Eine Stiftung testet den korrekten Medienkonsumenten herbei

Die „Stiftung Neue Verantwortung“ will die Menschen zur Erkenntnis der richtigen Nachrichten erziehen – finanziert auch mit Steuergeld. Das Mittel der Wahl ist ein Test, der zur Selbstüberprüfung und zur Denunziation auffordert.

IMAGO / Steinach

Man muss nicht Psychologe sein, um zu erklären, warum Menschen Spaß daran haben, einen Psychotest zu machen: Der Reiz liegt in der Bewertung, der Zuordnung, der Einschätzung des Getesteten durch einen vollkommen Fremden bzw. einen abstrakten Algorithmus. Werden da wohl die dunkelsten Geheimnisse der eigenen Seele offengelegt?

Solche Psychotests sind so beliebt, dass sie schon Werbeangeboten vorgeschaltet werden, zum Beispiel für ein Zeitungsabonnement, wo nach wenigen beantworteten Fragen bereits das dreiwöchige Probeabo präsentiert wurde, na klar.

Weniger offensichtlich dürfte eine Motivation für die Testanbieter sein: Die Idee der Manipulation über einem dem Menschen innewohnenden Wunsch nach Zugehörigkeit. Schlau, aber auch perfide. Es basiert darauf, dass der den Test Ausfüllende schon zu Beginn in etwa weiß, oder mindestens ahnen darf, was er ankreuzen muss, um zum „richtigen“ Ergebnis zu kommen. Richtig heißt hier: einer bestimmten Sichtweise folgend, die dem Test zugrunde liegt. Einer Sichtweise, der man sich Kreuz für Kreuz mehr unterwirft, wenn das Ziel zuletzt nur noch lautet, die richtigen Kreuze zu machen, um am Ende dafür mit einem Hurra-Ergebnis belohnt zu werden.

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Um einen solchen Test geht es hier. Wir beginnen beim Ergebnis, bei der abschließenden Beurteilung eines Testes, der sich mit Nachrichtenportalen befasst. Ein Test, der seine Teilnehmer ganz offenkundig erziehen will, die gewünschten zu identifizieren. Ergebnis Nummer eins: „Richtig gut! Dein Ergebnis liegt über dem Durchschnitt.“ Ergebnis zwei: „Gut gemacht! Dein Ergebnis liegt leicht über dem Durchschnitt.“

Das sind Ergebnisantworten des „Newstests“ – über die Stiftung, die ihn anbietet gleich mehr. Der Online-Test beginnt mit „Ein paar Infos vorab“. Da heißt es einführend und um den Teilnehmer auf die richtige Fährte zu setzen: „Der Umgang mit Nachrichten im Internet ist nicht immer einfach. Um echte von falschen Nachrichten zu unterscheiden, braucht man bestimmte Fähigkeiten. Im Test kannst du diese Fähigkeiten überprüfen.“ Auch durch Hinweise erlangen?

Der „Newstest“ beginnt mit einem Ausschnitt eines Artikels von Welt-Online und der Frage, was man hier für einen Beitrag sehen würde. Zur Auswahl stehen: „Information, Werbung, Meinung, Falschinformation.“ Die Überschrift des Artikels lautet: „Offshore-Windkraft: Beitrag für die Energiewende.“ Das kann alles sein, alles ist hier richtig. Information über ein Thema, Werbung für ein Windkraft-Unternehmen oder Werbung für eine politische Entscheidung für Windkraft, sicher aber auch eine Meinung, da die Überschrift diese Energieform als Beitrag zur Energiewende – also einem politischen Vorhaben – versteht. Und es kann eine Falschinformation sein, die sich erst nach Studium des Artikels selbst als solche offenbaren würde.

Im Weiteren wird der Ausschnitt einer Spiegel-Kolumne von Nikolaus Blome gezeigt. Als Kolumne ist das ein Meinungsartikel. Hier kann allerdings auch alles andere anteilig der Fall sein, bis hin zur „Falschinformation“. Aber dafür müsste man den Artikel gelesen haben, was dieser Test nicht ermöglicht.

