Der CDU-Parteitag beschloss den Ausschluss der Jungen von der Meinungsfreiheit

Die Internet-Sperre unter 14 und 16 ist nur der erste Schritt. Erwachsenen wird nicht der Social-Media-Zugang selbst gesperrt, sondern den Plattformen die von der Obrigkeit nicht gewünschten Inhalte verboten. Geschützt sollen nicht Junge und Ältere werden, sondern die politmediale Klasse.

picture alliance / dts-Agentur | -

Die allermeisten Delegierten des CDU-Parteitages haben es ebenso wenig bemerkt wie die Leute „draußen an den Bildschirmen“ (politmedialer Jargon für Untertanen). Gestern Abend wurde es in Stuttgart ausgehandelt, heute beschlossen.

Das komplette Verbot von Social Media für Kinder unter 14 Jahren und strenge „Schutzmaßnahmen“ für unter 16-Jährige wie Jugendversionen ohne „manipulative“ Algorithmen, mit Belohnungssystemen und so weiter – eine abgestufte Regulierung ähnlich den SPD-Vorschlägen, die auch unter 14 komplett verbieten und unter 16 stark einschränken wollen.

Alexander Heiden hatte auf TE vor 14 Tagen analysiert, begründet wird es mit „Kinderschutz“, das klingt gut, leuchtet praktisch jedem ein, ist aber gelogen. Der Staat will so früh wie möglich unseren Zugang zur Welt kontrollieren. Möglich wurde das übrigens nur, schrieb Heiden, weil die EU-Kommission mit „Zensursula“ von der Leyen im vergangenen Sommer mit EU-Vorschriften über digitale Dienste Vorarbeit geleistet hatte. Schon als deutsche Familienministerin ließ sie Internetseiten vom Bundeskriminalamt (BKA) sperren – statt einfach die Inhalte zu löschen. Das war der Beginn einer Zensur-Infrastruktur.

Es möge niemand glauben, dass es dabei bleibt, meint Heiden und sieht glasklar, die Sperre unter 14 und 16 Jahren ist nur der erste Schritt. Erwachsenen wird im nächsten nicht der Social-Media-Zugang selbst blockiert, sondern versucht, den Plattformen die von der Obrigkeit nicht gewünschten Inhalte zu verbieten.

Einen anscheinenden Widerspruch nahm Heiden ebenfalls auseinander. Bis 16 vor dem Internet „geschützt“ werden, dem einzigen Raum der Meinungsfreiheit, und ab 16 zunehmend überall an Landtags- und Kommunalwahlen teilnehmen. Erstwähler, die von anderen Meinungen als denen der politmedialen Klasse nichts gehört haben, sind dieser selbstverständlich nur allzu recht.

Womit auch die Schlussfolgerung Heidens voll ins Schwarze trifft. Merz und Co. geht es nicht um den Schutz von Kindern und Jugendlichen vor Pornografie oder Gewalt-Darstellungen. Das ist die sehr wirksame Ablenkung, wie sich nun auch beim CDU-Parteitag bestätigte. Der politischen Klasse geht es darum, missliebige Meinungen von den Wählern fernzuhalten, auch von den zukünftigen. Bei denen unter 16 durch die Sperre der sozialen Medien. Bei den Älteren durch direkte Zensur. Das schützt kein einziges Kind. Nur die politische Klasse.

Der politmedialen Klasse zwei Dinge ins Stammbuch: Das Verbot bestimmter Filme im Kino für unter 16-Jährige in der Jugendzeit des Beobachters hat nur bei den Unpfiffigen gewirkt. Pfiffige gibt es heute wie damals. Das Verbot macht das Verbotene nur noch interessanter und die Pfiffigen nur noch pfiffiger. Und dann kommt noch Freedom.gov über den Teich. Den Zugang unter Umgehung der EU-Vorschriften liefern die Antiwoken garantiert nach.

Die CDU-Delegierten waren in der Mehrheit unterinformiert wie die meisten Bürger auch. Aber kommt Zeit, kommt Rat. Die Freiheit in ihrem Lauf hält niemand auf.

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Kommentare ( 8 )

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Stockrose
51 Minuten her

Hat man sich denn auch mal Gedanken gemacht, wie man ein solches Verbot kontrollieren will?
Mir kommt das so vor wie „Messerverbot von 22.00 Uhr bis 6.00 Uhr“ als Beispiel. Schwachsinn hoch X!

verblichene Rose
56 Minuten her

Ich gebe ja zu, etwas begriffsstutzig zu sein, aber wie soll so eine Sperre dann funktionieren?

Shipoffools
58 Minuten her

Viel Spaß dann beim Umsetzen liebe CDU. Den Delegierten ist zum einen die Tragweite nicht klar, zum anderen haben Sie aber auch nicht im Entferntesten ein systemisches Verständnis davon, was eine Umsetzung bedeutet und welche Hindernisse es gibt. In einem Land, wo die Bahn nicht fährt, Basisdienstleistungen nicht funktionieren, will man das Internet im Zugang beschränken. Das geht vielleicht noch in Nord-Korea und auch da nicht so wirklich gut. Also zurück in die Steinzeit.

murphy
1 Stunde her

Der Staat verbietet auch den Verkauf von Nikotin und Alkohol an Jugendliche. Ob der Konsum erfolgt bestimmen aber die Eltern. So sollte es auch bei Handys sein. Vielleicht so: Ein (Notruf-) Telefon auch für Kinder kann sehr sinnvoll sein. Aber den Internetzugang darf/kann/muss (?) abschaltbar sein! Durch Eltern, nicht durch Parteien! Egal ob sie sich SED oder CDU oder … nennt.

Reimund Gretz
1 Stunde her

#Landtagswahlen
Wählen ab 16 Jahre in Baden-Württemberg!
#Soziale #Medien #Einschränkungen mit 16 Jahren, wie passt das zusammen?

#Jugendliche mit #keiner Stimme bei der #Landtagswahl könnt ihr der @CDU, @SPD und @Die_Grünen zeigen, was ihr von #Bevormundung haltet!

Logiker
1 Stunde her

„….ohne „manipulative“ Algorithmen, mit Belohnungssystemen und so weiter….“

Ab dann gibt es eben andere Algorithmen für die Leichtgläubigen und Langszeitahnungslosen.

Und immer noch nicht wurde über Bildung gesprochen.

Logiker
1 Stunde her

Ich denke, es ist an der Zeit, etwas zu klären.

Nämlich:
die heutige junge Generation der Deutschen im Lande zwischen 14 und 18 ist inzwischen interessierter und klarer im Kopf, was die aktuellen Probleme angeht, als die sedierte, wohlstandsverwahrloste Generationen 30+ bis zum Tod im Fernsehsessel im Westen.

Last edited 1 Stunde her by Logiker
Sozia
1 Stunde her

Es geht um den Bestandsschutz der Altparteien, allen voran CDU und SPD. Sie wollen offenbar die jetzigen politischen Verhältnisse für alle Ewigkeit festschreiben, indem sie über den Zugang zu Informationen das Denken der Menschen beherrschen und jegliche Kritik unterbinden. Als ob wir das nicht sehen würden. Als ob wir diejenigen wählen würden, die uns unsere garantierten Grundrechte immer weiter einschränken. In meinen Augen ist das ein Schuss ins Knie – immer mehr Leute können die neue totalitäre Realität nicht mehr ignorieren, die die CDU gemeinsam mit der SPD für uns schuf. Wenn man 1984 sukzessive umsetzt, dann sehen die Menschen,… Mehr