Selenskyj fordert konkretes Datum für den EU-Beitritt

Selenskyj versicherte, dass die Ukraine alles daransetze, bis spätestens 2027 die Voraussetzungen für eine EU-Mitgliedschaft zu erfüllen. Die Regierung arbeite intensiv daran, zentrale Reformen umzusetzen und die notwendigen Schritte in Richtung Integration voranzutreiben.

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Der ukrainische Präsident Wolodymyr Selenskyj drängt auf eine klare Perspektive für den EU-Beitritt seines Landes: Auf X forderte er, dass ein konkretes Datum für die Aufnahme der Ukraine in die EU Bestandteil eines zukünftigen Abkommens zur Beendigung des Krieges sein müsse.

„I want a specific date. If in the agreement, under which America, Russia – specifically Putin – I as President of Ukraine, and Europe sign, there is no date, then Russia will do everything to block the process“, meinte Wolodymyr Selenskyj in der Nacht auf Donnerstag auf X (er hat auf dieser Social-Media-Plattform 8,2 Millionen Follower). Ein verbindlicher Zeitplan sei aus seiner Sicht entscheidend, um politische Blockaden zu verhindern und langfristige Stabilität zu gewährleisten.

Selenskyj versicherte, dass die Ukraine alles daransetze, bis spätestens 2027 die Voraussetzungen für eine EU-Mitgliedschaft zu erfüllen. Die Regierung arbeite intensiv daran, zentrale Reformen umzusetzen und die notwendigen Schritte in Richtung Integration voranzutreiben.

Aktuell ist die Ukraine auf Platz 104 des Korruptions-Index von Transparency International – bei 182 analysierten Nationen; Deutschland liegt auf Platz 10, Dänemark auf Rang 1. Zusätzlich kennen fast alle Europäer die Fakten zum gewaltigen Korruptionsskandal, der erst im Herbst des Vorjahres aufgeflogen ist: Millionen wurden aus dem Energie-Sektor abgezweigt, zwei Minister und Andrij Jermak, der einflussreiche Leiter des Präsidialamtes, mussten zurücktreten. Und Selenskyjs tatverdächtiger Bekannter Timur Mindich flüchtete nach Israel – in seinem Appartement fotografierte die Anti-Korruptions-Einheit auch die mittlerweile berühmte goldene Toilette.

Außerdem hat sich Ungarns Regierung bereits klar gegen einen EU-Beitritt der Ukraine festgelegt, in der Slowakei und Tschechien dürfte die Stimmungslage ähnlich sein. So bezeichnete Ungarns Ministerpräsident erst kürzlich auf X die Pläne, die Ukraine bereits 2027 in die EU aufzunehmen, als „offene Kriegserklärung gegen Ungarn“ („open declaration of war against Hungary“). Er bezog sich dabei auf einen Politico-Artikel, der einen angeblichen „Fünf-Punkte-Plan“ von Brüssel und Kiew beschreibt, um den Beitritt zu beschleunigen und Ungarns Veto zu umgehen oder zu überwinden.

Ein festgelegtes Beitrittsdatum würde nach Ansicht des Präsidenten nicht nur die Reformbereitschaft stärken, sondern auch eine wichtige Sicherheitsgarantie darstellen. Ohne eine solche Festlegung, so warnte er, bestehe die Gefahr, dass Russland versuchen könnte, den Beitrittsprozess dauerhaft zu verzögern oder zu blockieren.

Und der ukrainische Präsident betonte in seinem X-Posting: „Für uns bedeutet EU Konkretheit, denn es geht hier um Sicherheitsgarantien für die Ukraine. Es geht um konkrete Details mit einem konkreten Beitrittsdatum.“

Parallel zu diesen Forderungen will Selenskyj noch keine Präsidentenwahl. Er meint, eine Abstimmung könne nur unter verlässlichen Sicherheitsbedingungen stattfinden. Wahlen seien erst dann realistisch, wenn ausreichende Garantien vorlägen und ein stabiler Waffenstillstand erreicht sei. Die Durchführung einer landesweiten Abstimmung während anhaltender Angriffe und unter Kriegsrecht sei organisatorisch und politisch kaum möglich. Millionen Ukrainer befänden sich im Ausland oder in umkämpften Regionen, während ein erheblicher Teil der Bevölkerung an der Front im Einsatz sei.