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Auch ein Beitrag der Facebook-Seite des Bundesfinanzministeriums wird gezeigt. Und wieder die Abfrage: Information, Werbung, Meinung, Falschinformation? Als nächstes geht es darum, die Qualität von Nachrichten einzuschätzen. Im Bild wird eine Nachrichtenseite der Allgemeinen Zeitung gezeigt, und der Teilnehmer soll sich entscheiden, für wie verlässlich er diese Information hält: „voll und ganz, eher ja, teils/teils, eher nicht, überhaupt nicht.“ Anschließend geht es darum, Nachrichten „unwichtig“ oder „wichtig“ zu finden. Im Folgenden dann Sätze, die „falsch“ oder „wahr“ zugeordnet werden müssen.

Beispielsweise dieser: „Es gibt Einrichtungen, bei denen man melden kann, dass Nachrichten nicht korrekt berichtet wurden.“ Der Teilnehmer erfährt also, dass es gute und schlechte Nachrichten gibt und welche das beispielhaft sein könnten. Und er erfährt, was er gegen die schlechten tun kann.

Vertiefend anschließend die Frage, was im Vordergrund steht: Meinung oder Tatsache. Es beginnt mit einem Facebook-Eintrag von Annalena Baerbock, der Co-Chefin der Grünen. Dann ein Artikel des Focus mit der Überschrift „Grüne wollen Rassismus in eigenen Reihen bekämpfen – doch ihr Plan hat Schwächen.“ Gefragt wird weiter, ob man den russischen Sender RT für eine neutrale oder eher nicht neutrale Quelle hält. Zuletzt wird noch das eigene Verhalten „im Umgang mit Nachrichten im Internet“ abgefragt und „wie gut du es einschätzen kannst.“

Und hier folgt dann auch die Abfrage des zuvor im Test bereits „gelernten“. Anzukreuzen sind „stimmt“ oder „stimmt nicht“: „Ich würde allen, denen ich die Nachricht weitergeleitet habe, Bescheid geben, dass es eine Falschinformation ist.“ Und weiter: „Ich würde der Person, die mir die Nachricht geschickt hat, Bescheid geben, dass es eine Falschinformation ist.“ Ebenso: „Ich würde das Video als Falschinformation melden.“ und „Ich würde das Video auf der Plattform kommentieren und für alle sichtbar auf die Falschinformation hinweisen.“

Dann informiert der Test die Leser in einer „falsch“/ „richtig“- Abfrage darüber, dass Facebook Beiträge löschen kann. Zuletzt heißt es noch: „Jemanden zu beleidigen kann über 1.000 Euro kosten.“ Ist das „falsch“ oder „richtig“?

Und wer der Idee des Tests nicht folgen wollte, wer also renitent ist, wer nicht dazugehören will, der bekommt folgende Ergebnis-Antwort: „Das könnte noch besser sein: dein Ergebnis liegt unter dem Durchschnitt. Du hast 2 von insgesamt 30 Punkten erreicht.“

Es gibt also bei den Ankreuzmöglichkeiten „falsche“ und „richtige“ Antworten. Die Fragen und Antworten sind teilweise kommentiert. So heißt es, wenn man ankreuzt, seine Freunde nicht über Falschmeldungen, die man geteilt hat, informieren zu wollen: „Das ist keine gute Idee. Vielleicht merken deine Freund:innen es nicht von selbst. Es könnte sein, dass sie die Falschinformation noch weiter verbreiten. Deswegen solltest du auf jeden Fall mit ihnen sprechen.“

Nein, hier geht es gar nicht um einen Test, dessen „Ergebnis“ geeignet sein könnte, etwas über sich selbst und sein Verhalten zu erfahren, hier geht es von Anfang an um politische Erziehung.

Aber wer will erziehen? Über den Hintergrund des Tests heißt es diesem vorgeschaltet: „Es gibt Personen, die gezielt Lügen in Sozialen Medien verbreiten. Für den Umgang damit braucht man bestimmte Fähigkeiten.“ Und die werden im Test angeboten: Die Denunziationsfähigkeit selbst gegenüber Freunden, das gegenseitige Belauern, dass dann zu Löschungen oder gar zu „über 1.000 Euro“ teuren Beleidigungsklagen führt. Die Erziehung also zum Denunziantum selbst im Freundeskreis.

