Wie geht es weiter in Südafrika?

In Südafrika drohen radikale schwarze Politiker weißen Farmern mit entschädigungslosen Enteignungen. US-Präsident Trump warnt. Und Europa? Schweigt zum Vorgehen gegen Weiße am Kap.

GULSHAN KHAN/AFP/Getty Images
Crosses are planted on a hillside at the White Cross Monument, each one marking a white farmer who has been killed in a farm murder, on October 31, 2017 in Ysterberg, near Langebaan, South Africa. A long campaign of violence against the country's farmers, who are largely white, has inflamed political and racial tensions nearly a quarter-of-a-century after the fall of apartheid.

Ein junger schwarzer Mann mit rotem Barett auf dem Kopf steht in einem Stadion, in der Hand ein Mikrofon. Er blickt ärgerlich, wütend. Unter dem Jubel von Tausenden Anhängern ruft er: „Wir schneiden der Weißheit den Hals ab“ („We are going to cut the throat of whiteness“) – dazu macht er mehrfach eine Kopf-ab-Bewegung mit der Hand. Julius Malema heißt der junge Schwarze, der das „Weiß-Sein“ töten will.

Der 37-jährige Malema ist Vorsitzender der linksradikalen Partei „Economic Freedom Fighters“ – ein Demagoge, wie er im Buche steht. Die Hals-ab-Bemerkung münzte er vor einigen Monaten auf einen Bürgermeister von der Oppositionspartei Democratic Alliance. Den müsse man loswerden – und da gebe es Gejammer „because of his whiteness“, höhnte Malema. Dann die Hals-ab-Bewegung … Auf Videos sieht man, wie Tausende Zuhörer im Stadion bei dieser Szene schreien und jubeln.

Der Demagoge Julius Malema, der unverhohlen rassistisch gegen Weiße hetzt, treibt die südafrikanische Regierungspartei ANC vor sich her. Derzeit sind die EFF drittstärkste Kraft im Parlament, doch bei der Wahl 2019 könnte seine Partei gut ein Zehntel aller Stimmen bekommen und Zünglein an der Waage werden. Die EFF-Linksextremisten fordern schon länger die Enteignung allen weißen Grundbesitzes, auch der seit einem Vierteljahrhundert regierende ANC (African National Congress) hat dieses Thema aufgenommen. Im Februar stimmte das Parlament mit 241 zu 83 Stimmen für einen EFF-Antrag zur „Landreform“. Der neue Regierungschef Cyril Ramaphosa lässt nun eine Verfassungsänderung prüfen, um entschädigungslose Enteignungen von Landbesitzern zu ermöglichen.

Nun kursieren schon erste Listen von Farmen, die enteignet werden könnten. Schnell wurde von offizieller Seite dementiert und beschwichtigt, dass diese Listen nicht echt seien. Zwei Enteignungen gab es aber schon in der nördlichen Provinz Limpopo; den burischen Besitzern der Farmen wurde dabei nur ein Bruchteil des Millionenwertes ihrer Farmen gezahlt.

Die drohende Enteignungswelle hat sogar Amerikas Präsident Donald Trump auf den Plan gerufen. „Ich habe Außenminister Mike Pompeo gebeten, die Beschlagnahmungen und Enteignungen von Grund und Boden in Südafrika und die Tötungen von Farmern genau zu untersuchen“, schrieb Trump auf Twitter. Zuvor lief auf Trumps Lieblingssender Fox-News eine Dokumentation; die südafrikanische Regierung wurde darin als „rassistisch“ bezeichnet.

Die ANC-Regierung reagierte wütend auf den Tweet – getroffene Hunde bellen bekanntlich. Das Außenministerium in Johannesburg bestellte den amerikanischen Botschafter ein und klagte über „den auf falschen Informationen basierenden Tweet“.

So falsch waren die Informationen aber gar nicht. Neben den drohenden Enteignungen sprach Trump von den „large scale killing of farmers“ – ein Thema, das in Europa kaum beachtet wird, aber schon Hunderte (überwiegend weißen) Farmern das Leben gekostet hat. Fast jeden Tag gibt es Überfälle und Morde an weißen Bauern, teils werden sogar Kinder getötet. Und oft genug werden die Farmerfamilien nicht nur getötet, sondern vorher noch die Frauen missbraucht.

