sie sich am besten die Rezessionen bei Amazon für Ariva-Receiver an und sie werden sehen, dass Sie mit Ihrem Problem nicht alleine stehen.

        Ich erinnere mich noch mich gut, in den 1970ziger Jahren kostete ein Farbfernseher um die 2000 Deutsche Mark, also ein kleines Vermögen. Heute bekommen Sie ein Top TFT-Fernseher mit einer fast doppelt so großen Diagonalen für rund 500 Euro quasi „nachgeschmissen“. Der Hersteller Samsung ist bei den Geräten dabei der „Goldstandard“, ohne dass Sie dabei auch einen Goldpreis bezahlen müssten. Er ist als Anbieter nur unwesentlich teuer als seine eher dürftige Konkurrenz. Falls also Ihre beiden Geräte gänzlich den Geist aufgeben oder falls Sie der große Frust packt, mein Tipp, kaufen Sie sich so ein Samsung-Fernseher, bei dem auch schon der Kabel-, der Satelliten- und der DVB-T(HD)-Receiver komplett mit eingebaut sind.

        Samsung-Fernseher: https://www.cyberport.de/samsung-ue43m5570-108cm-43-smart-fernseher–7910-9QK_11612.html

      • Reinhard Peda

        Samsung habe ich schon ins Auge gefasst, aber noch läuft alles. Was mich wundert und eigentlich auch nicht mit einer Falscheinstellung erklärbar, Programmwahl über Avira – Ton über den anderen Receiver. Was solls, mein Arzt und meine Frau sagen, ich soll mich mehr bewegen, und ohne Ton ist nur nach einiger Zeit wenn der andere Fernseher nicht an ist. Murphys Gesetz halt.

  • Oblomow

    Nachdem Sie Ihre interessante Definition des Sozialismus lieferten, die einen Augen öffnenden Blick auf dieses Land ermöglicht, setzen Sie jetzt (staatliche) Planwirtschaft mit vorausschauendem an Absatzmöglichkeiten und somit an den Wünschen und Bedürfnissen vermutlicher Nachfrager ausgerichtetes unternehmerischem Handeln gleich.

    Ich verstehe Ihre Anmerkung so, daß Unternehmer Ihrer Ansicht nach in einer Marktwirtschaft -die wir übrigens allenfalls noch als Inseln haben- letztlich dasselbe tun wie Politfunktionäre in Planwirtschaften. Stimmt sicherlich, denn z.B. der Trabant, vulgoTrabbi , war den Fahrzeugen aus den kapitalistischen Ausbeutungsproduktionsstätten jenseits des „antifaschistischen Schutzwalls“ um Längen voraus; was sich auf auch mit westlichen Geldern -und dann doch folglich „faschistischen Mitteln“, oha -finanzierten Transitstrecken mit durchgehender „planmarktwirtschaftlich“ mittels Angebot und Nachfrage ermittelten Geschwindigkeitsbegrenzung von 100 km für jeden, der sie nutzte, deutlich zeigte.

    Funktionärskasten gab es in jedem der bisherigen sozialistischen Feldversuche. Bislang waren die „Umsetzer“ Ihrer Ansicht nach mithin zu dumm, zu korrupt, zu eigennützig oder was sonst, daß sie nicht verstanden, was z.B. Sie verstanden zu haben meinen?
    Robert Gabriel Mugabe in Zimbabwe ist dann auch so ein Zeitgenosse, der eine seligmachende Ideologie falsch verstanden hat oder fehlerhaft umsetzt?

    Vielleicht liegt es doch an der Anmaßung von Allwissenheit, einer verderblichen Hybris, die bereits dem ideologischen Gedankenungut inhärent ist?

