Feministische Pornos – stööööhn!

Trigger Warnung von Tamara Wernli: Diese Kolumne enthält pornografischen und irritierenden Inhalt. Es könnte Sie eventuell sexuell verstören.

Getty Images/istockphoto

Neulich feierte ein Porno-Startup in Freiburg Premiere mit seinem ersten feministischen Pornofilm, „Retour“. Feministische Pornos? Was soll das sein? Feministinnen mit umgeschnalltem Dildo, die lüsterne Typen penetrieren? Videos, in denen sich alte weisse Männer, geknebelt und gefesselt, Frauen in diskriminierenden Sexualpraktiken unterwerfen – so nach dem Motto: Die Rache der Weiber an dem Patriarchat?

Nicht ganz. Feministische Pornos sollen „fair“ produziert werden und eine Vielfalt an Geschlechtern, Körperformen und ethnischer Herkunft zeigen. Zudem sollen die Akteure keine Szenen ohne Einverständnis spielen und Frauen nicht in einem herabwürdigenden Akt oder als Objekt dargestellt werden. So zumindest deklarieren es die studentischen Porno-Macher von „Feuer.zeug“, die den Film „Retour“ produziert haben, auf ihrer Webseite feuerzeugfilms.de. Und: „Am Set haben wir eine*n Sorgenbeauftrage*n, die sicherstellen, dass Darsteller*innen sich wohlfühlen.“

Ich bewundere junge Leute, die aus Überzeugung etwas auf die Beine stellen. Ein Projekt, das den respektvollen Umgang mit Menschen in einer zweifellos harten Branche fördert, macht Sinn. Statt spermaschluckende geile Luder zu zeigen, fokussiert man hier also auf Dialoge, eine „wahre Geschichte“ und die Persönlichkeit der Darsteller. Das ist wunderbar. Ich frage mich nur: Welche Fantasie soll damit angeturnt werden? Ist Masturbieren unterhaltender, wenn statt der durch doggystyle beglückten vollbusigen Darstellerin eine Dame mit Orangenhaut Obszönitäten in Missionarsstellung vollführt? Und seit wann können Menschen nicht mehr zwischen Drehbuch und Realität unterscheiden? Bei Pornos „herabwürdigende“ Szenen anzuprangern, ist etwa so, wie Horrorfilmen die Verwendung von Blut vorzuwerfen – weil jemand denken könnte, die Schauspieler seien tatsächlich verletzt. Und möglicherweise ist ja das Filmen von sexuellen Interaktionen für Menschen, die eine*n Sorgenbeauftragte*n für den Wohlfühlfaktor brauchen, nicht der geeignete Zeitvertreib.

Das „faire“ Produzieren von Pornos ist nichts Neues. In den USA gibt es dafür den Begriff „Ethical porn“, ethische Pornos. Diese gehen mit ihren Regeln zwar nicht so weit wie feministische Pornos, aber auf die Rechte der Darsteller wird wert gelegt; Bezahlung, Konditionen und alle Szenen müssen in gegenseitiger Zustimmung stattfinden. Im Interview mit Cosmopolitan erklären prominente Pornodarstellerinnen- und Produzentinnen, dass man, indem man für Videos bezahlt, ethisches Produzieren sicherstellen und unterstützen könne. Solange eine Szene einvernehmlich sei, können sich ethische Grundsätze auch ändern, meint Pornostar Chanel Preston. Sie fragt: „Finden sie es ethisch, eine Person gegen ihren Willen zu entführen? Wahrscheinlich nicht. Aber viele finden während dem Sex die Vorstellung erregend, gekidnappt zu werden, und ich würde das nicht als unethisch sehen.“

Wenn eine junge Frau mit Zahnspange als sexy Stieftochter dargestellt wird, solle man nicht denken: „Das Mädchen wurde dazu gezwungen.“ Auch würden Pornodarsteller immer gemäss den Grenzen eines Drehbuchs spielen, so die Expertin. Sie spielen die Szenen also freiwillig. Pornoregisseur- und Darsteller Seymore Butts sagt im Lifestylemagazin Menshealth.com: „Die Mehrheit der Frauen tut es zuallererst fürs Geld, gefolgt von Bewunderung, Freiheit, dann wegen dem Sex.“

Tatsachlich liegen „frauenfreundliche“ Pornos bei den Konsumenten im Trend. Laut einer Statistik der Pornowebsite Pornhub von 2017 lag bei ihren Suchanfragen der Begriff „Lesbian“ (Videos ohne männliche Darsteller) auf Platz 1, auf Platz 2 „Hentai“ (japanische Anime-Pornos), noch vor „Milf“ (Mom I’d Like To F**ck; Pornos mit reiferen Damen – nicht zu verwechseln mit „Gilf“, ja, auch das gibt’s: ‚G‘ für Granny). Gleich danach kommen „Stepmom“ und „Stepsister“ – ich weiss, das gibt Anlass zu Irritation, aber Sie wurden eingangs gewarnt.

