Twitter-Sprecherin offenbart die doppelten Standards des Netzwerks

Vor dem Knesset-Ausschuss sagt eine Twitter-Unternehmenssprecherin, dass Tweets des iranischen Staatschefs, in denen er die Zerstörung Israels fordert, nicht gegen die Unternehmensregeln verstoßen, sondern als bloßes "außenpolitisches Säbelrasseln" angesehen werden

imago images / ZUMA Wire

Nicht schlecht staunten am Mittwoch dieser Woche Mitglieder des israelischen Parlaments. Eine per Videokonferenz zugeschaltete Sprecherin von Twitter räumte gegenüber einem Mitglied des israelischen Parlaments ein, die Zensur der Tweets von Präsident Trump schon in Ordnung, die Zensur der Tweets von Irans oberstem Führer Ajatollah Ali Khamenei, der zum Völkermord am israelischen Volk aufgerufen hat, hingegen nicht.

„Wir haben einen Ansatz gegenüber Führern, der besagt, dass direkte Interaktionen mit anderen Persönlichkeiten des öffentlichen Lebens, Kommentare zu politischen Tagesfragen oder außenpolitisches Säbelrasseln in militärisch-ökonomischen Fragen im Allgemeinen nicht gegen unsere Regeln verstoßen“, sagte Ylwa Pettersson, bei Twitter für die nordischen Länder und Israel verantwortlich, vor dem Knesset-Ausschuss für Einwanderungs- und Diaspora-Angelegenheiten. Das Kennzeichnen von Trumps Tweet sei hingegen in Ordnung, weil diese „gegen unsere Politik der Gewaltverherrlichung verstoße“ und „möglicherweise Schaden anrichten könnte“.

„Der iranische Staatschef hat wiederholt Tweets verbreitet, in denen Israel als „tödliches, krebsartiges Gewächs“ bezeichnet wird, das „entwurzelt und zerstört“ werden soll – alles unbeanstandet von Twitter. „Der lang anhaltende Virus des Zionismus wird dank der Entschlossenheit und des Glaubens der Jugend entwurzelt werden“, schrieb Khamenei erst im Mai“, kommentierte die New York Post. „Im Mai platzierte Twitter inmitten der Gewalt in Minneapolis eine ‚“Bekanntmachung des öffentlichen Interesses'“ über dem Tweet des Präsidenten, der da lautete: „Wenn die Plünderungen beginnen, beginnen die Schießereien“, was zu Vorwürfen der Zensur und politischen Voreingenommenheit führe.“, so die New York Post weiter.

Arsen Ostrovsky, Menschenrechtsanwalt und Exekutivdirektor des Israelisch-Jüdischen Kongresses, fragte: „Ich habe eine einfache Frage: Sie haben vor kurzem damit begonnen, die Tweets von Präsident Trump zu kennzeichnen. Warum haben Sie nicht auch die Tweets des iranischen Ayatollahs Ali Khamenei, der buchstäblich zum Völkermord an Israel und dem jüdischen Volk aufgerufen hat, markiert?“

Die Politikerin Michal Cotler-Wunsh der Blau und Weiß Partei warf ein: „Die Forderung nach Völkermord ist also in Ordnung, aber Politik zu kommentieren nicht? Nur damit wir es verstehen. Ich möchte die Frage nur verfeinern: Auf Twitter zum Völkermord aufzurufen ist in Ordnung, aber die politische Situation in einem bestimmten Land zu kommentieren, ist nicht in Ordnung?“

Twitter-Sprecherin Pettersson antwortete: „Wenn also ein Weltoberhaupt gegen unsere Regeln verstößt, es aber ein klares Interesse daran gibt, das weiterhin erreichbar zu lassen, können wir dies hinter einen Hinweis setzen, der etwas mehr Kontext über den Verstoß liefert und es den Leuten erlaubt, es anzuklicken, wenn sie diese Art von Inhalten sehen wollen. Und genau das ist beim Trump-Tweet passiert. Dieser Tweet verstieß gegen unsere Richtlinien bezüglich der Verherrlichung von Gewalt, die auf dem historischen Kontext der letzten Zeile dieses Tweets und dem Risiko beruhen, dass er möglicherweise Schaden verursachen und ähnlichen Handlungen anregen könnte.“