Mehr als 3.000 (weiße) Farmer wurden seit den neunziger Jahren ermordet. Das ist allerdings nur ein kleiner Teil der halbe Million Fälle von Mord und Totschlag in Südafrika in den letzten fünfundzwanzig Jahren. Durchschnittlich etwa 20.000 Tötungsdelikte gab und gibt es im Jahr (und noch mal ein Vielfaches mehr an Vergewaltigungen).

Das Land am Kap zählt damit zu den „Top Ten“-Ländern mit den höchsten Mordraten auf der Welt und ist „Spitzenreiter“ in Afrika. Weiße sind als Opfer weit überrepräsentiert, wie Kallie Kriel, Chef der Selbsthilfeorganisation Afriforum betont: Bei 50 Morden am Tag werden bei 20 Weiße getötet, rund 40 Prozent, viermal so viel wie ihr Bevölkerungsanteil am Kap. Etwa 8 Prozent der Bevölkerung sind Afrikaaner, also Nachfahren der Buren-Siedler. Es ist unverkennbar, dass bei vielen Taten gegen sie auch ein rassistisches Element mitspielt.

25 Jahre nach dem Ende der Apartheid ist Südafrika keineswegs die friedliche und fröhliche „Regenbogen-Nation“, als welche sie von der Nelson-Mandela-begeisterten Welt gesehen werden wollte. Vielmehr bestimmen Ressentiments und Missgunst, teils Hass die Beziehungen der Bevölkerungsgruppen. Ein Teil der schwarzen Mehrheit will Rache an der weißen Minderheit nehmen. Diese besitzt zwar noch immer das meiste Land, doch wird ihre Lage immer verzweifelter. Es gibt einen kaum verhohlenen Anti-Weißen-Rassismus, den Einpeitscher wie Malema schüren. Noch als Chef der ANC-Jugendorganisation sang er öffentlich „Kill the Boer“ (Tötet die Buren) – und wurde trotzdem verteidigt von der ANC-Spitze) und noch bis heute umworben.

Im März bot Australien angesichts der Enteignungsdebatte den Buren sogar die Auswanderung in ihr Land an. Sie verdienten besondere Aufmerksamkeit aufgrund ihrer „schrecklichen Umstände“, sagte Innenminister Peter Dutton.

Aus Europa schlägt den weißen Südafrikanern dagegen überwiegend Desinteresse entgegen. Hier gilt es nicht als schick, sich für die weißen Afrikaaner zu interessieren. Auch der Niedergang Südafrikas unter der Herrschaft des ANC wird freundlich-desinteressiert ignoriert. Trotz der unbeschreiblichen Korruption führender ANC-Leute (Präsident Jacob Zuma war zuletzt mit 709 Korruptionsverfahren konfrontiert, bis er endlich abtrat) und trotz der Misswirtschaft der südafrikanischen Regierung überwiegt in Europa noch immer der von Sympathie getragene Blick auf das Post-Apartheid-Regime. Die schwarze Regierung zu kritisieren traut man sich nicht, weil das schnell als „rassistisch“ gebrandtmarkt wird.

Südafrika steuert aber, wenn es schlecht geht, auf einen Kurs zu, den Simbabwes Diktator Robert Mugabe vorgemacht hat. Unter Mugabe wurden nach 2000 ein Großteil der etwa 4.000 bis 5.000 weißen Großgrundbesitzer enteignet, brutal vertrieben, viele ermordet. Das Land wurde an schwarze Kleinbauern und Anhänger von Mugabe verteilt, die kaum Ahnung von Landwirtschaft hatten. Die Folge war ein Einbruch der Produktivität und der Ernten um etwa 60 Prozent. Es gab mehrfach schlimme Hungersnöte in Simbabwe, das einst als „Kornkammer Afrikas“ bezeichnet wurde. Mit seinem rabiaten Rassismus gegen die Weißen hat Mugabe das Land vollkommen ruiniert.

