Iran in Flammen: Fällt das Mullah-Regime?

Im Iran formiert sich der landesweite Aufstand der Bürger gegen das mörderische Mullah-Regime mit jedem Tag mehr. Von Teheran bis Mashhad fordern Demonstranten dessen Ende – teils mit feurigen Taten. Streiks und Trumps Drohung mit US-Schlägen schwächen die Führung immer weiter. Reza Pahlawi ruft zur Revolution. Ist das Ende der Islamischen Republik nah?

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Während sich die öffentlich-rechtlichen und anderen größeren Medien des Westens noch über Venezuela, den Atlantik oder Grönland erregen, könnte sich im Iran Entscheidendes für das Land und die Welt vorbereiten. Nach BBC-Zählung (und Erzählung) ist heute der zwölfte Tag der „Proteste“ im Iran. Der iranische Kommentator Mahyar Tousi widerspricht allerdings aus dem britischen Exil. Es gebe absolut gar keine Proteste im Iran, niemand protestiere dort. Dagegen sei es der gestern elfte und heute zwölfte Tag der Iranischen Revolution gegen die islamische Besetzung des Landes. Das mag eine übermäßig optimistische Sicht der Dinge sein, vor allem was die Ansichten im Land angeht, wo sich offenbar viel Unmut über das und Abkehr vom Regime findet, das aber zugleich jahrzehntelang sicher im Sessel saß. Für Tousi freilich ist es eine Revolution, die sich gegen den Islam, die Republik, die politische Linke und die Mudschaheddin zugleich wendet. Stattdessen wollten die Iraner ihren König in Gestalt von Reza Pahlawi zurück.

What you are seeing is day 11 of the Iranian revolution against the Islamic Occupation.

A revolution against: Islam, republic, Leftism, and Mujahedeen.

Iran wants its King back.

— Mahyar Tousi (@MahyarTousi) January 7, 2026

Neu an den iranischen Demonstrationen (so Reza Pahlawi) und der möglichen Revolution ist nicht unbedingt die Beteiligung von Händlern und arbeitender Schichten. Die gab es schon 2019, als es auch um die Hyperinflation in bestimmten Bereichen (Lebensmittel, Treibstoff) ging. Ebenso geht es jetzt um einen wirtschaftlichen Schock durch 40 Prozent Inflation.

Aber hinzu kommt die Schwächung des Regimes durch die Militärschläge Israels, dessen offenbar gewordene Geheimdienst-Überlegenheit und zum dritten die Rolle, die Donald Trump in der aktuellen Lage spielt. Denn Trump hat das islamische Regime davor gewarnt, erneut wahllos Demonstranten abzuschlachten. Andernfalls drohte Trump „harte Schläge“ der Vereinigten Staaten an, was natürlich besonders im Umfeld der Festnahme Nicolás Maduros Eindruck hinterlässt. Jahre zuvor hatte Trump den iranischen Geheimdienstler Qasem Soleimani ausgeschaltet. Nach beiden US-Einsätzen ist klar geworden, dass Trump ein Konzept der mikroinvasiven Militärschläge verfolgt, das sehr effizient sein kann.

Volle Straßen und Kämpfe in Teheran

Auf diesem Hintergrund muss man die Goldverlagerungen aus dem Iran sehen, die auf eine Bereitschaft der Führung schließen lassen, das Land – für ein Moskauer Exil? – zu verlassen. Im Falle der iranischen Mullahs wäre das ohne Zweifel ein Segen für das Land. Und das scheinen immer breitere Schichten der Bevölkerung so zu sehen. Sogar einzelne Schia-Kleriker sollen das Volk zum Aufstand aufgerufen haben. Derweil wird gemeldet, dass die Mitarbeiter der South-Pars-Raffinerie die Arbeit niedergelegt und sich damit dem landesweiten Generalstreik angeschlossen haben.

Studenten stehen dem Regime seit langem kritisch gegenüber, gehen aber inzwischen zum anarchischen Protest über, wenn sie, anstatt Parolen wie „Tod Israel, Tod den USA“ nachzubeten, einem Offiziellen „Tod Palästina“ Antworten.

In Teheran gehen große Menschenaufläufe und Straßenkämpfe vor sich.

Inzwischen sollen sich auch die Händler des zweitgrößten iranischen Basars in Täbris den Protesten angeschlossen haben. Indes geriet das Hauptquartier der Revolutionsgarden in Borudscherd (231.000 Einwohner) in der westlichen Provinz Luristan unter Beschuss von Demonstranten.

Nicht weniger explosiv scheint die Stimmung im benachbarten Aligudarz (90.000 Einwohner).

Laut der Islamforscherin Susanne Schröter haben sich auch Polizisten, etwa im kurdischen Abdanan (25.000 Einwohner), den Demonstranten angeschlossen.

