Macht kommt von Stärke

Sich seiner kulturellen Werte besinnen, hieße Kulturkampf gegen den selbst genährten Feind und eine Umkehr im eigenen Land. Der Kanzler des Alleräußersten müsste erst einmal seine Hausaufgaben machen.

Woher kommt die gute Laune des Kanzlers? Mit den Resultaten seiner Politik kann sie nichts zu tun haben. Er redet viel, kündigt viel an, stößt auch viel an, aber nichts, was den Absturz des Landes auch nur zu bremsen verheißt. Dass Merz von sich selbst überaus überzeugt ist, reicht als Erklärung nicht aus. Es ist das große Parkett, das glänzt. Merz verwechselt den Glanz des Terrains, auf dem er zu tanzen versucht, mit seinem eigenen Glanz. Dabei kann er sich schnell auf dem Hosenboden der Realität wiederfinden. So geschehen jüngst in Brüssel. Der großen Ankündigung in Sachen Ukraine-Kredit folgte die Niederlage.

I.

Der Außenkanzler also. Plötzlich, vor allem auch aus dem Ausland, gute Haltungsnoten. Das kennen wir. Bei Angela Merkel war es ganz ähnlich. Zuhause ruinierte sie das Land, sei es durch Untätigkeit, sei es durch abenteuerliche Halsstarrigkeit, mit der sie die Republik auf links drehte. Dabei ließ sie sich als Retterin und Führerin des Westens feiern. Merkel profitierte von Kontrast zu Trump I. Merz ist ideologisch weniger gefestigt als Merkel. Es ist auch nicht mehr so einfach, die Lage des Landes schön zu malen. Aber im Prinzip versucht Merz den Eindruck zu erwecken, an der Spitze Europas den Kontinent als Friedensmacht wieder ins Spiel zu bringen – diesmal in Kontrast zu Trump II.

II.

Keine Schadenfreude bitte! Aber es ist schon komisch, wie in Berlin Weltpolitik gespielt und der Eindruck erweckt wird, der Ukrainekonflikt sei so gut wie „gelöst“ und das Großmachtstreben Russlands zähmbar. Da herrscht, erstens, die Illusion, ein Waffenstillstand (noch lange kein Frieden) sei in Kürze erreichbar und dank Sicherheitsgarantien für beide Seiten in greifbarer Nähe. Putins Antwort besteht aus dem Wörtchen Njet und aus Raketen und Drohnen auf die ukrainische Zivilbevölkerung. Wenn er seinen Angriffskrieg zu seinen Bedingungen nicht beenden will, kann ihn niemand daran hindern. Trump nicht, die Europäer erst recht nicht.

III.

Zweitens sind die Europäer, auch wenn sie es gern verbergen, von Trump mindestens so geschockt wie von Putin. Gewiss, der Mann im Weißen Haus ist weniger berechenbar als der Herr des Kreml. Aber fallen die USA als Führungsmacht des Westens, als Sicherheitsgarant Europas tatsächlich aus, wie das die Europäer alarmierende Strategiepapier nahe legt? Trumpverächter erwecken den Eindruck, weil es ihm nur um Geschäfte mit Putin gehe, sei er der Gefährlichere der beiden. Es mag ja sein, dass er für die gute, alte europäischen Diplomatie, ihre Gepflogenheiten und überhaupt für diese seltsame EU nur Verachtung übrig hat. Charakterlich mag dieser Trump ein gewaltiges A… sein. Aber nicht darum geht es, sondern um die Regel Nummer eins der Weltpolitik, mag sie die Europäer auch schockieren: Macht kommt von Stärke, nicht von Moral.

IV.

Das muss Europa, Weltmacht seit der Antike, aber seit dem letzten Weltkrieg nicht mehr, erst wieder lernen. Ein heilsamer Effekt von Trumps Make America Great Again sollte ein Make Europe Great Again sein. Das aber setzte voraus, Europas Stärken zu bündeln, nicht in Gestalt eines absurden Brüsseler Bürokratiemonsters, nicht unter der Fahne eines immer noch angesagten Weltklimakatastrophensozialismus. Sondern: Back to the roots. Das aber kann nur bedeuten: Zurück zum Erfindungsreichtum und Wagemut seiner Wissenschaftler, Ingenieure und Unternehmer. Mehr Freiheit statt Selbstfesselung und postkoloniale Selbstverachtung. Wenn der kleine Halbkontinent eine Weltmacht war, war er vor allem Wirtschaftsmacht, gedeckt von militärischer Stärke.

V.

