Katars schmutziger Geldsegen an Ahr und Mosel

Bolzplätze für Jugendliche im vernachlässigten Überschwemmungsgebiet an der Ahr und Mosel sind eine gute Idee. Aber nicht, wenn es „Blutgeld“ aus Katar ist – und die islamistische Gewaltpolitik des Landes populär machen soll, findet Ismail Tipi

Ein Gegensatz, wie er größer wohl kaum sein könnte. Und doch wird mit immer mehr Druck zusammengepresst, was nicht zusammengehört: der Fußball und das Emirat Katar. Der Wüstenstaat am Persischen Golf ist Gastgeber der diesjährigen FIFA Fußballweltmeisterschaft – und kauft mit Blutgeld die Gunst der fußballbegeisterten Nationen weltweit.

Egal ob FIFA, UEFA oder FC Bayern München: Keiner widersteht dem Geldsegen, mit dem Katar die Funktionäre überschüttet. Jetzt ist dem Geld der Kataris auch der Fußballverband Rheinland erlegen – und das gegen das ausdrückliche Bemühen seines langjährigen Vorsitzenden, EX-DFB-Boss Theo Zwanziger.

Heuchelei beim DFB
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Seit vielen Jahren ist die staatliche Airline Qatar Airways Sponsor des FC Bayern München, pumpt Millionen in den Europäischen Fußballverband UEFA und den Weltfußballverband FIFA. Fans und Fußballbegeisterte aus aller Welt, sogar aus dem gemächlichen München, protestieren wiederholt und lautstark gegen die unliebsame Verbrüderung mit dem Emirat – und treffen auf taube Ohren.

Beim deutschen Fußballrekordmeister redet man sich heraus: Wandel könne man schließlich nur durch Annäherung erreichen und durch Dialog, nicht durch Abschottung und Tabus.

Lieber den Tabubruch wagen, statt nein zu gutem Geld zu sagen, ist die Devise. Und den Fandialog kann man dann hintenanstellen – so die Strategie an der Säbener Straße. UEFA und FIFA stehen dem in nichts nach. Seit Jahren finanzieren die Kataris großzügig die Verbände, bekleiden hohe Funktionärsämter und dürfen sich in diesem Winter (!) mit einem Weltturnier belohnen.

Dass die Stadien und Fußballtempel dabei von Gastarbeitern aus dem Boden gestampft wurden, die bestenfalls zu Dumping-Löhnen in der Wüstensonne schuften müssen, scheint vernachlässigungswürdig. Fairplay sieht anders aus.

Die Zusammenarbeit mit Katar ist auf gleich mehrfache Weise skandalös: Menschenrechte werden von den Scheichs als sekundär angesehen – mit Geld könne man alles vertuschen und glattbügeln. Ebenso schlecht steht es um Frauenrechte, wenngleich auch Katar versucht, sich im Vorfeld der Weltmeisterschaft progressiv und weltoffen zu geben, so bleibt ein echter Gesinnungswandel doch aus.

Energiepartnerschaft mit Katar
Katar: Statt Putins Krieg finanzieren wir jetzt den Islamischen Terror
Schlimmer noch als diese Augenwischerei ist, dass Katar mit seinen Öl-Milliarden radikal-islamistische und dschihadistische Terrorgruppen im Nahen Osten unterstützt. Nicht nur das. Die Kataris leisten dem Treiben der Barbaren in Syrien und im Irak auch noch Vorschub, indem sie logistische Hilfe, Waffen und scheinbar unbegrenzte finanzielle Ressourcen bereitstellen.

Es sind gerade diese selbsternannten „Gotteskrieger“, die ohne das Geld der Kataris nicht annähernd so schlagfertig wären, die jetzt in Frankreich verurteilt wurden, für den Terror, den sie über das Land gebracht haben – für die weit über hundert Toten, die bei den islamistischen Anschlägen von 2015 und den Folgejahren ihr Leben verloren haben.

Und dennoch ist sich weder der internationale noch der deutsche Fußball zu schade, Geschäfte mit den Terrorfinanciers aus Katar zu machen. Das neuste Beispiel ist der Fußballverband Rheinland: Hier gründete einst der ehemalige DFB-Präsident Theo Zwanziger eine nach ihm benannte Stiftung zur Unterstützung des Jugendfußballs.

Mittlerweile haben sowohl Zwanziger als auch seine Söhne den Stiftungsvorsitz abgelehnt. Die Stiftung wurde umbenannt, heißt jetzt „Fußball hilft!“. Der Grund für den Zwist mit der Verbandsführung des Fußballverbands Rheinland: ein Angebot aus Katar.

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Hemmungslose Fußballverbände: Katar kauft sich auch in der UEFA ein
Eine Million Euro fließen vom Persischen Golf direkt an Mosel und Ahr. Hier sollen mit dem Geld aus Katar Minispielfelder in der Größe 20 mal 40 Meter gebaut werden, um den Kindern in den von der Flut im vergangenen Jahr besonders betroffenen Gebieten neue Sportmöglichkeiten zu eröffnen.

