Von Treibhäusern und „Decarbonisierung“

Holger Douglas sprach mit einem Wissenschaftler, der nicht davon abhängig ist, daß er auf seinem nächsten Forschungsprojektantrag Klimawandel, "CO2 muß weg" und Ähnliches schreibt, um eine Chance auf Forschungsgelder zu haben.

© Getty / ESA.

Es kommt so sicher wie das Amen in der Kirche: starke Regenfälle, Überschwemmungen, gebrochene Dämme. Naturgemäß Bilder, die nicht erquickend sind. Früher hatten es die Menschen einfacher: Der Pfarrer auf der Dorfkanzel konnte donnernd den sündigen Menschen beschimpfen, Ablaßbuße und zehnmal Rosenkranz rauf und runter auftragen, fertig. Der Mensch war sündentechnisch auf Reset gestellt.

Heute geht das nicht mehr. Niemand glaubt mehr, schon gar nicht den Pfaffen. Da müssen andere Hohepriester der Katastrophen her, zum Beispiel die Kirche der letzten Klimawandelwarner. Die haben jetzt wieder Hochkonjunktur. Was anderes sind die jetzigen Unwetter als Folgen der Erwärmung und die … na, wer ist dran Schuld?

Was müssen wir tun? Mal mit einem Wissenschaftler sprechen, der nicht davon abhängig ist, daß er auf seinem nächsten Forschungsprojektantrag irgendwie Klimawandel, „CO2 muß weg“ und dergleichen Unsinn reinschreibt, um eine Chance auf Forschungsgelder zu haben. Zum Beispiel mit Horst-Joachim Lüdecke, Physikprofessor im Ruhestand, der sich so ausgiebig wie wenige andere mit Klima und Energie befaßt hat. Er ist Mitautor von zahlreichen begutachteten Veröffentlichungen in wissenschaftlichen Klima-Fachzeitschriften. Klimawandel wird es immer geben, so stellt er fest, „egal ob wir die Erde bevölkern sowie mit Industrie und Landwirtschaft CO2 erzeugen oder nicht“.

Holger Douglas: Die Erdgeschichte ist eine Abfolge von sehr unterschiedlichen Epochen, von Warm- oder Eiszeiten, Phasen, in denen große Landtiere ausgestorben sind, Feuer und Vulkanausbrüche Verheerungen auslösten, Landmassen untergingen. Erstaunlich, welch kompliziertes Wechselspiel sich da abspielt. Seit recht kurzer Zeit bevölkert der Mensch die Erde, aber jetzt plötzlich soll er alles verändern? Wahrscheinlich?

Horst-Joachim Lüdecke: Das ist tatsächlich sehr unwahrscheinlich. Den Einfluss des Menschen kann man aus dem Klimarauschen bis heute nicht heraushören. Was wir seit ungefähr 1750, also seit Beginn der Industrialisierung, an Klimaschwankungen erlebt haben, liegt meilenweitweit innerhalb des natürlichen Schwankungsbereichs des Klimas, wie wir ihn aus den Zeiten davor kennen. Vor der Industrialisierung gab es weit heftigere Klimaausschläge als danach.

Es gibt nicht die geringste wissenschaftliche Berechtigung zu behaupten: Hier sehen wir ungewöhnliche Klimaentwicklungen, die eigentlich nur vom Menschen kommen können. Nicht zuletzt belegen dies sogar der Weltklimarat (IPCC) und jedes meteorologische Lehrbuch: Es ist keine Zunahme von Extremwetterereignissen in den letzten 150 Jahren feststellbar. Ich darf kurz anmerken, dass Wetter und Klima nicht identisch sind. Klima ist der mindestens 30-jährige Durchschnittswert von Wetter.

Holger Douglas: Die Temperaturänderungen der Vergangenheit in 100 Jahreszeiträumen konnten Sie in einer wissenschaftlichen Fachveröffentlichung mit einfachen Sinuskurven wiedergeben und haben dabei erstaunlich gleichmäßige Schwankungen festgestellt?

