Die Kernkraftwerke können weiterlaufen

Ein Weiterbetrieb der Kernkraftwerke ist möglich, sagen die Fachleute der Betreiber, die Ideologen des Bundesumweltministeriums behaupten, nein, das sei nicht möglich.

IMAGO / Andreas Haas
Kernkraftwerk Isar 2 bei Landshut

Die Kernkraftwerke können weiterlaufen. Dies sagte bei einer Expertenanhörung im Bayerischen Landtag der Kraftwerksleiter des letzten bayerischen Kernkraftwerkes Isar 2, Carsten Müller. Aus Sicht des Betreibers PreussenElektra wäre dies technisch problemlos möglich, bis März 2023 könne der Reaktor ohne Leistungseinbußen zusätzlichen Strom erzeugen. Danach könnte bis Spätsommer 2023 mit alten Brennstäben weiter Strom produziert werden.

Uran für neue Brennstäbe könnte problemlos außerhalb Russlands beschafft werden, erläuterte Müller bei der Expertenanhörung. Personal müsste von anderen Standorten nach Bayern geholt und nachgeschult werden. Doch er betonte, eine Laufzeitverlängerung sei für den Betreiber nur dann sinnvoll, wenn die für 3-5 Jahre gelte.

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Mit der bevorstehenden Energieknappheit nimmt die Diskussion noch einmal an Fahrt auf, die restlichen bestehenden Kernkraftwerke weiter laufen zu lassen. Die sind technisch in Ordnung, gehören zu den weltweit sichersten und repräsentieren noch Milliardenwerte.

Der bayerische Ministerpräsident Söder fordert mit Hinweis auf den Krieg in der Ukraine längere Laufzeiten für die verbliebenen Kernkraftwerke. Die CSU-Fraktion setzt sich dafür ein, dass die Laufzeit des bayerischen Atomkraftwerkes Isar II um drei bis fünf Jahre verlängert wird. Ziel sei es, vor dem Hintergrund des Ukraine-Krieges die Versorgungssicherheit unserer Energie zu gewährleisten.

Die energiepolitische Sprecherin der CSU-Fraktion Kerstin Schreyer: »Die Zeit drängt! Der Betreiber vom Atomkraftwerk Isar II braucht bis 30. Mai eine Entscheidung, sonst droht die Abschaltung. Der Bund muss die Versorgung der Bürger und der Unternehmen in Deutschland und in Bayern sicherstellen. Wenn er nicht glaubhaft belegen kann, dass er diese Sicherheit durch erneuerbare Energien garantieren kann, dann muss die Laufzeit der Kernkraftwerke, bei denen das möglich ist, um drei bis fünf Jahre verlängert werden. Wir können uns hier keine Experimente erlauben!«

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In Bayern wurde Ende des vergangenen Jahres das Kernkraftwerk Gundremmingen abgeschaltet, das könne weiter betrieben werden, sagte jetzt Ludwig Kohler vom bayerischen Umweltministerium, das sei technisch und rechtlich möglich. Die beiden Atomkraftwerke Isar II und Gundremmingen könnten rund 25 Prozent des bayerischen Strombedarfs decken. Doch für Gundremmingen müsse eine rasche Entscheidung getroffen werden, denn ab Anfang Juni sei dort der Rückbau so weit fortgeschritten, dass eine schnelle Wiederinbetriebnahme nicht mehr möglich sei. Ein anderes Kernkraftwerk in Grafenrheinfeld könne nicht mehr hochgefahren werden, das wurde 2015 abgeschaltet.

Der grün dominierte Bund allerdings will keine Laufzeitverlängerung: »Wir sehen in einer Laufzeitverlängerung eine Risikoerhöhung, die angesichts der Stromversorgungssicherheit nicht gerechtfertigt ist«, sagte Gerrit Neuhaus vom Berliner Bundesumweltministerium in der Landtagsanhörung in München. Dieser dunkelgrüne Jurist ist jetzt Abteilungsleiter für nukleare Sicherheit und Strahlenschutz im neuen Bundesumweltministerium und schwindelt bei der Anhörung in München unverblümt von Risikoerhöhung bei einer Laufzeitverlängerung. Kann man ja mal in die Welt setzen. Der kontrollierte bisher in Baden-Württemberg als »Atomabbruchaufseher«, ob auch sämtliche Kernkraftwerke richtig abgeschaltet und unwiederbringlich zerstört werden. Es fehlten Ersatzteile und qualifiziertes Personal für einen Weiterbetrieb, regelmäßige Sicherheitsüberprüfungen seien im Hinblick auf die Abschaltung ausgefallen.