Zugleich reagierte Selenskyj auf Berichte internationaler Medien, wonach eine Wahl oder ein Referendum über ein Friedensabkommen bereits im Frühjahr angesetzt werden könnte. Diese Spekulationen wies er zurück und betonte, dass ein symbolträchtiges Datum wie der Jahrestag der russischen Invasion nicht für innenpolitische Entscheidungen genutzt werden solle. Auch dementierte er, dass internationale Partner Sicherheitsgarantien an die Durchführung von Wahlen knüpften.

Unterdessen beraten in Brüssel die Verteidigungsminister der NATO-Staaten über weitere Unterstützungsmaßnahmen für die Ukraine sowie über den Ausbau von Abschreckung und Verteidigungsfähigkeit in Europa.

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Kommentare ( 42 )

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Michael Heck
1 Monat her

Ich höre immer nur: „Selenskyj fordert…“ Es handelt sich um den kriegerischen Konflikt zweier ehemaliger Sowjetrepubliken, beides keine funktionierenden Demokratien, beides korrupte Systeme. Die scheindemokratische Kleptokratie Selenskyjs wurde vom Autokraten Putin angegriffen. Deutschland hat weder eine Bündnisverpflichtung, noch ein Mandat, hier mehr als humanitär zu helfen. Dennoch werden Milliarden über Milliarden in die Perpetuierung des Konfliktes und des Sterbens gepumpt, um lobbyistische Profitinteressen in der Ukraine oder am Krieg zu unterstützen und von hiesigen innenpolitschen Problemen abzulenken. Man nimmt dafür selbst einen militärischen Konflikt mit einer Atommacht in Kauf. Dabei besteht der Verdacht, dass die Ukraine hinter der Sabotage der… Mehr

Imre
1 Monat her
Antworten an  Michael Heck

Laut Emanuel Toded herrscht in Ru eine autokratische Demokratie, Herr Mausfeld spricht von einer Wahl-Demokratie.
„Zum Glück“ haben wir da in D eine libertäre Oligarchie bzw. eine Wahl-Oligarchie…
Was ist wohl besser für die Bevölkerung?

Moses
1 Monat her
Antworten an  Michael Heck

Sie schreiben hier fremde Lügen.
Ja, beide Länder sind korrupt. Nur gibt es in der Ukraine viele einzelne Geschäftemacher, während in Russland ein korruptes Konglomerat von Menschen das gesamte von ihnen kolonisierte Land ausplündert.
In der Ukraine gab es schon immer viele Medien, die die Machtstrukturen kritisierten, und sie sind bis heute nicht verboten.
In Russland wurden alle solchen Medien nach und nach längst unterdrückt, und seit Beginn des Krieges werden diejenigen Kritiker, die nicht geflohen sind, einfach für viele Jahre ins Gefängnis gesteckt.
Man sollte keine Unwahrheiten schreiben, auch wenn man dafür bezahlt wird.

St.Elmo
1 Monat her

Konkretes Datum wenn die Ukraine in die EU aufgenommen wird? Wie wäre es mit dem Jahr in dem Ostern und Weihnachten auf den gleichen Tag fallen? Solange Einstimmigkeit für die EU-Aufnahme voraussetzung ist wird die Ukraine nie Mitglied werden? Warum sollten Nettoempfänger zustimmen das ein Land beitritt das zutiefst korrupt, arm und vom Krieg zerstört ist? Sie würden schlagartig vom Nettempfänger zum Nettozahler werden weil alle EU-Mittel in die Ukraine fließen würden und da wahrscheinlich in goldene Toiletten enden würden. Die Nettoempf#nger werden sich ein Ja vergolden lassen. Wobei ein Vorteil hätte der Beitritt der Ukrainie zur EU, es würde… Mehr

spindoctor
1 Monat her

>>>“…Millionen Ukrainer befänden sich im Ausland oder in umkämpften Regionen,…<<<
Vorschlag meinerseits: Er holt diese bis 2027 zurück, führt dann demokratische Wahlen durch – und dann fangen wir mal an, über einen möglichen Zeitplan zu reden.
Unterstützung unsererseits gerne durch Streichung des Bütgergeldes resp. Grundsicherung für Ukrain*ende.

November Man
1 Monat her

Dieser Selensky ist schon ein unverschämter Mensch. Der fordert nur, kostet nur unsinnige Milliarden, gibt aber nichts. Die Korruption in seinem Land beherrscht er zwar exzellent, aber für einen Beitritt in die korrupt EU ist selbst die hoch-korrupte Ukraine noch nicht korrupt genug.  

