Aufstieg und Niedergang von Zivilisationen

Marcel Zhu zeigt uns mit der 3.700-jährige Geschichte des Reichs der Mitte wiederholte Muster, aus denen sich die Ursachen für den Aufstieg und Niedergang von Kulturen erkennen lassen: die auch heute ihre Wirkung entfalten.

© China Photos/Getty Images

Mehr als zweitausend Jahre dominierten die römisch-christliche und die chinesische Kultur parallel die bekannten Welten an den beiden Enden des Eurasischen Kontinents. Während die chinesische Zivilisation im Laufe des 16/17. Jahrhunderts von der westlichen Welt überholt wurde, entwickelt sich der Westen seit der Industriellen Revolution zu einem kulturellen Vorbild und Maßstab für die ganze Welt. Reste der einst glanzvollen chinesischen Zivilisation existierten nur noch in einzelnen Ländern Ostasiens, die sie gesellschaftlich wie kulturell prägen. Die ostasiatische kulturelle Tradition in Kombination mit westlicher Technologie, Rechtsstaatlichkeit und Aufklärung verhalfen einigen ostasiatischen Ländern rasch zu einem Platz unter den entwickelten Staaten. Es ist kein Zufall, dass nahezu alle Staaten der Welt, die bislang den Sprung in eine moderne Industriegesellschaft geschafft haben, entweder  dem europäischen oder dem fernöstlichen Kulturraum angehören.

Vor diesem Hintergrund ist eine nähere Betrachtung der Entwicklung dieser beiden Zivilisationen hilfreich, um der heutigen Zeit Aufschluss über den Aufstieg und Niedergang der Zivilisation zu geben. Da die Geschichte der europäische Zivilisation hierzulande hinreichend bekannt sein dürfte, wird in diesem Beitrag die chinesische Zivilisation betrachtet, um daraus Lehren für die heutige Zeit zu ziehen.

Prolog

Vor mehr als 5.000 Jahren trennten sich die Wege von zwei Gruppen des sino-tibetischen Urvolks. Ein Teil dieses Volks beschloss, ins tibetische Hochland zu ziehen. Aus diesen wurden die Vorfahren des tibetischen Volkes und der Qiang. Die anderen zogen gen Osten und ließen sich schließlich in einem Land nieder, welches  sie später „Zhongtu“ oder „Zhongguo“ nannten: Die Mittlere Erde oder das Reich der Mitte. Aus diesen wurden wiederum die Vorfahren der Chinesen: Stämme, die sich „Xia“ (Schia) nannten.

Ursprünglich umfasste dieses „Reich der Mitte“ nur einen Bruchteil der heutigen kernchinesischen Provinz Henan und Teile der umliegenden Provinzen. Nach mehreren Jahrtausenden chinesischer Expansionen entstand 2.000 Jahre vor unserer Zeit ein Großreich in Ostasien, dessen Grenze im Osten bis zum Pazifik reichte, im Norden in die mongolische Steppen hinein und im Süden bis in die Urwälder in Vietnam. Im Westen drangen die Chinesen mit ihren indogermanischen Verbündeten der Westterritorien bis an die Grenze Persiens, als der chinesische General Ban Chao zum ersten Mal von Rom hörte.

I. Gründung des Ersten Chinesischen Kaiserreiches

Die moderne offizielle chinesische Geschichtsschreibung spricht von 5.000 Jahren chinesischer Geschichte. Doch damit sind auch die Zeiten der chinesischen Ur-Zeit eingeschlossen, die eindeutig der Welt der Mythen und Sagen zugeordnet sind. Archäologisch nachweisbar existierte das erste chinesische Königtum mit der ersten Form der chinesischen Schriftzeichen (die Orakel-Schrift) vor rund 3.700 Jahren. Rund tausend Jahren lang hielten die Könige der ersten chinesischen Dynastien ein Feudalsystem aufrecht, indem das Königtum die politische wie militärische Oberhand behielt, den Feudalherren aber gleichzeitig die volle Autonomie eingeräumt wurde. Mit dem Fall der Hauptstadt und der Königsresidenz an die „Westbarbaren“ im Jahr 771 v. Chr. brach die Autorität des Königtums in sich zusammen, welches sich bis dato als den „Sohn des Himmels“ betrachtet hatte und auch so angesehen wurde. Fortan konkurrierten die feudalen Adelshäuser um die Vorherrschaft im Reich der Mitte, bis schließlich sämtliche Königreiche der Xia (Chinesen) im 3. Jh. v. Chr. von der überwältigenden Streitmacht eines Millionenheeres des aufstrebenden „schwarzen“ Imperiums Qin (Tschin) aus dem Westen Chinas erobert wurde. Die Feudalstrukturen der eroberten Reiche wurden durch einen zentralen Verwaltungsapparat der Kommandanturen ersetzt, der dem Kaiser direkt unterstellt war. Dies war die Geburtsstunde des chinesischen Kaisertums.

