Bislang nur dürftige Erfolge: Außer „schulfrei“ nichts gewesen?

Erreicht hat der Girl’s Day zuletzt rund 100.000 Mädchen und rund 30.000 Jungen – jeweils pro Jahr. So weit, so gut – so weit, so mager!

© Adam berry/Getty Images
Angela Merkel (CDU) stands with participants of Girls' Day on April 26, 2017 in Berlin, Germany. The event is meant to encourage young women to pursue careers in all parts of the German economy, especially in sciences, information technology and engineering, and this year occurs simultaneously with the W20 women's empowerment summit, sponsored by the G20 Group of 20 major economic powers.

Seit 2001 gibt es an jedem dritten Donnerstag im April bundesweit den Girl‘s Day, aus Gründen der Gleichberechtigung seit 2011 auch den Boy’s Day. Ihre Ziele hat die Aktion nahezu nicht erreicht, aber die Schülerinnen und Schüler haben einen Tag „schulfrei.“ War’s das?

Wir halten uns nicht mit der Frage auf, ob es der Propaganda wegen englischer Begriffe für diese „Aktionstage“ bedurfte und ob die deutschen Übersetzungen („Mädchen-Technik-Tag“ und „Neue Wege für Jungs“) das Gelbe vom Ei sind. Aber die Frage, was die durchaus ideologischen Absichten dieses Tages sind und was ihr Erfolg bislang ist, darf durchaus gestellt werden.

Einführt hat man die beiden „Aktionstage“, weil man respektive frau die geschlechterstereotypische Berufswahl knacken wollte. Man/frau wollte Mädchen ab der 5. Klasse für technische und naturwissenschaftliche Berufe gewinnen und den Anteil von Frauen in „Männerberufen“ zu erhöhen. Ebenfalls ab der 5.Klasse will man/frau Jungen für „typische“ Frauenberufe gewinnen.

Man/frau – wer ist das? Man/frau ist eine Gemeinschaftsaktion unter anderem des Bundesministeriums für Bildung und Forschung, des Bundesministeriums für Familie, Senioren, Frauen und Jugend, der Bundesagentur für Arbeit, des Deutschen Gewerkschaftsbundes, der Bundesvereinigung der Deutschen Arbeitgeberverbände, des Deutschen Industrie und Handelskammertages und des Bundesverbandes der Deutschen Industrie. Für die Koordinierung des Girls Days ist das Kompetenzzentrum Technik-Diversity-Chancengleichheit e.V. mit Sitz in Bielefeld verantwortlich.

Erreicht hat der Girl’s Day zuletzt rund 100.000 Mädchen und rund 30.000 Jungen – jeweils pro Jahr. Das sind jährlich – grob geschätzt – 5 Prozent der Mädchen und 1,6 Prozent der Jungen in dem in Frage kommenden Alter von 11 bis 16 Jahren. So weit, so gut – so weit, so mager! Allein vor diesem Hintergrund kann das „Gender“-Ziel, mehr Frauen in Männerberufe und mehr Jungen in Frauenberufe zu kriegen, nicht aufgehen.

Und so ist es denn auch. Unter den Ausbildungsberufen dominieren laut Bundesinstitut für Berufsbildung nach wie vor die typischen Männer- bzw. Frauenberufe. Bei den jungen Männern sind dies an den vorderen acht Stellen: Kraftfahrzeugmechatroniker, Elektriker, Kaufmann im Einzelhandel. Industriemechaniker, Sanitär-, Heizungs- und Klimatechniker, Fachinformatiker, Verkäufer, Lagerlogistiker. Bei den jungen Frauen sind es an den vorderen acht Stellen: Kauffrau für Büromanagement, medizinische Fachangestellte, Verkäuferin, Kauffrau im Einzelhandel, zahnmedizinische Fachangestellte, Industriekauffrau, Friseurin, Hotelfachfrau.

Recht geschlechtsspezifisch geht es – mit kleinen Überschneidungen – auch bei den Studienwünschen zu. Bei jungen Männern stehen folgende zehn Studiengänge an erster Stelle: BML, Maschinenbau, Informatik, Elektrotechnik, Jura, Wirtschaftsingenieurwesen, Wirtschaftswissenschaften, Medizin, Wirtschaftsinfomatik, Physik. Bei jungen Frauen sind es die folgende zehn Studiengänge: BWL, Germanistik, Medizin, Jura, Pädagogik, Anglistik, Biologie, Wirtschaftswissenschaften, Psychologie, Mathematik.

Das war schon so, ehe es den Girl’s und den Boy’s Day gab. Ergo: Der junge Mensch ist doch nicht so leicht programmierbar, wie man dies gerne hätte. Auch wenn das Kompetenzzentrum Technik-Diversity-Chancengleichheit e.V. gerne mal massiv nachhilft. So hat uns ein TE-Leser folgende teil ärgerliche, teils realsatirische Geschichte mitgeteilt: Sein Sohn, 11 Jahre alt, nach Angabe des Vaters altmodisch „normal” hat sich beim „Girl‘s Day eingeloggt, um den Tag bei einem Solar-Hersteller zu verbringen. Die Koordinierungsstelle hat das „gespannt“ und ihm mitgeteilt: „Deine Anmeldung zum Girls’s Day wurde gelöscht, weil wir davon ausgehen, dass du ein Junge bist.“ Offenbar hätte man den jungen Mann lieber beim Schnuppern in einem Pflegeberuf gehabt. Der Vater, der darin eine Diskriminierung sah, ließ dies nicht auf sich beruhen und setzte sich mit dem Solar-Hersteller direkt in Verbindung. Dort ist der Junge nun willkommen – als gefühlter „Hahn im Korb“.

