Berlin-Wahl: Linke bei 26 Prozent – CDU verliert acht Punkte

Berlin ordnet seine politischen Kräfte neu. Die Linke erreicht in der ersten Prognose 26 Prozent, die CDU fällt auf 20 Prozent. Schwarz-Rot verliert seine Mehrheit, die SPD stürzt auf zwölf Prozent. Für Friedrich Merz liefert auch die Hauptstadt einen weiteren schweren CDU-Verlust.

picture alliance/dpa | Sebastian Gollnow

Berlin hat am Sonntag, dem 20. September, ein neues Abgeordnetenhaus gewählt. Um 18 Uhr veröffentlichte die Forschungsgruppe Wahlen für das ZDF ihre erste Prognose. Die Linke erreicht danach 26 Prozent, die CDU 20 Prozent, die Grünen 15,5 Prozent, die AfD 13,5 Prozent und die SPD zwölf Prozent. Das BSW steht bei exakt fünf Prozent. Rund 2,49 Millionen Berliner waren zur Wahl aufgerufen.

Damit verliert die Regierungskoalition aus CDU und SPD ihre bisherige Grundlage. 2023 hatten beide Parteien zusammen 46,6 Prozent erreicht und anschließend den Senat gebildet. Nach der ersten Prognose dieses Wahlabends kommen sie zusammen noch auf 32 Prozent. Aus dem Wahlsieger CDU von 2023 mit 28,2 Prozent wird eine Partei mit 20 Prozent; die SPD fällt von bereits historisch schwachen 18,4 auf zwölf Prozent.

Für die Berliner CDU liegen zwischen beiden Wahlen gerade einmal dreieinhalb Jahre. 2023 hatte sie mit 28,2 Prozent ihr bestes Ergebnis seit Jahrzehnten erzielt und nach mehr als zwanzig Jahren wieder das Rote Rathaus erobert. Kai Wegner wurde Regierender Bürgermeister. Im Juli 2026 zog er nach anhaltender Kritik an seinem Krisenmanagement beim mehrtägigen Stromausfall seine erneute Kandidatur zurück. Finanzsenator Stefan Evers übernahm wenige Wochen vor der Wahl. Die erste Prognose lässt von Wegners damaligem Vorsprung acht Prozentpunkte übrig, die heute fehlen.

Die Linke vollzieht in derselben Zeit den entgegengesetzten Weg. 2023 kam sie auf 12,2 Prozent und 22 Mandate. Drei Jahre später weist die Prognose 26 Prozent aus. Ihr Stimmenanteil hätte sich damit mehr als verdoppelt. Seit der Wiedervereinigung wurde die Partei beziehungsweise ihre Vorgängerin PDS bei keiner Berliner Abgeordnetenhauswahl stärkste Kraft; ihr bisheriges Spitzenergebnis lag 2001 bei 22,6 Prozent. Elif Eralp könnte damit als Spitzenkandidatin der stärksten Partei in die Verhandlungen über den nächsten Senat gehen.

Die entscheidende Machtposition fällt nach der ersten Prognose Grünen und SPD zu. Rechnerisch kommen derzeit vor allem zwei Dreierbündnisse infrage: Linke, Grüne und SPD sowie CDU, Grüne und SPD. Die CDU schließt eine Koalition mit der Linken aus, die übrigen größeren Parteien lehnen eine Zusammenarbeit mit der AfD ab. Grünen-Spitzenkandidat Werner Graf hatte vor der Wahl erklärt, die größten inhaltlichen Schnittmengen sehe er mit Linken und SPD.

Die Berliner SPD erreicht dabei eine Marke, für die es in ihrer Nachkriegsgeschichte keinen Vergleich gibt. Schon 18,4 Prozent im Jahr 2023 waren ihr schlechtestes Ergebnis bei einer Wahl zum Abgeordnetenhaus seit 1946. Die Prognose von zwölf Prozent unterbietet diesen Tiefstand nochmals um 6,4 Punkte. Aus jener Partei, die mit Willy Brandt, Klaus Schütz, Walter Momper, Klaus Wowereit, Michael Müller und Franziska Giffey über lange Phasen den Regierenden Bürgermeister stellte, wird nach dem ersten Stand die kleinste der fünf größeren Parteien im neuen Abgeordnetenhaus.

SPD-Spitzenkandidat Steffen Krach war zudem mit einer Belastung in die letzten Wahlkampftage gegangen, die erst kurz vor der Abstimmung öffentlich geworden war. Die Staatsanwaltschaft Hannover ermittelt gegen ihn wegen des Anfangsverdachts der Vorteilsannahme in zwei Fällen. Krach weist die Vorwürfe zurück. Welchen Anteil die Ermittlungen am Ergebnis haben, lässt sich aus der Prognose nicht bestimmen.

Die AfD legt gegenüber 2023 von 9,1 auf 13,5 Prozent zu. Ihr Plus beträgt damit 4,4 Punkte. Die Grünen verlieren von 18,4 auf 15,5 Prozent. Beim BSW entscheidet mit den prognostizierten fünf Prozent möglicherweise erst die Auszählung darüber, ob es erstmals ins Berliner Abgeordnetenhaus einzieht. Schon geringe Verschiebungen an dieser Stelle verändern die Sitzverteilung und damit die Mehrheiten für mögliche Dreierkoalitionen.

Für Friedrich Merz entsteht am selben Abend eine weitere CDU-Zahl, die sich an die jüngsten Landtagswahlergebnisse anfügt. Zwei Wochen zuvor war die CDU in Sachsen-Anhalt auf 17,2 Prozent gefallen. In Mecklenburg-Vorpommern weist die erste ZDF-Prognose dieses Sonntags die Christdemokraten mit exakt fünf Prozent aus. Berlin bringt nun einen Verlust von 8,2 Prozentpunkten gegenüber 2023. Merz hatte das CDU-Präsidium bereits für 17 Uhr ins Konrad-Adenauer-Haus bestellt, also eine Stunde vor Veröffentlichung der ersten Zahlen aus Berlin und Schwerin.

