Qäbälä sagt NEIN zu Rassismus – der Fußball wird ballaballa!

Gegen wen spielen wir eigentlich? Und wo sind die Rassisten, die wir nicht wollen oder verstehen die in Baku das eventuell ganz anders?

Letzte Woche schenkte uns der Fußball ein epochales Rendezvous der internationalen Völkergeschichte: das Spiel Qäbälä gegen Borussia Dortmund. Na ja, rein sportlich war das jetzt nicht so bedeutsam, wohl aber aus sprachlichen, geografischen und indoktrinatorischen Gesichtspunkten. Fangen wir mal mit der Sprache an:

Bislang waren stets die Begegnungen deutscher Teams gegen solche aus Zypern unangefochtene Marktführer in der linguistischen Kreativzone am Spielfeldrand: die Zyprer, die Zyperer, die Zyprioten, die Zypriotis, die Zypressen – herrlich! Nun setzt Qäbälä, obgleich nur eine Stadt, der Synonomitis noch eins drauf: die Qäbäläler, die Qäbälesen, die Qäbälier oder (ganz weit vorne) die Gabalianer. Was meinen Sie: Wussten die BVB-Spieler beim Einstieg am Dortmunder Flughafen wirklich, wohin genau die Reise geht? Ich vermute, erst als Turkish Airlines seinen Fluggästen die zweite warme Mahlzeit reichte, ahnten die Schwarz-Gelben: Ganz schön weit weg diese Qäbäläleten! Und damit wären wir beim zweiten Punkt:

Nimmt eigentlich niemand Anstoß daran, dass Aserbaidschan oder Kasachstan Mitglieder der UEFA sind? Dass sie an der EUROPA League teilnehmen und an der Fußball EUROPAmeisterschaft? Das ist doch ein Unding, jetzt mal rein geografisch betrachtet! Ja, Europa hat keine klaren Außengrenzen, es gibt territoriale Grauzonen, und für mich gehören da schon Österreich und Holland mit rein. Aber Aserbaidschan?! Der Philosoph Oswald Spengler befand in seinem „Untergang des Abendlandes“ vor 100 Jahren Russland einer so genannten farbigen Weltrevolution zugehörig – geht gar nicht nach heutigen Maßstäben, aber muss man denn nun jedes gottverlassene Randgebiet in den Schoß des europäischen Sporterbes legen? Wo und wann hört dies Spielchen auf? Und aus welchen Gründen dann? Ich zitiere wikipedia.de und lasse das Folgende unkommentiert, da eine satirische Überhöhung nicht mehr möglich ist: „Grönland ist bestrebt, Mitglied der UEFA zu werden. Bis dato scheiterten Bewerbungen daran, dass auf Grönland kein Naturrasenplatz existiert.“

Als Ende der 80er Jahre Marokko mal einen Antrag auf Aufnahme in die Europäische Union gestellt hatte, fand mein Vater dies absurd; das Spiel Qäbälä gegen Dortmund hat Papa jetzt nicht mehr miterleben müssen. Doch Hand aufs Herz, liebe Lesenden, wir alle wissen, wie es läuft: Ideologie schlägt Realität, und nirgends wird das diesertage so deutlich wie im Fußball. Da stehen also letzte Woche vorm Anpfiff 22 Männer (+ Schiedsrichter) stramm und verkünden brav ihr wechselweise von UEFA und FIFA aufoktroyiertes „NEIN zu Rassismus“ – und auf den Rängen des Ausweichstadions in Baku klatschen knapp 20.000 Zuschauer. Also in diesem Fall waren es wirklich fast nur ZUSCHAUER, kaum -innen, denn: Frauen als Stadionbesucher sind offenbar nicht gern gesehen in Aserbaidschan! Ein offiziell formuliertes Verbot ist gar nicht nötig, zu viele Weibchen in solcher Öffentlichkeit, vielleicht sogar freizügig, ziemen sich einfach nicht im neuen Herzen Europas, man will ja keinen provozieren. Mein Freund Christoph bemerkte dazu: „Na und? Das eine hat doch mit dem anderen nichts zu tun“. Nein? Doch! Oooh!!! Dieser verlogene Weltverbesserungskack im Fußball vor jedem Spiel geht mir ohnehin auf den Senkel – darüber sollten wir mal in einem separaten Beitrag sprechen.

 

 

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