    Aber mich bewegt im Zusammenhang mit „Gleichmacherreligionen“ auch folgende Frage: Sehen die -neuen, von Sozialisten ja erst zu schaffenden- Menschen dann alle auch identisch aus? Kann doch nicht sein, das einer hübscher als ein anderer ist, in der klassenlosen Gesellschaft, oder? Und es giebt Unterschiede in den Geschlechtern. Ach, ich übersah: daran wird ja gerade gearbeitet.

    • Herbert Wolkenspalter

      Ich setze tatsächlich gleiche Handlungsmuster gleich, unabhängig davon, wer nach ihnen auf welcher Ebene handelt und mit welchem Etikett er sich schmückt. Warum sollte im Großen falsch sein, was im Kleinen gut und sogar unerlässlich ist?

      Nun habe ich keine Lust, zum wiederholtesten Male auf einzelne Bemerkungen einzugehen, was ich mir dabei gedacht und gewollt haben soll, wenn ich diese Dinge nicht geschrieben habe, und die auch gar nicht die jeweils einzige Möglichkeit an Schlussfolgerung sind.

      Funktionärskasten – man könnte auch „strukturierte Führung“ sagen – gab es bisher in jedweder Staatsform, falls Ihnen das noch nicht aufgefallen ist. Strukturierte Führung gibt es ebenso in Unternehmen, selbstverständlich und völlig transparent und ohne Gewaltenteilung. Unternehmen sind intern Diktaturen ohne unabhängige Gerichtsbarkeit. Gerade deswegen funktionieren sie aber effizient. Das mag verblüffend sein, ist aber so. Ich bewerte es nicht und fordere nichts, stelle es nur fest.

      Es liegt also gar nicht an der Existenz von Führungseliten als solchen, ob etwas gut oder schlecht läuft. Sondern ob und welche handwerklichen Fehler sie machen. Nicht nur kommunistische Staaten können scheitern, auch freie Unternehmen. Das Scheitern, das in der freien Wirtschaft aus Sicht ihrer Protagonisten von vorne herein zum normalen Repertoire gehört und angeblich sogar „kreativ“ sein soll, wird mit höchster Entrüstung angekreidet, wenn es Staaten geschieht. In der freien Wirtschaft ist das Scheitern auf die Unternehmen verlagert, weil der Staat als Nicht-Unternehmer nun mal an nichts scheitern kann, was er gar nicht unternimmt.

      Apropos: Wer in Nordkorea Kommunismus sieht, hat verpasst, dass es sich um eine Erbmonarchie in dritter Generation handelt mit Fürsten in der zweiten Ebene, die ihre Einflussbereiche haben. Ähnliches gilt, wenngleich weniger transparent, auch für andere sich selbst so etikettierende, kommunistische Staaten. Und bei uns gibt es Leute, die auf dieses Etikett reinfallen und damit ein Schattenboxen gegen einen Feind veranstalten, der gar nicht das ist, wogegen sie kämpfen. Deswegen stelle ich mir ganz andere Fragen, nämlich zu analytischen Fähigkeiten und was man mit den Ergebnissen (nicht) anfangen kann.

  • Bernd

    Jeder hat wahrscheinlich eine andere Vorstellung und Erklärung dafür, warum zu lesen ist, dass die EU undemokratisch ist.
    In Puncto „kalte Enteignung“ (mal angefangen) durch die EZB, die jeden Einzelnen tangiert, bekommt man dieses Abstraktum in den Griff.
    Das alles kann kein Zufall sein (und Draghi, Juncker und Co. sind ja nicht im Sozialbereich tätig).

    Und selbst die vielen NGO´s, die tatkräftig für die Schutzsuchenden tätig sind , machen das bekanntlich nicht ohne Bezahlung.

    Was mir nicht passt ist, dass man nun dem ahnungslosen Bürger phantastische Geschichten über die Schutzsuchenden erzählt, den kann man, als Steuerzahler, am Ende am leichtesten verpflichten!!