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Zur Stromerzeugung gebaute Kernkraftwerke könnten keinen sinnvollen Beitrag zur Einsparung von Gas leisten, behauptet Johannes Kemper von der Bundesnetzagentur. Kohlereservekraftwerke könnten Energieengpässe durch mögliche russische Gaslieferstopps besser kompensieren.

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In Bayern unterstützen Landtagsabgeordnete von CSU, freien Wählern, FDP und AF eine vorübergehende Verlängerung der Laufzeiten der Kernkraftwerke. Grüne und SPD dagegen glauben, dass mit Windrädern und Photozellen Bayern mit Energie versorgt werden können, wollen einen schnelleren Ausbau sogenannter erneuerbaren Energien und lehnen die Verschiebung des Aufstieges ab.

Für eine Laufzeitverlängerung ist der Bund zuständig. Ende Februar versprach Wirtschaftsminister Habeck, alle Optionen zu prüfen, um die Versorgungssicherheit zu verbessern. Der Weiterbetrieb der letzten Kernkraftwerke solle ideologiefrei geprüft werden – ist nicht neu. Der Wissenschaftliche Dienst des Deutschen Bundestag stellte einst fest: »Der Bundestag kann jederzeit ein Gesetz über den Wiedereinstieg in die zivile Kernkraftnutzung Beschließen. Er ist demokratisch legitimiert und verfügt über die verfassungsgemäße Entscheidungsfreiheit zur Aufhebung früherer Gesetze.«

Das war schon 2010. Die Stellungnahme endete: »Der Fortbetrieb der zivilen Nutzung der Atomkraft hängt auch von der Entscheidung des Bundesrates ab. Es gibt weder unüberwindbare rechtliche Hürden noch die „richtige“ politische Antwort. Es bedarf einer Gesamtwürdigung verschiedener Aspekte wie z. B. Energiekonzept, Versorgungssicherheit, Schadensvorsorge, Entsorgung, Klimaschutz und Wettbewerbsfähigkeit. Erst dann kann verlässlich beurteilt werden, ob die Kernenergie eine Brücken-, Übergangs- oder Zukunftstechnologie ist.«
Es ist eine rein politische Entscheidung. Die Kernkraft ist politisch von Grünen nicht gewollt. Habecks Ansage erwies sich als Ablenkungsmanöver, die Entscheidung stand bereits fest.

Grüne, CDU und SPD betreiben weiterhin das schauerliche Spiel, einem Industrieland die Energieversorgung abzuwürgen und Milliardenwerte zu vernichten.

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Kommentare ( 53 )

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Michael M.
1 Monat her

Ja mei die Grünen, die glauben immer schon sehr viel, wissen aber zumeist wenig bis nichts!
Wenn man die „heiße Luft“, die den lieben langen Tag von den „üblichen Verdächtigen“ produziert wird, in nutzbare Energie umwandeln könnte wären wir in Dummland für alle Zeiten überversorgt 🤔😉

HPs
1 Monat her

Es gibt nicht nur eine Abhängigkeit von russischem Öl, Gas und Kohle. Es gibt auch eine Abhängigkeit von russischem Uran. Es geht nicht um Uranerz, sondern um eine Abhängigkeit im Bereich Anreicherungstechnik, Gaszentrifugen, Urantrennarbeitskapazität – die russischen Gaszentrifugen sind technisch führend in der Welt. (Uranerz 2% Uran -> 0,7/100 von 2% sind spaltbar (U235) -> Anreicherung auf 5 oder 20% (Gen IV)) Produktionszahlen/Urantrennarbeitskapazität Welt in t/a: Welt 67.000 Russland 29.000 (43,3%) Europa 22.000 (32,8%) USA 5.000 (7,5%) Zahlen gelten für leicht angereichertes Uran. Für hoch und höchst angereichertes Uran –> eigentlich ist nur Russland in der Lage das herzustellen (->Nowouralsk/Russland). Der… Mehr

Bernd Schulze sen.
1 Monat her

Begreiftes endlich, den Grünen Habeck und seinen Windkraft Staatssekretäre geht es nicht um Energiesicherheit, sie hoffen das mit Stromausfällen und steigenden Kosten, den Bürgern den Bären aufzubinden mit noch Windrädern und Solaranlagen kann mit das alles verhindern und der Strom wird mit jeder Anlage noch billiger. Hier auf dem Lande überbieten sich die Betreiber von den Solarparks, bei den klammen Kommunen um neue Flächen. Die Bestechungsgelder müssen schon enorm sein. Da die Landwirte Stillegungsflächen ausweisen müssen, statt sie zu bewirtschaften, verpachten sie diese und die Kommune behauptet, es werden keine Landwirtschaftlichen Flächen in Anspruch genommen. Doch auch wenn sie tausende… Mehr