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Kommentare ( 50 )

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Doris die kleine Raupe Nimmersatt
6 Jahre her

Das mit dem Jungen beim „Solar-Hersteller“ freut mich. Schön, dass er dort eine Platz erhalten hat 🙂
Aber, eine Frage an Herrn Walasch: Was ist BML? “ BML, Maschinenbau,“ oder ist das nur ein Tipfehler und sollte BWL heißen?

Odo Stüttgen
6 Jahre her

Dieses Thema wurde, wie so viele andere, von Herrn Kraus sehr treffend kommentiert. Ich habe mich über die merkwürdige Bezeichnung man / frau gewundert, sicher auch eine Wortschöpfung der Genderideologie. Wenn schon, dann müsste es mann / frau heißen! Die neutrale Form man gilt für beide Geschlechter und ist wesentlich kürzer.

Marco Mahlmann
6 Jahre her

Weil wir unsere schulinterne Lehrerfortbildung an einem Termin machen wollten, an dem nicht soviel Unterricht ausfällt, haben wir den Girls‘ Day genommen, der in Niedersachsen Zukunftstag heißt, und den Schülern Druck gemacht, sich einen Platz zu suchen. Trotzdem standen etliche ohne da – kein Interesse.
Einige Mädchen beeilten sich, ihren Teilnahmebogen abzugeben. Sie gingen zum Kindergarten, zum Zahnarzt (weil sie Zahnarzthelferin werden wollen), zum Friseur und zum Kosmetiker. Den Hinweis, daß das an der Idee des Girls‘ Day vorbeigeht, nahmen sie unbeeindruckt zur Kenntnis.

MarkusF
6 Jahre her

Laut neueren Forschungsergebnissen gibt es einen Zusammenhang zwischen der Freiheit und den Wohlstand einer Gesellschaft und der Geschlechterspezifischen Berufswahl.
Je besser es den Menschen geht und um so freier sie sind desto ausgeprägter sind die Geschlechterspezifischen Unterschiede bei der Berufswahl.
Es scheint also so das Männer und Frauen Unterschiedliche Berufsbilder präferieren und je freier und unabhängiger sie in ihrer Entscheidung sind diese unterschiedlichen Ziele dann auch verfolgen. Dieser Unterschied in den Präferenzen soll ürigens (horribile dictu) genetisch bedingt sein (außerdem soll es auch noch andere genetisch bedingte Unterscheidungsmerkmale zwischen Mann und Frau geben).

hassoxyz
6 Jahre her

Wen ich mir das Foto oben betrachte, kriege ich Bauchschmerzen. Da sind mindestens drei Personen, die so gar nicht zu unserem demokratischen Wertesystem passen, aber das ist ja von unseren linksgrünen MultiKulti-Ideologen so gewollt, wozu auch unsere Kanzlerdarstellerin gehört. Deutschland so aufgelöst werden.

Joachim
6 Jahre her
Antworten an  hassoxyz

„Wen ich mir das Foto oben betrachte, kriege ich Bauchschmerzen. Da sind mindestens drei Personen, die so gar nicht zu unserem demokratischen Wertesystem passen“

Da gebe ich ihnen recht, sofern sie mit den 3 Personen die 2 mit Kopftuch meinen, und Frau Merkel.

Die Schwarzafrikanerin passt hingegen dazu. Sie versucht sich nicht auszugrenzen oder als was „Tolles“ darzustellen via „islamistischem Kopftuch“ oder „Raute“.

Sie ist einfach Teilnehmerin, wie alle anderen (bis auf die mit Kopftuch und Frau Merkel) auch.

T. Pohl
6 Jahre her

Eben wieder eine „Kampagne“ für das „politische Schaufenster“.
Pseudo, wie alles was ggw. so als „Politik“ bezeichnet wird.

Norri
6 Jahre her

Wer war das noch gleich, der folgendes Zitat tätigte? „Die Definition von Wahnsinn ist, immer wieder das gleiche zu tun und andere Ergebnisse zu erwarten.“

Endstadium0815
6 Jahre her

Neben den beiden Kopftuch Girls fehlen noch zwei vollbärtige Boys.

Koelscherjung
6 Jahre her

An den Schulen im grünen B-W ist an jedem Tag Girls‘ Day , da die Jungens eklatant benachteiligt werden.

Anton Weigl
6 Jahre her

Sind jetzt Boys Jungen oder Buben.
Müßten die Engländer oder die Amerikaner zu den Jungen nicht Youngs sagen.
Zu den Buben können sie ja weiter Boys sagen.

Eugen Karl
6 Jahre her
Antworten an  Anton Weigl

Der Begriff „Junge“ gilt deutschlandweit. Buben gibt es vielleicht im Süden, hier am Niederrhein aber nur im Skatspiel.