Eine neue Zuwanderungswelle über die Balkanroute baut sich auf

Die ungarische Regierung warnt vor einer neuen Migrationswelle über die Balkanroute. Zugenommen habe auch die Gewaltbereitschaft der Migranten und Schlepper. Viktor Orbán plant die Gründung einer Spezialeinheit für Grenzschutz.

IMAGO / Le Pictorium
Ungarische Grenzschutzanlagen in der Nähe von Subotica

In der Nähe des serbisch-ungarischen Grenzorts Subotica kommen Menschen zu Tode. Sie verfangen sich jedoch nicht in einem Grenzzaun und werden auch nicht von Grenzschützern angeschossen. Nein, die Migranten selbst und ihre Schlepper liefern sich untereinander Schießereien, wie nun Radio Free Europe mit Verweis auf das serbische Fernsehen berichtet. Am Samstag kam so ein Mann ums Leben, sechs Menschen wurden schwer verletzt. Die Opfer, angeblich Afghanen und Pakistaner zwischen 20 und 30 Jahren, waren nicht im Besitz von Ausweispapieren.

Ungarn beklagt einen massiv wachsenden Druck auf seine Grenzen, und zwar sowohl im Süden als auch im Osten. Im Grenzort Subotica traf Außenminister Péter Szijjártó seinen serbischen Amtskollegen Nikola Selaković, um die Lage zu besprechen. Szijjártó stellte fest, dass der Migrationsdruck auf Ungarn eine neue Bedrohungsstufe erreicht habe. Die Migranten würden aggressiver und gewalttätiger und benutzten immer mehr Waffen. Allein in diesem Jahr sei es zu 230 Übergriffen von Migranten und Schleppern gegen die ungarischen Grenzbeamten gekommen.

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Die Zahl der aufgegriffenen Grenzverletzer an der Südgrenze hat sich laut der Budapester Zeitung gegenüber dem Vorjahr mehr als verdoppelt. Bis einschließlich Juni wurden in diesem Jahr bereits 110.000 illegale Einreiseversuche an der ungarisch-serbischen Grenze festgestellt. Im Vorjahreszeitraum waren es 47.000 gewesen. Zugleich habe sich die Zahl der aufgegriffenen Schlepper um 92 Prozent fast verdoppelt, so der Sicherheitsberater des Premierministers, György Bakondi.

Orbán will neue Grenzschutz-Einheit gründen

„Versuche von Migranten, die Grenze mit Gewalt zu durchbrechen, körperliche Angriffe gegen Grenzbeamten und Beschädigungen am Grenzzaun sind zu alltäglichen Geschehnissen geworden“, sagte Bakondi laut der Website Daily News Hungary. Seine Erklärung: Noch immer landen viele Migranten an den Küsten Italiens und Griechenlands, um ihren Weg dann auf verschiedenen Routen fortzusetzen. In Ungarn kommen demnach vor allem Migranten aus Syrien, Afghanistan, Pakistan und neuerdings auch aus Indien an, daneben auch Afrikaner.

Laut UNHCR sind allein im April und Mai 13.000 Migranten nach Serbien eingereist. Als vorausgehende Transitländer gelten Griechenland und Bulgarien. Ende Mai waren aber nur gut 5.000 Migranten in Serbien aufhältig, eine Zahl, die weitgehend konstant zu bleiben scheint. Tausende müssen das Land also in dieser Zeit wieder verlassen haben. Regierungsberater Bakondi sieht jedenfalls keine Anzeichen für eine Verringerung des Migrationsdrucks in den kommenden Monaten. Entschiedenes Handeln sei nun gefragt.

Diese letzte Bemerkung dürfte ein Echo der Entscheidung Viktor Orbáns sein, der den Grenzschutz nach 15 Jahren erneut als selbständige Abteilung in der ungarischen Polizei neugründen will. Das könnte eine reine Frage der Organisationsform sein. Aber dem Anschein nach geht es auch um die gesteigerte Belastung der Grenzpolizisten, die „wieder zu ihren Familien“ zurückkehren sollen, so Orbán.

Frontex berichtete Anfang Juni ebenfalls von einer starken Zunahme, beinahe einer Verdreifachung der illegalen Einreisen über den Westbalkan. Zu diesem Bereich zählen außerdem die kroatischen Grenzen zu Bosnien und Serbien und die serbisch-rumänische Grenze. An diesen Außengrenzen berichtete Frontex von 40.000 illegalen Einreisen in den Schengenraum von Januar bis Mai 2022. Wenn die ungarische Zahl von 110.000 Zurückweisungen stimmt, lässt sich also sagen: Es ist den ungarischen Grenzpolizisten zu verdanken, dass es nicht zu 150.000 illegalen Einreisen kam.