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Hinter dem Test steht die „Stiftung Neue Verantwortung“. Die als gemeinnützig anerkannte Stiftung versteht sich als „Think Tank für die Gesellschaft im technologischen Wandel“ gibt über sich selbst bekannt: „Im Geschäftsjahr 2019 standen uns etwa 1,62 Millionen Euro für unsere Arbeit zur Verfügung. Insgesamt unterstützten 22 Geldgeber aus dem Stiftungssektor, dem öffentlichen Sektor und der Wirtschaft unsere Arbeit.“ Die fünf größten Förderer sind: Luminate (gehört zur Omidyar-Gruppe, der auch Ebay gehört), die die Open Society Foundation (von George Soros gegründet), die William and Flora Hewlett Foundation zusammen mit der Robert Bosch Stiftung, die Stiftung Mercator und das Auswärtige Amt. Auch die Bundeszentrale für Politische Bildung, die Bertelsmann Stiftung und die Deutsche Forschungsgesellschaft gehören zu den Geldgebern. Die Stiftung Neue Verantwortung ist also einer jener Orte, wo sich privates und Steuergeld, private und politische Interessen zu einem Amalgam der Macht verbinden.

Auf Website der Stiftung wird übrigens noch eine Studie vorgestellt, die behauptet, dass eine Mehrheit der Deutschen beim Umgang mit Nachrichten im Netz „eher mittelmäßig bis schlecht abschneidet.“ Studie und der Test stehen offensichtlich in direktem Zusammenhang. Die Studie kommt zum Ergebnis: „Unterschiede zwischen Desinformation, Information und Werbung werden zum Teil nur schwer erkannt.“ Quellen würden nicht richtig eingeschätzt. Und „Hinweise von Social-Media-Plattformen zu Desinformationen sind bisher kaum wirksam.“ Die Studie kommt auch zum Ergebnis: „Menschen zweifeln an der Unabhängigkeit des Journalismus von der Politik.“

Ob Menschen auch an der Unabhängigkeit der Stiftung Neue Verantwortung zweifeln, wurde nicht gefragt.

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Kommentare ( 62 )

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GP
8 Monate her

Frage : Schlagen Sie ihre Frau immer noch?
Nur Antworten mit „Ja“ oder „Nein“ sind zulässig.
Nach Auswertung der Testergebnisse steht fest, 100% der Männer waren oder sind Gewalttäter.

SwingSkate
8 Monate her

Der Test ignoriert völlig, dass Menschen (zumindest einige) lern- und merkfähig sind und Erfahrungen bezüglich der Nachrichtenquelle speichern können. Sollte man auf diese Fähigkeiten zurückgreifen können wird man Quellen wie Spiegel, Focus und Finanzministerium zunächst einmal als Propaganda zur Kenntnis nehmen, jeder weiterführende Test erübrigt sich also.  

Klaus D
8 Monate her

wow was für ein test…bei mir kam raus….DU nazi schwein mit deinen sozialistischen phantasien und grünen träumen

curryculum
8 Monate her

Als ehemaliger Nachrichtensuchmaschinenentwickler und -betreiber kam im Schnelldurchgang auf 13,5 von 30 Punkten. Mit meinem ehemaligen beruflichen Hintergrund sollten es bei einem korrekt normierten und neutralen Test nahe 100% sein. Also ein gefakter Bullshit-Test.

Klaus D
8 Monate her
Antworten an  curryculum

geht doch….stellen sie sich vor sie hätten nur 1% bekommen….das hätte viele fragen aufgeworfen

Stuttgarterin
8 Monate her

Es ist ein zweischneidiges Schwert: Das Medienwissen der Bevölkerung ist tatsächlich nicht sonderlich stark, aber, wenn erst ‚mal lieb erklärt wird, was das „richtige“ Wissen ist, dann kann daraus locker Manipulation der raffiniertesten Art werden. Anhand der hochwertigen Internetseite und des Budgets erkennt man auf jeden Fall, dass hier viel Geld investiert wurde.
Trotzdem lohnt es sich den Test zu machen, der findet sich im Artikel zur Studie: https://www.stiftung-nv.de/de/publikation/quelle-internet-digitale-nachrichten-und-informationskompetenzen-der-deutschen
Ob aber gerade die, die am anfälligsten sind für Manipulation, sich hier weiterbilden, bezweifle ich.

