Der Geist ist aus der Flasche, man kriegt ihn nicht wieder zurück. Die Politik ohnehin nicht. Die sieht in KI-Rechenzentren lediglich ein ökonomisches Wachstumsinstrument. Das greift entschieden zu kurz.
Eigentlich ist es possierlich, Regierungskrisen anzuzetteln über Fragen wie die, ob alle schnell genug Termine beim Facharzt bekommen. Selbst, wie lange Merz noch Kanzler bleibt, ist nebensächlich. Der Staat ist überschuldet, die Sozialsysteme gehen in die Knie, der Frieden wankt, auf der Weltbühne ebenso wie in Neukölln. Doch selbst diese Bedrohung könnte überwölbt werden von all dem. was Künstliche Intelligenz uns zumuten wird. Damit gewinnt und verliert man allerdings keine Wahlen. Noch nicht.
I.
Aber es sollte zu denken geben, wenn in Washington der Erzkonservative Steve Bannon und der Erzlinke Bernie Sanders gemeinsam warnen und strengere KI-Regeln fordern. Wenn selbst Elon Musk vor dem aus dem Ruder gelaufenen Entwicklungstempo warnt, immer mehr KI-Experten – und selbst die großen KI-Unternehmen – vor einem Ende unserer Zivilisation warnen, vor einer Auslöschung der Menschheit gar. Nur Trump ist mal wieder auf seinem eigenen Trip: Er will KI nicht regulieren, sondern entfesseln. KI spaltet bereits heute die Gesellschaft. Der Streit zentriert sich aber auf den ungeheueren Reichtum und die Machtkonzentration bei wenigen KI-Konzernen – weniger auf die tiefere Gefahr: die bald nicht mehr kontrollierbare Macht der dem Menschen zunehmend überlegenen Maschinen.
II.
Noch nicht einmal im Ansatz durchdacht ist zum Beispiel die Frage, wie die Wirtschaftsordnung funktionieren soll, und welche Folgen es für die demokratische Grundordnung haben wird, wenn Arbeit nicht mehr das entscheidende Maß für den Lebensunterhalt sein kann, weil Maschinen einen Großteil der Arbeit übernehmen. Die bisherige Wirtschaftsordnung ist dann nicht mehr haltbar. Die Einkommenssteuer als Basis der Staatsfinanzierung verliert ihre Bedeutung. Wenn sich selbst steuernde Maschinen Werte schaffen, müssen sie zur Finanzierung des Staatswesens herangezogen werden. Werte wie Leistung und Gerechtigkeit bekommen einen neuen Sinn.
III.
Das aber ist nur der Anfang. Wer hält KI unter Kontrolle – und wie? KI kann nur von Menschen missbraucht werden, heißt es. Falsch. KI wird womöglich Dinge tun, die nie ein Mensch beabsichtigt hat. KI ist nicht frei von Fehlern. Diese Fehler können verheerend sein – und unter Umständen kann kein Mensch sie aufhalten oder korrigieren. Es wäre aber eine der notwendigen Bedingungen bei der Entwicklung der KI. Wer aber soll kontrollieren, wenn in Zukunft die Systeme weitgehend autonom agieren?
IV.
Aber auch die Vorstellung von der „bösen“ KI ist naiv. KI kann nicht „böse“ sein, so wenig wie „gut“. Genau das ist das Problem. Man kann ihr nicht „ins Gewissen“ reden, mit ihr nicht diskutieren. Um bedrohlich zu sein, muss KI die Menschen nicht hassen! Sie muss gar nicht wissen, was Hass ist. Gerade die Emotionslosigkeit macht KI gefährlich. Die Frage, ob KI künftig einmal in der Lage sein wird, die Menschheit auszulöschen, ist tatsächlich nicht zu verneinen. Die Gefahren sind ernst zu nehmen. Es fehlt an einer Sicherheitsarchitektur, an Überwachung und Begrenzung der KI, an internationalen Regeln. Ja, all das ist noch nicht einmal erforscht. Und Europa hinkt auch dabei hinterher. Nur wer bei der Entwicklung selbst am Ball bleibt, kann sie steuern.
