Griechenlands Plan: Seebarrieren gegen Einwanderer

Die griechische Regierung plant in einem Pilotprojekt den Einsatz von Seebarrieren vor ihren vor der türkischen Küste liegenden Inseln. Wie das funktionieren soll, kann man sich kaum vorstellen.

© Continental AG
Schwimmende Ölbarrieren von Continental

Der westlichste Strand der DDR lag vor Boltenhagen. Bei gutem Wetter kann man von hier aus den 30 Kilometer entfernten Leuchtturm im schleswig-holsteinischen Dahme sehen. Trotz eines ganzen Arsenals an Grenzschutzmaßnahmen glückte allein an diesem Grenzabschnitt von geschätzten fünftausend Fluchtversuchen immerhin fast ein Fünftel. Ums Leben kamen vor Boltenhagen nach Unterlagen der Erfassungsstelle Salzgitter fast zweihundert DDR-Bürger. Bewacht wurde die Grenze via Beobachtungsposten von Land aus, von patrouillierenden Grenzsoldaten am Strand und von Schiffen der Grenzbrigade auf der Ostsee. Vom Einsatz schwimmender Seebarrieren an dieser ehemaligen innerdeutschen Grenze ist auch auf Nachfrage bei Grenzmuseen und ehemaligen Grenzern zur See nichts bekannt.

Nun ist es bekanntlich etwas völlig anderes, ob ein Unrechtsstaat seine Bürger gefangen hält, oder ein Rechtsstaat und Mitglied der EU seine Seegrenzen gegen illegal über das Mittelmeer einreisende Zuwanderer schützen will. Jeder kann ja auf legalen Wegen kommen, aber er muss seinen Einreiseversuch dort vornehmen, wo zu prüfen ist, welchem Zweck diese Einreise dient und inwieweit sie genehmigt oder abgelehnt werden muss. Das ist im Prinzip normale weltweit praktizierte Grenzarbeit – allerdings immer jenseits einer No-Nations-No-Borders-Ideologie.

Die griechische Regierung plant nun in einem Pilotprojekt den Einsatz von Seebarrieren vor ihren vor der türkischen Küste liegenden Inseln (zunächst vor Lesbos) mit dem Ziel, aus der Türkei herüberkommende Boote mit Zuwanderern am Anlanden zu hindern.

Anfragen bei den deutschen Pressestellen von Polizei, bei Fachleuten zur See, bei der Marine bis hin zu einem Fregattenkapitän laufen ins Leere, einmal erfahren wir inoffiziell von einem Gesprächspartner, dass er spontan die Idee der Griechen für einen großen Scherz gehalten hätte, so skurril erschienen ihm solche Seebarrieren alleine aus der Perspektive der technischen Durchführbarkeit.

Wer „Seebarrieren“ recherchiert, der wird allerdings durchaus fündig, beispielsweise in Israel. Mitte 2018 wurde bekannt, dass das Land Seebarrieren zu Gaza errichtet, welche Angreifer daran hindern sollen, vom Meer aus nach Israel einzudringen. Von der Barriere hieß es, sie sei neu und unüberwindbar und bestehe technisch aus einer Art Wellenbrecher mit Stacheldrahtaufsatz.

Allerdings kann so eine ultimative oder martialische Methode wohl nicht die Idee der Griechen sein, Zuwanderer abzuwehren, die zwar versuchen illegal einzureisen, aber doch wohl eher vorwiegend um ihr Glück zu suchen in Arbeit oder den Sozialsystemen Deutschlands.

Der Vorschlag kam übrigens aus dem griechischen Verteidigungsministerium und darf als Reaktion auf die aufwallenden massiven Proteste einheimischer Inselbewohner gegen die katastrophalen Zustände im Zusammenhang mit Zehntausenden auf ihren Inseln gestrandeter Zuwanderer verstanden werden.

Griechenland
Unruhe in der Ägäis - Bürgerprotest und Verwaltungshandeln
Zunächst sei die Testphase eines schwimmenden Schutzsystems vor jener der Türkei zugewandten Küste von Lesbos geplant. Die offiziellen Zahlen für 2019 sprechen von 64.000 Migranten, die aus der Türkei und dem östlichen Mittelmeer nach Griechenland gelangt und dort großteils gestrandet sind, wo doch kaum einer Griechenland selbst als endgültiges, sondern lediglich als Etappenziel hauptsächlich nach Deutschland ausgewählt hatte. Allarmierend hier, dass Vergleichzahlen für die ersten Tage des neuen Jahres erneut einen Anstieg belegen.

