Friedrich Merz könnte Präsident des CDU-Wirtschaftsrats werden

Als Präsident des Wirtschaftsrats könnte er der Partei helfen – und sich ihr für andere Ämter empfehlen. Aber Merz müsste tun, was er in der Vergangenheit stets abgelehnt hat: Er müsste eine dienende Rolle einnehmen.

John MacDougall/AFP/Getty Images

Als der Gallierkönig Brennus nach der Schlacht an der Allia (387 v. Chr.) die besiegten Römer beim Wiegen der ihnen auferlegten 1.000 Pfund Kriegskontribution in Gold mit falschen Gewichten betrog, verhöhnte er sie mit dem Ausruf „Wehe den Besiegten.“ Ganz so überheblich ist Annegret Kramp-Karrenbauer mit dem von ihr besiegten CDU-Wiedereinsteiger Friedrich Merz nicht umgegangen. Aber ihr Hinweis, dass sie gezählt und das Kabinett als vollzählig vorgefunden habe, war doch recht süffisant.

Gleichwohl möchte AKK, so beteuert sie jedenfalls, Friedrich Merz im Boot halten. Wobei es weniger um die Befindlichkeit des Hoffnungsträgers der Konservativen und Marktwirtschaftler in der Union gehen dürfte als um seine Anhänger. Denn mit Kramp-Karrenbauers Wahlsieg ist das Problem nicht gelöst, dass die CDU-Mitgliedschaft gespalten ist – in einen Merkel/AKK-Flügel und die mindestens ebenso große Schar der Merz-Jünger.

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Merz selbst hat nach seiner Wahlniederlage auf dem Parteitag eine Kandidatur als stellvertretender Parteivorsitzender oder für das Präsidium abgelehnt. Das kann man verstehen. Aber ein frei schwebender Merz, der im Wahlkampf in den ostdeutschen Ländern auftritt, Interviews gibt oder in Talkshows sitzt, kann nicht den Eindruck vermitteln, hier spreche einer, der den Kurs der CDU mitbestimme. Wer noch nicht einmal dem CDU-Bundesvorstand angehört, kann viel sagen, aber nichts entscheiden. Ein Merz ohne richtiges Amt kann vielleicht Säle füllen, aber nicht Hoffnung auf eine anders akzentuierte CDU-Politik machen. Ein frei schwebender Merz wäre durchaus eine Wahlkampf-Attraktion. Aber eine echte Hilfe für die CDU wäre er sicher nicht.

Wenn Merz den mit Merkel unzufriedenen und somit gegenüber Kramp-Karrenbauer skeptischen Teil der CDU-Klientel bei der Stange halten soll, braucht er eine Anschlussverwendung, die diesen Namen verdient. Mögen die Merz-Anhänger ihr Idol auch am liebsten als Bundesminister sehen: Ein Minister Merz unter einer Richtlinien-Kanzlerin Merkel, das würde kaum funktionieren. Zudem würde bei dieser Konstellation die neue CDU-Vorsitzende degradiert, da sie dem Kabinett nicht angehört. Die Parteiämter an der Spitze der CDU sind aber vergeben; das lässt sich auch nicht auf die Schnelle ändern.

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Falls Merz sich tatsächlich in und für die CDU engagieren möchte, statt weiterhin von der Seitenlinie aus meist unerbetene, kritische Kommentare abzugeben, müsste er sich an die Spitze des „Wirtschaftsrats der CDU e.V.“ stellen. Dieser Verband, in dem sich Unternehmer und Manager zusammengeschlossen haben, nennt sich selbst „Speerspitze der Erneuerung in der Wirtschafts-, Finanz- und Sozialpolitik“. Genau dafür steht Merz. Und der besondere Charme: Der Wirtschaftsrat steht der CDU nahe, ist aber formal nicht Teil der Partei wie zum Beispiel die Mittelstandsvereinigung, die Sozialausschüsse oder die Junge Union. Als Wirtschaftsrats-Präsident wäre Merz der „Mister Marktwirtschaft“, den die CDU seit Jahrzehnten nicht mehr hat.

Nun hat der Wirtschaftsrat einen Präsidenten. Nur: Den kennt außerhalb der engsten Berliner Zirkel so gut wie niemand: Werner Michael Bahlsen (69) aus der gleichnamigen Keks-Dynastie, ein eher introvertierter Herr, der sich im Berliner Polit-Getümmel schwer tut. Öffentliche Auftritte sind seine Sache nicht; die überlässt er lieber seinem Generalsekretär. Friedrich Merz gehört übrigens seit vielen Jahren dem Präsidium des Wirtschaftsrats an. Hätte er 2015 nach dem damals frei gewordenen Amt des Präsidenten gegriffen, wäre es sicherlich nicht zu einer Kampfkandidatur Bahlsens gekommen.

