DER SPIEGEL Nr. 18 – Warum Frauen länger leben

Wieder einmal präsentieren die Hamburger ihren Lesern ein zeitloses Titelthema, aber auch eine Reihe anderer lesenswerter Beiträge.

Wieder einmal präsentieren die Hamburger ihren Lesern ein zeitloses Titelthema. Es wird kaum einen Leser überraschen, dass die Männer zum Teil selber Schuld an ihrem Lebensdefizit tragen: erstens, weil sie Alkohol trinken (mehr jedenfalls als Frauen), rauchen (ebenfalls mehr als Frauen) und nicht auf Inseln im Meer gelegenen unwegsamen Gebirgsdörfern leben, wo sie tagtäglich zehn Kilometer zu Fuß zurücklegen müssen. Die neueste Altersforschung, so die Story „Die Methusalem-Formel“, ist zu der Erkenntnis gelangt, dass es wohl doch nicht in der Biologie von Mann und Frau begründet liegt, dass Männer und Frauen statistisch unterschiedliche Lebenserwartungen haben. Was den Männern helfen könnte: Körperliche Aktivitäten an sauberer Seeluft, eine ruhige Lebensführung, weniger Genussmittel in Form von Tabak und Alkohol und – weniger Testosteron. Die ewigen Scharmützel sind wahre Lebenskraftkiller. Erheblich lebensverlängernd würde es wirken, wenn die Männer sich zeitig ihrer Hoden entledigten (da wären wir dann doch wieder bei der Biologie). Zumindest lauten so neue Erkenntnisse der Eunuchenforschung. Welcher Mann will dann länger leben – und vor allem wozu?

Den SPIEGEL dieser Woche empfehle ich wegen der Wirtschaftsgeschichten zur Lektüre. Ein Muss ist das Meisterstück „Der Feind im eigenen Haus“ von Susanne Amann. Seit 50 Jahren beißen sich Wirtschaftsjournalisten an „den Aldis“ die Zähne aus. Seit nach dem Tod von Theo-Sohn Berthold (Aldi Nord) dessen Töchter in den Vorstand einer der Stiftungen nachrückten, kommt das Gefüge ins Wanken. Die Frauen mucken auf, wollen mehr Einfluss. Inzwischen werden Streitereien schon vor Gericht ausgetragen, was sie öffentlich macht. Was Amann zudem an Anekdoten auspackt – von der Familien-Sitzordnung in der Kirche bis hin zur verschwundenen Urne mit der Asche von Berthold, ist einfach göttlich.

Gleichfalls stark ist der Beitrag von Martin Hesse „Wette auf den Absturz“ über den Angriff von Spekulanten auf Wirecard. Da gerät mit Wirecard-Chef Markus Braun ein Akteur ins Blickfeld, der vor 15 Jahren am Neuen Markt für Furore sorgte. Im Mittelpunkt des Geschehens steht eine anonyme Webseite, über die Anschuldigungen lanciert werden und Kurse beeinflusst werden sollen. Der Cyberkrieg ist eröffnet.

In „Der große Preis“ von Christiane Hoffmann et alt. erfahren wir, dass sich Angela Merkel mit den zugesagten Visen für die Türken und dank der Sturheit von Erdoğan in eine unauflösliche Zwickmühle gebracht hat. Das ahnen wir seit Langem. Konnten die Autoren wirklich keinen finden, der irgendwo einen Ausweg sieht?

Guido Mingels hat sich für „Die Welt bleibt zu Hause“ zu sehr von den schönen Bildchen des Sozialstatistikers und Migrationsforschers Guy J. Abels betören lassen. Der Beitrag von wäre dann umso interessanter, wenn es Autor und Layout gelungen wäre, sich von der Ästhetik zu lösen und die durchaus lesenswerten Kernaussagen in sich auf den ersten Blick erschließende Infocharts zusammenzufassen. Die vom Focus vor 25 Jahren eingeführten Innovationen werden halt von den Hamburgern bis heute ignoriert.

Der Beitrag „Ohne Knautschzone“ über den Abgang von BND-Präsident Gerhard Schindler ist so, wie wir es vom SPIEGEL gewohnt sind: Nahe am Geschehen und stark im Detail.

Martin Doerry bespricht in „Kissinger oder Killinger“ zwei Bücher über den ehemaligen US-Außenminister. Der US-Historiker Greg Grandin („Kissingers langer Schatten. Amerikas umstrittenster Staatsmann und sein Erbe“) macht Kissinger für fast jede außenpolitische Schweinerei der Großmacht bis heute verantwortlich. Der Brite Niall Ferguson („Der Idealist 1923-1968“) sieht eher den „Theoretiker der Außenpolitik“. So lese-anregend die Gegenüberstellung der beiden Publikationen ist, so wenig wird am Schluss des Beitrags deutlich, ob es sich bei den Ausführungen um die Einschätzung des Autors Doerry handelt oder um die eines der beiden Autoren.

„Star Trek“-Fans wussten es immer schon: Die galaktischen Welten könnten real sein wie unser irdisches Leben. Jedenfalls hat die Serie ein ausgesprochen gutes wissenschaftliches Fundament. In Dortmund bring Physikprofessor Metin Tolan seinen Studenten anhand der Enterprise und seiner Besatzung naturwissenschaftliche Erkenntnisse nahe. Einen Haken hat Tolan allerdings gefunden: Mr. Spock müsste statt grünem Blut blaues Blut haben. „Bitte landet nicht“ von Frank Thadeusz ist kein Science Fiction.

Im Böhmermann-Nachklapp für Jung und Alt: Eine Gymnasialklasse aus dem Badischen Durmersheim analysiert das Schmähgedicht. Gerhard Polt geht das Thema im Spiegel-Gespräch mit Marc Hujer und Britta Stuff entspannt und altersweise an und befindet: „Humor ist keine Waffe.“

Bei den Meinungsbeiträgen sticht der Essay „Vom Wissen und der Liebe“ der israelischen Soziologin Eva Illouz heraus. Im digitalen Zeitalter kaum noch verständlich, wie sich Dante und Petrarca in Sekundenbruchteilen lebenslänglich verlieben konnten.

Zum Schluss: Ghostbusters sind auch nicht mehr das, was sie mal waren. Country-Ikone Loretta Lynn hatte einen engagiert. James sollte es mit den diversen Spukfiguren in ihrem Haus aufnehmen. Der ließ sich gleich in der ersten Nacht von einem Poltergeist so einschüchtern, dass er am nächsten Morgen das Weite suchte.

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