Die Qin, ursprünglich eine chinesische Grafschaft an der Westperipherie, welche durch die Rückeroberungen der an die „Westbarbaren“ verlorenen Gebiete groß wurde, hatten ein militaristisches Staatssystem errichtet, indem Adelstitel und Land an die militärischen Leistungen im Krieg gekoppelt wurden. Hunderttausende Armbrüste und Lanzen wurden nach genau vorgefertigtem Muster in Serienfertigung produziert, bei denen die Namen der Schmieden zur Nachkontrolle auf die Waffen eingraviert wurden. Schwerter und andere Waffen der Qin waren verchromt: Eine Technik, die in Europa erst im Jahre 1920 als Patent angemeldet wurde. Die Klingen, die später als Grabbeigaben des Ersten Kaisers gefunden wurden, waren daher nach über 2.000 Jahren kaum korrodiert. Die Schlachtformationen der Qin kann man heute übrigens bei der akribisch abgebildeten Terrakotta-Armee nahe der alten Kaiserstadt Xi´an bestaunen.

Das Imperium Qin, welches alle chinesische Staaten unterwarf und im Süden an die Grenze der den Chinesen bis dahin unbekannten Welt der tropischen Regionen vorstieß, war nur von kurzer Dauer. Aufgrund seiner drakonischen Gesetzesgebung, seiner Brutalität auf den Eroberungsfeldzügen und seiner Ausschöpfung der Landesresourcen durch Großprojekte wie den Bau der Großen Mauer oder der Kaisergrabstätte (für die jeweils hunderttausende Arbeiter zwangsrekrutiert werden mussten), brachen kurz nach dem Tode des Ersten Kaisers Aufstände der Zwangsarbeiter und der ehemaligen Adligen der unterworfenen Staaten aus. Die Kaiserdynastie wurde innerhalb von 20 Jahren von Aufständen zertrümmert.

Nach Jahrzehnten der Kämpfe gelang es schließlich dem König von Han, alle  chinesischen Staaten wieder zu vereinen und das Kaiserreich von Han zu gründen. Die Kaiser der Han ergänzten das legalistische Herrschaftssystem der Qin durch ein konfuzianisches Moralsystem. Im Laufe der folgenden vier Jahrhunderte expandierte das Han-Reich um weitere Gebiete: den Norden Koreas, Nordvietnam und Teile der sogenannten Westterritorien (die damals mehrheitlich von indo-germanischen Völkern bewohnt wurden). Nach langen und verlustreichen Kriegen bezwangen die Han sogar das Steppenreich der Xiongnu, die den Großteil der ostasiatische Steppe  von der Manschurei bis  Zentralasien kontrollierten.

Die besiegten Xiongnu wurden in zwei Teile abgespalten: Die Süd-Xiongnu wurden chinesisches Protektorat und Teile südlich der chinesischen Mauer ins Chinesische Reich umgesiedelt. Die Nord-Xiongnu flohen vor chinesischen Angriffen nach Zentralasien. Ihre Spuren verloren sich nahe des Flusses Syrdarja im heutigen Kasachstan. Einer Theorie zufolge zogen die Nord-Xiongnu weiter Richtung Westen und tauchten irgendwann im Verbund mit weiteren Steppenvölkern als „Hunnen“ in Europa auf, die dann als die „Geißel Gottes“ die Germanen weiter westwärts vertrieben und das Ende des Weströmischen Reiches einleiteten.

Parallel zur „Pax Romana“ im antiken Europa herrschte also während der Han-Dynastie die „Pax Sinica“ in Ostasien. Das Reich der Mitte mit seiner Kultur, Schrift, Staatssystem und Gewändern wurde zum Vorbild für die damals bekannte Welt auf der östlichen Hemisphäre des Eurasischen Kontinents. Die Xia wurden fortan von den Nachbarvölkern Chinas als „Han“ bezeichnet. Diese Bezeichnung übernahmen die  Xia später als ihre eigene.

