Italien hat gesiegt – die Folgen für die EU

In der EU tritt der konservative Block aus Schweden, Polen, Ungarn und jetzt Italien gegen das linke Brüssel und die bisher bestimmenden Hauptstädte Paris, Berlin und Madrid an. Die EU wird geeint und konservativ sein – oder sie wird gar nicht sein, beschreibt unser Autor David Engels die Richtungsentscheidung.

IMAGO/Zuma Wire

Italien hat gesiegt. Und nicht nur Italien – ganz Europa schöpft in den letzten Wochen neue Hoffnung. Ungarn und Polen haben viele Jahre hinweg den Konservatismus verteidigt – scheinbar auf verlorenem Posten. Immer größer ist der Druck geworden. Man wollte ihre kulturelle Identität brechen, ihr Bildungssystem von außen beeinflussen, ihre Jugend schon im Kindesalter manipulieren, ihre Medien fernsteuern, ihr Rechtssystem instrumentalisieren, ihre Energieproduktion sabotieren, ihre Wirtschaft aushungern. Nichts von alledem hat gefruchtet: Polen und Ungarn stehen weiterhin treu zu ihrer abendländischen Identität, ihrem christlichen Glauben und ihrem europäischen Patriotismus. Sie haben die Flamme der Tradition geschützt, wo sie anderswo fast ganz erloschen ist.

Nun zeigt sich, dass das lange Warten und Kämpfen nicht vergebens war. In Frankreich haben die patriotischen Kräfte sensationelle Erfolge erzielt, in Schweden bilden die konservativen Parteien die nächste Regierung, und nun, als bisherige Krönung: Italien hat endlich wieder, nach vielen Jahren, eine konservative Mehrheit. Vom arktischen Norden über Mitteleuropa bis in das südliche Mittelmeer durchzieht ein konservativer Block die gesamte europäische Union. Grund genug für uns, zu feiern – und für die Brüsseler Eurokraten um Ursula von der Leyen, Frans Timmermans und Guy Verhofstadt, in den Teppich zu beißen.

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Heute dürfen wir feiern, aber schon morgen müssen wir arbeiten. Denn wir dürfen uns nicht auf unseren Lorbeeren ausruhen. Die Lage ist ernst, und zwar für ganz Europa. Madrid, Paris, Berlin und Brüssel sind fest in der Hand der linken Kräfte. Und diese tun alles, um das echte Europa zu zerstören. Der Glaube, die Familie, die Tradition, die Bürgerlichkeit, die Nation, die abendländische Zivilisation – alles soll im Namen von Globalismus, Multikulturalismus, Materialismus, Technokratie, Gender-Ideologie, Hedonismus, Klimahysterie und Transhumanismus ausgehöhlt und diskreditiert werden. Am Ende bleibt nur noch eine willen- und kraftlose Masse atomisierter Individuen zurück, welche dann durch Propaganda und Zwang zu einem anonymen Kollektiv zusammengeschweißt werden – hilflose Befehlsempfänger ebenso wie enthemmte Konsumenten.

Der Kampf wird weiterhin ein harter sein. Denn es reicht nicht, bloß gegen die Brüsseler Institutionen zu kämpfen: Die meisten nationalen Regierungen unseres Kontinents – in Spanien, Frankreich, Deutschland – sind kaum weniger globalistisch als diese eingestellt. Unser wichtigster Opponent sitzt nicht in Brüssel, sondern in den Köpfen und Herzen jener Bürger, die auch weiterhin bei jeder weiteren Wahl die Dekonstruktion unserer Zivilisation unterstützen. Das Vereinigte Königreich ist auch trotz Austritt aus der EU nicht weniger „woke“ als früher; und auch Norwegen, Island und die Schweiz durchleben genau dieselbe kulturelle Repression wie ihre Nachbarn, obwohl sie nie Mitglied der EU waren.

Unser echter Kampf richtet sich nicht gegen eine einzige Institution, sondern eine Ideologie; eine Ideologie, die den gesamten Westen erfasst hat und ihn von innen zerstören will. Wir können diesen Kampf daher auch nur gemeinsam kämpfen – Italiener Seite an Seite mit Polen, Ungarn, Schweden und hoffentlich sehr bald auch vielen weiteren Nationen. Auf uns alleine gestellt, ist die Übermacht der globalistischen Kräfte uns haushoch überlegen – selbst einem amerikanischen Präsident war es unmöglich, gegen die Macht des Deep State anzukommen. Umso weniger dürfen wir hoffen, dass es einem einzelnen europäischen Staat gelingen kann, sich dauerhaft und langfristig zu behaupten. Schon jetzt sind selbst die größeren europäischen Staaten kaum mächtiger als eine einzige chinesische Großstadt, während die kleineren weltpolitisch vollkommen unbedeutend geworden sind.

