Draghis Beliebtheit: „eine Erfindung der Massenmedien“

In Italien wie in Europa machten Medien mobil, um den scheidenden Premierminister als besonders beliebt bei den Italienern darzustellen. Laut dem Umfrageinstitut „Termometro Politico“ war das mehr Wunsch als Wirklichkeit.

IMAGO / ZUMA Press

Während wie nach der Regierungszeit des scheidenden italienischen Premierministers Mario Draghi bedienten sich die Massenmedien des In- wie Auslands vor allem eines Arguments: Draghi habe großen Rückhalt in der Bevölkerung. Diese Darstellung diente der Legitimierung des Ex-EZB-Chefs, der auf dem Posten des Ministerpräsidenten installiert, statt gewählt wurde. Um die Populisten von der Macht abzuhalten, bediente man sich des populistischen Mythos, der Banker sei eine Art unerklärter Volkstribun.

Einen besonderen Stellenwert bekam das Argument in den letzten beiden Wochen. In der Regierungskrise drohte Draghi mehrfach mit Rücktritt. Bei früheren italienischen Premiers wäre das kaum eine Waffe gewesen, denn italienische Regierungschefs kommen und gehen; doch ausgerechnet bei dem nicht-gewählten Draghi bauten die Medien den Druck auf, dass mit ihm einer der meistgeschätzten Staatsmänner aus billigem parteipolitischem Intrigenspiel gestürzt werden könnte.

70 Prozent der Italiener wollen Draghi nicht wählen

Besonders an jenem Mittwoch letzter Woche, an dem die konservativen Parteien sich ebenfalls gegen den Römer stellten, bekam das Thema zusätzlichen Zündstoff. Beinahe 1:1 wurde die Propaganda des linken Partito Democratico übernommen, die rechten Parteien hätten auf unverantwortliche Weise einen der beliebtesten Premierminister der italienischen Geschichte gestürzt. Die Medien in Italien wie Deutschland übernahmen diese Version. Kaum ein Artikel in den deutschen Medien, der nicht betonte, wie sehr die Italiener Draghi liebten, zum Bleiben aufforderten, und wie sich Lega, Forza Italia und Fünf-Sterne-Bewegung gegen diesen diffusen Volkswillen stellten.

„Whatever it takes“ war diesmal nicht genug
Mario Draghi: Geflohen, nicht gestürzt
Doch dahinter steckte nicht mehr als Wunschdenken. Wie das Umfrageinstitut „Termometro Politico“ feststellt, sind die Italiener gespalten, wie die Regierung Draghis zu bewerten ist – mit einem Vorteil für diejenigen, die sie eher negativ bewerten. Die relative Mehrheit, 41,5 Prozent, er regiere schlecht und solle gehen; weitere 13 Prozent sagten, sie würden ihn persönlich schätzen, aber es wäre besser, wenn er aufhören würde. Nur 31 Prozent bewerteten seine Arbeit als positiv, weitere 12,5 Prozent sagten, sie schätzten ihn nicht, aber er solle wegen der Notlage an der Macht bleiben.

Klar ist die Lage, sollte Draghi mit einer eigenen Liste zur Wahl antreten: rund 60 Prozent sagen, sie würden ihn unter keinen Umständen wählen, weitere 11 Prozent hielten es für „sehr unwahrscheinlich“; dass sie ihm bei einer Wahl die Stimme geben würden. Nur 10 Prozent sagten, sie würden ihn „sicher“ wählen, 15 Prozent machten sich ernsthafte Gedanken darüber.

43 Prozent halten den Rückhalt für die Regierung Draghi für eine „Täuschung der Medien“

Die spannendste Frage von „Termometro“ an die Befragten lautete, ob sie an einen großen Rückhalt der Regierung Draghi in der Bevölkerung glaubten. Die meisten Italiener glauben das nicht. 43 Prozent sagten, es handele sich um einen Mythos bzw. eine Täuschung der Medien. Weitere 6 Prozent sagten, dass Draghi keinen Rückhalt habe, das liege aber nicht an den Medien, sondern an der Beeinflussung durch Populisten. Rund 34 Prozent sagten, dass es einen solchen Rückhalt tatsächlich gebe; 13,5 Prozent stimmten dieser Version zu, sagten aber, dass dies allein der Pro-Draghi-Propaganda geschuldet sei.

Was die nachfolgende Regierung angeht, zeigen sich die Italiener uneinig. Rund 28 Prozent sagen, sie würde besser als die Draghi-Regierung werden, rund 29 Prozent sagen, sie würde schlechter. Rund 9 Prozent sagen, sie würde „genauso gut“ wie die Draghi-Regierung, rund 13 Prozent meinten, sie würde „genauso schlecht“. Der Rest der Befragten konnte darauf keine Antwort geben. Die Umfrage wurde vom 19. bis zum 21. Juli durchgeführt, also in der heißen Phase der Regierungskrise. Draghi bat am 21. Juli um seine Entlassung – die der Staatspräsident Sergio Mattarella am selben Tag annahm.