Interessant sind die Suchanfragen allein bei den Damen. Sie scheinen mehr durch frauenverachtende Inhalte angesprochen als die Männer. Die drei meistgesuchten Begriffe bei Pornhub zeigen zwar frauenfreundlichen Stoff, die nächsten Ränge aber bringen das adrette Damenbild ein bisschen zum Wackeln: „Gangbang“, „Hardcore“, „rauer Sex“ und „Bondage“ sind populäre Stimuli mit sehr herabwürdigenden Szenen. In ihrer Fantasie mögen es viele Frauen hart und aggressiv – vermutlich liegt es daran, dass sie von Dingen gefesselt sind, die sie sich selbst nicht auszuprobieren trauen. Und grundsätzlich: Ginge es ihnen um die wertvolle Filmstory, würden sie wohl Arte schauen.

Die Jungunternehmer von Feuer.zeug stellen viele Verfehlungen in der Branche fest, etwas Bedeutendes erwähnen sie aber nicht: Den Pay Gap. Bei den Pornos sind Frauen nämlich viel besser bezahlt als Männer. Laut dem Newssender CNBC erhält eine durchschnittliche Darstellerin in den USA zwischen 800 und 1.000 US-Dollar pro Szene oder Tag, ein Darsteller 500-600 US-Dollar. Ungleiche Bezahlung für gleiche Leistung – wo bleibt der Aufschrei? Es braucht ihn nicht, als Hauptattraktion steht der Frau die höhere Gage zu, so simpel. Dass die Männer aufgrund der Anforderung, stets auf Kommando „performen“ zu müssen, ungleich grössere Probleme als die Damen am Set zu verantworten haben und trotzdem weniger verdienen, ist dann eben Künstlerpech.

Der Beitrag erschien zuerst bei der Weltwoche.

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Kommentare ( 35 )

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die eigentliche frage ist doch, wer hat ihn schon gesehen und wie lustig ist der streifen?
vielleicht ist ja die eigentliche marktlücke nicht der feministische gedanke sonder der unglaublich humoristische teil der ganzen sache.

wenn die dörte das horst kevin gendert… rrrrr *feix

Kein Witz, gelesen in einer südchinesischen Tageszeitung, vor ungefähr einem halben Jahr, da hat ein koreanisches Robotik Unternehmen angekündigt, daß sie in ihrer Entwicklung mit weiblichen Robotern in ca. 10 Jahren soweit sind, daß man sich dieser Frauen gefühlsecht bedienen kann, so zumindest deren Aussage und daß man außer der menschlichen Intelligenz keinen Unterschied mehr feststellt zu banalen Angelegenheiten in diesem Zusammenhang und vielleicht läutet dies das Ende jeglicher Verpflichtung und mancher Begegnung ein, ganz abgesehen vom Nachwuchs und der Einzelne ist dann grenzenlos frei und kann seinen Hobbys nachgehen, der andere robotische Teil sitzt ja geduldig zu Hause und… Mehr

Wann kommt endlich das ethische Bordell und das Männerbordell für Frauen?

Warum sollten Frauen dafür Geld ausgeben müssen?

Hier mal eine ganz absurde Idee: Wie wärst mit gar keiner hypersexualisierten Gesellschaft? Pornografie einfach so weit es geht aus dem öffentlichen Leben verdrängen. Prostitution wieder weitgehend illegalisieren.

Dirnen haben dieselben Grundrechte wie Sie. Aber vielleicht mögen Sie das Grundgesetz ja nicht so.

