Spanien: Der Immigration von Minderjährigen ein Ende setzen 

Die Zahl der minderjährigen illegalen Einwanderer nach Spanien nimmt zu. Aber die meisten Immigranten kommen aus Rumänien, Kolumbien, Argentinien, Venezuela und Ecuador vor allem mit dem Flugzeug.

Offiziell kann jeder Ausländer, der illegal einwandert, innerhalb der EU wieder dorthin zurückgeschickt werden, wo er zuerst registriert wurde. In 2018 kamen nach Angaben der Flüchtlingsorganisation Acnur 139.300 Flüchtlinge und Immigranten nach Europa, die meisten davon kamen in Spanien an. Aus Kreisen der Deutschen Botschaft in Madrid ist jedoch zu hören, dass es schwierig ist, die Rückführung im Fall Spanien durchzuziehen, weil das Land zum einen an den Küsten derzeit überfordert ist und zum anderen auch keine richtige Abwicklungsstrategie bei der Registrierung verfolgt. Das Abkommen zwischen Premier Pedro Sánchez und Angela Merkel von vergangenem Sommer, das die Rücksendung von in Spanien registrierten Immigranten vorsieht, wenn sie über die deutsch-österreichische Grenze kommen, wurde erst bei einer Handvoll von Fällen angewandt. Problematisch ist erstens, dass Spanien seit geraumer Zeit schlampig registriert und zweitens nur die wenigsten Asyl beantragen.

Damit wird der Nachweis, wo die meisten der an der andalusischen Küste ankommenden Immigranten herkommen, schwierig. Unklar ist auch, wer den Rücktransport nach Spanien bezahlen soll. Minderjährige Einwanderer dürfen sowieso nicht zurückgeschickt werden, auch wenn, wie aus Kreisen von spanischen Hilfsorganisationen zu hören ist, die Franzosen dies an der Grenze zu Spanien praktizieren. Per Bus werden sie wieder zurück ins Baskenland gebracht, abgesetzt irgendwo auf einem Parkplatz und ihrem Schicksal überlassen. Der spanische Menschenrechtsverband „Asociación Pro Derechos Humanos de Andalucía“ (APDHA) klagt in einem jüngsten Bereich „Informe Derechos Humanos en la Frontera Sur 2019“ die Praktiken in Andalusien an, wo viele der Minderjährigen nicht mehr in Schutzgewahrsam aufgenommen und einfach ihrem Schicksal überlassen werden. Viele kommen mit Schlepperbanden oder auch auf eigene Initiative über den gefährlichen Meeresweg.

7.000 Minderjährigen gelang in 2018 der Weg übers Meer nach Andalusien

Gemäβ der Statistiken von APDHA kamen 2018 7.053 minderjährige Afrikaner ohne Begleitung von Erwachsenen an Andalusiens Küsten, der „frontera sur“, an. Darunter waren vor allem Marokkaner, 6.063 davon waren Kinder. Nur 39% dieser Immigranten gelangt in den Schutz der Regionalregierung, die Übrigen werden sich weitgehend selbst überlassen, was die Organisation stark kritisiert. Andalusien sei nur eine Durchgangsstation für die Immigranten. Anfang des Jahres war bekannt geworden, dass Hilfsorganisationen einige dieser „Obdachlosen“ zur französischen Grenze fahren. Sie werden dann an Parkplätzen im Baskenland ihrem Schicksal überlassen.

Hinweis Redaktion: Der Deutschlandfunk erklärte das mit den Minderjährigen schon 2018: „Für viele junge Marokkaner heißt der Traum Europa. Und so wagen jedes Jahr mehr die Überfahrt nach Spanien. Manche aus eigenem Entschluss, viele werden aber auch gezielt von ihren Familien geschickt. Denn Minderjährige dürfen in Spanien nicht abgeschoben werden.” Wie viele sind also Anker-Jugendliche?

Die andalusische Regierung, inzwischen eine rechtsliberale Koalition, käme ihrer Aufsichtspflicht nicht nach, kritisiert APDHA. Die ausländischen Kinder hausten in den Straβen von Jérez, Córdoba und Sevilla und die Politik schaue weg. Wer von den Immigranten älter als 16 Jahre ist, hätten auch keine Chance mehr, eine Schulausbildung zu bekommen. Damit ist für viele der Weg in die Kriminalität vorgezeichnet. Insgesamt kritisieren sie, dass die spanische Immigrationspolitik, in Wirklichkeit den Ausschluss der Einwanderer fördere und nicht wie sie versuchten dem Medien und dem internationalen Publikum zu vermitteln, deren Integration. Auch die Rücksendung in ihre Heimatländer funktioniere meist nicht, weil sie minderjährig sind, weswegen kein anderer Ausweg bleibe, als die Kinder wie jedes andere Kind in das eigene Sozialsystem zu integrieren.

