Zehntausende demonstrieren in London gegen Israel

Zigtausende Demonstranten haben am Samstag in Großbritannien mit Parolen demonstriert, die Israel diffamieren und sein Existenzrecht in Zweifel ziehen. Ein prominenter Labour-Abgeordneter übernahm dabei die Wortwahl der antisemitischen BDS-Bewegung.

IMAGO/Zuma Wire
Demonstration der Palestine Solidarity Campaign in London am 22. mai 2021

Die Organisatoren der Demonstration vom Samstag in London, die in den meisten Medienberichten mit „Solidarität“ für Palästina oder pro-palästinensisch bezeichnet wurde, sprachen von rund 180 000 Teilnehmern. In mehreren anderen britischen Städten, unter anderem Manchester, Bristol und Nottingham, kam es zu weiteren Demonstrationen. Die Organisation nennt sich selbst „Palestine Solidarity Campaign“ (PSC). Die Polizei sprach am späten Abend in ihrem Lagebericht von „einer beträchtlichen Anzahl“ an Teilnehmern, gab aber keine konkrete Zahl an. Die Art und Weise jedenfalls, mit der zumindest einige Teilnehmer „ihre Solidarität mit den Palästinensern im Gaza-Konflikt zum Ausdruck gebracht“ (dpa) haben, entspricht allerdings nicht ganz dem wohlwollend-friedlichen Bild, das sowohl etwa die britische Tageszeitung „Guardian“ als auch die kurze, vielfach von deutschen Medien übernommene dpa-Meldung zeichnete.

Auf Bildern ist eindeutig zu sehen, dass Demonstranten israelische Fahnen verbrannt haben. Es ging also nicht nur um Solidarität mit den Palästinensern, sondern Vernichtungsfantasien gegen Israel. In Tweets der Organisation PSC wird Israel ein „brutales und unterdrückerisches Regime der Apartheid und ethnischen Säuberung“ unterstellt. Offensichtlich ist dieses Narrativ durchaus erfolgreich. So freut sich PSC auf Twitter über einen „fantastischen Artikel“ im Guardian über die BDS-Bewegung („Boykott, Desinvestitionen und Sanktionen“), die der Bundestag 2019 als antisemitisch verurteilt hatte. Das Ziel der BDS-Bewegung und auch der britischen PSC ist also die Gleichsetzung Israels mit dem international gebrandmarkten Apartheidssystem in Südafrika vor 1993.

Screenprint via twitter / PSC

Screenprint via twitter / PSC

Wie weit ins politische Establishments Großbritanniens diese anti-israelische, wenn nicht antisemitische Bewegung reicht, machte die Tatsache deutlich, dass Parlamentsabgeordnete der Labour-Partei und Gewerkschaftsfunktionäre auf der Veranstaltung sprachen. Der Abgeordnete John McDonnell, immerhin früher einmal Schatten-Finanzminister, also oberster Finanzpolitiker der Opposition, sprach von „Absoluter Solidarität mit dem palästinensischen Volk“ und lobte den „Mut, gegen ihren Unterdrücker aufzustehen“. Er sprach sein Mitgefühl mit den Opfern in Gaza aus – von Israels Opfern sprach er nicht. „Das war ein Kriegsverbrechen“, sagte er und warf Netanjahu vor, die Gewalt begonnen zu haben, um seine Macht zu erhalten. Eines Tages werde Netanjahu nicht wegen Korruption, sondern wegen Kriegsverbrechen im Gefängnis sitzen. Keine Rede davon, dass die Hamas mit Tausenden Raketen auf Israel die Gewalt begonnen hat. „Ja, ein Waffenstillstand wurde ausgehandelt und wir begrüßen einen Waffenstillstand. Aber lasst uns darüber im Klaren sein, dass es keinen Waffenstillstand für unsere Kampagne des Boykotts, der Desinvestition und Sanktion des Apartheidsstaates Israel geben wird. Die Botschaft ist klar: Wir werden unsere Solidaritätskampagne nicht unterbrechen bis Gerechtigkeit herrscht. Also lasst es uns klarmachen: keine Gerechtigkeit, kein Frieden!“

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Kommentare ( 19 )

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Morioon
3 Monate her

Die Engländer haben es gerade nötig, sich zum „Anwalt der Unterdrückten“ aufzuschwingen. Sie selbst haben in ihrer jüngeren Geschichte die halbe Welt unterdrückt und unzählige Verbrechen begangen. Aber das ist typisch: Immer auf die anderen zeigen!

