Neue Kernkraft-Allianz in Europa – Deutschland steht abseits

Eine Reihe von EU-Staaten hat sich unter der Führung Frankreichs auf eine „Nuklear-Allianz“ geeinigt. Es geht dabei um eine verstärkte europäische Zusammenarbeit im Bereich der Kernenergie. Ziel ist es, bis 2050 einen Anteil von 150 Gigawatt Kernkraft am EU-Strommix zu erreichen.

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Großbritannien ist ebenfalls Teil der „nuklearen Allianz“; Foto: Kernkraftwerk Sizewell B, Suffolk, UK

Für eine europäische Nuklearindustrie sollen jetzt die Grundlagen entwickelt werden. Das haben 16 europäische Länder beschlossen, die an der sogenannten „Nuklear-Allianz“ teilnehmen. Auf eine solche „Nuklear-Allianz“ hatten sich bei Treffen Ende Februar und Ende März eine Reihe von EU-Staaten unter Führung von Frankreich geeinigt. Daneben sind unter anderem die Niederlande, Polen, Finnland, Bulgarien, Kroatien, Tschechien, Ungarn, Rumänien, Slowenien und die Slowakei beteiligt. Deutschland steht abseits.

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Die zunächst elf beteiligten Staaten einigten sich Ende Februar in Stockholm auf eine Erklärung, „gemeinsam ihren Wunsch zu bekräftigen, die europäische Zusammenarbeit im Bereich der Kernenergie zu stärken. Atomkraft ist eines von vielen Instrumenten, um unsere Klimaziele zu erreichen, Grundlaststrom zu erzeugen und die Versorgungssicherheit zu gewährleisten.“ Die Gruppe, die mittlerweile auf 16 Staaten gewachsen ist, will bis 2050 einen Anteil von 150 Gigawatt Kernkraft am Strommix der EU erreichen. Dieses Ziel haben die Vertreter in der vergangenen Woche bei einem Treffen in Paris verabredet, das die französische Ministerin für Energiewende, Agnès Pannier-Runacher, angestoßen hat. Die Allianz fordert auch die Europäische Kommission auf, diese Vorgehensweise „in der Energiestrategie der EU zu unterstützen“.

Derzeit sind in der EU 100 Gigawatt an Kernenergiekapazität installiert. Um bis zum Jahr 2050 das Ziel 150 Gigawatt zu erreichen, rechnet das französische Ministerium für Energiewende mit dem Weiterbetrieb bestehender Anlagen und dem Bau von 30 bis 45 neuen großen Reaktoren sowie der Entwicklung kleiner modularer Reaktoren (SMR) in der EU.

Pannier-Runacher betonte, diese Zahl ergebe sich „ungefähr aus der Überprüfung der verschiedenen Projekte, die in Betracht gezogen werden“ und dem Ersatz alter Kernreaktoren. Mit 150 Gigawatt könnte die Kernenergie ihren derzeitigen Anteil von 25 Prozent an der Stromerzeugung in der EU bis 2050 beibehalten. Zudem bedeuten zusätzliche 50 Gigawatt 450.000 zusätzliche Arbeitsplätze in Europa. „Das ist enorm“, so Pannier-Runacher. Unter Berücksichtigung der Pensionierungen bedeutet dies mehr als 300.000 direkt und indirekt geschaffene Arbeitsplätze bis 2050, darunter 200.000 qualifizierte Arbeitsplätze, so das französische Ministerium für Energiewende in einer Presseerklärung.

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Großbritannien ist ebenfalls Teil der „nuklearen Allianz“ und baut derzeit mit zwei EPR2-Reaktorblöcken Hinkley Point C seine Kernkraft aus. Der britische Staatssekretär für Kernenergie, Andrew Bowie, berichtete bei dem Treffen in Paris in der Sitzung, in der es „über die Funktionsfähigkeit der Wiederbelebung der Kernenergie in Europa“ ging, über seine Erfahrungen mit der Baustelle von Hinkley Point C. Dieses Treffen sei „eine fantastische Gelegenheit für das Vereinigte Königreich, sich einzubringen und von unseren europäischen Kollegen zu lernen“, sagte er.