In Südafrika haben die Enteignungsdebatten im ANC große Sorge unter der weißen Minderheit, aber auch allgemein in der Wirtschaft allgemein ausgelöst. Denn Banken haben Zig-Milliarden Kredite an Farmer ausgegeben, die mit Ackerflächen besichert sind. Werden die Farmer enteignet, würden die Kredite wohl nicht mehr zurückgezahlt. Es droht eine Bankenkrise. Allein bei der staatlichen Landwirtschaftsbank stünden mehr als 40 Milliarden Rand (gut 2 Milliarden Dollar) im Feuer, warnte der Aufsichtsratsvorsitzende Arthur Moloto kürzlich gegenüber der Nachrichtenagentur Bloomberg.

Die drohenden Kreditausfälle und die Verunsicherung von Investoren würden Südafrika, dessen Wirtschaft seit Jahren kaum aus der Rezession herausfindet, nochmals zurückwerfen. Der Rand-Wechselkurs hat – auch wegen der hohen Inflation und Staatsdefizite – in den vergangenen Jahren stark abgewertet und ist auf einen Tiefstand gefallen. Das ist eine Belastung für Südafrika, weil das Land ein großes Leistungsbilanzdefizit hat und auf ausländische Kapitalzuflüsse angewiesen ist.

Druck von westlichen Regierungen und Investoren könnte die ANC-Regierung nochmal zum Nachdenken veranlassen. Am Kap haben deutsche Konzerne Milliarden investiert, von Daimler bis Volkswagen sind viele große Unternehmen präsent. Die USA und Deutschland sind die zweit- und dritt-wichtigsten Handelspartner Südafrikas hinter China. Vergangene Woche verschickte die Botschaft in Berlin an Journalisten eine Erklärung von Präsident Cyril Ramaphosa, in der er seine „Landreform“-Enteignungsideen erläutert und beschwichtigt. Wenn Investoren sich schlagartig abwenden, weil das Land ihnen zu unsicher erscheint, geriete die ANC-Regierung in größte Schwierigkeiten.

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Kommentare ( 72 )

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„Bei 50 Morden am Tag werden bei 20 Weiße getötet, rund 40 Prozent, viermal so viel wie ihr Bevölkerungsanteil am Kap. Etwa 8 Prozent der Bevölkerung sind Afrikaaner, also Nachfahren der Buren-Siedler.“

Ein Wahnsinn: 20×365=730 tote Weiße pro Jahr.
Ich nenne soetwas „ethnische Säuberungen“, doch
was sagt die UN dazu?

Ich habe gleich zwei südafrikanische Kollegen, beides Auswanderer nach Deutschland. Ein Weißer, Bure, und eine „Colored“ also eine Mischlingsfrau, eine Gruppe, die traditionell darunter leidet, von den Schwarzen als weiß und den Weißen als schwarz angesehen zu werden. Beide haben mir zu Südafrika folgendes gesagt: Das Problem des Landes ist die rasche und inzwischen abgeschlossene Afrikanisierung. Das bedeutet in erster Linie, das Land ist entnationalisiert. Zwar war es schon immer tribalistisch, die Apartheit machte das sogar zur Staatsdoktrin, und selbst die Weißen untereinander, die Buren und die englischsprachigen „Anglos“ waren voneinander getrennt und heirateten niemals untereinander. Trotzdem hatten die europäischen… Mehr
Südafrika ist eine der großen Enttäuschungen für Afrika. Unter Mandela noch eine Hoffnung für den ganzen Kontinent hat der ANC das Land ruiniert. Die Schuld dafür schiebt man den Weißen in die Schuhe, aber in vielen Schlüsselpoeitionen wurden die weißen Fachleute schon früh gegen verdiente, aber kenntnislose Kameraden aus der Widerstandsbewegung ersetzt, die schnell reich werden wollten. Die Führungsriege des ANC ist heute sehr wohlhabend. Die schwarzen Wähler fangen an zu murren, da ist die Schuldkarte gerade richtig. Ich gebe dem Land, in dem noch Justiz und Presse frei sind, vielleicht fünf Jahre, dann fällt es zusammen wie ein Kartenhaus.… Mehr

Nach dem Vorbild von Simbabwe:
Soll keiner sagen, Rassismus wäre
das Alleinstellungsmerkmal alter, weißer Männer!
DAS ist der totgeschwiegene Rassismus unserer Tage.