Außenminister Szijjártó: Migranten nicht zur Grenzverletzung ermutigen

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Laut Außenminister Szijjártó stehen die Europäer „vor dramatischen Herausforderungen“, auch durch den Krieg in der Ukraine und das „inflationäre Umfeld“, das er schaffe. Das ist das Themenfeld, das sich mit der Ostgrenze Ungarns verbindet. Von dort sind bis jetzt 830.000 ukrainische Flüchtlinge ins Land geströmt. Auch diese Fluchtbewegung hat laut Frontex zuletzt wieder an Stärke zugenommen. Täglich kommen 12.000 bis 13.000 ukrainische Flüchtlinge in Ungarn an.

Andere Migranten – vor allem die aus Nahost und Nordafrika – sieht Ungarn als illegal Einreisende an, da sie „mindestens sechs, sieben, acht oder mehr sichere Länder“ durchreist haben, so Szijjártó gegenüber dem US-Nachrichtensender CNN. „Sie haben kein Recht, die Grenze zwischen Serbien und Ungarn zu verletzen“, sagte der Ungar einer skeptischen Christine Amanpour von CNN. Zudem verhielten sich die Migranten an der EU-Außengrenze immer aggressiver – im Gegensatz zu den ukrainischen Flüchtlingen.

Weil es von sicheren Staaten umgeben ist, lässt Ungarn Asylanträge nur an zwei Botschaften im Ausland, nicht aber an den Landesgrenzen zu. Die EU-Kommission hat das Land deshalb mehrfach beim Europäischen Gerichtshof verklagt. Doch auch Szijjártó kritisierte die EU-Kommission und ihre vermeintlichen Verbündeten scharf: „Wir fordern Brüssel und die Soros-NGOs auf, Migranten nicht zu ermutigen, sie nicht zu Verbrechen anzustiften und sie nicht dazu zu bewegen, die Souveränität von Ländern wie Serbien oder Ungarn zu verletzen.“

Die Fast-Verdreifachung der Zahlen ist im Übrigen auch weiter westlich zu verzeichnen, wie die NZZ bemerkt. In Österreich wurden in diesem Jahr bis einschließlich Mai bereits 22.000 Asylanträge gestellt. Das sind zweieinhalb mal so viele wie im Vorjahr. In Deutschland wurden von Januar bis Juni 2022 laut BAMF knapp 85.000 Erstanträge auf Asyl gestellt. Auch in diese Zahl sind sicher viele der Balkanrouten-Migranten eingegangen.

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Kommentare ( 57 )

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Manfred_Hbg
30 Tage her

Zitat 1: „Die Migranten würden aggressiver und gewalttätiger und benutzten immer mehr Waffen. “ > Jo, dass sind die nächsten „RentenkassenAUFfüller“ die „wertvoller als Gold“ sind. Und K.G.E(Grüne) kann dann auch wieder verkünden: „das Land wird sich verändern und sie freut sich drauf.“ – – – – – – – Zitat 2: „Wenn die ungarische Zahl von 110.000 Zurückweisungen stimmt, lässt sich also sagen: Es ist den ungarischen Grenzpolizisten zu verdanken, dass es nicht zu (……) illegalen Einreisen kam.“ > Och, ma kene Sorge: Wenn diese 110.000 -zumeist muslimischen- „Fachkräfte“, „RentenkassenAUFfüller“ und „Goldjungen“ nicht über die ungarische Grenze ins gelobte… Mehr

Van der Graf Generator
30 Tage her

Man kann und muss feststellen, dass speziell die Westdeutschen nicht unschuldig sind an der ganzen Entwicklung. Schon 2015 waren vor allem sie es, die laut Werbung für den Zuzug dieser islamischen Völker geworben hatten.
Viele Mahner in Ostdeutschland in Form von Pegida etc bleiben und blieben nicht nur ungehört, man prügelt aus Westdeutschland auch regelrecht auf sie ein.

So ist letztlich eine Situation entstanden, die allein durch die BRD verursacht wurde und nahezu umbeherrschbar ist.

Ich bin mittlerweile der Meinung, dass es in einem hypothetischen Europa ohne die BRD niemals zu diesen Massenbewegungen aus Nahost und Mittelost gekommen wäre.