Womit wir wieder bei Friedrich wären, nicht dem wahrhaft europäischen deutschen Kaiser, den Staufer, nicht dem preußischen König, den Hohenzoller, sondern dem sauerländischen Kanzler, kein Großer, sondern bloß Großmaul. Außenkanzler sein zu wollen wäre nur sinnvoll, wenn er als Innen- und vor allem Wirtschaftskanzler dazu betrüge, die Voraussetzungen dafür zu schaffen, dass das größte Land Europas wieder wettbewerbsfähig wird. Sich seiner alten kulturellen Werte zu besinnen, hieße den Kulturkampf gegen den am eigenen Busen genährten Feind zu führen und zu gewinnen. Reformen, ach was, eine Umkehr im eigenen Land wäre die Voraussetzung für Ausstrahlung nach Außen. Der Kanzler des Alleräußersten müsste erst einmal seine Hausaufgaben machen.

Unterstützung
oder

Kommentare ( 108 )

Liebe Leser!

Wir sind dankbar für Ihre Kommentare und schätzen Ihre aktive Beteiligung sehr. Ihre Zuschriften können auch als eigene Beiträge auf der Site erscheinen oder in unserer Monatszeitschrift „Tichys Einblick“.
Bitte entwerten Sie Ihre Argumente nicht durch Unterstellungen, Verunglimpfungen oder inakzeptable Worte und Links. Solche Texte schalten wir nicht frei. Ihre Kommentare werden moderiert, da die juristische Verantwortung bei TE liegt. Bitte verstehen Sie, dass die Moderation zwischen Mitternacht und morgens Pause macht und es, je nach Aufkommen, zu zeitlichen Verzögerungen kommen kann. Vielen Dank für Ihr Verständnis. Hinweis

108 Comments
neuste
älteste beste Bewertung
Inline Feedbacks
Alle Kommentare ansehen
Nibelung
1 Monat her

Er ist das geblieben wie ihn Sonneborn zietiert hat und da ändert Black Rock auch nicht viel, wo unter deren vermutlichem Druck unter seiner Ägide auch keine Weltbewegenden Aktiviäten entstanden sind, die es dem Namen nach verdienen um der alten Heimat einen Sieg zu vergönnen, wo Geld auch nicht viel hilft, wenn der Wille anderer dagegen spricht. Die Russen sprechen in einseitiger Betrachtung von Nazis und meinen damit auch jene, die sich gegen Mütterchen Rußland besonders hervorgetan haben und nun alle zusammen erneut zum Opfer werden könnten und warum die unsrigen darauf so erpicht sind, zu retten was zu retten… Mehr

Ordoliberal
1 Monat her

Ach, Herr Herles! Vielleicht mal wieder ein bisschen Nietzsche lesen? Trump ist vieles – eitel, narzisstisch, großspurig, egoistisch, smart, charmant, primitiv, energetisch, ungeduldig, tatkräftig, amoralisch, aggressiv, grobianisch, mutig, draufgängerisch – aber es fällt mir schwer, ihn als A… zu bezeichnen. Ich würde ihn als ein charmantes Arschloch bezeichnen. Aber das ist etwas ganz anderes, als das, was Sie meinen! Klar ist, dass er nicht so ist, wie sich die meisten Menschen einen Präsidenten kindlicherweise wünschen: Er ist nicht väterlich, großzügig, mitfühlend, versöhnlich und tröstend. Er kann das Amt nicht von seiner Person trennen. Aber welcher unserer deutschen Politiker hat denn… Mehr

Manfred_Hbg
1 Monat her

Aber ja, „woher kommt die gute Laune“ des Merz’ke Frederick denn nur?? Mhh, vielleicht kommt diese bei ihm ja daher, weil ein Großteil der EU-Lenker den „Eisernen Frederick“ kräftig auf die Schultern am klopfen sind weil diese deutsche Kanzler-Lusche mal eben die Verantwortung für die jährlich anfallenden schlappen 700 Millionen Ocken beim brüsseler Ukraine-Deal übernommen hat? UND weil diese deutsche Kanzler-Nulpe nun ja anscheinend so gar nix mehr am raffen & merken ist, fühlt sich dieser Versager nun für die vielen Schulterklopfer hochgeehrt und schreitet lächelnd durch EU-Brüssel. Wie gesagt, ist nur so ein Gedanke von mir…… . _ _… Mehr

Last edited 1 Monat her by Manfred_Hbg
Icarus
1 Monat her

Das gewaltiges A… ist nicht Trump, sondern die sauertöpfische und weinerliche Heulsuse, der im Nebenberuf Kanzler der BRD, aber hauptberuflich Patron der Ukraine ist.