Die Abhängigkeit von russischen Lieferungen von Brennstäben, die derzeit etwa 20 Prozent ausmachen, soll durch verstärkte Importe aus den USA, Japan und Südkorea verringert werden. Vor allem osteuropäische Länder sind für ihre Reaktoren auf russische Lieferungen angewiesen.
Während sich immer mehr europäische Länder der Nuklear-Allianz anschließen, protestiert die derzeitige Bundesregierung dagegen, dass Kernkraft als „nachhaltig“ anerkannt wird. Erdgas und Windräder werden in Berlin als Energiequelle der Zukunft angesehen. Währenddessen müssen deutsche Energieversorger immer mehr in den Nachbarländern um Strom betteln, wie die Karte der Stromimporte und Exporte zeigt.

EU-Energiekommissarin Kadri Simson erklärte, sie sei in Paris, um „sich die Bedenken der vertretenen Staaten anzuhören“.

Im Vorfeld eines weiteren Treffens, das voraussichtlich am 19. Juni in Luxemburg am Rande des europäischen Energierates stattfinden wird, werden die an der Allianz beteiligten Staaten einen Fahrplan ausarbeiten, in dem sie ihre Ziele im Einzelnen darlegen.


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Kommentare ( 50 )

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GefanzerterAloholiker
10 Monate her

Wärmepumpen werden über EU Verordnungen oktroyiert werden. Weil es energetische Elektroheizungen sind, wird man mehr Strom brauchen.
Es wird bis dahin zur weitere Teuerung kommen und die Wärmepumpe wird den Bürgern noch einmal mindestens 150€ pro Monat kosten.
Es wird zu einem Abschwung kommen, den Deutschland so noch nicht gekannt hat, weil es keine zyklische Schwankung ist. Deutschland wird absichtlich zerstört und zum Siedlungsgebiet vieler Fremder gemacht, die hier ihre 3. Welt weiter zementieren.

Contra Merkl
10 Monate her

Deutschland steht nicht im Abseits, mit dem Hammer wurde die Ruderanlage am Torpedo krumm geschlagen und das Teil als Kreisläufe abgefeuert. Der Einschlag wird kommen. Der Rest der Welt lacht.

Stef22
10 Monate her

Herr Kretschmann, will 89 neue Windkrafträder im Odenwald bauen. Dafür wird extrem viel Wald abgeholzt, der den Grünen ja so wichtig ist. Den Regenwald wollen Sie schützen, den Odenwald nicht. Das ist so verlogen, wie seine Aussage gegenüber den Gegnern, dass es zwecklos ist sich dagegen aufzulehnen, da es auf europäischer und nationaler Ebene beschlossenen sei. Aber… warum bauen dann alle Europäer um uns drum herum jetzt vermehrt Kernkraftwerke. Entweder sind wir völlig verblödet, oder wir werden vollkommen von Politik und Medien verarscht.

Fieselsteinchen
10 Monate her
Antworten an  Stef22

Der Spätzle-Maoist hatte nach der Stillegung des KKWs Philippsburg nichts eiligeres zu tun, als die Kühltürme sprengen zu lassen.
Wir sind nicht verblödet, werden bzw. lassen uns von Politik und Medien „verarschen“, weil viele denkfaul geworden sind, alles nachplappern und in der Schule nicht aufgepasst haben. Wer nicht selber denkt, wird gedacht.

Fritz Mueller
10 Monate her

Also 150 Gigawatt Kernkraftwerkskapazität bis 2050 in der EU ist zu wenig!
Ich hoffe das wird noch deutlich mehr. Woher sollen wir sonst unseren Strom beziehen?
Oder glaubt noch irgendjemand an das Agora-Energiewendemärchen?

fatherted
10 Monate her

Das Lustige ist, dass wir den Franzosen die neuen Kernkraftwerke und die Sanierung der alten Kraftwerke finanzieren. Wahrscheinlich kalkulieren die ihren Export-Strompreis so, dass die eigene Bevölkerung kaum oder gar nicht belastet wird….wir aber den Strom zu Höchstpreisen abnehmen müssen. Eine win/win Situation…für die Franzosen.

Peter Klaus
10 Monate her
Antworten an  fatherted

…und zusätzlich noch die Kosten der 100% Vorhaltung durch die „dreckigen“ Gaskraftwerke bei (Dunkel-) Flaute. Welcher Versorger baut/betreibt ein Kraftwerk, wenn er nicht planen kann, in welchem Umfang dieses genutzt (zur Stromerzeugung) werden wird, ohne dabei finanzielle Garantien vom Staat zu verlangen und diese auch zu erhalten.