Der Verbandvorsitzende nimmt das Geld der Kataris bereitwillig an – ohne den Stiftungsvorstand der ehemaligen Zwanziger-Stiftung einzubeziehen, berichtet die Frankfurter Allgemeine Zeitung. Einzig die Absichtserklärung, die die Mitarbeiter der Katarischen Botschaft gefordert haben, habe man nicht unterzeichnet. Schließlich handle es sich um eine Spende und kein Sponsoring.

Die Scheichs bekommen trotzdem ihren Willen: Die Story ist perfekt. Die PR-Maschine brummt und surrt in den Monaten vor der Weltmeisterschaft im fußballfanatischen Deutschland. Und um die aufgebrachten Gemüter zu beruhigen, bringen die Kataris noch den Austausch von Jugendmannschaften – explizit auch von Mädchenfußballmannschaften ins Spiel.

Der Haken: Auf der Webseite des Fußballverbands des Emirats finden sich keine Informationen zum Frauenfußball, die FIFA-Weltrangliste listet kein Frauenfußballteam aus Katar. Echte Bemühungen um Emanzipation, die über die reine Schaustellung im WM-Vorfeld hinausgehen, sind nicht zu erkennen.

Und ebenso wenig wie der Wasserfluss an Ahr und Mosel abreißt, reißt der Geldfluss der Kataris ab: Mit Geldkoffern reisen sie um die Welt und kaufen sich die Gunst der Fans. Und finanzieren den Terror der Dschihadisten.

Man kann es daher nicht beschönigen: Das Geld, mit dem im Ahrtal Fußballfelder gebaut werden, könnte ebenso gut in Waffen, Raketen und Bomben stecken, die auf einem Bolzplatz in Nordsyrien oder dem Nahen Ost Tod und Leid bringen.

Kurs halten
Wir dürfen unsere Werte nicht verschleudern
Eine Partnerschaft mit Katar ist absolut inakzeptabel: Das gilt für die Fußballverbände ebenso wie für die Vereine, im Kleinen wie im Großen.

Wer das Geld der Kataris annimmt, das in Europa Fußballplätze oder Top-Spieler finanziert, der nimmt Geld an, an dem das Blut Unschuldiger klebt. Wir dürfen uns nicht täuschen und keinen Sand in die Augen streuen lassen: Katar ist und bleibt einer der wichtigsten strategischen Verbündeten der radikal-islamistischen Terrorgruppen, die auch in Europa ihr Unwesen treiben.

Ich sage es daher immer und immer wieder: Katar kann kein Partner für westliche Demokratien sein – und kein Sponsor oder Spender oder Geldgeber für diejenigen, die die demokratischen Werte der aufgeklärten Welt teilen.

Ich fordere daher mit Nachdruck, alle Verbindungen zu Katar offenzulegen und zu kappen. Auch die Teilnahme an der Fußballweltmeisterschaft muss überdacht werden.
Wir können nicht Wasser predigen und Wein trinken. Wir dürfen den Terrorfinanciers aus Katar keine Bühne bereiten, auf der sie ihre Weste weißwaschen können und somit Terrorunterstützung salonfähig machen.

Wenn wir den Kampf gegen den Terror, gegen die radikalen Islamisten und Dschihadisten führen wollen, dann müssen wir ihre Finanzierungsquellen trockenlegen – und nicht mit denen zusammenarbeiten, die die Geldströme fließen lassen.

Ganz gleich, wohin diese fließen mögen und welche grünen Pflänzchen sie auch am Wegesrand hervorbringen mögen: Solange sie auch zu Tod und Leid führen, sind diese Ströme toxisch und machen uns womöglich sogar abhängig. Und hiervor warne ich mit aller Ausdrücklichkeit.

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Kommentare ( 14 )

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Cart
1 Monat her

OPERATION LUXOR versuchte die Netzwerke der Muslimbrüder in Europa offenzulegen. Das hat wohl nicht so geklappt. Dafür funktioniert der Plan der Muslimbrüder wunderbar: Durchmarsch durch die Institutionen und Infiltration der Gesellschaft auch im Medienbereich.

Renz
1 Monat her

„Katar kann kein Partner für westliche Demokratien sein – und kein Sponsor oder Spender oder Geldgeber für diejenigen, die die demokratischen Werte der aufgeklärten Welt teilen.“ Gut gebrüllt Löwe- aber da fehlt noch ne Kleinigkeit: Wir dürften dann eigentlich mit keinem islamischen Staat in irgendeiner Art und Weise zusammenarbeiten, gelle. Und dann natürlich auch nicht mit irgendeinem anderen Terrorstaat oder Diktatur. Schon gar nicht mit China; oder doch? Die haben ja mehr als eine Million Moslems kasaniert. Man sollte vielleicht mal in China nachfragen, ob man dort nicht noch Platz für ein paar tausend Golfscheichs hat. Obwohl ein paar Plätze… Mehr

fatherted
1 Monat her

Wie jetzt? Die Kataris wollen Fussballfelder für die Kids im Ahrtal bauen? Und da sollen wir jetzt was dagegen haben…nachdem unsere Polit-Elite das Geld nach Indien oder sonst wohin verschenkt…und das Ahrtal außen vor lässt? Habeck war doch erst am Gold und hat um Gas gebettelt…sollen wir das auch nicht nehem? Herr Tipi….Sie sitzen auf dem hohen Ross der „Besser-Verdienenden“….wir „kleinen Leute“ sind froh über jeden Brocken den man uns hinwirft…und wenn ein WM in Katar stattfinden kann…dann können die auch im Ahrtal ein paar Fussballplätze bauen….warum nicht? Weil die auch Terror finanzieren? Fragen Sie mal die UEFA oder den… Mehr

