In Brüssel wird in Stille ein neues Vorhaben vorangetrieben: Verschlüsselte Internetkommunikation soll verboten werden. Das heißt, dass der Staat im Zweifelsfall bei Ihren Textnachrichten mitlesen kann.
imago Images/LePictorium
Vor dem Hintergrund des Terroranschlags in Wien will man in Brüssel ein Ende sicherer Verschlüsselung durchsetzen. Der Österreichische Rundfunk (ORF) veröffentlichte einen geheimen Entwurf für einen Beschluss des EU-Ministerrats, demzufolge Messengerdienste wie WhatsApp zum Einbauen von Hintertüren für die Sicherheits-und Geheimdienstbehörden verpflichtet werden sollen. Mit extra generierten „Generalschlüsseln“ soll sich der Staat jederzeit unerkannt in private Chats und andere verschlüsselte Übertragungen einklinken können.
Das bereits vor November bestehende Vorhaben wurde nach dem Terroranschlag von Wien bedeutend verändert. Die Attacke soll nun als Vorwand dienen, um Überwachung zu verschärfen und selbst den Geheimdiensten Zugriff auf bisher verschlüsselte Daten gewähren – so würden betroffene nie von einer Überwachung erfahren. Wie aus weiteren Berichten des ORFs hervorgeht, würden von diesem Zugriff im Zweifel nicht nur EU-Geheimdienste, sondern auch ihre außereuropäischen Partner, wie etwa die NSA profitieren – als sogenannte „competent authorities“.
Dass nicht ein Mangel an Überwachung, sondern fatale Ermittlungsfehler und Aussetzer beim österreichischen Verfassungsschutz den Anschlag in Wien erst ermöglicht haben, wird von den EU-Regierungen natürlich gekonnt ignoriert. Das hat Tradition: In Brüssel werden Terrorakte seit Jahrzehnten mit schnöder Regelmäßigkeit dafür missbraucht, längst geplante Überwachungsvorhaben durchzusetzen. Nach den Zuganschlägen in London und Madrid wurde die vorher jahrelang umstrittene Vorratsdatenspeicherung im gleichen Stil durchgebracht, bevor sie am Ende durch den EuGh kassiert wurde. Ob auch dieses mal wieder Gerichte unsere Privatsphäre schützen müssen (und wollen), wird sich noch zeigen.
Aus ähnlichen Gründen gab es bei vergleichbaren Vorhaben in den USA bereits massiven Widerstand von Tech-Giganten wie Apple. Somit würden dann US-Unternehmen mehr für unsere Privatsphäre tun als der Staat, der diese als ein Grundrecht eigentlich garantieren, nicht sabotieren sollte. Doch wie wir bereits öfter gelernt haben: Wenn die Hinterzimmer-Bürokratie in Brüssel etwas beschließt, ist das Grundgesetz im Zweifel eben nur noch ein lästiges Hindernis, welches es entweder zu umschiffen oder zu ignorieren gilt.



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