    Erst ging es um 160 Mill.$ die an Verpflegungsgeld in den Flüchtlingslagern fehlten, dann konnte Merkel die Bilder an der Grenze nicht mehr ertragen. Parallel machte man Außenwerbung in den Konsulaten von Syrien…über Afrika bis Indien, um Fachkräfte anzuwerben.
    Dann sagte Heiko Maas, die Schutzsuchenden würden uns kein Geld kosten und andere sagten, unser Land würde sich drastisch verändern (hat man uns vorher gefragt), es wäre eine schwere Aufgabe, aber wir (Deutsche) schaffen das.

    Warum erzählt man uns all diese Storys, muss man uns belügen und warum? Wird es sehr, sehr teuer, werden wir, schon in wenigen Jahrzehnten, zur Minderheit in unserem eigenen Land – bis jetzt immer noch das Land der Deutschen – oder? Unfassbar!

    • chrisyy

      … schon in wenigen Jahrzehnten, zur Minderheit in unserem eigenen Land …
      – ich glaube, dieses Szenario „Minderheit in unserem eigenen Land“ wird in einem Jahrzehnt (~ 10 Jahre) zu beobachten sein.

  • Herbert Wolkenspalter

    Sie müssten mal Absicht und Umsetzung einer Ideologie unterscheiden. Was kann der Denker und Schöpfer einer Ideologie dafür, wenn die Umsetzer das Gegenteil daraus machen?

    Wir sind doch hier alle nicht von gestern, dass wir nicht wissen würden, dass in den real existierenden Volksrepubliken das Volk gerade eben nicht regiert hat. Aber der ideologische Entwurf der Sozialismus war von Humanität und Gleichheitsansprüchen vor dem Recht getragen, was vorher z.B. in Leibeigenschaft und auch sonst in den früheren Klassengesellschaften nicht der Fall war. Auch unsere Demokratien haben eine ganze Portion dieser Ansprüche in ihren Verfassungen verankert. Die deutsche Politik mit ihren Sozialsystemen ist übrigens deutlich sozialer als die chinesische. Wir können sicher nicht behaupten, dass wir darunter schwer gelitten haben.

    • Oblomow

      Der von ihnen erhobene Einwand ist inzwischen abgestanden und wenig geistreich.

      Und ja, die Verfechter sozialistischer Ideologien sind für die Umsetzung derselben durchaus verantwortlich zu machen. K. Marx mag es noch an ausreichendem Wissen gefehlt haben. Das ist längst anders. Heute kann jeder um die Folgen wissen. Nicht allein deshalb, weil schon L. von Mises nachwies, daß Planwirtschaft nicht funktionieren kann.
      http://docs.mises.de/Mises/Mises_Gemeinwirtschaft.pdf

      Die Gleichheit vor dem Recht ist bekanntlich durchaus kein Merkmal der Sozialismen, sondern ihnen ist an Gleichmacherei auch des Verschiedensten gelegen; abgesehen von seinen Funktionärskasten.

  • Herbert Wolkenspalter

    Wenn man es so sieht, könnte gar keine Wirtschaftspolitik betrieben werden, weil es nach quasi naturwissenschaftlichen, also unbeeinflussbaren Regeln geht.

    Da es de facto aber keine Entsprechungen zu naturwissenschaftlichen Regeln gibt sondern nur Forschungen, was passiert, soweit man den Markt frei lässt(!) – denn was beim Regeln rauskommt, muss man nicht erforschen, weil es bestimmt wird – geben diese Forschungen die Antwort auf die falsche Frage. Keinesfalls aber erkennen sie damit sowas wie „Wirtschaftsgesetze“, die man nicht beeinflussen könnte.

  • Lothar Finger

    …hätte Ralp Nader unsere Regierung getestet würde das Urteil wie beim Käfer heißen:

    „Unsafe at any speed“

    Man muss sich nur zu Gemüte führen, das wir ohne England in der EU die zahlende „Watschennation“ sein werden.

    GB war ist von der Wirtschaftsgröße her so groß wie 20 der kleineren EU-Länder zusammen.