Horst-Joachim Lüdecke: Sie sprechen jetzt Klimazyklen an. Man kennt eine ganze Reihe dieser Zyklen und vermutet, dass sie von der Sonne gesteuert werden. Stellvertretend nenne ich die Atlantische Multidekaden-Oszillation (AMO) mit einer Zykluslänge von etwa 65 Jahren, den De Vries / Suess -Zyklus von etwa 200 Jahren und den Dansgaard-Oeschger Zyklus von etwa 1.500 Jahren. Solche Zyklen sieht man in fast allen guten Proxydaten.

Kurz zu Proxydaten: Es sind indirekt ermittelte Klimawerte der Vergangenheit, als es noch keine direkten Messungen gab, wie z.B. Temperaturen oder Niederschläge. Man gewinnt sie aus Analysen von Baumringen, Stalagmiten, Eisbohrkernen, Sedimenten, Pollen usw.

Man findet nun Korrelationen von Sonnenfleckenzahlen mit der Häufigkeit der Isotope Kohlenstoff 14 und Beryllium 10, aber auch mit Klimazyklen. Ein Zusammenhang dieser Daten liegt sehr nahe, aber man kennt bis heute nicht die Mechanismen, die einen solchen Zusammenhang erklären können.

Wir haben in unserem Fachaufsatz den De Vries / Suess-Zyklus näher untersucht, der für uns heute wohl am interessantesten ist. Er hat nämlich eine Periode von rund 200 Jahren, und dieser Zeitraum interessiert uns ja gerade. Es ist etwa der Zeitraum von Beginn der Industrialisierung bis heute.

Aus der guten Übereinstimmung des De Vries / Suess Zyklus mit der Temperaturentwicklung bis zurück zum Jahre 0 n.Chr. und sogar weiter in die Vergangenheit folgern wir, dass dieser Zyklus nicht plötzlich aufhört, sondern auch zukünftig fortbesteht. Wenn man ihn theoretisch weiterführt, müsste es eigentlich bald wieder kühler werden.

Bis jetzt sehen wir von einem deutlichen globalen Abkühlen allerdings noch nichts. Seit 18-20 Jahren herrscht aber immerhin bereits Stillstand in der globalweiten Temperaturentwicklung. Dies ist ein bemerkenswerter Widerspruch zur Erwärmungswirkung des zunehmenden menschgemachten CO2 und wird für den Klima-Alarmismus immer bedrohlicher. Es wird jetzt spannend, wie es in den nächsten 10, 20 Jahren mit den Temperaturen weitergeht.

Temperaturstillstand

Holger Douglas: Scheint dieser jüngste Temperaturstillstand nicht doch auf eine leichte Abkühlung hinzudeuten?

Horst-Joachim Lüdecke: Nein. Wir haben zur Zeit einfach einen Stillstand, mehr nicht. Man muss sich nur die Satellitendaten anschauen, die am zuverlässigsten sind. Man sieht dann, dass sich die Südhemisphäre abkühlt, die Nordhemisphäre in etwa gleich bleibt und sich die Arktis als einzige Erdzone wirklich erwärmt. Im globalen Durchschnitt bleibt es seit ca. 18 Jahren unverändert.

Holger Douglas: Wie genau und zuverlässig sind denn die von Ihnen genannten Proxydaten? Es bestehen sicherlich kaum Probleme, 1.000 bis 2.000 Jahre zurückzugehen und die Temperaturentwicklung relativ präzise zu messen. Aber die Erde ist viereinhalb Milliarden Jahre alt; je weiter wir zurückgehen, desto ungenauer werden die Daten. Wie verlässlich sind diese Zyklen-Vorstellungen?

Horst-Joachim Lüdecke: Es hängt von den Zeitlängen ab: Uns interessiert im Zusammenhang der globalen Erwärmung, die gemäß Meinung der Klima-Alarmisten in den letzten 200 Jahren vom Menschen verursacht sein soll, allerhöchstens die letzten 10.000 Jahre. Vor mehr als 350 Jahren haben wir nur Proxydaten, also indirekte Messwerte. Direkt gemessen wird frühestens seit Mitte des 17. Jahrhunderts.

Alle Proxydaten haben ihre Fehler und Nachteile, je länger zurück desto stärker. Baumringe und Stalagmiten zum Beispiel sind keine reinen Proxies für Temperaturen, sondern auch für Niederschläge. Baumringe geben naturgemäß nur die Sommertemperaturen wieder. Eisbohrkerne haben zwar auch ihre Probleme, sind aber wohl am verlässlichsten, wie man es aus dem Vergleich mit Proxies aus Sedimenten weiß.