Lucius de Geer
1 Monat her

„Siegesplan, x-Punkte-Plan, EU-Beitrittsplan…“ – wer nimmt diesen Hasardeur eigentlich noch ernst? Der soll sich erst mal vom Volk im Amt bestätigen lassen und sich dann mit Moskau auf das verständigen, worüber man sich im Frühjahr 2022 schon weitgehend geeinigt hatte – bevor die feinen Herren aus dem Wertewesten dazwischengingen…

Aegnor
1 Monat her

Die Regierung arbeite intensiv daran, zentrale Reformen umzusetzen und die notwendigen Schritte in Richtung Integration voranzutreiben.“
Darth Wladimir meint also, die Ukraine tut ihr Bestes um genauso korrupt und totalitär wie Darth Röschen und die EU zu werden. Oder war es umgekehrt? Man weiß gar nicht, wer hier der Meister und wer der Schüler ist.

Bambu
1 Monat her

Dieses Interview mit einem österreichischen Geschäftsmann mit Ukraine Bezug gibt einen guten Einblick in die Lage der Ukraine. Nach wie vor sehr viel Korruption, zerstörte Infrastruktur, ein sehr aktiver Schwarzhandel mit Waffen und wenig Ehrlichkeit. Nicht zu unterschätzen die Hardliner im Hintergrund, wo man nicht weiß was diese machen, wenn richtig viel EU Geld für den Wiederaufbau fließen wird.
https://www.youtube.com/watch?v=aCr83JdexgA
Nach meiner Einschätzung, wäre ein EU Beitritt ein echtes Himmelfahrtskommando für uns alle.

Rasio Brelugi
1 Monat her

Ein „festes Beitrittsdatum“ würde die letzten, einigermaßen demokratisch legitimierten Maßnahmen des Aufnahmeprocederes außer Kraft setzen.
Daran erkennt man, wes Geistes Kind dieser Selinskij ist. Und die gesamte EU-Bürokratie darf man mit darunter packen.

Rob Roy
1 Monat her

Im Falle von Ungarn und Bulgarien sind 10 bzw. 12 Jahre zwischen Antragstellung und dem Beitrittsdatum vergangen. Bei Polen 19 Jahre. Die Türkei beantragte den Beitritt 1987, Verhandlungen werden seit 2005 geführt, sind aber gescheitert. Alle diese Länder waren nicht destabilisiert durch Krieg oder komplette Korruption. Sollte es der Ukraine gelingen, zeitnah Mitglied der EU zu werden, dann nur durch Bestechung oder Erpressung.

Last edited 1 Monat her by Rob Roy
yeager
1 Monat her

Eigentlich sind solche Forderungen komplett lächerlich. Das Beitrittsland muss erst mal die Voraussetzungen für den EU-Beitritt erfüllen, wie soll die EU ein Datum festlegen bis wann die Ukraine das tut? Die Festlegung des Datums würde somit den ganzen Beitrittsprozess unterminieren.
Nur hat man ja leider inzwischen oft genug gesehen, dass den EU-Diktatoren die Regeln auf denen die EU angeblich aufgebaut ist am Allerwertesten vorbeigehen wenn es gerade opportun ist.
Oder mal eine andere Perspektive: Erdogan wird sich ganz schön ärgern, dass ihm das nicht eingefallen ist als es um das „Flüchtlingsabkommen“ ging.

Dreiklang
1 Monat her

Der Wackeldackel im Kanzleramt wird nun wieder einmal die Gelegenheit nutzen, einige völlig sinnbefreite Sätze von sich zu geben. Genauso sinnlos ist Selenskyis Forderung: Wenn es schon keine Sicherheitsgarantien seitens der USA gibt, dann wird es erst recht keine Sicherheitsgarantien seitens der EU geben. Die EU ist auch kein Verteidigungsbündnis. Es wird kein konkretes Datum für einen EU-Beitritt geben. Eher zerlegt sich die EU.

Wilhelm Rommel
1 Monat her

Hybrider Größenwahn eines wildgewordenen bzw. von wem auch immer angestachelten/ferngesteuerten „Schauspielers, Komikers, Regisseurs, Fernsehmoderators, Filmproduzenten und Drehbuchautors“ (wikidingens), dem das Wasser bis zum Halse steht! „…sein Gesang wird bang und bänger…“ (frei nach W. Busch): Der Screenshot des Titelfotos spricht übrigens Bände…

Last edited 1 Monat her by Wilhelm Rommel