Zypern und Griechenland wollen Botschafter nach Damaskus entsenden

Die Ächtung Syriens infolge von zehn Jahren Bürgerkrieg hat effektiv zu den illegalen Migrationsströmen nach Europa beigetragen. Um die Lage zu normalisieren, müssen zunächst diplomatische Beziehungen aufgenommen werden. Nur so werden Rückführungsabkommen mit Syrien möglich.

IMAGO / ITAR-TASS

Die Republik Zypern hat eine Immobilie in Damaskus angemietet und will schon bald mit ihrer Botschaft nach Syrien zurückkehren.Das hatte die Regierung in Nikosia eigentlich schon im Mai 2020 angekündigt, aber angeblich haben die Wirren der Pandemie diesen Schritt verzögert. Ebenfalls seit letztem Jahr schon will auch Griechenland seine diplomatischen Beziehungen zu Syrien normalisieren.

Außenminister Nikos Dendias hat die ehemalige Botschafterin in Damaskus, Tasia Athanasiou, zur Sondergesandten für Syrien ernannt. Diese Normalisierung, die mit der Entsendung von Botschaftern beginnt, könnte ein wichtiger Grundstein für eine bessere Kontrolle der illegalen Migration im östlichen Mittelmeer werden. Aus Diplomatenkreisen in Damaskus wird berichtet, dass die Botschaften von Zypern und Griechenland schon vor einem halben Jahr inoffiziell wiedereröffnet wurden, jene Ungarns sogar vor einem Jahr. Weitere westliche Botschaften könnten laut der Zeitung Al-Watan folgen.

Zypern beklagt noch immer einen unvermindert hohen Migrationsdruck an seinen Küsten, wobei die Boote von den südlichen Küstenabschnitten Syriens, speziell vom Hafen Tartus, aus starten. Das berichtet die griechische Tageszeitung Proto Thema. Im Mai gab es demnach eine richtiggehende Welle von Bootsankünften, ein schlechter Vorbote für diesen Sommer. Seit Jahresbeginn wurden sicher 4.000 Asylanträge auf Zypern abgelehnt. Aber zugleich sind die Aufnahmezentren des Inselstaates bereits überfüllt.

In einem dramatischen Brief an die Kommission erklärte Innenminister Nikos Nouris den Migrationsnotstand der Insel. Die Insel habe keine Möglichkeit mehr zur Unterbringung von irregulären Migranten. Von der EU fordert Nouris vor allem eins: die Verhinderung illegaler Abreisen von syrischen Küsten und Häfen. Allerdings hat man nicht das Gefühl, dass dem Zyprioten sehr viel Beachtung zuteil wird, und das dürfte nur zum Teil an der geringen Größe der Insel liegen. In zehn Jahren Syrienkrieg hat es die EU sträflich unterlassen, eine konstruktive Haltung zu diesem Syrien einzunehmen, das durch Zypern ein ziemlich naher Nachbar ist. Mindestens seit Baschar al-Assad erkennbar die Oberhand gewann, wäre eine Revision der EU-Strategie fällig gewesen. Sie unterblieb.

Für Rückführungsabkommen braucht man diplomatische Beziehungen

In technischer Hinsicht beklagt Nouris die Abwesenheit von Abmachungen zur Rückführung abgelehnter Asylbewerber in Drittstaaten im allgemeinen. Solche Abkommen müssen seiner Meinung nach zentral von der EU abgeschlossen werden. Erst Mitte Mai wurde das auch im EU-Innenministerrat diskutiert, und zwar in Anwesenheit von Regierungsvertretern aus Subsahara-Ländern, aus denen auch auf Zypern sehr viele Migranten ankommen.

Übrigens konnte ein Boot aus dem Libanon zuletzt wieder zurückgeschickt werden – eben weil Zypern mit dem Libanon ein Rückführungsabkommen besitzt. Diplomatische Beziehungen mit Nachbarstaaten haben ihren Sinn. Der sogenannte »arabische Frühling« hat hier leider viel Unordnung gestiftet, um von den Luftschlägen gegen Libyen gar nicht erst anzufangen. Die Unruhe rund ums südliche und östliche Mittelmeer war der Grundstein für die folgende Migrationskrise. Die Ächtung Syriens führt bis heute dazu, dass illegale Migranten nicht mittels eines Abkommens in das Land abgeschoben werden können.