Die berühmte Eisbohrkern-Kurve der russischen Antarktis-Station Vostok über die letzten 400.000 Jahre, die Temperaturen und den CO2 Gehalt der Arktis nachbildet, ist beispielsweise sehr zuverlässig. Die CO2-Werte haben in diesem Zeitraum übrigens trotz enormer Temperaturschwankungen nur verhältnismäßig wenig geschwankt. Der CO2-Anstieg der letzten 150 Jahre ist daher ohne jeden Zweifel menschgemacht.

Wenn man natürlich noch weiter zurückgeht, dann wird es ungenauer. Aber man hat immer noch eine recht gute Vorstellung bis 500 Millionen Jahre vor unserer Zeit. Es ist heute bekannt, was damals passiert ist. Der CO2-Gehalt war früher regelmäßig höher als heute. Und die Erde erlebte Warmzeiten mit eisfreien Polkappen, aber auch Kaltzeiten, in denen sie eine Eiskugel (Snowball) war.

Vielleicht ist es in diesem Zusammenhang noch erwähnenswert, dass wir in einem Eiszeitalter leben (nicht in einer Eiszeit). Ein Eiszeitalter ist durch die gleichzeitige Vereisung beider Erdpole gekennzeichnet.

Holger Douglas: Die CO2-Konzentration der Erdatmosphäre ging teilweise bis zu 6000 ppm hoch.

Horst-Joachim Lüdecke: Ja, bis zum 15-fachen von heute – ganz grob natürlich. Es gab aber auch einmal einen Zeitpunkt vor etwa 300 Millionen Jahren als der CO2-Gehalt etwa so niedrig wie heute war. Aber wie schon gesagt sonst war er stets höher.

Was jetzt sehr wichtig ist: Es gibt keine Korrelation zwischen Temperatur und CO2-Gehalt. Es gab die Erde schon einmal total vereist mit sehr hohen CO2-Werten vor etwa 450 Millionen Jahren. Umgekehrt gab es kleine CO2-Werte bei wesentlich höheren Temperaturen als heute vor etwa 90 Millionen Jahren.

Holger Douglas: Also kein Zusammenhang zwischen CO2 und Temperaturen?

Horst-Joachim Lüdecke: Nein, der ist nicht zu sehen.

Holger Douglas: CO2 ist ein Spurengas und daher nur in sehr geringen Mengen in der Atmosphäre vorhanden. Hat es überhaupt eine wichtige Wirkung?

Horst-Joachim Lüdecke: Es stimmt, CO2 ist nur ein Spurengas, selbst das Edelgas Argon ist häufiger. Zur Zeit befinden sich 0,04 Volumenprozente CO2 in der Luft. Vor der Industrialisierung waren es etwa 0,028 Volumenprozent. Diese Differenz ist vom Menschen verursacht.

CO2 ist freilich trotz seiner geringen Konzentration als Hauptbestandteil der Photosynthese lebensnotwendig. Ohne CO2 würden wir alle nicht existieren, es gäbe keine Pflanzen oder Tiere, es gäbe nichts, was man als Leben bezeichnen könnte.

Holger Douglas: Man müsste dann doch einen Zusammenhang zwischen dem Wachstum der Pflanzen und dem CO2-Gehalt sehen oder nicht? Je mehr CO2-Gehalt – desto stärker das Wachstum der Pflanzen?

Horst-Joachim Lüdecke: Ja, so ist es. Hierzu gibt es viele wissenschaftliche Untersuchungen, zum Beispiel Messungen an Nahrungspflanzen von Reis über Weizen bis hin zu Sojabohnen. Der Zusammenhang ist eindeutig. Je mehr CO2, umso stärker der Pflanzenwuchs.

Das weiß man heute auch aus Satellitenmessungen: Die Erde ist inzwischen grüner als noch vor 50 oder 100 Jahren. Es stand sogar schon einmal im Spiegel: „die Sahara wird grüner“.

Die Ernten haben weltweit auch durch das vom Menschen gemachte CO2 zugenommen. Das ist ein positiver Effekt. Negative Effekte des zunehmenden CO2 sind nicht bekannt.

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