Klaus D
8 Monate her
Antworten an  Stuttgarterin

die seite ist extrem manipulativ und der test auch und das ist wohl auch die absicht dahinter…“die, die am anfälligsten sind für Manipulation“….also sie selber auch….“hochwertigen Internetseite“…..ach….erwischt man hat sie manipuliert!…..hochwertigen Internetseite….hahahahahahahahahaha

cernunnos
8 Monate her

Ich denke es ist auch eine Datensammlung. Man könnte mit der Analyse der Antworten und diesem Anklicken der verschiedenen Bildteile sehr viel anstellen um die..“Wissensvermittlung“ zu verbessern.

Manfred_Hbg
8 Monate her

Zitat 1: „Über den Hintergrund des Tests heißt es diesem vorgeschaltet: „Es gibt Personen, die gezielt Lügen in Sozialen Medien verbreiten. Für den Umgang damit braucht man bestimmte Fähigkeiten.“ > Aha, es wird also nur in den Sozialen Medien und nur von dortigen Personen gelogen? Hier hat diese „Elite“ von weltverbessernden Oberschullehrern und Klugscheißern wohl noch nichts von das Relotius-Lügenblatt gehört. Alleine schon nur ein Blick auf die Unterstützer wäre zumindest für mich genügend Grund solchen Test nicht ernst zu nehmen , nicht mitzumachen und dahin zu verbannen wohin auch silch ein „Test“ gehört: in den medialen oder realen Papierkorb!… Mehr

Klaus D
8 Monate her
Antworten an  Manfred_Hbg

die lügen sidn auch nicht das problem denn man kann ja selber rausbekommen ob es eine ist (fast immer)….DAS große problem der neuzeit ist Framing….gerade die öffentlich rechtlichen betreiben Framing ganz extrem…

Wahl1
8 Monate her

Habs im Schnelldurchgang gemacht, da ich von solchen Umfragen nichts halte.
War klar: unter dem Durchschnitt nur 9 von 30
Gut, war mal interessant. Aber brauch man nicht zum Leben.
Die Schule des Lebens lehrt einen mehr als solche dubiosen Umfragen.

Anti-Merkel
8 Monate her

Ich habe den Test 2 mal gemacht — im 1. Anlauf mit dem, was ich gedacht habe, wollen die als Ergebnis haben, und dabei gleich auf 30 von 30 Punkten gelandet. Dann nochmal, mit meiner wirklichen Einschätzung. Da habe ich mit 23 Punkten immer noch „weit über dem Durchschnitt“ gelegen. Der Test ist eine Mischung aus tatsächlich guten Informationen (Der Artikel zur Offshore-Windkraft aus der 1. Frage ist eindeutig Werbung, weil als Kategorie „Advertorial“ angegeben ist — hat der Artikelautor wohl übersehen. Aber natürlich stimmt es trotzdem, dass auch Werbung sowohl Information als auch Falschinformation beinhalten kann [und meistens beides… Mehr

Andreas aus E.
8 Monate her
Antworten an  Anti-Merkel

Besonders Ihr Beispiel mit RT und GEZ-Funk gilt es zu bedenken.
Ich höre ja morgens stets den DLF – da fühle ich mich bestens informiert… darüber, was sich Hinterleute der „Grünen“ gerade aushecken.
Man mag Antwort also so oder so werten.

Rob Roy
8 Monate her

„Mega! Dein Ergebnis liegt deutlich über dem Durchschnitt.“ So lautet mein Ergebnis. Das heißt, ich weiß, welchen Quellen ich vertrauen kann und erkenne Fakenews im Internet. Was aber nicht bedeutet, dass es sich um die gleichen Quellen und gleichen News handelt, die diese Stiftung im Sinn hat. Fakenews waren beispielsweise, dass Corona nie nach Deutschland kommen würde, wir gut vorbereitet seien und Masken nicht schützen würden, verbreitet von unserer Bundesregierung. Ach ja, die Hetzjagden von Chemnitz natürlich auch. Die Regierung ist sogar zurückgerudert in dieser Sache, allerdings erst nach einem halben Jahr. „Welche dieser Zeitungen gilt als die konservativste?“ Eindeutig… Mehr

Last edited 8 Monate her by Rob Roy
Andreas aus E.
8 Monate her
Antworten an  Rob Roy

Vermutlich ist das eine Auffanggesellschaft im Rahmen von „Demokratie fördern“ oder so, und dort sind nun die Bentoist_innen undx die Gender-Studi:rendeusen, die den Batschelerateur nicht schafften in 4-Monat-Zeitvertrag und finden Merkel super..