Fernando
1 Monat her

„Putins Antwort besteht aus dem Wörtchen Njet und aus Raketen und Drohnen auf die ukrainische Zivilbevölkerung.“ Wusste gar nicht, dass die Ukraine von der Zivilbevölkerung verteidigt wird, dachte immer dass es ukrainisches Militär sei. Oder müssen Sie, Herr Herles, das so schreiben, weil es Ihnen sonst in der pseudodemokratischen EU ergehen könnte wie Hrn. Baud.

ludwig67
1 Monat her

Herr Herles, bitte lesen Sie doch einmal Ihren eigenen Text kritisch durch! Wann war „Europa“ denn eine Weltmacht? Einzelne Länder vielleicht, aber doch nicht Europa.

Die Hälfte der heutigen EU Staaten lag mit Hitler im Bett oder war besetzt.

„Europa“ als Freihandelszone ist ok, der Rest kann nicht nur, er muss weg.

hansgunther
1 Monat her

Das ist doch ganz einfach. Wer die Friedensdividende erfindet und sie durchsetzt und seine Wehrfähigkeit aufgibt, ja, der muss am Ende den Schwanz einziehen, egal was kommt. Nur der große Friederich aus dem Sauerland möchte sich darüber hinwegsetzen, füttert zudem noch ein „Millionenheer“ fremder, religiös verstrahlter Kostgänger durch, die im Zweifel – und das ist gewiss – uns von innen den Rest geben. Pleite sind wir schon. Tot, eher früher als später! Besagter Friedrich ging noch nicht einmal als gewöhnliche „Bockwurst“ durch. Dabei liegt schon ne Menge Bockmist vor der Kanzlertür. Zum Pallas fehlen alle persönlichen Voraussetzungen.

Last edited 1 Monat her by hansgunther
Freigeistiger
1 Monat her

Vielleicht hat Merz deswegen notorisch gute Laune, weil sich das Gros der Deutschen widerspruchslos bis zum Anschag verschulden läßt und er nicht dafür zur Rechenschaft gezogen wird. Der Dank seiner Freunde in der Finanzindustrie ist ihm jedenfalls sicher. Blackrock reibt sich die Hände und Soros bekommt endlich seine Eurobonds. Auch die Rüstungsindustrie dürfte mit Merz sehr zufrieden sein. Frieden schaffen mit immer mehr Geld und Waffen, das ist doch ein Wort. Merz ist schon jetzt der Kanzler des rapiden sozio-ökonomischen Niedergangs. Er gibt sich zwar geschäftig mit einem Reförmchen hier und einem anderen da, aber zum notwendigen Kurswechsel, zur politischen… Mehr

Kassandra
1 Monat her
Antworten an  Freigeistiger

Der schöpft nur ab, was noch da ist – oder eben auch nicht, denn zusätzlich zu den Milliarden an Selenskyj warten ja auch beständig Millionen von eingelassenen Kostgängern aus aller Welt auf Vollalimentation inclusive hoher Wohnkosten.
Mit Ankündigung:
Da sprach er noch von 10% – hat aber bereits jetzt mit der ersten Billion schon vor Amtsantritt mehr als 33% – und von den 2.8 Billionen Spareinlagen eben nur erst eine: https://www.youtube.com/watch?v=ZxLK3-HMTXU
Und mit dem erneuten Lastenausgleich gehts im Anschluss an die Immobilien.

November Man
1 Monat her

„Putins Antwort besteht aus dem Wörtchen Njet und aus Raketen und Drohnen auf die ukrainische Zivilbevölkerung.“
Will da uns jemand erzählen, dass man mit Raketen und Drohnen auf die ukrainische Zivilbevölkerung ein Fünftel der Ukraine einnehmen kann. Während die Kriegsgegner tausende tote Soldaten austauschen. Man sollte also nicht immer alles Glauben was die Lügenpresse so an Lügen verbreitet.   

Zhenmei Zutun
1 Monat her

Warum beleidigen Sie Trump?

TinaTobel
1 Monat her
Antworten an  Zhenmei Zutun

Charakterlich mag dieser Trump ein gewaltiges A… sein

Ich bin enttäuscht, denn ich hatte von Tichys Einblick ein höhere Niveau erwartet, – sowohl sprachlich als auch inhaltlich.

Maunzz
1 Monat her
Antworten an  Zhenmei Zutun

Weil es laut Grundgesetz erlaubt ist: Meinungsfreiheit. Wieso fragen Sie? Sind Sie der gesetzlich bestellte, deutsche Betreuer von Donald Trump, um uns mitzuteilen, Trump fühle sich beleidigt?