Viele Sonnenstunden und mehr Photovoltaik erhöhten die Solarstrom-Produktion. Für die Stromversorgung im Land ist das allerdings keine Jubelmeldung. Der Speicherausbau hält nicht Schritt mit dem Zubau der „Erneuerbaren“. Die Folge: negative Börsenstrompreise und damit Entsorgungskosten. Und die Notwendigkeit eines Backups bleibt bestehen.
picture alliance / Zoonar | Robert Kneschke
Täglich werden wir mit Begriffen konfrontiert, die im Ergebnis einer als alternativlos gepriesenen Energiewende verwendet werden oder durch sie erst entstanden sind. Wir greifen auch Bezeichnungen auf, die in der allgemeinen Vergrünung in den Alltagsgebrauch überzugehen drohen – in nichtalphabetischer Reihenfolge.
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Solar-Day, der
Am 27. September war es soweit. Es war der „Solar-Day“. Bis zu diesem Tag wurde im Jahr 2026 mehr Strom aus Photovoltaik (PV) erzeugt als im Jahr 2025, in neun Monaten 90,2 Terawattstunden (TWh) im Vergleich zu ganzjährigen 90,0 TWh. Dieser Rekord wird in der Branche gebührend hervorgehoben. Eine Vielzahl von Sonnenstunden und ein weiterer kräftiger Ausbau der PV waren der Grund.
Man lobt die verlässlichen Investitionsbedingungen, es ist ein wirtschaftlicher wie politischer Erfolg der Branche. Ein Fortschritt für die Stromversorgung Deutschlands ist es nicht. Die Extremwerte bei der Einspeisung von Ökostrom nehmen weiter zu, die Preisdifferenzen ebenso, die Notwendigkeit eines fast hundertprozentigen Backups bleibt erhalten.
Reflexhaft rufen beflissene Energiewender dann „Speicher“. Es gäbe einen Speicher-Tsunami, eine Flut an geplanten Investitionen in Großbatterien und Anschlussbegehren. Das ist richtig, aber der Flaschenhals dabei sind die Anschluss-Kapazitäten der Übertragungsnetzbetreiber.
Tatsache ist, es gibt keinen Speicher-Tsunami, aber einen PV-Tsunami. Politisch dominieren weiterhin die Ausbauziele der sogenannten Erneuerbaren, mit Speicherzubau und Netzausbau sind diese nicht abgestimmt. Im Jahr 2026 wurden bis August neun Gigawatt (GWpeak) PV-Leistung zugebaut. Der Batterie-Zubau belief sich nach Angaben von battery-charts.de im Jahr 2026 bis August auf zirka sieben GWh.
In der Annahme, dass die 2026 zugebauten PV-Anlagen die volle Leistung zur Mittagszeit auch erreicht hätten, würden die im gleichen Zeitraum zugebauten Batteriespeicher nur für etwa 45 Minuten diesen Strom wegspeichern und in die Abendstunden verschieben können. Dazu kommt der erratisch anfallende Strom aus der Windkraft mit einem Zubau von etwa vier GW im betrachteten Zeitraum, der ebenfalls oft am Bedarf vorbei produziert wird und auch Speicherbedarf erzeugt.
Fakt ist, dass der Zubau der „Erneuerbaren“ nicht annähernd durch einen entsprechenden Zubau an Speichern begleitet wird, was zeitweise zu negativen Strompreisen an der Börse und damit Entsorgungskosten führt. Dennoch läuft die Förderung der „Erneuerbaren“ über das EEG weiter. Wo gibt es so etwas weltweit, dass die Herstellung eines Produkts subventioniert wird in dem Wissen, dass dieses Produkt sofort wieder kostenpflichtig entsorgt werden muss? Das gibt es nur im Energiewendewunderland.
Dramatisch steigt auch die Zahl der Stunden mit negativer Residuallast, also Stunden, in denen die Produktion von Ökostrom den deutschen Bedarf übersteigt. Dann haben wir die Regelfähigkeit im Netz verloren und lassen uns von unseren Nachbarn die Netzfrequenz stabil halten. Wie lange diese sich das deutsche Schmarotzertum hinsichtlich der Netzregelung gefallen lassen, ist eine offene Frage.

Der zuständige EU-Kommissar Dan Jörgensen verweist generell auf Einsparungen und auf „freiwillige und gut geplante Nachfragereduktionen“. Das ist im globalen Wettbewerb und vor dem Hintergrund von Automatisierung, Elektrifizierung und künstlicher Intelligenz wahrhaft zukunftsweisend, aber charakteristisch für nicht gewählte Green-Deal-Kommissare. Die Wirtschaft weltweit steigert die Energieproduktion, die EU schrumpft – aus Klimagründen.
Nun kommt der Winter. Die Macht der Kälte und Finsternis greift mit langen Krallen nach Europa. Der europäische Strommarkt funktioniert, Knappheit wirft in Form steigender Strompreise ihren Schatten voraus. Wer jetzt einen Neuvertrag abschließen muss, zahlt deutlich drauf:

Da helfen weder ein Solar-Day noch ein Speicher-Tsunami, wenn er denn je kommen sollte. Batterien taugen nicht dazu, den Energie-Überschuss aus dem Sommer in den Winter zu transportieren. Das geht nur mit Molekülen, womit wir beim regierungsoffiziellen Thema des grünen Wasserstoffs wären. Mit dem „Referenzkraftwerk Lausitz“ verschied kürzlich ein weiteres, hier 28,5-Habeck-Millionen schweres Wasserstoffprojekt.
Was könnte helfen? Nötig wäre ein Ausbaumoratorium für die Zufallsenergieerzeuger. Aber auch hier, wie auf anderen gesellschaftlichen Feldern, fehlt der kleinen überlebten Koalition die Kraft. Im Mittelpunkt der energiepolitischen Entscheidungen steht weiterhin die Profitsicherung der Branchen der „Erneuerbaren“. Der gesetzlich vorgeschriebene Monitoringbericht zum Kohleausstieg fehlt immer noch.
Es wird weitere Solar-Days, PV- und Windkraft-Tsunamis geben, was für eine preiswerte und sichere Energieversorgung nicht hilfreich ist. Wir werden über den Winter sparen müssen, angeregt durch steigende Strom- und Gaspreise. Der nächste Sommer mit dem nächsten gefeierten Solar-Day kommt bestimmt.


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