„Da es im Interesse der Öffentlichkeit lag, ihn auf der Plattform zu belassen, beschlossen wir, ihn aufrechtzuerhalten, ihn hinter einem Hinweis zu platzieren, ihn, wie man sagen könnte, mit einem Etikett zu versehen, um die Interaktion mit ihm einzuschränken, denn es ist wichtig, ihn so zu belassen, dass die Bürger sehen können, was ihre politischen Persönlichkeiten kommentieren, und sie für das, was sie online sagen, zur Rechenschaft ziehen können“, fügte Petterson hinzu.

Cotler-Wunsh antwortete: „Ich denke, was immer wieder auftaucht, anhand verschiedener Beispiele, ist ein Gefühl der Doppelmoral. Und ich möchte Twitter und andere Online-Plattformen beschwören, das sicherzustellen – ich denke, es ist in eurer Verantwortung und dass ihr dafür zur Rechenschaft gezogen werden müsst, dass es keine Doppelmoral gibt.“

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Kommentare ( 42 )

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42 Kommentare auf "Twitter-Sprecherin offenbart die doppelten Standards des Netzwerks"

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Je näher die Präsidentschaftswahl in den USA ist, desto mehr wird die linke Internationale – sponsored by Silicon Valley, Soros etc. – die Minimalstandards der Meinungsfreiheit unterbinden. Aus Sicht dieser korrupten Anti-Elite muss die Wiederwahl Donald Trumps mit wirklich allen Mitteln verhindert werden. Alles, was hierzulande und in den USA beobachtet werden kann, lässt nur den Schluss zu, dass es für diese Demagogen wirklich im Sinne eines „Endgame“ um ALLES geht. Wir gehen äußerst unruhigen Zeiten entgegen. Bürgerkriege sind nicht mehr auszuschließen.

Es ist manchmal schwierig zu erkennen, wo die Grenze zwischen legitimer Israel-Kritik und Antisemitismus (oder genauso legitimer Islam-Kritik und Islamophobie auf der anderen Seite) liegt — für einen Anbieter wie Twitter wäre es richtig, gar keine Zensur zu betreiben und einfach beide Seiten zu Wort kommen zu lassen.

Wie soll man noch wissen, gegen wen man sich stellen muss, wenn man nicht mehr erfährt, was jeder wirklich gesagt/geschrieben hat?

Nun ja, so grundsätzlich stimme ich Ihnen ja bzgl Twitter und das Twitter gar keine Zensur betreiben und sich razshalten zu. Dennoch aber mal so anbei gesagt:
Wenn ein iranische Staatschef per Tweets „Israel als „tödliches, krebsartiges Gewächs“ bezeichnet das „entwurzelt und zerstört“ werden soll“, wenn dies kein klar erkennbarer und deutlicher Aufruf zur Gewalt ist, was ist dies dann sonst?

Für mich ist Twitter & Co auch nur noch ein verlängerter Arm der linken Politik und von Heuchelei und Verlogenheit durch und durch durchzogen.

„Wie soll man noch wissen, gegen wen man sich stellen muss, wenn man nicht mehr erfährt, was jeder wirklich gesagt/geschrieben hat?“ Sie sollen ja gar nicht erfahren, wer was wirklich gesagt/geschrieben hat, oder im welchem Zusammenhang, Sie könnten ja sonst selbst anfangen zu denken… (Und vielleicht anfangen es zu verhindern (Petitionen starten)/andere Parteien wählen/ sich lautstark gegen die Fahrtrichtung der Profiteure stellen (und so andere Menschen zum denken überzeugen und evtl. auf ihre Seite ziehen)…) Deswegen sollen eben jene (*hust* Iran&Co) bejubelt werden, von denen sich Politiker und Wirtschaft (zusammen mit NGOs und Presse usw.) Vorteile versprechen, wenn dabei andere… Mehr

Da kann man nur resümieren; seltsame „Unternehmensregeln“ bei dem Unternehmen Twitter.