Also das mit Entsexualisierung der Werbung und Kultur wurden wir uns vielleicht gut tun, ich habe aber große Zweifel ob das durchführbar ist. Ob man es schafft Prostitution abzuschaffen ist aber mehr als fragwürdig. Am weitesten ist man in Schweden gegangen (und dann wohl auch in Frankreich, das aber nicht erstes mal und wohl mit gleichem Erfolg wie früher). Nun die wahren und belastbaren Zahlen darüber wie erfolgreich Schweden damit ist, gibt es nicht. Die Probleme, die Zwangsprostitution mit sich bringt, lassen sich mit allgemeinen Verboten nicht lösen. Das war schon immer so in der Geschichte. Na ja vielleicht doch.… Mehr

Die Probleme die Prostitution verursacht lassen sich aber auch nicht mit einer LEGALISIERUNG bekämpfen. Wie wir sehen existiert die osteuropäische Zuhälterei nach wie vor, der illegale Straßenstrich in Löchern wie Berlin blüht.

Nein. Die Probleme, die Kriminalität verursacht, lassen sich nur mit rigoroser Anwendung der Strafgesetze bekämpfen. Daran fehlt es. Nur daran. Zuhälterei ist eine Straftat. Hätten wir bessere Möglichkeiten der Vermögensabschöpfung – die Grünen haben das verhindert – hätten wir die Probleme nicht. Es würde sich nicht lohnen.

Ich lach mich kaputt. Was wollen denn Frauen? Bestimmt kein ‚mimimi‘ irgendwelcher weichgespülter Hipster mit IS-Bart. Okay, zugegeben, ist schwer gerade mit den Frauen. Männer, lasst euch nicht irritieren, denn die Mehrzahl der Frauen ist abseits von #metoo, hat wahrscheinlich ein komplett unverklemmtes Verhältnis zu Pornos (da wir ja alle wissen, dass das alles nur übertriebener Sch*** ist, egal welches Geschlecht es betrifft). Es ist ein bezahlter Industriezweig, der (wie Hollywood) eine Scheinwelt darstellt. Den Aufschrei verstehe ich nicht. Hört doch auf mit diesem künstlichen Kreischen. Auch Frauen wollen mal ’n bisschen was ‚Härteres‘. Wir sind mittlerweile an einem seltsamen… Mehr

In diesem Land kann niemand mehr irgendetwas unterscheiden.

Einspruch Johann Thiel. Unzulässige Verallgemeinerung.
„Der Mangel an Urteilskraft ist eigentlich das, was man Dummheit nennt, und einem solchen Gebrechen ist gar nicht abzuhelfen.“
Kant Immanuel wörtlich.
Aber an der systematischen Volksverblödung arbeiten unter großem Einsatz. Heerscharen von Comedians; Satiriker, Cabarettisten, und alle anderen POSSENREIßER ( auch politische ) mit. Angeblich sollen ca. 48 % der Menschen ihre politischen Einstellungen diesen Possenreißern entnehmen.
Schönen Sonntag Johann

Wenn die Feministen und Feministinnen feministische Pornos kaufen, werden die schnellstens produziert werden. Einfach mal Geld in die Hand nehmen und für das eintreten, wofür man angeblich steht.

Auf der ACHSE (27.2.) durfte 112-Peterson sogar fragen, wie man es schafft,
seinen Pornokonsum einzustellen. Einen Leserbrief fand ich so köstlich, daß
ich hier auszugsweise zitieren möchte: „Also ich gucke ab und zu einen Porno,
schlackere mir einen dabei und habe nicht das Gefühl, dass mir das schaden
würde. Im Gegenteil …“ Zum Piepen. Übrigens, die inzwischen inflationär ver-
wendete Formulierung „alte weiße Männer“ (ob mit oder ohne Gänsefüßchen,
ob ernst oder parodierend, egal wie) ist eine Lieblingsklatsche von den Frauen,
die die beste Zeit längst hinter sich haben. Wohlauf denn. [Wie komme ich nur
auf „Wohlauf“?]

Feministische Pornos sind genau eins: Ein Umverteilungsprojekt an politisch Korrekte (die sonst sehr wahrscheinlich von Hartz IV leben müssten). Nichts, aber auch gar nichts weiter.
Wir leben eben in einer Zeit, in der politische Korrektheit, die mit staatlichen Subventionen belohnt wird, zum Geschäftsmodell mutiert ist.

Ich finde es erstaunlich, dass bei den ganzen juristischen und sonstigen Rahmenbedingungen ein Pornodarsteller ( offenbar m) nach vielen Verhandlungen und zu beachtenden Voraussetzungen in der Lage ist, seinen Pflichten in der ethisch gebotenen Form zu erfüllen. Also ein PC- [email protected]😁.

Es gibt tatsächlich eine undifferenzierte Freiwilligkeit zum Zwang im Pornogeschäft. Die Prostitution befindet sich in ähnlicher Schieflage.