Schweigender Gast
1 Monat her

„Wir können nicht Wasser predigen und Wein trinken.“
Natürlich können wir das. Wir können ja auch seit über einem Jahrzehnt als CDU-Abgeordneter im Hessischen Landtag sitzen und so tun, als ob wir mit der Politik der Masseneinwanderung, Energiewende, Deindustrialisierung und Gender-Konformität im Gleichschritt mit Merkels Klatschhasen nichts zu tun hätten.

Alexis de Tocqueville
1 Monat her

Koffer voller Geld? Na wenn es Euros sind, sind es bald Koffer voller Altpapier. Aber die Kataris könnten ja Gas in Dosen mitbringen. Siehe, der rechte Glaube spendet Wärme und Leben… Allahu Akbar.
So ein großes Problem kanns aber nicht sein. Unsere wunderbaren freien und pluralistischen Medien berichten stets wahrheitsgemäß und neutral – besonders die Öffis, dafür bekommen sie schließlich ihr Geld, nicht wahr? Wenn die also nichts davon berichten, dann sind Herr Tipis Sorgen wohl völlig unbegründet.

Jatoh
1 Monat her

Beim deutschen Fußballrekordmeister redet man sich heraus: Wandel könne man schließlich nur durch Annäherung erreichen und durch Dialog, nicht durch Abschottung und Tabus.“
Wandel durch Annäherung und Dialog?
Was ist den das?

Biskaborn
1 Monat her

Würde Deutschland nicht das Geld der steuerzahlenden Bürger in alle Welt zum größten Teil sinnlos verschleudern, könnte man es stattdessen selbst verwenden und z.B. endlich den Familien im Ahrtal helfen und eben auch Fußballplätze bauen! Dann bräuchte man das Geld aus Katar nicht, so aber…! Der Artikel ist mir zu einseitig und typisch Deutsch vor Moral triefend geschrieben. Damit möchte ich das Regime in Katar nicht etwa in seinem Handeln rechtfertigen aber mehr Realismus beim Autor einfordern. Noch etwas, lag nicht gerade Herr Habeck vor den Kataris bettelnd auf den Knien? Wo war da Ihre laute Stimme, Herr Tipi?

Soeren Haeberle
1 Monat her

Wenn wir den Kampf gegen den Terror, gegen die radikalen Islamisten und Dschihadisten führen wollen, dann müssen wir ihre Finanzierungsquellen trockenlegen – und nicht mit denen zusammenarbeiten, die die Geldströme fließen lassen.

„Wir“ machen doch gerne Bücklinge vor jedem, der die Nazikeule schwingt oder Flüssiggas liefern könnte.

Stefferl
1 Monat her

Bei einem Verein wie dem FC Bayern München muß man die Sache schon etwas differenzierter sehen. Klar: der Vertrag mit den Qataris war ein Riesenfehler. Aber er existiert nun einmal. Selbst wenn die Vereinsbosse den Fehler erkennen, können sie die Qataris nicht einfach so in der Öffentlichkeit für alles Mögliche kritisieren. Sie würden sich dann schadenersatzpflichtig machen. Selbst wenn sie jetzt verkünden würden, daß sie den Vertrag wegen der moralischen Bedenken nicht verlängern würden, wäre das der Fall. Wenn man so einen (dämlichen) Vertrag abschließt, muß man ihn auch einhalten. Und genau das ist das Dilemma. Der Sponsorenvertrag läuft bis… Mehr

Alexis de Tocqueville
1 Monat her
Antworten an  Stefferl

Wäre bestimmt auch hilfreich gewesen, den Fans weniger mit LGBT Mist auf den Sack zu gehen. Diese Heuchelei und Bigotterie ist einfach zu offensichtlich. Sie hätten sich genausogut mit nem fetten Hamburger vor die Kamera stellen und von den Fans das Bekenntnis zu Tofu verlangen können. Oder mit Pomp auf Steuerzahlerkosten heiraten können, während sie die Steuerzahler zum Sparen auffordern. Halt nein, das geht ja, Politiker dürfen alles. Fußballer sind im Gegensatz dazu aber auf die Sympathie der Fans angewiesen.

Ralf Poehling
1 Monat her

Wahre Worte, Herr Tipi.
Man muss das Problem beim Namen nennen und an der Wurzel austrocknen.