Die unrühmliche, aber für Afrika logische Reihenfolge:
1. Apartheid
2. Post-Apartheid
3. Neo-Apartheid

Afrika die Wiege der Menschheit? Es mögen viele nicht gerne hören,aber wir „gerade die Weißen“ haben uns in den letzten Jahrtausenden rasant nach vorne Entwickelt,die Afrikaner aber nach Rückzug der Kolonialmächte rasant wieder zu ihren Wurzeln! Die einzige Blütezeit Afrikas waren die Kolonialjahre,mit jedem Rückzug der Kolonialherren ging in den entsprechenden Ländern der Fortschritt wieder verloren,aber man konnte sich mit der zurück gelassenen Infrastruktur noch ein Weilchen über Wasser halten,und nun geht es immer weiter Rückwerts,nicht nur wirtschaftlich,auch Kulturell,also zurück zu den Wurzeln. Wer da noch investiert muß nicht alle Tassen im Schrank haben,und wer bleibt erst Recht! Das einzige… Mehr

Wer ist denn so blöd und investiert da?

Die Western Cape Provinz könnte sich abspalten.

Die Regenbogennation Deutschland wird dasselbe Schichsal erleiden, wie die Regenbogennation Südafrika. Leiden werden auch hier wie dort hauptsächlich die Weißen. Mitleid verdienen aber nur die, die sich trotz Diffamierungen gegen den Irrsinn gestellt haben. Die anderen verdienen es nicht besser. Letztere werden wohl jeden Mord an einem Weißen noch mit einem Konzert wie in Chemnitz feiern, bis es sie selber erwischt. Lemminge erfreuen sich ja auch noch an ihrer Schwerelosigkeit während des freien Falls, bevor sie hart aufschlagen.

Was man neben anderen biologischen Faktoren ( die es natürlich nicht gibt ?!) sehen kann sind die Erscheinung und Folge des in Afrika weit verbreiteten Tribalismus, des Denkens und Handelns allein in Stammes – oder Clanstrukturen, keineswegs natürlich in staatlichen Dimensionen und die bevorzugte rechtsfreie oder stammesrechtliche Art und Weise der Auseinandersetzung, sprich Entzivilisierung. Vergleichbares kann man bis in die Babystationen hierzulande auch zuhauf beobachten, scheint aber von links/grün sehr geschätzt zu sein. Zurück in die Steinzeit ( Regression ) ist offenbar angesagt, vielleicht sogar zu Adam und Eva und dann wir fangen noch einmal ohne Sünde ! neu an.… Mehr
In den neuen Bundesländer, zum Beispiel Mecklenburg-Vorpommern, ist genug brach liegendes Land vorhanden um Landwirtschaft zu betreiben. Man sollte den enteigneten Farmern die Möglichkeit geben, kostengünstig oder gleich umsonst, die leeren Felder nutzbringend zu betreiben. Die Farmer sind wohl zumeist Protestanten, sprechen englisch, sind fleißig und sind somit als Einwanderer mit unserer Kultur kompatibel. Die 2. Generation wird dann auch keine Sprachprobleme mehr haben und Deutschland könnte von dem Fleiß der burischen Bauern profitieren, wie damals Preußen von den protestantischen Salzburgern oder den vertriebenen Hugenotten aus Frankreich. Diese Art von Flüchtlingen wird aber todsicher der Zutritt zu unserem Land verwehrt,… Mehr

Wird wohl nicht funktionieren! Deutschland ist in der EU und für die brach liegenden Felder bekommen die Eigentümer Stillegungsprämien aus Brüssel. Oder es wird an die Stromspargelbauer vermietet. Preußen war durch den 30jährigen Krieg personell „ausgedünnt“, deshalb die menschenleeren Gebiete. Aber Russland hat den Buren unbewirtschaftetes Land nördlich des Kaukasus angeboten. Da werden die Buren wohl die Rolle der Kosaken übernehmen: Landwirtschaft betreiben und das Gebiet gegen die Moslems aus dem Kaukasus verteidigen.

Die Mehrzahl der Buren spricht ein altertümliches Niederländisch und lernt in aller Regel innerhalb weniger Monate fast perfekt Deutsch. Und sie sehen aus wie wir.

Stimmt! Wollte einen eigenen Kommentar abgeben, nachdem ich Ihren gelesen habe, spare ich mir das. Nur ein Vorschlag zur Ergänzung: Wir könnten für jeden weißen Südafrikaner den wir aufnehmen noch 10 Schwarzafrikaner als Gegenleistung dahin zurückschicken.