Michaelis
3 Monate her

Was hat das Engagement für ein friedliches Zusammenleben zwischen Israelis und Palästinensern mit „Antisemitismus“ zu tun??? Verstehe ich nicht, und diese extrem einseitige Positionierung von TE in diesem Konflikt geht mir höllisch auf die Nerven! Von einer gebildeten und souveränen Perspektive ist das sehr weit entfernt! Erschreckend weit!!!

bkkopp
3 Monate her
Antworten an  Michaelis

Antisemitismus ist ein weitgehend anerkannter Sammelbegriff für : Antijudaismus, Antizionismus und Anti-Israelismus. Es geht entweder gegen Juden im allgemeinen, oder gegen Israel im besonderen. Es geht immer existentiell gegen Juden/Israel. Die TE-Positionierung zum Thema finde ich als sehr erfreulich, weil alle pro-palästinensischen Positionen immer über die geschichtlichen Gegebenheiten seit Theodor Herzl, seit dem Entstehen des Zionismus, seit der Balfour-Erklärung von 2017, seit der Neuordnung des Nahen Ostens nach 1920, seit der Staatsgründung 1948 und dem von den Arabern seitdem geführten ewigen Krieg/Terror gegen Israel, massive Geschichtsklitterung betreiben und ausnahmslos selektiv argumentieren, um die “ Palästinenser “ als underdog zu positionieren.… Mehr

wofi
3 Monate her
Antworten an  Michaelis

Sie wissen aber schon, daß ein „friedliches-Zusammenleben-wollen“ auf arabischer Seite so aussieht: Seit über 100 Jahren Vernichtungsschwüre gegen Juden/Israel. Die diversen Nahost-Kriege – immer, ausschließlich !!! die arabische Seite als Aggressor (1948. 1956. 1967. 1973. Und mehrfach hing der Überlebenskampf Israels am seidenen Faden. Raketenterror aus Gaza. Etwa 10-fache Ablehnung der arabischen Seite eines JEDEN Verhandlungs- oder konkreten Angebotes zur Gründung eines arabischen Staates in dem fraglichen Gebiet (Sykes-Picot. 20er. 30er. 1948. Camp David. Oslo I/II. Israels diverse Angebote „Land gegen Frieden“. Immer, kategorisch NEIN der arabischen Seite. Die 3 NEINS von Khathoum nicht vergessen. Das ist die arabische Position.… Mehr

Laurenz
3 Monate her

Kein Palästina, keine Demos. Demonstriert in London irgendwer für die Beduinen der Westsahara, die Uiguren, die Tibetaner oder die Rückgabe der Deutschen Ostgebiete? Das ist doch lächerlich….

fatherted
3 Monate her

Erstaunlich….kein einziger Bericht im ÖR-TV über so große Proteste in London. Letzte Woche gab es dafür umfangreiche Berichte über Boris Johnson erstes Bier im Pub und das olle Interview mit Lady Di. Tja…man muss halt Prioritäten setzen in der Berichterstattung….aus Frankreich hört man auch so gut wie nichts….dort leben die jüdischen Gemeinden doch schon lange in Angst und Schrecken. Hat sicher nur „regionalen“ Bezug….

EinBuerger
3 Monate her

Naja. Wenn man das Land Schweden weiterhin Schweden nennt, aber die Bevölkerung durch Eskimos ersetzt, wird sich natürlich nichts an Schweden ändern. Wieso sollte es auch?

Deucide
3 Monate her

Sie können es nicht ertragen , daß die Juden ihre Heimat zurückbekommen haben, noch dazu völkerrechtlich völlig legitim – UND WIE ES DIE BIBEL vorausgesagt hat was in der ENDZEIT geschehen würde – und stellen sich mit diesen heuchlerisch-dummen Propagandademoshows somit gegen Allah, wenn sie darunter Gott verstehen, gegen die Wahrheit und Vernunft insgesamt mit ihren Erfindungen von „Palästina“ und „Palästinensern“, wenn sie ihr ganzes Lügengebäude von Unterdrückung den blöd glaubenden, blind unterstützenden Linksfaschisten verkaufen können…als wäre das nicht genug veranstalten die Araber-Moslems ihren Antisemitismus in Hundertausenderzahlen ganz offen und fröhlich auf EUROPÄISCHEM BODEN und ihre Fans sehen in ihrem… Mehr