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Wir müssen also zusammenhalten im Kampf gegen jene Ideologie, die unsere Zivilisation von innen zerstören will, und jene Institutionen, die Europa dauerhaft linken Regierungen unterwerfen wollen. Aber wir dürfen uns nicht auf den Kampf „gegen“ etwas beschränken. Wir müssen auch wissen, „für“ was wir stehen – und wie der Morgen aussehen soll, den wir bauen wollen – nicht nur für unsere einzelnen Nationen, sondern ganz Europa.

Die internationalen Institutionen sind zu einem Korsett geworden, den Konservatismus von der Macht auszuschließen. Nach unserem Sieg müssen wir unsere eigenen Institutionen schaffen, um das Überleben unserer bedrohten Zivilisation auch langfristig zu garantieren und unserer Zusammenarbeit einen festen Rahmen zu bieten. Ja, wir sind EU-Skeptiker, aber nein, wir sind keine Europaskeptiker: Unsere Gegner verteufeln alle Schöpfungen des „alten weißen Mannes“; wir aber wissen, dass alle Nationen unseres Kontinents derselben, großartigen europäischen Zivilisation angehören, und heute mehr denn je das Überleben der Nation nur durch den Schutz ganz Europas gewährleistet werden kann.

Die „Pariser Erklärung“ von 2017, die „Präambel für eine Europäische Konföderation“ von 2020 und die „Gemeinsame Erklärung“ vom Jahr 2021 sind bereits ein guter Beginn – aber wir brauchen mehr, viel mehr. Wir brauchen einen gemeinsamen europapatriotischen parlamentarischen Block, wir brauchen unser eigenes politisches Programm, wir brauchen unsere eigene Jugendbildung, wir brauchen unsere eigenen Akademien, wir brauchen unsere eigene Elite, wir brauchen unser eigenes wirtschaftliches Netz, wir brauchen unsere eigenen Medien. Nur dann können wir hoffen, uns der Krake des Globalismus entgegenzusetzen; nur dann können wir hoffen, nicht nur unsere innere Freiheit zurückzuerobern, sondern auch nach außen dem Druck aus China, aus Russland, aus Afrika und aus der islamischen Welt zu widerstehen. Wir wollen nie wieder, dass eine anonyme Brüsseler Bürokratie die Köpfe unserer Kinder mit LGBTQ-Propaganda füllt, die Familie zerstört, den Glauben diskreditiert, den Patriotismus schlechtredet, unsere Geschichte umschreibt, unsere Energiesicherheit zerstört, unsere Wirtschaft auslagert und unsere Zivilisation verteufelt.

Gerade daher müssen wir zusammenarbeiten – zunächst, um den Globalismus zu vertreiben, dann, um unsere Zivilisation zu schützen. Nur gemeinsam können wir unsere Grenzen gegen Migration und Angriffskriege schützen. Nur gemeinsam können wir islamistischen Terrorismus und internationale Kriminalität bekämpfen. Nur gemeinsam können wir unsere Versorgung mit Energie und strategischen Ressourcen sichern. Nur gemeinsam können wir unsere Forschung und Technologie wieder auf die alte Höhe bringen. Nur gemeinsam können wir unsere Wirtschaft gegen Konkurrenz und Auslagerung nach Asien retten.

Aber um eine solche Gemeinsamkeit zu schaffen, müssen wir uns unserer Wurzeln und unserer Identität wieder bewußt werden, müssen wir überall dem Gedanken des Hesperialismus, also eines europäischen konservativen Patriotismus, zum Sieg verhelfen: Europa wird geeint und konservativ sein – oder es wird gar nicht sein.


David Engels, Lehrstuhlinhaber für Römische Geschichte an der Universität Brüssel (ULB), arbeitet als Chefanalyst am „Instytut Zachodni“ in Poznań. Bekannt ist er neben seinen publizistischen Arbeiten v.a. für seine Studie „Auf dem Weg ins Imperium“ (Berlin 2014), in der er die Krise der EU mit dem Niedergang der Römischen Republik im 1. Jh. v.Chr. vergleicht, sowie seine Bücher „Renovatio Europae“ (Berlin 2018) und „Was tun“ (Bad Schmiedeberg 2020).

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Kommentare ( 75 )

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wolfwal
1 Jahr her

Gerne möchte ich eine Anmerkung als schwuler Mann machen.
Schluss mit der LGBTQ-Propaganda. Viele Schwule wie ich, sehen das genauso.
Es wäre aber gut, wenn sich die neuen konservativen Kräfte in Europa einfach die Normalität aussprechen, dass Schwule und Lesben auch Teile der Familien sind. Als Sohn, Enkelin, Onkel, Tante, Freund und Nachbarin.
Aber wir sind keine Ikonen oder Vorbilder, zu denen uns linksgrüne Ideologen rein aus machtpolitischem Kalkül derzeit hochstilisieren.
Schwule Paradiesvögel gehören auf die Bühne aber nicht auf die Titelseite des Ikea-Katalogs.