Für die linkspopulistische Bundestagsabgeordnete Ulla Jelpke (Die Linke) ist die Ankündigung solcher Seebarrieren nur „ein weiteres Beispiel der rasenden Erosion der Humanität in der Europäischen Union.“ Jelpke sieht hier die Festung Europa ausgebaut und der Spiegel schreibt von einem „Akt der Verzweiflung“, der die europäische Werte weiter aushöhlen würde. Dass mit solchen Methoden Werte auch explizit geschützt werden sollen, steht jedenfalls für diese beiden Stimmen nicht zur Debatte.

Notwendigerweise muss man sich so eine Idee auch technisch vorstellen. Wenn Stacheldrahtkronen per se entsetzlich sind, dann gilt das natürlich auch für die viele Meter hohen Zäune der spanischen Enklaven in Nordafrika, die ebenfalls mit solchen Kronen versehen sind wie für etliche Grenzen weltweit, die auf diese Weise gegen illegale Übertritte gesichert werden sollen.

Lohnend könnte hier auch ein Blick auf den Internetauftritt der Continental AG sein, die sich unter anderem auf die Eingrenzung von aus havarierten Tankern austretenden Ölmengen spezialisiert haben. „Handkonfektionierte Ölsperren“ schützen selbst bei starkem Wellengang vor einer Verbreitung eingegrenzter Ölteppiche. Neuerdings wirbt das Unternehmen mit einer speziellen Breite der dafür eingesetzten Luftkissen. Ist Continental damit ein Kandidat auch für die von den Griechen gewünschten Barrieren? Sicherlich nicht, wenn das Unternehmen aus gutem Grunde und Selbstschutz das Haifischbecken der Migrationsdebatte vermeiden will.

Wie aber sollen solche oder andere Barrieren überhaupt Leute davon abhalten, diese zu überwinden, sich also mit dem entsprechend mitgeführten Werkzeug einfach durch diese Barrieren hindurch zu arbeiten? Und wenn diese Barrieren tatsächlich in den griechischen Hoheitsgewässern aufgebaut würden, dann müssten an dieser Barriere entlang fahrende griechische Grenzschützer die Asylanträge der Ankommenden sowieso schon dort aufnehmen und diese zudem sicher durch die Barriere hindurch auf die griechischen Inseln geleiten.

Wackelkurs
Mitsotakis positioniert sich in der Migrationsfrage: Rechts blinken, mittig einbiegen
Sagen wir es, wie es ist: Wenn überhaupt, dann würde so eine Sperre lediglich vor der türkischen Küste Sinn machen als Teil eines Grenzschutzpaktes mit der Türkei. So wie auch nur die Türkei dafür sorgen kann, dass endlich überhaupt keine Schiffe und Boote mehr in See stechen, indem die Türken ihre Küsten entsprechend rigoros sichern und Schlepper so verfolgen und bestrafen, dass ein Effekt der Abschreckung eintritt.

Nach Spiegel-Informationen hat die griechische Regierung vier einheimische Unternehmen damit beauftragt, Angebote für eine entsprechende öffentliche Ausschreibung zu machen. Jenes Unternehmen, das den Auftrag erhält, soll dann innerhalb von drei Monaten liefern. Die Ausschreibung selbst spricht von einer hohen Dringlichkeit der Aufgabe. Das Hindernis soll zunächst probeweise 2,7 Kilometer lang sein. Man will sehen, ob es funktioniert, sagte der griechische Verteidigungsminister Nikos Panagiotopoulos gegenüber einem griechischen Nachrichtensender.

Man will sich hier kaum vorstellen, wie so eine Beschau zur Probe dann aussieht, wenn die ersten Boote an der Barriere scheitern oder eben entsprechendes Werkzeug dabei haben, so eine Barriere aus dem Weg zu räumen. Oder noch schlimmer die Vorstellung, dass Migranten bei so einem in den Weg gebauten gefährlichen Manöver der Überwindung so einer Barriere auf hoher See ums Leben kommen. Man stelle sich nur die Bilder von Menschen vor, die sich dann verzweifelt an solche Barrieren klammern und wieder zu neuen Seenotfällen werden. Nein, diese Grenzsicherung muss spätestens vor den türkischen Küsten passieren oder sie passiert eben niemals.