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Kommentare ( 20 )

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Sonny
8 Monate her

Ein erschreckender Großteil der Medien, von wem immer auch gesteuert, machen gerade die Welt kaputt mit ihren politischen Paladinen. Wer denen noch irgendein Wort glaubt, ist selber schuld. Und auch bei Umfragen werden die Leute vorsichtiger, bloß kein falsches Wort, sonst kann das unter Umständen böse Folgen haben. Eine korrekte Spiegelung der überwiegenden Gesellschaftsmeinung ist so gar nicht mehr möglich. Ich vermute mal, dass es nicht nur über 40% der Italiener sind, die Draghi ablehnen, sondern in Wirklichkeit warscheinlich eher über 70%. Und wenn bei uns steht, dass die Menschen sich einen Zerstörer wie habeck als Kanzler wünsche, dann suche… Mehr

Last edited 8 Monate her by Sonny
MfS-HN-182366
8 Monate her
Antworten an  Sonny

Die manipulierte und verdummte deutsche Mehrheitsbevölkerung scheint eine andere Meinung zu haben. So nach dem Motto „Führer befiehl, wir folgen dir!“ sehe ich dessen Grundhaltung. Leider!

caesar4441
8 Monate her

Gefälschte Beliebtheit gilt sicher nicht nur für Draghi sondern für viele andere auch.Das Problem ist daß die vierte Gewalt wie ein Großteil der Politiker in den Händen von anonymen Weltherrschern ist.

powerage
8 Monate her

Draghi ist Geschichte, mich würde eher interessieren, wieso Salvini so abgestürzt ist in den Umfragen und Meloni mit der Fratelli so zugelegt hat. Die MSM wetzen schon die Messer gegen sie. Wie bei Trump glauben dass das die Italiener interessiert, was sie über sie schreiben. Die Panik muss groß sein, dass die Mittelmeer-Route geschlossen wird mit einer Koalition aus Fratelli, Lega und Forza.

Roland Mueller
8 Monate her

Seine geplante Rundreise durch Italien, bei der er für Covid-Gedöns und antirussische Sanktionen einschließlich Waffenlieferungen für die Ukraine werben wollte hat er nach der zweiten Station in Turin abgebrochen, weil er dort ebenso wie schon vorher in Rom mit wütenden Protesten in Empfang genommen wurde. So viel für heute über die Beliebtheit vom Herrn Draghi.

UweBirke
8 Monate her

Draghi ist auch ein Jüngerer vom System WEF mit Führer Klaus Schwab # sie wollen eine Neue Weltordnung ohne Nationen und mit mutierten Menschen # maximal 500 Mio der Rest wird weggespritzt….

Hannibal Murkle
8 Monate her

„ sollte Draghi mit einer eigenen Liste zur Wahl antreten: rund 60 Prozent sagen, sie würden ihn unter keinen Umständen wählen, weitere 11 Prozent hielten es für „sehr unwahrscheinlich““

Die haben doch bald Neuwahlen – dann wird es in der Praxis ausprobiert. Ich bin gespannt, wie die EU mit einem MP Salvini umspringen würde – zu sehr ihm zusetzen können die nicht, dann stürzt das gesamte Kartenhaus.

powerage
8 Monate her
Antworten an  Hannibal Murkle

Salvini ist abgestürzt mit der Lega von 36 auf knapp 15 %, momentan legt Giorgia Meloni mit der Fratelli d Italia mit knapp 23 % vor der PD mit 22 % und die deutsche Presse wetzt schon die Messer gegen sie, weil es auf sie als MP hinausläuft zusammen mit Salvini und Berlusconi. Die haben furchtbare Angst, dass eine neue Regierung die Mittelmeer-Route abriegeln wird.

Donostia
8 Monate her

Nicht viel anders als bei uns. Baerbock war den Medien zufolge auch schon Kanzler vor der Wahl. Erst in den letzten Wochen vor der Wahl wurden die Prognosen nach unten korrigiert, um nicht komplett mit den Prognosen daneben zu liegen.

Ruhrler
8 Monate her

Draghi wurde hochgejazzt weil er Salvini verhindert hat. Das gefiel natürlich den westeuropäischen (und speziell deutschen) Medien und Politikern. Das erinnert sehr an „Gorbi'“ der ja auch der Deutschen liebstes Kind war aber in der ex-SU unbeliebt wie kein anderer. Auf beide trifft der Begriff „Nützlicher Idiot“ zu. Aber immerhin hat Brüssel Draghi so lieb das es Italien nicht pleite gehen lässt, mit einem Ministerpräsidenten Salvini sähe die Lage wohl anders aus.

bruecke222
8 Monate her

Draghi steht für eine EU Diktatur, eine Diktatur der Konzerne, die über die Gelddruckmaschine EZB gelenkt ist

Last edited 8 Monate her by bruecke222
Mausepaul
8 Monate her

Was?!? Das kann doch wohl nicht wahr sein, sollten dann Anna-Lena und Robert etwa auch nicht die aller-aller-aller beliebtesten Politiker in D sein? Das wäre ja unfassbar…..

Fernandinho
8 Monate her
Antworten an  Mausepaul

Im Kreis der allerbeliebtesten deutschen Politiker darf „Mutti“ Merkel nicht vergessen werden, unsere Traumkanzlerin, die uns Leute beschert hat, wegen denen man nicht mehr gefahrlos in ein Schwimmbad gehen kann, was noch das kleinste Übel ist. Wer heutzutage noch dem Geheul der Massenmedien glaubt, ob es die Impfungen betrifft, den Ukrainekrieg oder eben, wen von den „Eliten“ wir besonders zu schätzen haben, dem ist nicht zu helfen.