Kassandra
30 Tage her

Sie sind ja in der ganzen EU inzwischen ansässig – nicht nur in D.
Aber natürlich ist Merkel die Gallionsfigur der Einwanderung – EU weit.
Mir war damals und ist heute unerklärlich, weshalb so gut wie alle die Mär von den „Flüchtlingen“ glaubten.
Es waren immerzu junge, kampfbereite Männer, die hier Raum nahmen.
.
Wir werden transformiert – und auch das ist Teil der Agenda. Die EU wie die UN sollte man bei Betrachtungen, wie das alles kommt, nicht außer Acht lassen.

Ali Mente
30 Tage her

Ja, es waren die verblendeten Westdeutschen mit ihrer DDR-Kanzlerin. Bis heute ist es mir völlig unverständlich wie diese Person überhaupt in so eine Position kommen konnte und dann ach noch völlig unkontrolliert handeln konnte. Schon Schröder sagte, „Sie kann es nicht“ und er hat Recht behalten, doch die rückgratlosen CDU Klatschhasen haben es nie begriffen! Heute biedern sie sich für ein bisschen Macht den Grüne an, einfach nur widerlich diese Partei.

Peter Silie
30 Tage her

Das, was zwei Weltkriege nicht geschafft haben, nämlich die Auslöschung der europäischen Völker, schaffen nun ein paar wenige Fanatiker unter dem Banner des Regenbogens.
Das GG Deutschlands sollte eigentlich verhindern, daß Wirrköpfe wieder an die Schalthebel der Macht geraten und dem Volk eine Gehirnwäsche verpassen.
Offenbar reicht keine Ordnung der Welt aus, den Wahnsinn dauerhaft einzuhegen.

Peer 70
1 Monat her

Es fehlen halt die Fachkräfte aller Couleur im Lande. Von der Ärzteschaft bis hin, zum Messerschleifer für Döner und Kebab Gerichte etc…

Return
1 Monat her

Und nein, das ist kein Zufall, kein Versehen, und kein „Staatsversagen“. Es ist politisch genau so gewollt. Und je eher man sich das klar macht, desto besser.

Astrid
1 Monat her

Mal sehen, ob es mit der Rundumversorgung und das über Jahre für Frau, Mann und viele Kinder in Deutschland noch funktionieren wird. Der Herbst und Winter kommt und die Energieversorgung bei uns sieht mau aus. Die fetten Jahre sind vorbei und da helfen auch keine Kniebeugen und in die Hände klatschen. Das Krankenversicherungssystem liegt in Trümmern und dazu zählen nicht nur die vielen Migranten, die seit Jahren kostenlos freien Zugang haben,nein auch die Impfschäden sorgen dafür, dass es kurz vor dem Kollaps steht. Da hatten es die Flüchtlinge, die 2015 gekommen sind besser, die können schon seit fast sieben Jahren… Mehr

Teiresias
1 Monat her

„Wir sind ein reiches Land“, „Wir schaffen das“, „Wertvoller als Gold“, „Ich freu mich drauf“ – die Parolen der Politik werden sich wiederholen.

Wird das heute noch jemand glauben? Die Altparteien haben sich in eine Position manöveriert, die ihnen nur noch den Weg in den Abgrund offen lässt – Umkehr ausgeschlossen, nicht nur in der Migrationsfrage!

Politik und Medien haben sich zu einer Schicksalsgemeinschaft zusammengeschmiedet! Die Rettungsboote wurden verbrannt, sebst die Ratten kommen nicht mehr vom sinkenden Schiff.

Das Volk könnte erkennen, daß es auf dem falschen Dampfer ist, will es aber nicht wahrhaben.

Last edited 1 Monat her by Teiresias
alter weisser Mann
1 Monat her

Wäre ich Ungarn, ich würde mit Ansage jeden Tag soviele reinlassen wie am anderen Ende rausgehen. Dann bekommen die Guten in der EU was sie wollen.

Deutscher
1 Monat her

„Neue Zuwanderungswelle“

Wenigstens etwas, das noch zuverlässig läuft 😀

Wo dürfen wir eigentlich zuwandern, wenn Deutschland endgültig am A…. ist?

Last edited 1 Monat her by Deutscher
taliscas
1 Monat her

Da das deutsche Parlament ja überflüssig geworden ist, schlage ich vor den Flüchtlingen den Reichstag zu öffnen und den Schriftzug DEM DEUTSCHEN VOLK endlich zu entfernen. Die Ampel will sich doch keiner Lügenpropaganda schuldig machen, oder?

Kassandra
30 Tage her
Antworten an  taliscas

Es ist ja bezeichnend, dass in einem Innenhof, einem Grabe ähnlich, auch inzwischen bereits etwas verwahrlost, schon ein Kunstwert installiert ist, das „Der Bevölkerung“ gedenkt: https://www.bundestag.de/besuche/kunst/kuenstler/haacke/haacke-198996