Gesichts- und geschichtslos: Biber statt Churchill?

Die Bank of England will Banknoten neu gestalten. In Zukunft sollen keine Persönlichkeiten der britischen Geschichte, sondern Flora und Fauna abgebildet werden. Diese Entscheidung sorgt für Protest, weil sie als Selbstaufgabe und Kniefall vor woker Ideologie gedeutet wird.

picture alliance / CHROMORANGE | Weingartner-Foto

Die Bank of England will in Zukunft auf die Darstellung bedeutender historischer Persönlichkeiten auf ihren Banknoten verzichten. Diese sollen durch Bilder von Tieren ersetzt werden.

Dies ruft in konservativen Kreisen Protest hervor. Kritik entzündet sich unter anderem daran, dass als ein Kriterium für die Gestaltung der Banknoten unter anderem festgelegt worden war, dass die Motive „keine Bilder enthalten sollten, die verletzend sind oder Gruppen ausschließen“. Dies wird als Kniefall vor woker Ideologie betrachtet. Der Verdacht wird dadurch befeuert, dass in linken Kreisen ebenfalls behauptet wird, die mangelnde Präsenz verschiedener ethnischer Gruppen stelle ein Manko dar.

When we had a common culture we honoured heroes like Wellington. pic.twitter.com/lpPvoauiNO

— William Clouston SDP (@WilliamClouston) March 11, 2026

Nigel Farage, Vorsitzender der Reform UK spottete auf X, Churchill solle von einem Biber ersetzt werden: Dass nun britische Flora und Fauna dargestellt werden soll, wird als Leugnung britischer Identität aufgefasst, die Rede ist von einem „Krieg gegen die Geschichte“ Großbritanniens.

Dass Geldscheine in unterschiedlichen Serien unterschiedliche Aspekte der nationalen Identität abbilden, ist nicht ungewöhnlich – und dazu gehört auch die Natur eines Landes.

Die Entscheidung fiel zudem nicht im Alleingang, sondern unter Berücksichtigung verschiedener Umfragen. Den Angaben der Bank of England zufolge hatte sich unter 44.000 Befragten eine Mehrheit von 60 Prozent für die Darstellung von Tieren ausgesprochen, nur 38 Prozent für bedeutende Personen.

Geschichtsklitterung auf Kosten positiver Identifikation

Dass Kritiker empfindlich darauf reagieren, obwohl das Identifikationspotenzial heimischer Natur groß ist, zeigt, dass die Nerven blank liegen, und die Bereitschaft zur Skandalisierung hoch. Und das ist durchaus verständlich.

Zum einen ist das britische, und hier insbesondere das englische Nationalbewusstsein seit geraumer Zeit von Selbstzweifeln und Selbstdemontage geprägt. Die Implementierung postkolonialistischer Narrative hat die Erzählung vom glanzvollen British Empire, das einst über Länder und Meere herrschte und die Segnungen britischer Zivilisation in die entferntesten Winkel der Erde trug, in ihr blankes Gegenteil verkehrt.

Sicherlich ist undifferenzierte Glorifizierung der eigenen Geschichte unangebracht und gesunde Selbstkritik zu begrüßen. Dazu gehört aber auch, Errungenschaften zu feiern und das eigene Erbe wertzuschätzen. Auf den britischen Inseln herrschte vor der um sich greifenden woken Ideologie durchaus ein differenziertes Geschichtsbewusstsein, das den eigenen Erzählungen mit einer gewissen, oft humorvollen Distanz gegenüberstand und auch Irrwege zu benennen wusste, ohne eine grundsätzlich positive Selbstidentifikation aufzugeben.

Woke Geschichtsklitterung aber unterschlägt Fakten, wie etwa den erfolgreichen Kampf der Briten gegen den Sklavenhandel. Stattdessen werden Briten als weißes „Tätervolk“ geführt, das „braune“ und „schwarze“ Völker unterdrückt hat.