Syrien wurde so – ganz abgesehen vom Bürgerkrieg – zu einem zentralen Transitland für Migranten aus zwei Kontinenten. Das belegt die aktuelle Lage ebenso wie die Äußerungen von Inneminister Nouris auch aufs Neue. Übrigens hatte Tschechien seine Botschaft in Syrien als einziges europäisches Land auch in der Phase, als in Damaskus selbst Kämpfe ausbrachen, nicht geräumt. Heute ist die Hauptstadtregion laut Einschätzung von Dänemark und anderen Ländern sicher.

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Kommentare ( 20 )

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the NSA
4 Monate her

Der Reality Check setzt langsam auch in westl. Laendern ein. Das Projekt Regime Change, im Juni 2006 vom Prince of Darkness, Dick Cheney, aka Vice-Presi, bei einem Treffen in der Jordan Hauptstadt Amman mit Deputies von S.Arabia, Jemen, UAE & Turkey ist gescheitert. Was aus dem ganzen Middle East geworden waere, sieht man in Lybia…..Germanisthan hat seinen Teil abbekommen, durch die Heimbringung der „Gaeste“ in bald Islamisch-Gruene Khalifate Germanisthan (Green ist uebrigens die Farbe des ISLAMS …!) Die Menschen am Mittelmeer waren schon immer mehr bodenstaendig und praktisch, als die groessenwahnsinnigen Baenkelsaenger von Brussels, welche Tag und Nacht von einem… Mehr

Olaf W1
4 Monate her

Der arabische Frühling – choreographiert von CIA & Co. – hat genau das bewirkt, was er sollte! Absolutes Chaos und Anarchie in den betroffenen Ländern mit von Soros organisierten und finanzierten Strukturen auszulösen und Europa mit inkompatiblen Individuuen zu fluten um diese Region nachhaltig zu kompromitieren und zu schädigen, genau wie die ausgebluteten Herkunftsländer. Ein Nachbar, Jordanier, war vom arabischen Frühling völlig überrascht,denn er offenbarte etwas, was man sonst nur vom Christentum kannte: Sekten! Diese wurden von den im Westen verhassten „Diktatoren“ knallhart unterbunden. Zu recht, wie wir sehen. Diese ganzen extremistischen und totalitären Strömungen bilden das Groh der Migranten,… Mehr

Entenhuegel
4 Monate her

Welcher „Bürgerkrieg“?

Es bedarf schon einiger Kreativität, immer noch einen rein internen Konflikt sehen zu wollen, wo der Hintergrund eines Regime Change Versuches mittels IS und islami(sti)scher Söldner kaum noch zu verhehlen ist. Das Assad-Regime stand ziemlich weit oben auf der mehr oder weniger offiziellen Kandidatenliste der Globalisten für Regime Changes.

haasel
4 Monate her

Daß sich das rächen würde, Assad als Dauerschurken zu ächten, war klar. Es gibt noch mehr Despoten auf der Welt – siehe China, aber da setzt man die schwarze Brille auf – die Blindflugbrille, hauptsache die Wirtschaft ist zufriedengestellt! Assad war vor der Invasion der ISIS ein Vielvölkerstaat, der allen Religionen einen Platz gegeben hat – auch den Kurden! Es wurde erst tragisch, als Despoten wie Erdogan Morgenluft witterten, den Kurden endlich zu schaden. Ich kann bis heute nicht verstehen, daß unsere blinden Politiker nicht endlich die Tomaten von den Augen und die Radischen aus den Ohren nehmen, und ihren… Mehr

jwe
4 Monate her
Antworten an  haasel

„sie sollten dort sein, helfen aufbauen“

Die vielen jungen Syrer helfen doch beim Aufbauen, indem überbordende deutsche Sozialhilfe nach Syrien geschafft wird.

Deutscher
4 Monate her

Der „Arabische Frühling“ entpuppte sich allerorten als islamische Revolution. Europa sollte nicht nur den Kontakt zur syrischen Regierung aufnehmen, sondern ihr auch Dank sagen für den unermüdlichen Kampf gegen diesen Religionsterror, der nicht zuletzt gerade westliche Werte zutiefst hasst.