Anzeige
Unterstützung
oder

Kommentare ( 92 )

Liebe Leser!

Wir sind dankbar für Ihre Kommentare und schätzen Ihre aktive Beteiligung sehr. Ihre Zuschriften können auch als eigene Beiträge auf der Site erscheinen oder in unserer Monatszeitschrift „Tichys Einblick“.
Bitte entwerten Sie Ihre Argumente nicht durch Unterstellungen, Verunglimpfungen oder inakzeptable Worte und Links. Solche Texte schalten wir nicht frei. Ihre Kommentare werden moderiert, da die juristische Verantwortung bei TE liegt. Bitte verstehen Sie, dass die Moderation zwischen Mitternacht und morgens Pause macht und es, je nach Aufkommen, zu zeitlichen Verzögerungen kommen kann. Vielen Dank für Ihr Verständnis. Hinweis

----

92 Kommentare auf "Griechenlands Plan: Seebarrieren gegen Einwanderer"

Sortiert nach:   neuste | älteste | beste Bewertung

Früher waren die Griechen mal Baumeister vor dem Herren. Heute bekommen die seit Jahren nix mehr auf die Reihe. Da die immer noch keine brauchbare Idee haben, wie man eine Küste sichern kann, würde ich als Lernmaterial “ Der Westwall “ empfehlen.
Da kann man sich einlesen, wie in 2 Jahren 630 Kilometer Küste und Grenzen befestigt wurden.
Schon die Chinesen bauten sich eine Mauer gegen Eindringlinge. So neu ist das also nicht. Nur müsste man mal anfangen…

Ja, ja ich bin ein Korinthenkacker, aber das mit der gesicherten Küsten-und Grenzlinie sollten Sie sich noch einmal durch den Kopf gehen lassen.

Mein Tipp: die Küstensicherung begann in Mittelnorwegen und ging über Dänemark, die deutsche Norseeküste über Holland, Belgien, franz. Kanalküste (einschließlich Inseln), die Bretagne bis an die Iberische Halbinsel bei Biaritz. Ab 1943 kam noch die franz. Mittelmeerküste von der spanischen Grenze bis Menton hinzu. Rechnen Sie einmal nach.

Ich dachte, Frau Merkel hat mit dem Pascha aus Ankara ein europaübergreifendes Rücknahme-Abkommen abgeschlossen? Die Lösegelder für dieses „Abkommen“ kommen doch wohl aus Brüssel und damit zu mindestens 27% aus der spendablen Republik der Vollpfosten.
.
Warum fährt man die Ausflügler nicht umgehend in die Türkei zurück? Irgend etwas scheint mit dem vielgepriesenen „Abkommen“ nicht zu stimmen. Könnte es evtl. sein, dass Frau Merkel übers Ohr gehauen wurde? (rein rethorische Frage bzw. Satire)

Ich verstehe nicht, warum dort nicht einfach der Migranten Notstand ausgerufen wird, geht doch bei Klima auch.
Statt Green Deal gibt es Rückführung für alle Illegalen, Asyl wird auf unbestimmte Zeit ausgesetzt. Ab sofort werden Grenzen mit Waffen verteidigt, so wie Ungarn das die Tage praktiziert hat. Optional kann die Regierung auch weiter vor sich hinträumen, die werden dann vom Bürgerkrieg geweckt, wenn es der Bevölkerung endgültig reicht.

Für die Wortmeldung von Ulla Jelpke sei bestens gedankt! Wenn sich wer mit Grenzsicherung und Barrieren (auch ideologischer Art) auskennt, dann doch die Mauerschützenpartei SED (Merkels alte Ziehmutter), auch wenn sie inzwischen ein Alias angenommen hat. Oder?

Die Jelpke ist die Claudia Roth der Linken. Völlig Intelligenzbefreit, wenn man ihre Äußerungen als Maßstab heranzieht.

Ich habe nie verstanden was an „Festung Europa“ so negativ ist. Es sollte doch einen kontrollierten Zutritt geben und ein Privileg sein, sich in Europa aufhalten zu dürfen.