Timur Andre
10 Monate her
Antworten an  fatherted

Wichtig ist der Strompreis für die Industrie, wir schaffen uns auch hier ab, die anderen kommen aus dem Lachen nicht raus.

Senni
10 Monate her

Ist doch prima ! So haben wir auch Strom und die Lichte gehen nicht aus im Windmühlen-Land ! Dämlichkeit hat einen Namen…………

AlexR
10 Monate her

Wir haben dafür die grüne Sekte und den Maoisten Kretschmann. Nachdem er die Kühltürme von Philippsburg sprengen ließ, faselte er anschließend was von Waschlappen und seiner Pelletheizung.

Alles nur zum „Wohl des Volkes“. Aber auch das „Volk“ ist ja schon wieder N@zi.

jopa
10 Monate her
Antworten an  AlexR

Falsche Definition des Volkes. Das Volk fängt beim grünen Pg oder Klimakleber an. Der Rest darf froh hier leben zu dürfen, er gehört aber auf keinem Fall zum (auserwählten) Volk der Bessergrünen.

Rob Roy
10 Monate her

Irgendwo habe ich gelesen, dass der gesamte hochradioaktive Atommüll zusammen einen Haufen von der Größe eines Einfamilienhauses ausmacht. Der gesamte Müll der letzten 60 Jahre. Sämtlicher deutschen Atomkraftwerke. Und das bisschen können wir nicht entsorgen? Schuld daran sind auch wieder die Berliner. Das Endlager Gorleben wurde nämlich weniger von der dortigen spärlichen Bevölkerung boykottiert, sondern von West-Berlinern, die sich im Wendland alte Bauerkaten als Ferienhäuschen angeschafft hatten. Und die schon damals die Alternative Liste, wie die Grünen in Berlin hießen, gewählt hatten. Wo Strom und Wärme in Berlin herkamen (Kohlekraft und Müllverbrennung nämlich) hat diese Leute nicht im mindesten interessiert.… Mehr

Fieselsteinchen
10 Monate her
Antworten an  Rob Roy

Es wird ja noch besser. In der Zwischenzeit gibt es Reaktoren, die den Altmüll wiederverwenden können, bis weit über 90 %. Nur davon will man im Land der Grünen nichts wissen, denn deren Narrative haben sich tief in die DNA der Dummländer inseriert. Selbst Müllverbrennung kann man mit den Energiewerten für Braunkohle gleichsetzen, auch das funktioniert. Diese sinnfreie Windmüllerei und Solaranlagen am besten auf freiem Feld dienen ausschließlich Lobbyinteressen. Sogar Patrick Graichen stellte 2014 fest, dass die Energiewende in dieser Form zum Scheitern verurteilt ist. Wieso er aber zehn Jahre weitermachte, lässte sich nur mit einer einzigen Begründung erklären: Money!

wackerd
10 Monate her

Deutschland ist schon dabei. Erstens als Geldgeber über die EU für KKWs im Ausland, zweitens als guter zukünftiger Kunde (der sein Invest ein zweites mal bezahlt), drittens als abschreckendes Beispiel für Dummheit, Verlogenheit und Ideologie.

Ulric Viebahn
10 Monate her

Es geht eigentlich nicht um Nukleartechnik. Der geldwerte Vorteil der deutschen Industrie bis in die 70er Jahre war der Nimbus, daß man deutsche Unternehmen auf fast jedem Gebiet, in der Breite, sehr gute Produkte und Lösungen zutraute. Diese Breite motivierte auch zu einer guten Ingenieursausbildung. Dann haben einige arrogant geführte Unternehmen die Konkurrenz / Intelligenz / Stückkosten der Japaner oder der Südkoreaner nicht ernst genommen und mußten ihre Branche beerdigen. Je mehr Industrien aus dem deutschen Technik-Angebot herausgebrochen werden, desto geringer das Vertrauen in deutsche Preiswürdigkeit, deutsche Technik und deutsche Ingenieure; desto oberflächlicher natürlich die Ingenieurausbildung. Anschauliches Beispiel: Industrieller Niedergang… Mehr