Acht Monate vor den wichtigen Midterm-Wahlen kämpft die Regierung von US-Präsident Donald Trump gegen hohe Lebenshaltungskosten. Der Schlag gegen den Iran droht die ersten Erfolge im Ringen mit der Inflation wieder zunichte zu machen.
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Ludwig Erhard wusste um das Rezept für anhaltenden politischen Erfolg. Die Formel war so schlicht wie wirkungsmächtig: Stabiles Geld, das in freien Märkten zirkuliert, koordiniert die vielen Millionen Einzelentscheidungen von Individuen, Unternehmen und Kreditinstituten – Tag für Tag – am effizientesten.
Stabiles Geld braucht einen schlanken Staat. Und Staatsschulden gelten als Hauptursache von Inflation, weil sie in der Regel nicht durch reales Wachstum, sondern über die Druckerpresse der Notenbank finanziert oder entwertet werden.
Seine ökonomischen Grundthesen verdichtete Erhard in seinem populären Werk Wohlstand für alle – ein Lesetipp für jene, die den Ursachen der gegenwärtigen politischen Katastrophe der Bundesrepublik aus der Perspektive der Wirtschaftspolitik auf den Grund gehen wollen.
Unabhängig davon, wie man die Bilanz seiner Kanzlerschaft bewertet, bleibt das von dem parteilosen, liberalen Ökonomen entworfene Rahmenwerk eine zivilisatorische Errungenschaft der Moderne. Es steht für wirtschaftliche Vernunft, für Ordnungspolitik und für die Überzeugung, dass Wohlstand aus Freiheit erwächst. Doch diese Prinzipien werden allzu oft vergessen – oder in politischen und linken Ideologien systematisch diskreditiert.
Auch in den USA fand dieses Denken nach Jahren des ordnungspolitischen Verfalls erstmals einen Widerhall. Donald Trump lehnte sich mit seiner Wahlkampagne demonstrativ an Erhardsche Grundsätze an. Er wusste: Wahlen entscheiden sich nicht zuletzt an der Ladenkasse, bei den Immobilienpreisen und an der Zapfsäule. Die anstehenden Midterm-Wahlen, bei denen die Hälfte der Sitze im Kongress neu vergeben wird, werden zu einer Abstimmung über Lebenshaltungskosten und die Kaufkraft der arbeitenden Mittelschicht. Diese hat vor allem unter dem expansiven Geldregime der Lockdown-Jahre immens gelitten. Die Preise steigen noch immer aufgrund der artifiziellen Geldschwemme, der Stimmy-Checks und der künstlichen Jobnachfrage des Staates.
Nach einem Jahr im Amt stellt sich also die zentrale Frage: Konnte Trump liefern? Ist das Leben für die durchschnittliche Familie in den Vereinigten Staaten tatsächlich günstiger geworden? Ist es gelungen, die fatale Inflationsspirale zu durchbrechen – eine Entwicklung, die systemische Ursachen hat, mit dem Fiat-Kreditgeldsystem zusammenhängt und letztlich ein säkulares Problem darstellt?
Beantworten wir diese Frage zunächst mit einem deutlich Jein.
In Trumps Ansprache zur Lage der Nation in der vergangenen Woche nahmen die Lebenshaltungskosten einen prominenten Platz im Redeprotokoll ein.
Vor allem die Energiekosten befinden sich in den USA im Sinkflug. Als autarker Produzent von Öl und Gas verfügen die Vereinigten Staaten über eine strategische Stärke, die sie im Falle eines möglichen Iran-Schocks – sollte der Konflikt länger anhalten, als zunächst gedacht – zumindest zu einem großen Teil abschirmen könnte. Leidtragende wären aus bekannten Gründen vor allem die Europäer, die auf dem Feld der Energiepolitik so ziemlich alles falsch gemacht haben, was man nur verbocken kann.
Tatsächlich ist die Kerninflationsrate im vergangenen Jahr in den USA weiter zurückgekommen und pendelt derzeit in einer Bandbreite zwischen 2 und 2,4 Prozent. Auch die Häuserpreise bewegen sich regional leicht nach unten – insbesondere dort, wo im Zuge der massiven Remigrationsaktivitäten der Regierung zusätzlicher Wohnraum frei wird.
