Warum Geld auf dem Konto so wertvoll ist

Das viele Geld der Notenbanken fließt in die falschen Kanäle. Anleger sind gut beraten, diesem Spiel fern zu bleiben. Sie sollten auf Liquidität umschalten.

Ob wortreiche, aber vielfach inhaltsleere Diskussionen beim G7-Treffen oder die fünfundzwanzigste Griechenland-Rettung, ob doch noch Grexit oder die immer deutlicher werdende Londoner Drohung mit dem Brexit-Referendum, insgeheim geht es immer nur um mehr Geld, das die Notenbanken in den Wirtschaftskreislauf pumpen sollen. Und sie tun es, zwar mit ungewissem Ausgang, aber vermeintlich mangels Alternative stets aufs Neue, und das nicht erst seit gestern. Ihr Ziel: Das Geld soll endlich der Realwirtschaft zugute kommen.




Doch ausgerechnet diesen Gefallen tut die Notenbanken nicht. Stattdessen hat es bisher ganz gehörig die Anleihen- und Aktienkurse, die Preise günstig gelegener Immobilien sowie gängiger Gemälde von Impressionisten und Expressionisten, Kubisten und Neorealisten aufgebläht. Und nun? Die Notenbanken können das Schuldenproblem, das die eigentliche Ursache der 2007 ausgebrochenen Finanzkrise war, nicht einfach mit noch mehr Schulden lösen. Aber sie tun so, als ob sie es könnten, indem sie weiter Geld in die Wirtschaft pumpen. Und die Regierungen, die zur Problemlösung aufgerufen sind, schauen ihnen einfach nur zu.

Jetzt gehört Liquidität zur Anlagestrategie

Dass dieses Verhalten auch für Anleger Konsequenzen haben wird, ist spätestens nach dem jüngsten Anleihencrash nicht mehr zu bestreiten. Den Anleihen werden Aktien folgen. Damit wird aus der Liquidität, der im Rahmen einer erfolgreichen Anlagestrategie meistens eher eine passive Rolle zukommt, ein ganz entscheidendes strategisches Instrument. Liquidität bedeutet viel mehr, als die meisten Anleger glauben: 1. Bares auf dem Konto, unter der Matratze oder sonst wo, 2. Liquidierbarkeit, also die Möglichkeit, etwas (Anleihen, Aktien, Fonds, Edelmetalle, Immobilien, Autos, Möbel oder andere Gegenstände) in Geld umwandeln zu können, und 3. zahlungsfähig sein, also im Gegensatz zu 1. und 2. kein auf Quantität, sondern auf Qualität beruhendes Merkmal.

In der Praxis der Geldanlage, ja im Wirtschaftsleben allgemein haben alle drei Definitionen eine enorme Bedeutung. Wer besonders knapp bei Kasse und sogar bereit ist, sich hoch zu verschulden, nur um liquide zu bleiben, hat ganz besonders das Nachsehen. Das ist dann meistens der Beginn einer Verschuldungskette, an deren Ende die Privatinsolvenz droht.

Die Schulden wachsen, und alle spielen mit

Das kann mir nicht passieren, behaupten Sie jetzt? Und ob! Tauchen wir dazu doch einfach mal in die reale Welt ein: Allein schon die Möglichkeit, sich bei niedrigem Zinsniveau hoch und obendrein preiswert zu verschulden, erhöht die Nachfrage nach allen erdenklichen Vermögensarten. Die Folge: Beleihungswerte steigen, Schulden wachsen, und deren Hebelwirkung verführt immer mehr Anleger zur Teilnahme an diesem Spiel. Es war bis 1990 in Japan ein Spiel mit Immobilien und Aktien, bis 2007 in den USA ein Spiel mit Einfamilienhäusern, bis vor einem Monat ein Spiel mit Anleihen und Aktien weltweit.

Fondsmanagern droht in der Regel keine Privatinsolvenz, wenn den von ihnen verwalteten Fonds das Geld ausgeht. Sie müssen Aktien verkaufen, sobald ihre Anleger in größerem Umfang Fondsanteile gegen Geld zu tauschen beginnen. Zum Glück für sie sind die meisten Aktien liquide im Sinn von Liquidierbarkeit. Zum Pech für sie fallen jedoch die Aktienkurse, sobald das Angebot die Nachfrage deutlich übertrifft. Liquidierbarkeit wird im vorliegenden Fall also mit Abschlägen erkauft, und die fallen umso höher aus, je mehr Anleger ihre Fondsanteile zu Geld machen und je stärker der dadurch zustande kommende Angebotsdruck ist. Damit wird Liquidität auch zu einer Funktion der Zeit.

Die Deutschen sparen falsch…..

Die meisten Deutschen sparen falsch, und das seit jeher. Der Großteil ihrer Ersparnisse ist bislang in Immobilien geflossen. Dagegen ist nichts einzuwenden, falls die Lage stimmt, die Eigennutzung Spaß macht oder die Rendite bei Vermietung auf Dauer höher ist als die der konkurrierenden Anlagen. Doch wehe, wenn diese Voraussetzungen nicht vorliegen oder wenn potenzielle Käufer nicht gerade Schlange stehen. So eine negative Phase gab es ja zuletzt beginnend 1995 über zehn Jahre lang. Dann kann man Immobilien nur schwer liquidieren, außer es handelt sich um Schnäppchen in besten Lagen mit hoher Spaß- oder Mietrendite.

Das falsche Sparen betrifft ganz besonders die Beträge, die in Kapitallebensversicherungen und auf Konten aller Art geflossen sind. Wobei im ersten Fall erschwerend hinzukommt, dass nicht allein die Liquidierbarkeit, sondern längst auch die Rendite zu wünschen übrig lässt. Renditearme, nur mit Abschlägen liquidierbare Versicherungspolicen, was hat die Assekuranz sich bei Auflegung solcher die Kundenbedürfnisse verachtender Finanzprodukte gedacht? Wahrscheinlich, dass der – inzwischen stark abgeschmolzene – Garantiezins einen Großteil der Anleger schon irgendwie hinter dem Ofen hervorlocken dürfte.

…..können ihren Fehler aber etwas korrigieren

Was die Anlage auf Konten betrifft, kommen nun, wie oben dargelegt, strategische Überlegungen ins Spiel: Täglich disponibles Tagesgeld, mit einem Jahreszins von nominal unter 1 Prozent und real noch etwas tiefer gerade mal knapp positiv verzinst, kann sich als extrem wertvoll erweisen, wenn Anleihen- und Aktienkurse abstürzen. Das Gefühl, auf diese Weise liquide zu sein, während andere Anleger Verluste erleiden, kann sogar stärker sein als das Gefühl, das Anleger befällt, die voll investiert erfolgreich von einem Aufwärtstrend profitieren. Nur muss es sich um strategische Liquidität handeln und nicht um eine, die man gedankenlos auf einem Spar- oder Tagesgeldkonto parkt, ohne sie jemals anderweitig einzusetzen.

Zu guter Letzt: Gehört auch Gold zur Liquidität? In Form von gängigen Barren und Anlagemünzen auf jeden Fall. Unter welchen Voraussetzungen mal mehr und mal weniger, habe ich in meinem neuen Ebook umfangreich beschrieben, das Sie über diesen Link ordern können: https://www.epubli.de/shop/buch/45597




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