Marrokaner sind die gröβte Immigranten-Gruppe

Dagegen machen Parteien wie die rechtsextreme VOX und inwischen auch schon die konservative PP Stimmung. Illegale Einwanderung ist für die spanische Bevölkerung jedoch eher aus solidarischen Gründen eine Sorge, nicht aus rassistischen wie viele Studien bestätigen. Dennoch, auch beim aktuellen Wahlkampf für den Urnengang zur Parlamentsbesetzung am 28. April, spielt das Thema Immigration, auch aufgrund einer globalen Stimmungsmache, welche Politikern wie Donald Trump oder Jair Bolsonaro an die Macht verholfen hat, eine zunehmend wichtigere Rolle in Spanien.

14 Prozent der spanischen Bevölkerung sind Einwanderer, die meisten kommen aus Marokko, Rumänien und Ecuador. Sie machen ein Fünftel der Erwachsenen zwischen 25 und 49 Jahren aus.

Anzahl der Immigranten, die in Spanien offiziell gemeldet sind
(in Millionen)

Quelle: INE, spanisches Statistikamt

Wie die Tabelle zeigt, kommen nur die wenigsten dieser Immigranten über den Meeresweg, sondern wie im Fall von Rumänien, Kolumbien, Argentinien, Venezuela und Ecuador vor allem mit dem Flugzeug. Die Zahl der illegalen Immigranten, die sich in Spanien aufhalten, wird von verschiedenen Organisationen und Institutionen auf rund eine Million geschätzt, darunter auch viele Venezulaner, die als Touristen gekommen und dann einfach im Land geblieben sind. Von ihnen reisen viele weiter nach Deutschland oder Frankreich.

Top Ten der Ursprungsländer der Gesamt-Einwanderung in Spanien 2018

1. Marokko 825.674
2. Rumänien 593.532
3. Ecuador 404.414
4. Kolumbien 394.431
5. Argentinien 256.071
6. Venezuela 255.071
7. Groβbritannien 248.824
8. Frankreich 203.556
9. Peru 201.993
10. China 195.345

Quelle: INE, spanisches Statistikamt

Wachsende Immigration vs steigender Radikalisierung von Jihadisten

15 Jahre nach dem Attentat von Atocha ist eine zunehmende Radikalisierung der straffällig gewordenen Immigranten in den Gefängnissen zu registrieren, vor allem unter den Marokkanern. Nach einem Bericht des spanischen Think Tanks Real Instituto de Elcano gäbe es in Spanien keine Strategie, diese Radikalisierung, die meist zum Jihadismus erfolgt, effizient zu bekämpfen. Es ist demnach auch einer neuer Trend, der vor dem Attentat von 2004 mit fast über 200 Toten, nicht beobachtet wurde. Allerdings radikalisieren sich die meisten Immigranten immer noch in ihrer eigenen Umgebung, gemäβ der Studie gilt das für rund 40% der Terrorverdächtigen oder bereits Verurteilte. Rund 31% treffen sich an geheimen Orten und 30% an offenen Plätzen.

Auch wenn Experten immer wieder beteuern, dass es keinen direkten Zusammenhang gibt zwischen der massiven illegalen Immigration in Spanien und der wachsenden Anzahl von Terroristen in den Gefängnissen, sind die Gefahren auf dem Weg nach Europa und das spätere Überleben ohne in die Kriminalität abzurutschen, nicht von der Hand zu weisen. Die spanische Flüchtlingsorganisation Acnur warnte Anfang dieses Jahres nochmals vor dem gefährlichen Weg übers Meer, den im vergangenen Jahr fast 65.000 Menschen wählten, um nach Europa zu kommen. Der UN-Hochkommissar Filippo Grandi ruft dazu auf, mutig zu sein: „Wir können diesen Tragödien ein Ende setzen, wenn wir den Mut und die Ambition haben, weiter als das Boot zu schauen und uns für mehr internationale Kooperation einsetzen, die sich um das Leben und die Würde der Menschen kümmert“.