Iso
1 Monat her

Die AKW und Kohlekraftwerke reihenweise abzuschalten, eine ganze Erdgasleitung nicht in Betrieb zu nehmen, ist ein volkswirtschaftlicher und ökonomischer Unsinn, den sich kein Privatmann leisten würde. Man kommt sich vor, als wäre man in einer Zeitmaschine im maoistischen China gelandet. Mich würde mal interessieren, welche Werte mit dieser Abschalterei tatsächlich vernichtet werden und wie viele Milliarden zusätzlich ausgegeben werden, um „erneuerbare Energie“ zu produzieren und fehlende Strommenge zusätzlich einzukaufen. Dieser ganze Wahnsinn geht schon 20 Jahre und wird ewig so weiter gehen, ohne dass Besserung in Sicht ist. Dass Kernkraft gefährlich ist, ist genau so eine Legende, wie reihenweise brennende… Mehr

Richy
1 Monat her

Vielleicht wäre es tatsächlich möglich, die AKWs weiter zu betreiben. Ich bin aber dagegen, nicht weil ich grundsätzlich gegen AKWs bin. Aber wenn hiermit eine Zwischenlösung erzielt würde, dann würde man den links-grünen Ökofaschisten nur in die Hände spielen. Lieber ein Ende mit Schrecken und damit vielleicht die Chance ein totales Umdenken in der Energiepolitik zu erzwingen. Weg von der Ideologie der „grünen“ Energie bei gleichzeitiger Standortsicherung der Wirtschaft in Deutschland und Sicherheit und Wohlstand für alle.

Mikmi
1 Monat her
Antworten an  Richy

Sagen sie mal einem Pendler, ich nehme dir dein Auto weg, sieh zu, wie du zur Arbeit kommst. Die AKWs können nicht abgeschaltet werden, es muss eine Überbrückung statt finden und die Grünen sollen mir erst einmal vorrechnen, wie sie den Energiebedarf in Deutschland abdecken wollen, live im Fernsehen.

Rob Roy
1 Monat her
Antworten an  Richy

Sie haben recht. Die Grünen zieren sich jetzt pro forma und wettern weiter offiziell dagegen, aber sind insgeheim froh, wenn der böse Atomstrom ihnen den Arsch rettet.
Ich wünsche mir ganz bestimmt keinen Zusammenbruch unserer Gesellschaft, aber anscheinend müssen es die Deutschen auf die harte Tour lernen.

Waldorf
1 Monat her

Erst wenn es zu einem großflächigen Brown/Blackout kommt, fällt die Grüne Saga, Deutschland sei mit Solar+Windenergie zu betreiben, was es natürlich nicht ist. Die Verstromung ist ja sowieso nur ein kleinerer Teil unseres Primärenergiebedarfs Ohne die fossilen Kohle, Gas, Öl läuft hier nix, schlicht und ergreifend nix Die ca 15% Strom aus Solar und Wind sind ein Tropfen auf dem heißen Stein Dass unsere wenigen AKWs ohne irgendeinen technischen Grund Ende 2022 abgeschaltet werden sollen, ist reiner Aberwitz, wie Gas aus USA o Katar importieren zu wollen, statt bei uns selbst Fracking zu betreiben Grüne, hochideologische Energiepolitik ist völlig unlogisch,… Mehr

Biskaborn
1 Monat her

Natürlich wird es keine Laufzeitverlängerung geben, hierzulande geht immer ! Ideologie vor Vernunft. Weitere Diskussion überflüssig.

Schlaubauer
1 Monat her

Ist für die Grünen nicht Energieknappheit das Ziel? Damit wäre auch die Frage beantwortet, ob die Kernkraftwerke weiter laufen werden!

santacroce
1 Monat her

Helmut Schmidt hat bei der Hamburger Flut die BW eingesetzt. Rechtlich nicht abgesichert. Aber er hat es gemacht, weil es notwendig war.
Jetzt bei Energieknappheit, Krieg und immer mehr Problemen könnte Söder sich mal als Macher zeigen. Für was sinnvolles. Einfach in BY den Ausstieg aus dem Ausstieg erklären. Würde der CSU mindestens 20% zusätzliche Wähler bringen.
Und erstmal das Geheule der Grünenden, ich würde es so gern hören!

Marcel Seiler
1 Monat her

Netter Artikel. Aber – ehrlich – an welchen Politiker, welche Partei, welches Ministerium sollte man einen entsprechenden Brief schreiben, mit der Chance gehört zu werden? – Meine Einschätzung: Die Herrschenden ziehen jetzt ihre Nummer durch. Erst wenn das letzte Kernkraftwerk gesprengt, das letzte Kohlekraftwerk zerstört, die letzte Pipeline geschlossen ist, werden sie merken, dass man ohne Strom nichts essen kann.

Oder kennt jemand eine Adresse, an die man sich sinnvoll wenden kann, um Druck auszuüben?