Merz als Wirtschaftsrats-Präsident? Es könnte eine perfekte Plattform für ihn sein. Er könnte beides verbinden: für die CDU einzutreten und gleichzeitig auf sie einzuwirken. Er wäre mitten drin und doch nur bedingt gebunden an Gremienbeschlüsse. Er könnte glaubwürdig für einen anderen Kurs der Partei eintreten. Er könnte der Partei helfen – und sich ihr für andere Ämter empfehlen. Aber Merz müsste tun, was er in der Vergangenheit stets abgelehnt hat: Er müsste eine dienende Rolle einnehmen.

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Kommentare ( 39 )

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Werter Herr Müller-Vogg,
ich finde diese Anbiederei des Black-Rock-Atlantikers einfach nur peinlich. Game isch over. Nett, dass Sie helfen wollen, jedoch Zeitverschwendung. Wenn Merz es so nötig hat, sollte er vielleicht einmal ein Job-Center um Rat bitten.
Ich danke und wünsche Ihnen – trotz aller Unwägbarkeiten – einen angenehmen Rest des gerade angebrochenen Jahres 2019!

Herr Müller-Vogg, mit dem Dienen haben Sie den Punkt getroffen. Es steht geschrieben: wer führen will, muß dienen können. Friedrich Merz kommt rüber wie ein Weihnachtspaket aus Hochmut und Eitelkeit. Schlechte Vorausaussetzungen für jede Position. Ich empfehle aus eigener Erfahrung katholische Schweigeexerztien. Da kommt man auf Dinge, die man nie vermutet hätte!

Herr Müller-Vogg, Sie müssen sich endlich von dem Gedanken verabschieden, dass die CDU eine Zukunft hat. Merz ist nicht vermittelbar: Er ist ein millionenschwerer Lobbyist und er ist (so ungerecht das klingen mag) von seiner Physiognomie zu groß für die Kameras (das sagte mir mal ein Kommunikationstrainer, der selbst CDU-Mitglied war und u.a. für Kurt Biedenkopf gearbeitet hatte). Er schaut immer von oben herab, im wahrsten Sinne des Wortes. Auch sonst sucht man gutes Personal in der CDU vergebens, vielleicht noch Linnemann, aber der ist zu blass und zu brav. AKK spricht schon wie Honecker und wird warme Gefühle bei… Mehr

+++ Eilmeldung +++
Wie Reuters exklusiv vermeldet, wurde Friedrich Merz heute morgen zum Ehrenvorsitzenden des Obst- und Gartenbauvereins seiner Heimatstadt Brilon („Stadt der Esel“) nominiert. Aus engsten CDU-Kreisen haben wir erfahren, dass Merz über diese Nominierung hocherfreut sei und noch diese Woche alle seine Mandate bei Blackrock niederlegen werde. „Ein Lebenstraum erfüllt sich“, wurde der sympathische Sauerländer zitiert, als Alwine Rübenacker, die amtierende Vorsitzende, ihm persönlich die Nominierung überreichte.
+++ Eilmeldung +++

Sehr schön😅

Konservatismus ist in der CDU personell nicht mehr vertreten. Wenn der abgehalfterte Merz das einzige und letzte Aufgebot der Konservativen war, dann kann die Union einpacken. Zwei grüne Parteien sind mittelfristig ohnehin eine zuviel.
Die Heimat der Konservativen muss dann eben in einer alternativen Partei sein.

Man könnte auch sagen, gewogen und für zu leicht empfunden und so ist es nun mal im Leben, wenn man sich aus der Deckung wagt muß man mit allem rechnen, das gilt für alle Menschen, für Gewählte, Auserwählte, Nichtgewählte, denn die Gedanken eines jeden Einzelnen sind unergründlich und demzufolge setzt sich ein Bewerber nahezu allen Möglichkeiten oder Unmöglichkeiten aus, wer da nicht mit fertig wird, sollte es bleiben lassen, mal ganz von dem abgesehen, wer wen braucht, das ist hier die Frage?

Als ob das Thema Merz von irgendeinem Interesse für die nähere und weitere Zukunft wäre … Wie war überhaupt das Weihnachtsfest zusammen mit Hoppenstedts, Herr M-V?

Wenn, könnte, sollte vielleicht, würde….. Sehr geehrter Hr. HMV, „ihre“ CDU ist bei allen untendurch, die Merkel und Merkel 2.0 nicht für die richtigen halten, dieses Land zu führen. Ob Merz zum Faschingsprinz oder Großwesir ernannt wird, ist dabei ohne Belang.

Ich persönlich begrüße, dass Merz sich bisher nicht hat einhegen lassen. Taktisch ist das sicher die beste Variante, denn niemand könnte ihm auch nur einen Hauch von Verantwortung für die aktuelle Zerschlagung unseres produzierenden Gewerbes in unserer Schlüsselindustrie und die unglücklich die Fronten verhärtende Handelspolitik etc. zuschieben. So könnte er sich, wenn es richtig knirsch wird, selbst wie Kai aus der Kiste zaubern, um völlig unbelastet an verantwortlicher Stelle die Karre wieder aus dem Dreck zu ziehen, wenn die derzeitige Führung den Wagen endgültig im Modder versenkt hat. Die bisherige, beliebige Laissez-faire Politik hat die Weichen jahrelang schleichend auf Gegenwind… Mehr

Merz wird der nächste Schäuble.