II. Der Zusammenbruch des Nordens und die Verlagerung der Zivilisation

In der Blütezeit der Han-Dynastie bildeten Bauern, die selbst Land besaßen, das Rückgrat des Han-Reiches. Sie stellten nicht nur die Soldaten des Reiches, sondern zahlten auch die meisten Steuern. Im Laufe der späteren Han-Zeit gerieten jedoch immer mehr Bauern wirtschaftlich in die Abhängigkeit von Großgrundbesitzern und arbeiteten daraufhin als hochverschuldete Pächter auf deren Gütern. Im Laufe der Zeit wurden die Großgrundbesitzer immer mächtiger und vereinnahmten immer mehr Land von den ärmeren Bauern, was das Elend der Bauern weiter verschlimmerte.

Gegen Ende des 2. Jahrhunderts n. Chr. versank das Reich der Mitte im Bürgerkrieg, der mehrere Dynastien überdauern und rund hundert Jahre andauern sollte. Von den endlosen Bürgerkriegen war das Reich personell wie materiell ausgezehrt. Die zuvor von den Chinesen unterworfenen und ins chinesische Reichsgebiet umgesiedelten Stämme der Süd-Xiongnu sahen ihre Chance zur Machtergreifung gekommen und versetzten dem Chinesische Reich durch eine Rebellion einen tödlichen Schlag. Im Laufe der Rebellion eroberten sie die chinesische Hauptstadt und besetzten große Teile Nordchinas.

Der Zusammenbruch des Nordens löste eine Völkerwanderung epochalen Ausmaßes aus. Hunderttausende Chinesen flohen vor dem Xiongnu-Sturm in den Süden des Reiches, der im Vergleich zum Norden noch unterentwickelt war und zu großen Teilen aus Kolonien der angesiedelten Chinesen bestand. Erst die massive Einwanderung von Nordchinesen veränderte das wirtschaftliche und kulturelle Gewicht des Südens. Infolge der massiven Zuwanderung der Nordchinesen verlagerte sich der Kernbereich der chinesischen Zivilisation vom Nordchina in den Süden des Landes. Nordchinesische Einwanderer brachten nicht nur ihre fortschrittlichere Technik mit, sondern auch ihre Sprache und Kultur.  So weisen alle heutigen südchinesischen Sprachen (oder politisch korrekt in China: Dialekte) eine viel größere Ähnlichkeit mit der altchinesischen Sprache auf, wie sie in der Antike in Nordchina gesprochen wurde, als das heutige Hochchinesisch Mandarin aus dem heutigen Nordchina, welches ständig dem Einfluss der mongolischen und mandschurischen Sprachen der Eroberer aus den Steppen ausgesetzt war und typische Merkmale des Altchinesischen wie „eintretende Töne“ verloren hat.

Während sich der Süden Chinas in den nächsten drei Jahrhunderten in chinesischer Hand befand und weitgehend von den Verwüstungen der Eroberungskriege verschont blieb, gründeten fünf Völker aus der Steppe und aus Zentralasien sechzehn Kaiser- und Königreiche auf dem nordchinesischen Boden.

Es war eine dunkle Epoche, in der sich unzählige Völker gegenseitig bekriegten.  Chinesische Frauen, die von Steppenvölkern „Zweibeinige Schafe“ genannt und in manchen Kriegen als Nahrungsvorräte verzehrt wurden, oder Völkermorde des chinesischstämmigen Generals Ran Min am herrschenden Volk der Jie  (Altchinesisch: Kiat / Zentralasiaten), bei denen allein in der Stadt Yecheng zweihunderttausend Jie jeglichen Alters massakriert wurden, zeugen von der Brutalität jenes Zeitalters.

Während die chinesische Zivilisation im Süden des Landes weitgehend intakt blieb,  gingen die Fremdherrscher des Nordens nach den anfänglichen Verwüstungen der chinesischen Kultur zur Kooperation mit den chinesischen Adelshäusern über, um ihre Herrschaft zu festigen. So übernahmen die herrschenden Tuoba schrittweise – und nicht ohne massive Gegenwehr der traditionsbewussten Tuoba-Fürsten – chinesische Nachnamen, Sprache und Gebräuche. Gleichzeitig gewannen einheimische nordchinesische Adelshäuser im Staate der proto-mongolischen Tuoba militärisch und politisch immer weiter an Einfluss, bis sie das Tuoba-Reich schließlich übernehmen konnten.