    Und die überlegen schon mal was man denn von der EU und ihrer Zentralbank noch so alles herauskitzeln könnte!

    Die Stimmenmehrheit haben diese ohne GB allemal.

    > Wenn Deutschland nicht mehr zahlt dann platzt der Laden< (EU Parlamentarier)

    Es sieht – an allen Fronten – nicht gut aus! Ich befürchte Mutti kann das nicht mehr richten!

    Einen schönen Tag noch

    Mit freundlichem Gruß

    L.J. Finger

  • GermanMichel

    Na ja, Freihandel und Freizügigkeit ohne Bürokratie sind ohne Zweifel tolle Errungenschaften – bzw wären es, wenn die Lohnniveaus vergleichbar wären.

    Bei weit auseinanderklaffenden Lohnniveaus und Lebenshaltungskosten ist diese Form der Globalisierung bzw Europäisierung schlicht Harakiri.
    Wobei natürlich nur die einheimische Arbeiterklasse entleibt wird, nicht der outsourcende Unternehmer, der jetzt im Billiglohnland produziert und weiterhin daheim zu gediegenen Preisen verkauft und dabei sehr reich wird.

    Wer war noch mal die treibende Kraft hinter der Globalisierung?

  • Tom

    Es ist die „Geiz-ist-geil“-Mentalität, die Unternehmen Verbrauchern erst ins Bewusstsein gepflanzt haben (im heute massiven Umfang). Nirgendwo sonst sind Lebensmittel so billig. Aber es hat sich eine Eigendynamik entwickelt, die sich gar nicht ändern lässt ohne weiteres.

    Das wurde mit dem Euro so fortgesetzt. Ich habe kurz nach den ersten Ankündigungen Draghis gelesen (als der Euro aus deutscher Sicht mit rund 1,35 halbwegs da war, wo er sein sollte), dass sogar von Wirtschaftsverbänden Kritik kam. Innovationskraft würde so abgebaut, da sich immer mehr Unternehmen nur noch auf billige Verkaufspreise konzentrieren statt auf Qualität.

    Andererseits dürfte die Zahl derer, die auf billige Preise achten müssen, gerade in der breiten Masse der Durchschnittsverdiener steigen, da die Löhne in Deutschland kaum Wachstum verzeichnen und teilweise seit 20 Jahren eher stagnieren. Für immer mehr wird „Geiz-ist-geil“ immer mehr zur Notwendigkeit.

    Gut, ich dampfe sehr stark ein, aber wenn große Konzerne, wenn überhaupt, nur noch im Promille-Bereich versteuern und dann noch nicht einmal in Deutschland (oder dem Land, in dem sie verkaufen), dann ist doch klar, dass auch der Staat weniger ausgeben kann. Stattdessen wird lieber Geld neu gedruckt. Und das Unternehmen produziert zwangsläufig, wo Löhne billig sind. Weshalb gab es einst doch mal so was wie Schutzzölle?

    Insgesamt ist das meines Erachtens die Perversion des Neoliberalismus, die allen immer mehr auf die Füße fällt. Über eins scheinen sich vor allem Konzerne keinen Kopf gemacht zu haben: wenn sie immer weniger zahlen und immer mehr Vermögen anhäufen oder ins Ausland transferieren, woher soll dann noch Geld für den Konsum kommen auf einem halbwegs plausiblen Weg? Draghis Weg ist nur die Fortsetzung dieses Übels.