Melante
1 Jahr her

Manchmal ensteht in mir der Eindruck, nur wir vortgeschrittenen Alters würden so denken. Böse, alte, weiße Männer. Aber nein! Ein lieber Freund schrieb vor wenigen Tagen an Habeck: „Sehr geehrter Herr Habeck,  nun wie der betreff schon verlauten lässt, ich wollte einfach mal Danke sagen. Danke dafür, dass es nun ganz sicher nicht mehr mit einem Eigenheim/ Eigentumswohnung wird.  Danke dafür, dass auch die letzte Möglichkeit Rücklagen zu bilden aufgefressen wird von allen möglichen Umlagen und Teuerungen. Ja genau Gewinne privatisieren und Verluste auf die Allgemeinheit abwälzen.  Wo genau kam das eigentlich nochmal in der sozialen Marktwirtschaft wie wir unsere… Mehr

Johann Thiel
1 Jahr her

Phantastischer Beitrag, der die Dinge richtig einordnet und sagt was zu tun ist. Vielleicht ein wenig zuviel Beschwörung des „Wir“, denn das hat am Beispiel EU gezeigt wohin so etwas führt. Die einzelnen Länder müssen selbst die Kraft aufbringen, ihre konservativen Werte zurückzuerobern, dann entsteht ein „Wir“ von selbst, und zwar da wo es sinnvoll ist.

Mathias Rudek
1 Jahr her

Ein sehr deutlicher und eingängiger Artikel. Der progressive und überlegte Konservatismus muß seine Stärken erkennen und das heißt auch seine Schwächen. Und das heißt am Ende starke Netzwerke aufbauen. Danke lieber Herr Engels.

Warte nicht auf bessre zeiten
1 Jahr her

Kurz: Wir müssen die kulturelle Hegeomie zurückerobern, wir müssen die Jugend gewinnen und wir müssen innovativ sein. Ob sich das dann konservativ nennt, ist mir ziemlich egal, solange es Realpolitik ist und wirtschaftlich vernünftig. Die Jugend werden wir nur mit Idealen gewinnen, da sehe ich derzeit leider noch wenig, was als Gegenideal zum „Linksliberalismus“ wirken könnte.

Deutscher
1 Jahr her

„Ungarn und Polen haben viele Jahre hinweg den Konservatismus verteidigt…“

Ja, seien wir den ungarischen und polnischen Leuten dankbar! Und denken wir daran: Union und FDP werden den nötigen Wechsel nicht voranbringen! Sie werden sich erst besinnen, wenn Massen von Wählern abgewandert sind – nach „rechts“!

Last edited 1 Jahr her by Deutscher
Hendo Renka
1 Jahr her

Was für ein toller Aufruf. Ich bin dabei!

Ralf Poehling
1 Jahr her

Ich kann hier nur noch mal wiederholen, was ich seit Jahren im Netz schreibe: Man eint Europa nicht über Geld! Man muss darauf schauen, wie Menschen funktionieren und erkennt sofort, was hier jahrelang falsch gemacht worden ist: Das Modell „Sozialamt“ treibt die wirtschaftlich schwächeren Länder in der EU in die Abhängigkeit und Gängelung, während die wirtschaftlich starken Länder finanziell ausgeplündert werden. Man frage dazu einfach mal einen Harzt IV Empfänger, was er von den Mitarbeitern im Jobcenter hält. Die Antwort ist nahezu immer negativ. Und dann frage man den Steuerzahler, was er davon hält, dass er andauernd für andere mitarbeiten… Mehr

Juergen Schmidt
1 Jahr her

Alles richtig. Jedoch glaube ich, dass die Bolschewisten in Brüssel, Berlin und in den woken Redaktionen dieses Wahlergebnis nicht akzeptieren werden. Es könnte demnächst ziemlich hässlich werden, denn freiwillig werden diese Leute nicht von den Hebeln der Macht und von den Fleischtöpfen lassen. In den Medien werden sie sich an Meloni ebenso abarbeiten wie an Trump, Orban, Johnson u.a. Totale Desinformation und Verteufelung sind zu erwarten. Unglaublich vorhersehbar, langweilig, verlogen und dumm. Es geht schon los: wenn ich die Darstellung der Kölner DuMont-Medien hier lese, dann muss man den Eindruck bekommen, Mussolini sei wiederauferstanden, und ab morgen würden wieder die… Mehr

Iso
1 Jahr her

Gibt es Anlass zur Hoffnung? Ich denke nicht, denn wir sitzen mit ziemlich vielen Ländern in einem Boot, die nicht nur wirtschaftlich schwach, sondern auch stark verschuldet sind. Jeder von denen möchte seine Probleme loswerden und ist für uns keine Hilfe. Das Kommissar-Modell EU scheint mir ohnehin sowjetischer Prägung und nur dann leistungsfähig, wenn es um anderer Leute Geld und neue Schulden geht. Solide finanzierte Länder wie die Schweiz oder Norwegen wissen schon, warum sie der EU nicht beitreten. Italien ist für mich schon deshalb kein Lichtblick, wenn ich mir den Lebenslauf von Frau M ansehe. Sie schneidet nicht besser… Mehr