Der kulturelle  und politische Grundstein für den Aufstieg des zweiten Chinesischen Imperiums war gelegt.

III. Vom Zweiten Imperium bis zur Mongolenherrschaft

Im Jahr 589 n. Chr. wurde das Reich der Mitte unter dem Banner des han-chinesischen Adelshauses Yang der Sui-Dynastie aus dem Norden vereint.  Der  Kaiser der Sui ließ den großen Kaiserkanal bauen, der sich über 2.700 Kilometer erstreckte und den reichen Süden mit dem politischen Zentrum im Norden verband.  Und er schuf eine Beamtenprüfung, der auch Gelehrten aus dem einfachen Volke  den Zugang zum höheren Beamtentum verschaffte. Daraus entstand der „chinesische Traum“, der vom Frühmittelalter der europäischen Zeitrechnung noch bis 1905 andauern sollte: Der Traum des Aufstiegs vom einfachen Bauern durch Bildung bis zum Amt des Reichskanzlers – dem zweitmächtigsten Mann der den Chinesen bekannten Welt.

Doch die Sui-Dynastie führte ebenfalls Kriege, vier Feldzüge nacheinander gegen das koreanische Großreich Goguryeo. Die verlustreichen Kriege gegen Goguryeo forderten allein auf chinesischer Seite hunderttausende Tote. Die militärischen Niederlagen in Korea sowie die andauernde Großprojekte, die hunderttausende Menschenleben verschlangen, lösten zahlreiche Rebellionen seitens der Bauern und Adligen aus. 29 Jahre später wurde die Sui-Dynastie durch die Tang-Dynastie der Han-chinesischen Adelsfamilie Li ersetzt.

Die Tang-Zeit ging in die Geschichte ein als das goldene Zeitalter der chinesischen Expansion und der chinesischen Kultur. Die Hauptstadt Chang´an (Langer Frieden) zählte auf dem Höhepunkt der Tang-Dynastie eine Million Einwohner innerhalb der Stadtmauer und war die größte Stadt der damaligen Welt. Ein Zehntel der Bewohner Chang´ans waren Ausländer, die meist über die Seidenstraße nach China gekommen waren: Christen, Perser, Zentralasiaten und Araber. So ging der Glanz der chinesischen Hauptstadt in die Reiseberichte in Sogdien, Arabien und Byzanz ein als die Stadt „Khumdan“.

Das Chinesische Reich erreichte zur Zeit der Tang-Dynastie die größte territoriale Ausdehnung der Geschichte. Die Chinesen reklamierten ihren Herrschaftsanspruch in den West-Territorien entlang der Seidenstraße für sich und erreichten mit der Vernichtung des Westtürkischen Reiches den Höhepunkt der territorialen Expansion in den Westen. Im Zuge der Auflösung des westtürkischen Reichs durch die Chinesen wanderten türkische Stämme Richtung Westen und sollten dann später als Osmanen den Untergang des Oströmischen Reichs besiegeln.

Doch die wachsende Armut der Bauern und die Landkonzentration in die Hände von wenigen Großgrundbesitzern führten zum Kollaps der bis dahin staatstragenden Wehrpflichtarmee. Daraufhin wurde die Wehrpflichtarmee durch ein Söldnerheer ersetzt, welches ständig den jeweiligen Militärgouverneuren unterstellt war. Schließlich wurden aus einer ursprünglichen „Staatsarmee“ des Tang-Reiches eine „private Armee“ der Militärgouverneure, deren Loyalität in erster Linie dem jeweiligen Befehlshaber galt.

Die chinesische Expansion in Zentralasien wurde mit der militärischen Niederlage in der Schlacht am Talas durch das muslimische Abbasiden-Kalifat zerschmettert, in der die im chinesischen Heer kämpfenden Karluken zu den Muslimen überliefen.  Chinesische Gefangene sollen jedoch die Technik der Papierherstellung auf diesem Wege in die islamische Welt gebracht haben.

