Putin droht mit Stopp der Gaslieferungen an die EU

Die angespannte Lage auf dem Energiemarkt könnte sich weiter verschärfen: Russlands Präsident Wladimir Putin drohte, die Gaslieferungen in die EU bereits vor dem geplanten Embargo vollständig einzustellen. 2025 kauften EU-Nationen noch für 7,2 Milliarden Euro russisches Gas.

picture alliance / ASSOCIATED PRESS | Grigory Sysoyev

Dass nun die Energiepreise für alle Endverbraucher und Europas Industrie weiter steigen, dürfte sehr wahrscheinlich sein: In einem Interview mit dem russischen Staatsfernsehen erklärte Wladimir Putin, Russland prüfe derzeit, ob es wirtschaftlich sinnvoll sein könnte, die Lieferungen nach Europa schon jetzt zu stoppen. „Jetzt öffnen sich andere Märkte. Vielleicht ist es für uns vorteilhafter, die Lieferungen für den europäischen Markt sofort einzustellen“, sagte der Präsident. Eine endgültige Entscheidung sei zwar noch nicht gefallen, doch habe er Regierung und Energieunternehmen beauftragt, einen solchen Schritt zu analysieren.

Die russische Umorientierung auf andere Erdgas-Kunden ist eine Reaktion auf das geplante Embargo der Europäischen Union gegen russisches Gas: Die EU hat angekündigt, spätestens bis Ende 2027 vollständig unabhängig von russischen Erdgasimporten zu werden. Moskau dürfte nun versuchen, seine Exportstrategie stärker auf andere Regionen auszurichten.

Sollte Russland tatsächlich kurzfristig die Erdgas-Lieferungen beenden, könnte dies erhebliche Folgen für die internationalen Energiemärkte haben: Schon nach Beginn des russischen Angriffskriegs gegen die Ukraine im Jahr 2022 hatte der drastische Rückgang russischer Gas-Lieferungen massive Preissprünge ausgelöst. Ein erneuter Lieferstopp würde die Versorgungslage insbesondere in Europa weiter unter Druck setzen und die Preise erneut nach oben treiben.

Putin will „zuverlässigere Partner“

Putin selbst versuchte jedoch, seine Überlegungen als rein wirtschaftliche Entscheidung darzustellen. Es gebe „keinen politischen Hintergrund“, betonte er im Interview. Vielmehr gehe es um geschäftliche Interessen. Wenn Europa ohnehin plane, russisches Gas künftig nicht mehr zu kaufen, sei es aus Sicht Moskaus möglicherweise sinnvoller, die Lieferungen schon jetzt einzustellen und sich auf „zuverlässigere Partner“ zu konzentrieren.

Gleichzeitig betonte der russische Präsident, Russland wolle grundsätzlich ein verlässlicher Lieferant bleiben. Dabei verwies er insbesondere auf europäische Länder, die weiterhin Energie aus Russland beziehen oder engere Beziehungen zu Moskau pflegen, darunter Ungarn und die Slowakei.

Trotz aller Sanktionen Erdgas an die EU geliefert

Tatsächlich liefert Russland trotz der bestehenden Sanktionen weiterhin Flüssigerdgas (LNG) in mehrere EU-Staaten: Nach aktuellen Daten importierten die Mitgliedsländer im Jahr 2025 rund 15 Millionen Tonnen russisches LNG. Das entspricht etwa 20,7 Milliarden Kubikmetern Gas und 16 Prozent der gesamten LNG-Importe der Europäischen Union, die insgesamt bei etwa 103 bis 105 Millionen Tonnen lagen.

Ein großer Teil dieser Lieferungen stammt aus dem russischen Yamal-LNG-Projekt in der Arktis. Nach Schätzungen brachte der Export nach Europa Russland im vergangenen Jahr Einnahmen von etwa 7,2 Milliarden Euro ein. Trotz Sanktionen und politischer Spannungen bleibt Europa damit weiterhin ein bedeutender Absatzmarkt für russisches Gas.

Die wichtigsten Abnehmer innerhalb der EU waren 2025 westeuropäische Länder: Frankreich importierte 6,3 Millionen Tonnen LNG aus Russland, vor allem über die Terminals in Dunkerque und Montoir-de-Bretagne. Belgien folgte mit etwa 4,2 Millionen Tonnen, die überwiegend über das Terminal in Zeebrugge abgewickelt wurden. Spanien bezog 2,8 Millionen Tonnen, während die Niederlande etwa neun Prozent der russischen LNG-Lieferungen in die EU importierten.

Parallel dazu hat Russland seine Energieexporte zunehmend diversifiziert: Insbesondere die Gaslieferungen nach China wurden in den vergangenen Jahren deutlich ausgeweitet. Neue Pipelineprojekte und langfristige Lieferverträge sollen dazu beitragen, den europäischen Markt langfristig zu ersetzen.