LRH
4 Monate her

Unsere Politiker sollten ehrlich sein ! Wer keine diplomatischen Beziehungen zu Syrien hat muß die Leute für immer hierbehalten und versorgen ! Putin unterstützt seine Zöglinge im Gegensatz zu Biden !

jwe
4 Monate her
Antworten an  LRH

„Wer keine diplomatischen Beziehungen zu Syrien hat muß die Leute für immer hierbehalten und versorgen !“ Das ist doch seit 2015 das Ziel. Es war von Anfang an keine Rede von Rückführung. Es wurde sofort von dauerhafter Integration und Ansiedlung gesprochen. Wer verstehen wollte, konnte schon 2015 zwischen den Zeilen lesen, das an Rückführung nicht gedacht war. Schließlich waren doch alles Ärzte, Anwälte, Raketentechnischer, höchst Qualifizierte, die das deutsche Sozialsystem finanzieren sollten. Das spätestens ein Jahr später klar war, das es genau umgekehrt ist (das deutsche Sozialsystem finanziert die ach so Qualifizierten), hat den Normal-Bürger nicht überrascht. Politik verschließt heute… Mehr

j.heller
4 Monate her

Assad ist die Wahl der MInderheiten in Syrien. Was beweist, dass die Diabolisierung durch die deutschen Medien ebenso verlogen und falsch ist, wie fast alles was diese in ihren Lügenäther aussenden. Bizarr widersprüchlich wird es, wenn man berücksichtigt, dass der Schutz von Minderheiten IN Deutschland eine Besessenheit der Journaille darstellt.
Die Verteufelung Assads verhindert aber jetzt eine pragmatische Normalisierung.

leonaphta
4 Monate her

Die flüchtlingspolitische Sprecherin der Grünen , Frau Amtsberg, fordert, Deutschland möge ein Viertel aller sogenannten „Mittelmeermigranten“ aufnehmen. Die FDP gestern , 500 000 jährlich. Ich erinnere mich noch an den 27. März 2015: Die Bertelsmann-Stiftung am 27. März 2015: „Arbeitsmarkt braucht künftig mehr Einwanderung aus Nicht-EU-Staaten Nach den unterschiedlichen Szenarien in der Studie benötigt Deutschland bis 2050 pro Jahr zwischen 276.000 und 491.000 Menschen aus Nicht-EU-Staaten. Die Gruppe der Einwanderer aus Nicht-EU-Staaten stellte in 2013 lediglich 140.000 Einwanderer. Mit der Blue Card der EU oder über andere Aufenthaltstitel zur Erwerbstätigkeit kamen davon nur 25.000 qualifizierte Fachkräfte ins Land.“ https://www.bertelsmann-stiftung.de/de/themen/aktuelle-meldungen/2015/maerz/zuwanderungsbedarf-aus-drittstaaten/ Summa… Mehr

Deutscher
4 Monate her
Antworten an  leonaphta

„Arbeitsmarkt braucht künftig mehr Einwanderung aus Nicht-EU-Staaten“

Klar, man sucht Leute, die unter Mindestlohn arbeiten, um so das Lohnniveau zu drücken. Dass die FDP bereit ist, dafür das Sozialsystem auszubeuten, da man Millionen von Arbeitslosen importiert, zeigt, was diese Partei vom Steuerzahler wirklich hält.

Klaus D
4 Monate her

UND was sollen die menschen in einem total zerstörten land?….ich denke nicht das viele überhaupt zurückwollen bzw das auch immer mehr hierher wollen

Andreas aus E.
4 Monate her
Antworten an  Klaus D

Was die da sollen? Ihre zerstörte Heimat wieder aufbauen.
Was die im Einzelfall wollen haben die nicht zu bestimmen.
So völlig total ist die Zerstörung wohl auch nicht, da sah es in Deutschland anno 45 wohl schlimmer aus.

Klaus D
4 Monate her
Antworten an  Andreas aus E.

dann müßten wir denen aber auch mrd an euro geben wie damals die USA uns deutschen

Markenkern
4 Monate her
Antworten an  Klaus D

Fragen sie doch einfach mal ihre älteren deutschen Mitbürger was Menschen in einem total zerstörten Land (tausend mal mehr zerstört als Syrien) machen sollen. Die können ihnen erzählen wie ein zerstörtes Land in kürzester Zeit wieder aufgebaut wird.

Klaus D
4 Monate her
Antworten an  Markenkern

aber nur mit mrd von US dollarn…

MeHere
4 Monate her
Antworten an  Klaus D

Aber, aber das Land ist doch nicht „total zerstört“ – Märchenstunde … in 1/3 des Landes gab es nie Krieg und da leben tatsächlich noch Menschen … ja, so ist es … Migration in das Soziale Netz – oder in das gemachte Nest – von dem reden wir …

Last edited 4 Monate her by MeHere
Klaus D
4 Monate her
Antworten an  MeHere

2/3 sind aber total zerstört….

Goldfuchs
4 Monate her

Erneut beeindrucken die Griechen durch Pragmatismus und Realitätssinn in der Flüchtlingsfrage.

Felicitas21
4 Monate her
Antworten an  Goldfuchs

Zusammen mit Zypern und Ungarn.