Historie und Kultur werden ausradiert

Auch im Kulturleben sind woke und der „critical whiteness“ verpflichtete Akteure seit Jahrzehnten bestrebt, England in der Selbstwahrnehmung zu „diversifizieren“. In der an die Regency-Ära angelehnten Serie Bridgerton etwa wird die Königin von England, Charlotte zu Mecklenburg-Strelitz, als Schwarze dargestellt. Dies ist einerseits dem Trend geschuldet, Schauspieler ohne Ansehen der Ethnie, „colourblind“, also „farbenblind“, einzusetzen, und so historische Wirklichkeit zu verfälschen. In diesem Fall wird aber tatsächlich immer wieder behauptet, die Deutsche sei afrikanischer Abstammung gewesen.

Als Belege dienen Porträts, auf denen sie mit eher flacher Stirn und breiter Nase dargestellt ist. Linke haben Rassenkunde anscheinend mittlerweile als eine Art Lieblingsdisziplin entdeckt, und deuten dies als negride Züge.

Dass im Zuge dieser soziokulturellen Gemengelage englische – und damit weiße – Persönlichkeiten von den Geldscheinen zu verschwinden haben, darunter auch die Zeitgenossin Queen Charlottes, Jane Austen, wäre da nur folgerichtig.

Anbiederung an muslimische Befindlichkeiten

Hinzu kommt ein Assimilierungsprozess der britischen Bevölkerung an den Islam. Auch in diese Richtung kann die Aufgabe figürlicher Darstellungen von Menschen gedeutet werden.

Kürzlich machte in Großbritannien eine Broschüre Schlagzeilen, die vom Rat der Stadt Leeds bereits 2022 herausgegeben worden war, damals aber keinen größeren Aufruhr auslöste.

Darin sollen Schulen für Diversität sensibilisiert werden. Zwar soll die Publikation „Share the Journey“ (sinngemäß: „Gemeinsam auf der Reise“) „Sensibilität und Achtsamkeit rund um Glauben und Glaubensüberzeugungen“ stärken, es fällt aber auf, dass der Islam darin einen überaus prominenten Platz einnimmt.

Das spricht Bände. Denn Großbritannien pflegt als Ausgangspunkt eines Weltreiches und später des Commonwealth seit Jahrhunderten ein Bewusstsein für inter- und multikulturelle Belange. Viel länger und viel umfassender als etwa in Deutschland war man hier gewöhnt, fremden Kulturen zu begegnen, und deren Bedürfnissen zu entsprechen. Allerdings war in dieser Hinsicht nicht nur der Islam von Bedeutung, sondern namentlich vor allem auch Sikhismus und Hinduismus. In der Broschüre spielen diese Religionen jedoch sichtlich eine untergeordnete Rolle, während dem Islam nicht nur mehr Aufmerksamkeit gilt, sondern auch mehr Entgegenkommen.

Islamische Befindlichkeiten und Empfindlichkeiten werden klar priorisiert, und zwar auch, wenn es um bildende Künste geht: So könne die Darstellung „figurative dreidimensionale Darstellung von Menschen“ von einigen Muslimen als „gotteslästerlich“ betrachtet werden. Schüler sollten dementsprechend nicht dazu angehalten werden, Personen, die im Islam als Propheten gelten, also auch Jesus, figürlich darzustellen, auch könnten sich Schüler weigern, überhaupt Personen zu zeichnen.

Vor dem Hintergrund solcher Konzessionen, die einen wichtigen Teil der englischen und europäischen Kultur marginalisieren, ist es nicht verwunderlich, wenn auch die Neugestaltung von Banknoten verdächtigt wird, einem politischen Programm zu folgen. Da kann man noch so beharrlich insistieren, man wolle lediglich Fälschungssicherheit gewährleisten und habe die Bevölkerung miteinbezogen.

Die geplanten Naturmotive als Teil einer umfassenden Selbstaufgabe zu deuten, ist nicht weit hergeholt, und zumindest der Zeitpunkt für diese Entscheidung ist unglücklich gewählt. Denn die Entfernung der Konterfeis derjenigen, die nicht nur England, sondern Europa und den gesamten Erdkreis geprägt haben, entspricht, ob beabsichtigt oder nicht, einer Ideologie, die die europäischen Völker in eine gesichts- und geschichtslose Zukunft führt.

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