Seltsam wäre harmlos. Das aber sind die Betreiber nicht, wenn man resümiert hat.

Ich glaube andere haben verstanden was ich mit „seltsam“ ausdrücken wollte.

Erstaunlich, dass sich die einflussreichen jüdischen Organisationen in den USA das US-Unternehmen Twitter noch nicht vorgenommen haben.

Tja, so ist das halt mit Zensur – ** Hat sie irgendwo mal angefangen, dann wuchert sie immer weiter. Denn jedesmal findet sich irgendjemand, der eine „gute“ Begründung findet, noch ein bisschen mehr zu zensieren.

„..denn mit dem ersten Glied ist die Kette geschmiedet. Wenn die erste Rede zensiert, der erste Gedanke verboten, die erste Freiheit verweigert wird, dann sind wir alle unwiderruflich gefesselt!“

Erik Satie, „Mit dem ersten Glied“

Ich frage mich langsam immer mehr, in wessen Händen diese sogenannten sozialen Medien – oder besser asoziale Medien – eigentlich wirklich sind? Es kann doch kein Zufall sein, dass es da eindeutige Trennlinien gibt im politischen Raum, die von den Zensoren zugelassen werden und welche nicht! Das stinkt förmlich zum Himmel!
Da hilft wohl nur noch eines: Abschalten!

Ich finde das ziemlich offensichtlich WER da im Hintergrund so agiert – es sind immer dieselben 5-10 Superreichen.

Genau! Nur diese Frage ist ZENTRAL!!!

dass ihr dafür zur Rechenschaft gezogen werden müsst….Das sollte für alle sogenannten „sozialen Medien“, die in Wirklichkeit hochgradig asoziale Medien sind, gelten. Wo vollkommen Unbekannte Freunde genannt werden, wo Existenzen grundlos, mutwillig wegen „falscher“ Meinungen, Meinungen, die von extremen, radikalen Minderheiten bestimmt werden, zerstört werden, herrscht Anarchie, ein wirklich rechtsfreier Raum. Mindestens zweierlei Maß ist das Maß dieses asozialen, menschenverachtenden Systems. Die halten es wie die Diktaturen, beispielsweise eine DDR: da steckt das Wort Demokratie drin, aber jeder weiß, das war einzig und allein ein Aushängeschild. Die Errungenschaften des Sozialismus….? Es gab keine, jedenfalls keine positiven. Das Gegenteil dessen, für… Mehr

Wer keinerlei Moral hat, kann auch keine Doppelmoral haben!!!

Wer keinerlei Standards hat, kann auch keine Doppelstandards haben!!!

Liebe Tichy-Redaktion, man kann im Deutschen mit zweierlei Maß messen oder eine Doppelmoral an den Tag legen. Doppelstandards gibt es allerdings nur im Englischen (double standards).
Sonst wie immer ein hervorragender Artikel!

Bin wahrlich kein Verschwörungstheoretiker, doch langsam stimmt mich die linke bis linksradikale Dominanz und Gleichschaltung der sozialen Monopol-Medien sowie der Medienlandschaft des Westens im Ganzen äußerst bedenklich.
Vielleicht war die jahrzehntelange psychologische Unterminierungarbeit durch den kommunistischen Block erfolgreicher, als wir ahnen konnten.
Immerhin ist eine 35 Jahre lang im Sozialismus konditionierte Person gerade dabei, in Deutschland einen Sozialismus light einzuführen.

Zeitzeugen aus der DDR, wie Vera Lengsfeld sagen sogar dass es schlimmer wird als in der DDR.

„Sozialismus light“? Sind Sie sich da so sicher, Frau/Herr Rambatumba, oder nehmen Sie nur die Rolle des Froschs ein, der in einem Topf sitzt, dessen Temperatur nach und nach erhöht wird?