Die Asylgesetze und ihre Anwendung in der EU müssen geändert werden. Alles andere ist nutzlos und führt nur zur Ablösung einer Route durch eine andere. Die Griechen machen das jetzt wahrscheinlich, um Bewegung in die Sache zu bringen. Nicht mangelnder Grenzschutz ist unser Problem, sondern die Rechtslage. Es passiert leider genau das Gegenteil, siehe Migrationspakt u.ä.

Und man darf nicht übersehen, dass an der Initiierung und Ausarbeitung dieses Migrationspaktes die Bundesregierung (Merkel, Maas) wahrscheinlich wesentlich beteiligt war! Deshalb auch die Heimlichtuerei , nichts sollte vor der Verabschiedung bekannt werden – was leider nicht ganz geklappt hat! Die Bevölkerung wurde NICHT gefragt. So geht Demokratie! Die Aufgabe der Presse ist es, diesen Pakt positiv zu begleiten! Widerrede ist Hassrede – so die Logik! Nachdem die Verteilung mittels Zwang und Quoten in der EU nicht geklappt hat, soll es so klappen.

Es ist eigentlich unmenschlich, was den dortigen Einwohnern zugemutet wird. Bringen doch solche Zustände Gewalt, Kriminalität und Gesundheitsgefährdung mit sich. Auch Humanität muss für alle gelten. Die Verteidigern von angeblicher Humanität und daraus folgender unbegrenzter und illegaler Zuwanderung sollten daraus lernen, wie es Europa und vor allen Deutschland ergeht, wenn diese Art der Zuwanderung nicht gestoppt wird. Es gibt immer noch große Gebiete in dieser Welt, die nicht so dicht besiedelt. Wenn die UNO meint den Bevölkerungsüberschuss in bestimmten Regionen dieser Welt durch Umsiedlung auszugleichen, soll sie für eine gleichmäßige Belastung aller Nationen sorgen und solche Regionen nutzen, die durchaus… Mehr

„Es ist eigentlich unmenschlich, was den dortigen Einwohnern zugemutet wird……“
.
Werter Eberhard, sehen Sie das für unser Land nicht auch so? Ich meine, weil Sie die Wortkombination „dortigen Einwohnern“ benutzen.

Das letzte Mal, daß die Griechen irgend etwas hinbekommen haben, ist etwa 3000 Jahre her. Muß man leider so sagen. Deswegen wird auch das wieder nichts werden.

Grundproblem der EU: niemand hat den Mumm persönlich dem Gegenüber zu sagen: „Nein, Du kommst hier nicht rein!“ In Spanisch-Nordafrika sollens riesige Zäune richten. Vor den griechischen Inseln absurde Barrieren.
Staaten definieren sich über ein möglichst unstrittiges präzise festgelegtes Staatsgebiet und eine eindeutig beschriebene Einwohnerschaft ( früher bekannt als Staatsbürger). Wer eines dieser beiden Prinzipien oder gleich beide über Bord schmeißt, wird diesen Staat nachhaltig untergraben und schlussendlich zum Einsturz bringen. Was aber soll an Stelle des Staates treten??

Kann man die Griechen mit ihrer Idee verstehen?, ja Ich kann! Wurden die Griechen und werden die Griechen mit diesem Problem von allen anderen des Molochs EU nicht sträflich allein gelassen?,ein klares Ja!! Diese „Gummiboot-Grenze“ im Mittelmeer kann man da noch fast als letztes humanes Mittel gegen diese Invasion nach Europa sehen! Nun stelle man sich einmal vor,diese „Flüchtlinge“ würden mit gleicher Methode versuchen nach China oder Russland illegal ein zu dringen,wie viele von denen würden Asyl bekommen??,wahrscheinlich gar keiner! Aber,dann würde der sich moralisch „überlegene“ fühlende Westen in Gestalt der EU sich das Maul über diese „Unmenschen“ in China… Mehr

„linkspopulistische Bundestagsabgeordnete Ulla Jelpke (Die Linke)“, aber, aber Herr Wallasch! Bitte die Leser richtig aufklären. Jelpke ist eine lupenreine Kommunistin (u.a. Mitbegründerin des Komm. Bundes) und damit natürlich eine Linksextremistin, u.a. auch eine führende Vertreterin der „No borders, no nations“- Fraktion.