V.
Dass ausgerechnet führende Entwickler der KI am lautesten vor der Vernichtung der Menschheit warnen, kann auch anders gelesen werden: Es belegt den sektenähnlichen Fanatismus dieser „Schöpfer“ einer neuen, menschengemachten Evolution. Vereinfacht ausgedrückt: Sie machen sich wichtig. Die Debatte über die echten Gefahren der KI entartet zu spekulativer Science-Fiction-Esoterik. Wie auch immer: Friedrich Dürrenmatt hat das Wesentliche dazu schon 1962 (vor dem Hintergrund der Atombombe) in seinem Stück Die Physiker gesagt. Er hat es durch einige wie in Stein gemeißelte Sätze ergänzt. Einige treffen die Herausforderung KI auf den Punkt: „Die schlimmstmögliche Wendung tritt durch Zufall ein.“ Nicht durch bösen Willen! Und: „Der Zufall trifft Menschen am schlimmsten, wenn sie durch ihn das Gegenteil ihres Ziels erreichen.“ Weiter: „Je planmäßiger die Menschen vorgehen, desto wirksamer vermag sie die Zufall zu treffen.“ Das alles ist kein Trost! Aber es gibt auch keinen Grund zur vorauseilenden Weltuntergangsstimmung. Dürrenmatt weiß: „Was alle angeht, können nur alle lösen.“ Voraussetzung dafür wäre allerdings, sich der Risiken bewusst zu werden, ehe es zu spät ist.
VI.
„Was einmal gedacht wurde, kann nicht mehr zurückgenommen werden.“ Auch dieser Satz steht in Dürrenmatts Physikern. Es kommt nicht allein auf das an, was bereits heute unser Denken und unsere Wirtschaft bestimmt. Alles, was möglich ist, existiert. „Schau´n wir mal, dann sehen wir schon“, ist keine Lösung. Auch nicht, dass nie so heiß gegessen werde wie gekocht. In der Welt von gestern war das vielleicht so. Nicht ab er in der Welt der KI. Der Geist ist aus der Flasche, man kriegt ihn nicht wieder zurück. Die Politik ohnehin nicht. Die sieht in KI-Rechenzentren lediglich ein ökonomisches Wachstumsinstrument. Das greift entschieden zu kurz.

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Wer am wenigsten von einer Sache versteht, hat oft die meiste Angst.
Die großartigen Konzernlenker der KI-Branche warnen vor ihrer eigenen Technologie, bringen aber nicht die Konsequenz oder Disziplin zum KI-Verzicht auf. Is ja auch irgendwie drollig …..
Wir sind ziemlich lange ohne KI ausgekommen. Die für die KI erforderlichen Rechenzentren brauchen irre viel Strom und Kühlwasser. Also am besten den Stecker ziehen, solange dies noch möglich ist, ohne Netzwerke zu beeiträchtigen, die Energieversorgung, Verkehrssysteme und den Alltag von Kliniken am laufen halten.
So kurz ist der Weg vom Konservativen zum Sozialisten: Ein Plan muss her. Nein, weder ist den Politikern ein solcher zuzutrauen noch macht er Sinn: Wenn Sie Recht haben und der Zufall – wie Sie es nennen (ich würde es als Unvorhersehbarkeit bezeichnen) – eine entscheidende Rolle spielt, ist es ein chaotische Entwicklung, die gar keiner Planung zugänglich ist. Es ist wie bei einem Markt, und die die K,I. ist auch zunächst nichts anderes als ein neu entstehender Zweig des Marktes. Natürlich ist es auch eine technische Entwicklung. Früher konnten industrielle Normen dafür sorgen, dass ein Konsens über Standards entsteht.… Mehr
Die Angst des Geistes der aus einer Flasche kommt oder aus der Büchse den haben wir doch schon kurz nach Adam und Eva befürchtet. Danach die Hölle und gegen die Hölle das Fegefeuer und dagegen den Ablassschein. Sehen wir nicht alles negativ. Was die Pest, die Pocken oder sonst ein Virus dem Menschen vor nicht langer Zeit war, das ist seit 1945 die Atombombe, dann die Atomkraftwerke, danach der Klimawandel und seit gestern KI. „Diese Fehler können verheerend sein – und unter Umständen kann kein Mensch sie aufhalten oder korrigieren.“ Ach wie schlimm – und keiner weiß wo der Stecker… Mehr
Schon seit Jahrzehnten konnten Computer komplexe Rechenoperationen durchführen. Nur waren bis vor Kurzem noch Spezialisten erforderlich, um zwischen Mensch und Maschine zu vermitteln: Menschliche Informationen und Befehle in einen maschinentauglichen Input zu verwandeln, und die Ergebnisse (der Output) wiederum dem Menschen in seiner vertrauten Sprache zugänglich zu machen. Heute übernimmt KI diesen Schritt. Damit aber ändert sich nichts an der Tatsache, dass auch KI nichts anderes als ein besserer Taschenrechner ist.