Auch Mahyar Tousi berichtet von der mindestens inneren Desertion vieler Polizisten, Militärs und sogar von Mitgliedern der lange regierungstreuen Basidsch-Miliz. Tousi veröffentlicht die Worte eines Polizisten, der die Bürger dazu aufruft, den Druck auf der Straße aufrecht zu erhalten, weil dann viele Polizisten offen zur Opposition überlaufen würden. Oder ist das nur Wunschdenken?

Aus dem Südosten des Landes, in Iranschahr in der Provinz Sistan und Belutschistan bewohnt von anderen Minderheiten, wurde der Vize-Polizeichef Mahmoud Haqiqat von „unbekannten bewaffneten Angreifern“ getötet. Das sind dann doch annähernd rumänische Szenen.

Ist Maschhad gefallen?

In Maschhad – der mit mehr als drei Millionen Einwohnern zweitgrößten Stadt des Landes und Hauptstadt im östlichen Razavi-Chorasan – riefen die Demonstranten-Revolutionäre bereits die Befreiung der Stadt aus. Eine große Flagge der Islamischen Republik wurde abgenommen und zerrissen.

Ein von Iran International veröffentlichtes Video vom Mittwochabend zeigt, wie das Gouvernementsgebäude in Ashkhaneh (25.000 Einwohner) in der Provinz Nord-Chorasan in Brand geriet. Teils ist von einer Übernahme des Gebäudes die Rede.

Allerdings gibt es auch Todesopfer unter den Demonstranten – wohl 36 an der Zahl bis zum späten Mittwochabend. Die Hälfte der Todesopfer sollen in den unter anderem kurdisch besiedelten westlichen Provinzen wie Ilam und Luristan zu beklagen sein. Daneben gibt es Verletzungen, denen auch ältere Frauen heroisch standhalten:

Im Verwaltungsbezirk Kangan in der südlichen Provinz Buschehr sollen Sicherheitskräfte das Feuer auf Demonstranten eröffnet haben.

„Blame game“ und Polizeirazzia im Krankenhaus

Die Reaktion aus den USA bleibt vorerst zurückhaltend. So sagte die Abgeordnete María Elvira Salazar (R-Florida), das iranische Regime reagiere mit Massenverhaftungen und Gewalt auf die Proteste, es werde damit aber am Ende scheitern. Wie jene, die „in Kuba und Venezuela gegen die Tyrannei aufstehen“, kämpften auch die Iraner „für die Freiheit und das Ende der Unterdrückung“, schrieb Salazar am Mittwoch auf X. „Das iranische Volk fordert Freiheit.“ Nun werden verschiedene Straßen durch Aufkleber von Demonstranten in „President Trump Street“ umbenannt.

Derweil soll innerhalb der diktatorischen Führung des Landes ein „blame game“ begonnen haben. insbesondere zwischen Präsident Massud Peseschkian und dem Parlament, während der „Oberste Führer“ Ali Chamenei noch immer geschont wird. Chamenei hatte am Samstag gesagt: „Wir sprechen mit Demonstranten, aber es hat keinen Sinn, mit Randalierern zu sprechen. Randalierer müssen in ihre Schranken gewiesen werden.“ Das Regime scheint noch entschlossen zu sein, den Aufstand niederzuringen. Das zeigt auch das feierliche Versprechen des Polizeichefs, jeden Randalierer „bis zum allerletzten“ zur Strecke bringen zu wollen. Nicht alle Kommentatoren sind so optimistisch wie Tousi, was die Desertion von Sicherheitskräften angeht.

Andere sagen, dass derzeit Waffen aus dem Ausland in den Iran gelangen, um die Proteste zu stützen. Auch für den Überfall auf ein Krankenhaus und die Schließung von Märkten werden „israelische und US-Söldner“ verantwortlich gemacht. Das ist ein bekanntes rhetorisches Mittel des Mullah-Regimes: Innere Gegner werden als Agenten des „kleinen“ oder „großen Satans“ hingestellt.

Was war da nun mit dem „Überfall“ von Demonstranten auf ein Hospital? Vermutlich nichts. In das Imam-Chomeini-Krankenhaus in der Provinzhauptstadt Ilam waren verletzte Demonstranten aus kurdischen Arkavaz eingeliefert worden. Augenzeugen sprechen laut Iran International eher von einer Polizei-Razzia, die dann folgte, wobei Tränengas eingesetzt wurde und am Ende Verletzte aus dem Krankenhaus verschleppt worden seien. Damit gliche das Geschehen eher einer bekannten repressiven Praxis der iranischen Behörden, die sich zumal immer wieder gegen die widerständige kurdische Minderheit richtet.

Der inoffizielle Kronprinz Reza Pahlawi hat die Iraner zum Aushalten aufgefordert, auch wenn – wie früher auch – das Internet ausfallen sollte. Das werde aber diesmal dank Starlink nicht geschehen. Pahlawi will den Übergang zu einer weltlichen Demokratie im Iran ermöglichen.

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