Last edited 3 Monate her by Deucide
Fritz Wunderlich
3 Monate her

1967 waren alle Westler von Israel begeistert, mich und meinen Vater, einen ehemaligen SS-Soldaten, eingeschlossen. Das kleine Israel, der David, den die mächtigen Araber im Nu hätten vernichten können, siegte. Dieses Narrativ hatte keine Risse und wurde allgemein geglaubt. Die Zeitungen schrieben mit Begeisterung über die israelischen Waffentaten. Moshe Dayan war der unbestrittene Kriegsheld, ohne wenn und aber. Seitdem hat sich das Informationsmonopol aufgelöst und immer mehr Leute wissen nun, was sich auf dem Gebiet seit 1900 abgespielt hat. Es werden immer mehr und das kann man auch nicht mit haßerfüllten demonstrierenden Arabern aus der Welt schaffen. Die Waage neigt… Mehr

Aboriginal
3 Monate her

Labour ist wieder zurück in der sozialistischen Vor-Blair-Zeit. Wer Typen wie Dianne Abbot, Jeremy Corbyn und oben genannten John McDonnell als Sprachrohre hat, braucht sich nicht zu wundern, dass nicht nur bei den Parlamentswahlen, sondern jetzt auch bei den Kommunalwahlen die Red Wall eingestürzt ist. Diese Partei wird von marxistischen Parteikadern an die Wand gefahren. Da kann einem Keir Starmer fast schob leid tun.

John Farson
3 Monate her

Mich bringt selten noch etwas aus der Fassung, aber hier packt mich das blanke Entsetzen. Die Entwicklung war sicherlich absehbar, dennoch ist es etwas ganz anderes, diesen Hass selbst zu zu erleben. Das altehrwürdige Europa wird demnächst in Flammen stehen. Es war einfach zu alt, wohlhabend und satt, um sich gegen seine Feinde zu wehren. Im Gegenteil, man hat sich diese noch ins millionenfach ins Land geholt, sie verköstigt und unter Schutz gestellt. Wie bitter auch für unsere Freunde/Verbündeten in Israel, die es demnächst ebenfalls ausbaden werden. Die Marionette im weißen Haus trägt den Dolch schon im Gewande. Düstere Zeiten… Mehr

HRR
3 Monate her
Antworten an  John Farson

„Das altehrwürdige Europa wird demnächst in Flammen stehen. Es war einfach zu alt, wohlhabend und satt, um sich gegen seine Feinde zu wehren. Im Gegenteil, man hat sich diese noch ins millionenfach ins Land geholt, sie verköstigt und unter Schutz gestellt.“ — Da möchte man die Erkenntnis von Galileo Galilei „Und die Erde dreht sich doch“ leicht abgewandelt wiederholen: Und die Geschichte wiederholt sich doch! Die spätrömische Dekadenz und Heerscharen von Eindringlingen in das Römische Reich führten u. a. zum Fall des römischen Imperiums. Nun, Europa ist nicht einmal ein Imperium, sondern nur eine Ansammlung von interessengesteuerten Staaten, die der… Mehr

Morioon
3 Monate her
Antworten an  HRR

Die Europäer sind selbst schuld, wenn sie verschwinden. Dabei fällt mir die Geschichte von dem Wikingerhäuptling ein, der nach Britannien segelte, um sich dort Land anzueignen. Er wurde gefragt, was dann mit den Leuten geschehen sollte, die bereits dort leben. Seine lapidare Antwort: „Die Männer werden getötet, die Frauen und Kinder verkauft. Wenn ein Volk nicht in der Lage ist, seine Grenzen zu schützen, ist es nicht wert, dieses Land zu besitzen“. Gilt in gewissem Sinn auch für Europa, zumindest aber für Deutschland.

Ali
3 Monate her

Der Westen unterwirft sich einer eingewanderten, zutiefst feindlich archaischen, unzivilisierten und ungebildeten Kultur.

Heute sind es die Juden. Morgen werden es die Europäischen Christen sein. Diese europaweit gescheiterte Integration widert mich nur noch an!

fatherted
3 Monate her
Antworten an  Ali

Ich kann Ihnen da nur zustimmen. Antisemitismus ist erst der Anfang. Der Kampf gegen die Ungläubigen hat in Europa erst begonnen. Noch wird er unter der Decke gehalten…aber der Hass, die Ablehnung und der Widerstand gegen die „Indigenen Deutschen“ ist über spürbar. Als alter weißer Mann werde ich das wohl nur noch am Rande miterleben….lustig dabei…gerade die, die diese Menschen in Masse hier herbringen, werden die sein, die am meisten unter ihnen leiden müssen. Ein Treppenwitz….