Mein Eindruck ist, dass die meisten, die Angst vor KI haben, diese nicht haben, weil sie wissen, was KI in Zukunft alles anrichten wird, sondern weil ihnen gesagt wird, dass sie vor KI Angst haben müssen.
klar, dazu braucht es nur einen neuen Glauben; eine Sekte, die uns mit absoluter Sicherheit vor der Hölle, dem Fegefeuer, dem atomaren Wnter oder der Dürre bewahrt.
KI ist Neuland für uns alle. Aber nun ist sie mal da, und nun heißt es, ein freundliches Gesicht zu zeigen. Wir schaffen das, Sie kennen mich. Die CDU lässt schön grüßen.
Ich nutze sie täglich, wo also Neuland?
Nun die Billionäre denken über unsere/ihre Reduzierung schon lange nach. Hitler hat das auch getan. Das Ergebnis ist bekannt – was sagt uns der gesunde Menschenverstand?
Die LINKE sagt: Millionäre töten oder Investoren töten.
Andere wollen wieder Ablassscheine zwangsverkaufen.
Warum erfinden wir kein Aerosol, das bei einem IQ unter 100 die Menschen unfruchtbar werden lässt? Was für eine Wohltat für die Milchstraße, das Universum….
Im Jahre 2015 verstand ich Herrn Herles noch. Da kam sein Buch „Die Gefallsüchtigen“ heraus. Das hat mir Gefallen bereitet. Ich habe mal die Amazon-Beschreibung von heute herauskopiert. Zur Erinnerung an den „alten Herrn Herles“ Die längst fällige Medienkritik im Jahre 2015 Populistische Politiker, die ihr Fähnchen nur noch in den Wind hängen. Und Medien, die mitspielen. Vor allem ein immer seichteres öffentlich-rechtliches Fernsehen, das sich ohne Not unter das Diktat der Quote gestellt hat. Das Ergebnis: Moralismus und Alarmismus statt kritischem Qualitätsjournalismus, statt Aufklärung und Bildung nur Fußball und Krimis. Ihre Aufgabe, »vierte Gewalt« in unserem demokratischen Gemeinwesen zu… Mehr
Das ist schon fast göttlich. Selbst Jesus hat provoziert und zwar heftig und sehr erfolgreich. Allerdings musste er sich an das Kreuz nageln lassen. Dafür hat er bis heute die meisten follower. Herles hat wie viele?
KI wird derzeit maßlos überschätzt: tatsächlich ist sie nichts weiter als eine Denkprothese. Sie ist im selben Sinne zum Denken da, wie eine Beinprothese zum Gehen da ist oder eine Armprothese zum Greifen – aber wie die beiden letzteren weiß sie nicht, WARUM und WOHIN sie denkt. Einer KI fehlt eine grundlegend eigene Willensbildung, eine in der eigenen Persönlichkeit begründete Motivation. Wir Menschen beziehen unsere Motivation aus unserem in Millionen Jahren der Evolution geformten Körper, auf dessen Überleben, Wachsen und Fortplanzen unser Triebleben, unsere individualspezifisch körperbasierten Gefühle und die Wahrnehmung unserer Umwelt ausgerichtet sind. Eine KI hat das alles nicht;… Mehr