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Kommentare ( 18 )

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18 Kommentare auf "Spanien: Der Immigration von Minderjährigen ein Ende setzen "

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Wie das dann aussieht, wenn in zwei drei Generationen immer noch von „wir“ und „Ihr“ aber immerhin auf Deutsch gesprochen wird, durfte ich gestern selbst erleben. Aufgrund einer Auseinandersetzung wollte einer der Jugendlichen durch die Scheibe eine Schlägerei anfangen und kam mit beiden Händen schon durch den 5cm geöffneten Spalt der Fahrzeugscheibe. Obwohl ich sofort Gas gab, klammerte er sich noch 10m an die Scheibe. Viele Grüße aus Hamburg…

„Das Abkommen zwischen Premier Pedro Sánchez und Angela Merkel von vergangenem Sommer, das die Rücksendung von in Spanien registrierten Immigranten vorsieht, wenn sie über die deutsch-österreichische Grenze kommen, wurde erst bei einer Handvoll von Fällen angewandt. “ Geradezu unglaublich, mit welch perfider Konsequenz diese Frau die illegale Massenmigration nach Deutschland fördert. Wieviele Migranten überqueren, von Spanien kommend, wohl ausgerechnet die Grenze zwischen Österreich und Deutschland? Man hätte das Abkommen gleich lassen können. Das Asylrecht muß endlich den Gegebenheiten angepasst werden. Völlig unsinnig die Regelung, daß Minderjährige (falls es überhaupt solche sind…) nicht zurückgeschickt werden dürfen. Warum eigentlich? Normalerweise ist es… Mehr

Wir müssen unsere Grenzen schließen. Dann wird auch Frankreich seine Grenze zu Spanien zu machen und dann wird Spanien die Leute, zumindest per Flugzeug, nicht mehr rein lassen. Zudem würde ein Pull-faktor entfallen und schlicht weniger kommen. Minderjährige gehören zu ihren Eltern und sollten deshalb grundsätzlich sofort zurückgebracht werden, das sind jugendliche Ausreißer und so sollte man sie auch behandeln.

Wir brauchen wieder einen Kolonialismus. Es zeigt sich leider, dass viele Länder nicht fähig/ willens sind, ihrem Nachwuchs eine Perspektive zu geben. Diese Länder müssen mE entmündigt werden. Ein Anfang wäre, wenn jeder G-8-Staat ein Patenland übernimmt bzw. annektiert. Dort muss die Sprache, die Rechtsordnung u.d.m. des Kolonialstaates eingeführt werden. Nach 💯 Jahren können diese Staaten wieder in die Unabhängigkeit entlassen werden. Dass das teuer würde, ist mir klar. Aber die 💯 Milliarden € p.a. für 2-3 Millionen „Flüchtlinge“ (ein Tropfen auf den heißen Stein) sind mehr. Vor Ort helfen heißt Zukunft schaffen. In 🇩🇪 helfen heißt Zukunft zerstören.

Man möge mir bitte erläutern, warum Rumänien auf zwei steht: „2. Rumänien 593.532“ Illegal sind sie ja nicht, sondern profitieren von der Reisefreiheit in der EU. Das Sozialsystem wird es kaum sein, das sie in Spanien anlockt. Arbeiten ? bei der sehr großen Anzahl Arbeitsloser in Spanien? Kann sein. Allerdings unwahrscheinlich, dass sich die Rumänen für Billigjobs auf die andere Seite Europas durchschlagen, dafür gibt es genug Einheimische und …siehe Liste…sonstige Zuwanderer. Blieben nur die „hochqualifizierten“ Rumänen, die sich ein neues Leben in der Sonne aufbauen. Aber auch das kommt mir „spanisch“ vor. Bekannterweise sind gerade diese Gruppen ja eher… Mehr
Kommt mir auch ein wenig ’spanisch‘ vor. Was wollen über eine halbe Million Rumänen in Spanien? Wo sind sie, wo arbeiten sie? Ebenfalls allerdings die Briten, Franzosen und Chinesen. Abgesehen davon: Wenn scheinbar von einem status quo für 2018 ausgegangen wird – man zählt immerhin stolze knapp 3,6 Mio. Einwanderer (wenn man den Zahlen der Tabelle oben trauen kann). Nur… In welchem Zeitraum sind sie nach Spanien gekommen? Von 1550 bis 2018? Von 1650 bis 2018…? Ich vermisse bei diesen Zahlenangaben die Zeiträume der Immigration. Nur alleine in 2018 kann das ja wohl kaum der Fall gewesen sein, und schon… Mehr

Habe ich auch nicht verstanden. Rumänen genießen ja mittlerweile die volle EU-Freizügigkeit. ZON vermeldet heute, daß von den ca. 2.000 Obdachlosen in Hamburg 60% aus Osteuropa gekommen sind, überwiegend aus Bulgarien und Rumänien.