Noch bevor der Kaiser von China seine Truppen erneut gegen das Kalifat zusammenziehen konnte, brach im Reich eine Rebellion des sogdisch-chinesischen Militärgouverneurs An lushan gegen die chinesische Kaiserkrone aus. Diese fügte dem Reich einen derart vernichtenden materiellen wie menschlichen Verlust zu, dass sich das Reich nie mehr davon erholt hat. Millionen Menschen wurden durch die Raubzüge der Kriegsparteien getötet und ganze Landstriche der chinesischen Kernprovinzen verwüstet. Das Kaiserhaus geriet in immer größere Abhängigkeit von den anderen Militärgouverneuren, die zwar den Aufstand von An Lushan niederschlagen konnten, aber gleichzeitig die Autorität des Kaiserhauses untergruben. Der Untergang der Tang war die Folge.

Die darauffolgende chinesische Song-Dynastie schaffte einen Großteil der Machtbefugnisse der Generäle ab. Fortan wurden die kaiserlichen Armeen von den zivilen konfuzianischen Beamten strengstens kontrolliert und geführt. Gleichzeitig fiel die gesellschaftliche Stellung von Soldaten ins Bodenlose. Die regulären Armee bestand aus einem von der Zentralregierung kontrollierten Söldnerheer .

Die Song-Dynastie war für China eine Zeit der kulturellen Blüte und Erfindungen. Um das Jahr 1078 produzierten die Chinesen soviel Stahl wie in England zu Beginn der Industrialisierung im 18. Jahrhundert. Das Papiergeld wurde erfunden – mit den dazugehörigen ersten Inflationen der Weltgeschichte. Gleichzeitig erhielten Gelehrte einen beispiellosen rechtlichen, gesellschaftlichen wie politischen Status. Körperliche Folterstrafen oder gar Todesstrafen für zivile Beamten, die sich aus Gelehrten rekrutierten, wurden abgeschafft. Kanzler erhielten umfangreiche Machtbefugnisse, sodass sie in der späteren Süd-Song-Dynastie noch mächtiger wurden als der Kaiser selbst. Darüber hinaus wurden zahlreiche staatliche wie zivile Wohlfahrts-Einrichtungen gebaut, um Bedürftigen zu helfen.

Man kommt nicht umhin festzustellen, dass die Song-Dynastie zur wohlhabendsten, liberalsten und auch humansten Zeit des Alten Chinas zählt.

Das chinesische Militär freilich verlor wegen des geringen Ansehens seiner Soldaten (=staatliche Söldner),  der militärisch unerfahrenen Gelehrten als Heeresführer und dem Verlust der Zuchtgebiete für Pferde im Norden (an die Kitan) und Nordwesten (an die Tanguten) an Schlagkraft.

Von Anfang an war das militärisch schwache Reich der Song beständig einer massiven Bedrohung von Außen ausgesetzt – zunächst durch die Kitan (Das Reich der Groß-Liao), dann durch die Jurchen (Das Reich der Groß-Jin) und schließlich durch die Mongolen (Das Großmongolische Reich der Groß-Yuan). Statt sich mit den Reichen der Steppenvölker militärisch auseinanderzusetzen, praktizierten die Herrscher der Song lieber eine Politik der Kompromisse und Entspannung gegenüber den Nordvölkern, um sie zu besänftigen.

Die Chinesen zahlten den Nordreichen enorme Summen an Tributen, in der Hoffnung, ihnen die Aggression nehmen zu können. Obwohl diese Taktik zum Teil recht erfolgreich war (etwa Nord-Song gegenüber den Kitan und Süd-Song gegenüber den Jurchen), endete das chinesische Reich letztendlich in einer totalen Unterwerfung durch die Mongolen. Es war das erste Mal, dass das gesamte Chinesische Reich von einem Steppenvolk unterworfen wurde. Die Unterwerfung Chinas brachte gleichzeitig die Politik der Tributzahlungen gegenüber den Steppenvölkern bei den chinesischen Intellektuellen in Verruf.

Mit der Vernichtung der Song durch die Mongolen endete in China eine Ära der politischen Liberalität und des beispiellosen wirtschaftlichen Wohlstands. Die Mongolischen Kaiser der Yuan unterteilten die gesamten Bewohner des Reiches in vier Kasten: 1. Mongolen. 2. Semu (Zentralasiaten, Araber, Christen, etc.), 3. Nord-Han (Bewohner Nordchinas) und 4. Süd-Han (Bewohner Südchinas). Dem mongolischen Reichsgesetz entsprechend musste ein Han-Chinese mit seinem Leben bezahlen, falls er einen Mongolen totschlug. Ein Semu oder gar ein Mongole brauchte für den Totschlag eines Chinesen nur eine Entschädigung zu zahlen.

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