Grundsätzlich sollte man sich von der Vorstellung verabschieden, dass Preise wieder auf das Niveau der Zeit vor dem Corona-Regime zurückkehren könnten. Preisauftrieb ist ein monetäres Phänomen. Und, wie bereits gesagt: Die Finanzierung der massiven Staatsschulden, sowohl jenseits als auch diesseits des Atlantiks mit dem Gelddrucker, hat sich zur politischen Routine verfestigt. Fiskal- und Geldpolitik sind zu einer untrennbaren Machteinheit verschmolzen.
Das bestehende Fiat-Kreditgeldsystem würde unter einer sinkenden Geldmenge, also fallenden Preisen, unmittelbar kollabieren – weil es strukturell auf stetiger Kreditexpansion beruht, bei der bestehende Schulden nur durch neue Verschuldung und ausreichende Liquidität tragfähig bleiben. Schrumpft die Geldmenge und setzen Deflationsprozesse ein, steigt die reale Schuldenlast, Kredite werden notleidend, Vermögenswerte verlieren an nominaler Basis – das auf Vertrauen gegründete System gerät ins Wanken.
Umso lobenswerter ist es, dass es der Regierung von Donald Trump gelungen ist, zunächst rund 300.000 föderale Beschäftigte aus offensichtlich unnötigen Aktivitäten zu entlassen, den Steuerzahler zu entlasten und das Haushaltsdefizit von 6,7 auf etwa 5,5 Prozent zu senken. Keine spektakuläre Zahl, doch im Unterschied zu vielen europäischen Staaten vollzieht sich in diesen Monaten im Maschinenraum der amerikanischen Ökonomie Großes, das den Preisdruck in den kommenden Jahren erheblich reduzieren wird.
Die gigantische Investitionsoffensive des Privatsektors – auch ein Ergebnis von Deregulierung und Steuersenkungen – hat die gesamtwirtschaftliche Produktivität im vergangenen Jahr um 4 bis 5 Prozent nach oben geschoben. Das impliziert einen erheblichen Wohlstandsschub und übersetzt sich, getragen von den wiedererstarkten Marktkräften, in ein entsprechend dynamisches Wachstum der Reallöhne. Die US-Wirtschaft wird in erster Linie über private Investitionen bewegt und ist derzeit buchstäblich „on fire“, wie es in Washington so schön heißt.
Angesichts der relativ höheren Leitzinsen in den USA wird die überschüssige Geldmenge von der enormen Wettbewerbsfähigkeit der amerikanischen Ökonomie absorbiert. Nicht funktionierende Geschäftsmodelle lässt man nun wieder über die Klinge gehen, die Zeit der Rettungspolitik im Stil der Europäer ist definitiv vorbei. Währenddessen präsentiert sich das US-Bankensystem robust genug, um Schocks und Insolvenzen zu verkraften.
Doch für Donald Trump tickt die Uhr. Acht Monate bleiben noch bis zu den Midterm-Wahlen. Wirtschaftspolitische Reformen benötigen jedoch Zeit, bevor sie sichtbare Wirkung entfalten.
Die massive Deregulierungspolitik auf dem Energiemarkt wird in der Zukunft die Energiekosten für amerikanische Haushalte weiter senken – das ist klar. Doch die großen Investitionen in Netze, in den Ausbau von Nuklearkraft und andere Infrastrukturprojekte finden jetzt statt. Sie wirken sich in diesen Monaten aus und üben Druck aus, auch auf die Rohstoffpreise. Geduld wäre gefragt – eine Tugend, die im Wahlkampf und im Parteienwettbewerb schlicht nicht existiert.
Die Verstetigung rationaler Politik bleibt das Problem der Parteiendemokratie. Dabei wäre sie gerade aus geldpolitischer Sicht unverzichtbar. Zu den großen Sünden der postmodernen Demokratien gehört, dass es nicht gelungen ist, der Politik den Gelddrucker aus der Hand zu schlagen, um politischen Exzess und Wahnsinn zu unterbinden. Ohne staatlichen Gelddrucker wäre Deutschland niemals zum Opfer des Angriffs der grünen Transformologen geworden – das vielleicht historisch markanteste Beispiel der jüngeren Zeit.
Welche Rolle die amerikanische Notenbank, die Federal Reserve, künftig einnehmen wird, inwieweit Donald Trump sie reformieren kann oder vollständig als Gelddrucker vor seinen Karren spannt, bleibt abzuwarten. Vielleicht gelingt ihm aber auch der Schritt zurück zum Status quo ante, in dem die Federal Reserve ein Lender of Last Resort des Bankensektors war – und nicht der billige Gelddrucker populistischer Politik, gleich welcher Partei.

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