Der Wahltag selbst mobilisierte erheblich stärker als die Wiederholungswahl von 2023. Bis 16 Uhr errechnete der Landeswahlleiter unter Einbeziehung der ausgestellten Wahlscheine eine Beteiligung von 58,2 Prozent; 2023 waren es zu diesem Zeitpunkt 48,8 Prozent. 952.936 Bürger hatten ihre Stimme bis dahin persönlich in einem Wahllokal abgegeben. Erstmals durften auch 16- und 17-Jährige über das Abgeordnetenhaus mitentscheiden.

Ausgerechnet bei diesen neuen Jungwählern unterlief den Wahlorganisatoren in Pankow, Charlottenburg-Wilmersdorf und Spandau eine Panne. Einzelne 16- und 17-Jährige erhielten lediglich den Stimmzettel für die jeweilige Bezirksverordnetenversammlung und keinen für das Abgeordnetenhaus. Nach Angaben von Landeswahlleiter Stephan Bröchler konnten die Betroffenen anhand der Wählerverzeichnisse festgestellt, kontaktiert und zur nachträglichen Stimmabgabe aufgefordert werden. Wie viele junge Wähler betroffen waren, konnte Bröchler zunächst nicht sagen.

Für Franziska Giffey entscheidet sich an diesem Abend schließlich noch eine sehr persönliche Frage. Die frühere Regierende Bürgermeisterin ist bei dieser Wahl nicht über die SPD-Bezirksliste abgesichert. Ihr Wiedereinzug hängt deshalb vom Direktmandat in Neukölln 6 ab. Bei einem landesweiten SPD-Wert von zwölf Prozent wird aus der Auszählung eines einzelnen Berliner Wahlkreises damit auch die Entscheidung über die weitere parlamentarische Laufbahn einer ehemaligen Regierungschefin.

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Kommentare ( 7 )

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Berlindiesel
33 Minuten her

Ich verfolge die Berliner Wahl bei Nius und erlebe dort leider einige, wenn auch verständliche Reflexe, die an der Wirklichkeit freilich vorbeigehen. Allein die These „Berlin rückt nach links“ ist Unsinn, noch unsinniger, die Partei die Linke als „SED“ zu bezeichnen oder dass sich Honeckers Erben Berlin zurückholen: Sicher, aus der Sicht eines Westberliner Boomers oder eines CDU-geprägten bürgerlichen Konservativen mag das so aussehen – ist aber falsch. Die Partei die Linke ist keine linke oder sozialistische Partei im eigentlichen Sinne mehr, so wie die AfD auch gar keine wirklich „rechte“ Partei im klassischen Sinne der Definition von rechts mehr… Mehr

ChamSys
44 Minuten her

Juden in Berlin kann man leider nur noch raten, sich eine neue Heimatstadt zu suchen. Das ist richtig, richtig bitter, dass sich die antisemitische Intifada-Fraktion so stark durchgesetzt hat. Die verheimlichen ihren Antisemitismus selbst nicht einmal. Grauenhaft. Ein schlechter Tag für Deutschland. Ich bin entsetzt. Dann gebt den Berliner Sozialisten bitte wieder die Mauer zurück und den Finanzausgleich in DDR-Mark.
Liebe Juden, es tut mir unendlich leid, dass ein Großteil der Berliner so erbärmlich tickt.

jugend_attacke
52 Minuten her

Ich möchte nochmal an den Bundeszwang erinnern, der hier seit der Wahl in Sachsen-Anhalt so oft durch die Medien gegeistert ist.
Das wird jedenfalls ein Fest werden mit den Enteignern der Linkspartei und ihren Steigbügelhaltern von SPD und Grünen.

Klaus Kabel
52 Minuten her

40 Jahre DDR Sozialismus und die Mauermörderpartei SED gewinnt in Berlin. So schlecht scheint der Arbeiter- und Bauernstaat ja nicht gewesen sein.

Last edited 51 Minuten her by Klaus Kabel
Anti-Merkel
53 Minuten her

Nicht zu verstehen, dass es immer noch Wähler gibt, die ihr Kreuzchen bei CDUSPDGrün*innenLink*innen machen. Leider in Berlin immer noch die Mehrheit.
Auch wenn es ein grosser Verlust im Vergleich zu der vorherigen Wahl ist, werden Merz und von der Leyen ein 20%-Ergebnis als Bestätigung für ihre Partei und ihre reGIERung interpretieren.

Haba Orwell
1 Stunde her

> Aus jener Partei, die mit Willy Brandt, Klaus Schütz, Walter Momper, Klaus Wowereit, Michael Müller und Franziska Giffey über lange Phasen den Regierenden Bürgermeister stellte, wird nach dem ersten Stand die kleinste der fünf größeren Parteien im neuen Abgeordnetenhaus.

Es gibt bereits das Original der Kommunisten wie auch das Original der Öko-Suizid-Partei – wer braucht noch die SPD?

Haba Orwell
1 Stunde her

Knapp vier Jahrzehnte nach dem Mauerfall die SED als neue Volkspartei? Die AfD knapp verbessert, während in MVP die AfD in die Höhe schiessen und die SPD überholen konnte.
Der Bundesslum verdient wahrlich ein Kalifat – dann wird Woken Dhimmis die Stimme entzogen und Knallharte Scharia-Partei kriegt 90% – den Rest Noch Knallhartere Scharia-Partei. Gerechte Gottes Strafe sie Jahrzehnte Unfug.