Die Vorwürfe der sexuellen Belästigung gegenüber dem Kandidaten der Demokraten Joe Biden werden wenige Monate vor der Präsidentschaftswahl in den USA in vielen amerikanischen Medien heruntergespielt - eine anschauliche Parabel für den „doppelten Standard“, wie der Causeur findet.
imago images / ZUMA Wire
Nach dem Ausscheiden von Bernie Sanders aus dem Rennen um die Präsidentschaftskandidatur richten sich nun alle Augen auf Joe Biden. Doch seit einigen Wochen mischen sich unappetitliche Meldungen unter die Begeisterung für den 77-Jährigen. Der ehemalige Vizepräsident von Barack Obama wurde des sexuellen Missbrauchs beschuldigt, genauer gesagt, einer bestimmten Form, die als „Vergewaltigung“ gilt: der Beschuldigte soll einer früheren Mitarbeiterin vor 27 Jahren unter anderem unter den Rock gefasst haben. Es ist die Geschichte eines Mannes, die nach dem altbekannten Sprichwort verläuft: Wer anderen eine Grube gräbt…, wie das französische Magazin Causeur herausstellt. Man könnte das Geschehen auch als „Messen mit zweierlei Maß“ bezeichnen.
Lügen vor dem Kongress
Wütende Demonstranten auf dem Capitol Hill
Ohne irgendeinen Beweis forderten die Demokraten damals den Rückzug Kavanaughs von seiner Kandidatur und nahmen an wütenden Demonstrationen auf dem Capitol Hill teil.
Im umgekehrten Fall aber „stürzten sich dieselben Leute, die an vorderster Front standen, um Gerechtigkeit für Christine Blasey Ford zu fordern, auf die Verteidigung Bidens“. Sie sagten, dass sie Tara Reade nicht glaubten, die Biden beschuldigte, sie 1993 in einem Untergeschoss des Kapitols sexuell angegriffen zu haben: Christine Ford „musste aufs Wort geglaubt werden, während Reade vor den Aussagen dessen weichen müsse, den sie bezichtigt“.
Doch, so stellt der Causeur fest, die Akte von Tara Reade scheine „etwas fundierter als die von Ford zu sein“. Reade hatte für Senator Biden gearbeitet, und sie hatte über seinen Angriff (ohne jedoch Einzelheiten mitzuteilen) zur Zeit des Ereignisses mit mehreren Personen gesprochen. Die von Ford angeprangerten Taten reichten bis 1982 zurück – „sie sind trotz einer Untersuchung des FBI 36 Jahre nach den Vorfällen von keinem einzigen Zeugen bestätigt worden!“
Die neue Norm gilt nicht mehr
Gezeigt werde damit „einmal mehr die Voreingenommenheit und Heuchelei der großen amerikanischen Medien sowie der Schwindel eines irregeleiteten Feminismus, der sich nur sehr selektiv – von Fall zu Fall und je nach dem politischen Interesse des Augenblicks – einer Sache widmet“, konstatiert der Causeur.
Dieser Beitrag erschien zuerst in Die Tagespost. Katholische Wochenzeitung für Politik, Gesellschaft und Kultur, der wir für die freundliche Genehmigung zur Übernahme danken.



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