Dass so viele Migranten mit billigen Linienflugzeugen nach Spanien kommen, auch aus weit entfernten Ländern Südamerikas, zeigt was für bettelarme, bemitleidenswerte Schutzbedürftige dies sind – wären sie nicht so bettelarm, kämen sie ja mit dem Privatjet.

„… spielt das Thema Immigration, auch aufgrund einer globalen Stimmungsmache, welche Politikern wie Donald Trump oder Jair Bolsonaro an die Macht verholfen hat,…“

Und ich dachte, wir hätten da eine konzertierte Aktion von UNO, EU, NGO’s, Soros, Kirchen, sozialistische Internationale, Merkel-Regime usw., die eine Massenmigration aus dem Orient und Afrika in das Herz Europas betreiben. Alles nur Schein.
Dabei sind es nur diese Oberrechten, die eine ‚Globale Stimmungsmache‘ durchziehen, um ihre üble Agenda zu befördern.
Danke Frau Müller, mich derart erleuchtet zu haben.

Gesellschaften haben nicht das Recht, anderen einfach ihren Nachwuchs vor die Füße zu werfen. Jede Gesellschaft muss für den eigenen Nachwuchs sorgen, Punkt.

Wenn es sich um eine relativ kleine und begrenzte Anzahl handelte, könnte man mit der Einstellung „Wir müssen helfen“ das Problem lösen. Aber mit jedem Jugendlichen, dem wir aus der Güte unseres Herzens helfen, bewegen wir mindestens zwei weitere dazu, ebenfalls zu kommen. Die Helfenwollen-Attitüde schafft daher ein Monster. Das Abladen von jungen Menschen auf Parkplätzen – völlig richtig von Seiten der Franzosen – ist nur ein Vorgeschmack.

„… spielt das Thema Immigration, auch aufgrund einer globalen Stimmungsmache, …, eine zunehmend wichtigere Rolle in Spanien.“
Arbeiten Sie gerne für fremde Frau Müller?
Wieviel Millionen Analphabeten können Sie denn mit ihrer Hände Arbeit ernähren?
Weshalb wollen Sie Fremde in unser Land integrieren, von denen sie noch dazu als Mensch falschen Glaubens, Frau und somit minderwertig betrachtet werden?
Um so etwas – beispielsweise durchgedrückt durch Framing (die armen, über das gefährliche Mittelmeer gereisten, unterdrückten, ausgebeuteten) oder jetzt mittels eines verbindlich unverbindlichen Migrationspakt durchgesetzten Unsinn – als solchen erkennen zu können braucht es keine Stimmungsmache.
Stimmungsmache kommt von Ihnen! Trump ist wieder Schuld.

…und jetzt kommt aus Brüssel gebetsmühlenartig der Satz: „Wir müssen die EU-Außengrenzen besser schützen…“
Und das seit gefühlter Ewigkeit. Seit Schengen-Abkommen. Die Aktion „Sophia“ war so eine Camouflage, bei der die Bundeswehr mehr Wassertaxi gen Europa gespielt hat, als Schlepper aufgebracht, oder Migranten an die afrikanische Küste zurückgebracht hat.
Nein, die EU hatte und wird niemals vorhaben, auch nur eine Seemeile der EU-Außengrenze zu schützen. Da sei der Migrationspakt vor!
Wir als Bürger Europas werden am Nasenring durch die Manege des EU-Grenzen-Zirkus gezogen. Man macht uns lächerlich. Leider merken das zu wenige!

Das glaube ich auch. Das Schengen-Abkommen ist 1985 ausgedacht und 1995 eingeführt worden. Also hatte man über 20 bis 30 Jahre Zeit, wirksame Maßnahmen zum Schutz der Außengrenzen zu planen und umzusetzen. Getan wurde aber so gut wie nichts, zumindest nichts wirklich Wirksames. Ich hatte nie das Gefühl, dass die EU wirklich die Grenzen schützen und die außereuropäische Armutsmigration aus Afrika/Nahost eindämmen wollte. Daher halte ich die Aussagen von EU-Funktionären zu einer Verbesserung des Grenzschutzes für Nebelkerzen. Was die in den letzten Jahrzehnten schon nicht gemacht haben, werden sie in den kommenden Jahrzehnten erst recht nicht mehr tun.