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Kommentare ( 50 )

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ThomasP1965
1 Monat her

Ein Grund mehr aus diesen schwachsinnigen fossilen Energieträgern auszusteigen. Man sieht, dass fremde Mächte, egal ob Russland, USA oder die Golfstaaten versuchen die Energielieferungen als politisches Druckmittel einzusetzen und nach Belieben unsere Energiepreise zu manipulieren. Wenn man abhängig ist, gar von wenigen Lieferanten, verliert man auch die Planbarkeit. Daher führt kein Weg vorbei an der weitgehenden Energie Unabhängigkeit. Dies bedingt Elektrifizierung. Von Transport bis Heizung. Jetzt über Wind, Wasser, Solar, später vielleicht Fusion (wenn die denn mal jemals kommt) – bei Uran hätte man ähnliche Probleme wie bei den Fossilen (es gibt nur wenige Anbieter). Preislich sind die erneuerbaren Energieträger,… Mehr

Kuno.2
1 Monat her

Die russischen Lieferanten sind zwar private Unternehmen, oft auch börsennotiert. Allerdings hat die russische Regierung einen oft nicht geringen Teil der Aktien im Besitz- bei der herausragenden politischen Bedeutung des Gasexports sicherlich verständlich.

Haba Orwell
1 Monat her

> Russlands Präsident Wladimir Putin drohte, die Gaslieferungen in die EU bereits vor dem geplanten Embargo vollständig einzustellen.

Wenn die Popanze Westeuropas eh nicht mehr wollen, kann man den Russen nicht verübeln, dass sie sich rechtzeitig bessere Kunden suchen – wann es denen passt und nicht wann es der westeuropäischen Kakistokratie passt. Der Iran-Krieg wird noch angeheizt – dann kann Gas nur noch aus den USA kommen?

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Talleyrand
1 Monat her

Man kann Putin verstehen, auch wenn das zu sagen hierzulande strafbar ist. Dann denke ich mir das, aber nur vielleicht.

Spyderco
1 Monat her

Es immer wieder beeindruckend,dass Standpunkte,die das Wohl der eigenen Wirtschaft,von
,,America first“bis
,,Vielleicht ist es für uns vorteilhafter, die Lieferungen für den europäischen Markt sofort einzustellen“
in D Störgefühle auslösen?!

Waldschrat
1 Monat her
Antworten an  Spyderco

Und immer wieder wird der russische Angriffskrieg auf die Ukraine (der böse Krieg) bemüht und nun haben wir noch den israelisch-amerikanischen Angriffskrieg auf den Iran (der gute Krieg); ganz abgesehen vom Angriffskrieg der deutschen Bundsregierung auf das deutsche Volk (oder wie anders soll man das bezeichnen?)

Kraichgau
1 Monat her

er agiert nur genauso,wie es die EU gewünscht und gefordert hat…NIE wieder russische Kohlenwasserstoffe,tönte es von Uvdl dauernd,er ist eben nett und gibt ihr,was Sie als Königin von europa will
P.S.wenn die EU seelenruhig zuschaut,wie die Ukraine ein russisches LNG-Schiff vor Malta versenkt,kann man Putin durchaus verstehen

Last edited 1 Monat her by Kraichgau
Schlaubauer
1 Monat her

Langsam wird immer klarer, wohin die kranke Energiewende hinführt, also die totale Abhängigkeit von fremder Energie.

ceterum censeo
1 Monat her

Putin droht mit Stopp der Gaslieferungen an die EU.“ Ist es denn nicht das, was die EU mit den Sanktionen von sich aus erreichen wollte?…

Kassandra
1 Monat her
Antworten an  ceterum censeo

Ja. Ich war bislang der Meinung, dass da schon seit Jahren nichts mehr zu uns gepumpt wird.

H. Priess
1 Monat her

An Herrn Richard Schmitt, wieso droht er? Eine sinnvolle Überlegung ist für sie eine Drohung? Ich bitte um eine kurze Erläuterung.

PaulKehl
1 Monat her
Antworten an  H. Priess

Putin denkt wertewestlich, er sucht sich neue Märkte und vor allem solvente Kunden.

imapact
1 Monat her

Um das am Beispiel des persönlichen Umgangs miteinander zu verdeutlichen: wenn mir jemand mitteilt, demnächst jede Beziehung zu mir abzubrechen, dann kann ich umgekehrt das auch gleich tun. Wenn es eben mit passt. China wird ein dankbarer Abnehmer russischen Gases sein und beide Regierungen können lachend dabei zusehen, wie „Europa“ vor dümmlicher Prinzipientreue vor die Hunde geht.