    Aber ich denke, das ist sowieso alles aus dem Ruder gelaufen. Produkte sollten hergestellt werden, um das Wohl der Menschen zu verbessern. Wir sind aber schon lange an dem Punkt, dass der Mensch zum Wohl der Konzerne ausgebeutet wird – überall. Und wer jetzt argumentiert, dass das auf einer liberalen Seite unpassend sei: ich sehe außer der Ähnlichkeit der Bezeichnung keine Gemeinsamkeiten zwischen liberaler Denkweise (zugunsten der Menschen) und Neoliberalismus (der seltsam viele Gemeinsamkeiten mit Faschismus hat und einer Demokratie nie förderlich ist). Ich sehe das eher als eine geschickte Tarnung, etwas menschenverachtendes nett zu verpacken. Und erst, wenn dieses Problem angegangen wird, werden sich alle daraus erwachsenen Probleme wirklich lösen lassen. Alles andere ist die berühte Flickschusterei.

  • Old_Europe_61

    „Diese hängt nicht davon ab, wer sie bestimmt sondern wie sie in der Sache funktioniert.“

    Marx sagte dazu: „Wenn Theorie und Praxis auseinanderfallen, entscheidet die Parxis.“
    Wie gut hat sie funktioniert, die dirigistische Planwirtschaft? Wie gut in Maos China, Stalins UdSSR, Ceaucescus Rumänien, Ulbrichts DDR, Pol Pots Kambodscha, Castro´s Kuba, Maduros Venezuela…?
    War das nur Mangel an Klugheit, oder passt das Quälen, Unterjochen, Gängeln und Entmündigen der Individuen vielleicht einfach nicht zum Menschen?
    Warum wird an den vollkommen untauglichen Phantasmen der Ideologen des Kollektivismus, die mehr Tote zu verantworten haben, als Faschismus und Nationalsozialismus, festgehalten, statt zu berücksichtigen, wo technischer Fortschritt, Güterversorgung, Wohlstand, soziale Sicherheit und Freiheit maximal ausgeprägt waren – in Amerika und Westeuropa.

    • Reinhard Peda

      Was Sie beschreiben hat mit den Entscheidern zu tun.

      Systembedingt produziert der Kapitalismus, beim Reicher werden, immer wieder, mehr Armut.

      http://www.forum-ordnungspolitik.de/zur-ordnungspolitik/populaere-irrtuemer/40-manchester-kapitalismus

      Internationale Handelsbeziehungen können nur bei ausgeglichener Handelsbilanz dauerhaft funktionieren. Ansonsten verarmt das Importland!

      Tauschhandel findet nur mit realen Gütern statt.

      In der Wirtschaft hat Geld die Funktion eines realen Gutes mit übernommen. Wieviel Aufwand getrieben werden muss um komplexe Güter herzustellen, und wieviel für die Geldherstellung, werden Sie Wissen.

      Ich erschaffe mein eigenes Geld aus dem Nix, kaufe damit Energie und Rohstoffe samt Arbeitskraft und was sonst noch benötigt wird, dann habe ich ein produzierendes Unternehmen. Kann auch die Abkürzung nehmen und schon ein bestehendes Unternehmen aufkaufen. Über die Gewinne des Unternehmens gelangt das Geld wieder auf mein Konto.

      Ändert sich etwas an der Vorgehensweise, wenn eine Bank das Geld aus dem Nix, einem anderen dieses per Kredit in die Hand gibt, der es genauso macht wie ich? Der mit seinen Gewinnen seinen Kredit bei der Bank tilgt?

      Wie auch Immer, letztendlich wurde sich mit Nix, ein wertmäßig, reales Gut angeeignet!

      Zum Verständnis von Geld gehört auch dieser Link:

      http://www.eucoprimo.com/1999/04/01/was-ist-%E2%80%9Eprimitivgeld/

      Richtig ist auch, das ohne Geld. die allermeisten heutigen Wirtschaftsgüter nicht existent wären. Geld wurde mit dem Versprechen ausgestattet, jederzeit, als gleichwertiger Ersatz für ein reales Tauschgut herzuhalten.

      Wie das mit dem „Reichtum“ der Armen, der Massenkaufkraft zusammenhängt hatte ich schon beschrieben.

      Die Spielregeln müssen angepasst werden, möglichst fehlerfrei.