Landtagswahl Mecklenburg-Vorpommern: Wahlbeteiligung zieht deutlich an

In Mecklenburg-Vorpommern steigt die Wahlbeteiligung deutlich: Bis 14 Uhr hatten 40,7 Prozent ihre Stimme im Wahllokal abgegeben, 2021 waren es 32,5 Prozent. Berlin meldet ebenfalls ein leichtes Plus.

picture alliance/dpa | Jens Büttner
Manuela Schwesig (SPD), die Ministerpräsidentin von Mecklenburg-Vorpommern und Spitzenkandidatin der SPD für die Landtagswahl, wartet mit ihrem Mann auf die Stimmabgabe für die Landtagswahl

Mecklenburg-Vorpommern wählt an diesem Sonntag, dem 20. September, einen neuen Landtag, rund 1,3 Millionen Menschen sind aufgerufen, über die 71 regulären Sitze im Schweriner Parlament zu entscheiden. Bis 14 Uhr hatten 40,7 Prozent der Wahlberechtigten ihre Stimme unmittelbar in einem Wahllokal abgegeben. Bei der Landtagswahl 2021 waren es zum gleichen Zeitpunkt 32,5 Prozent. Innerhalb von fünf Jahren wächst der Zwischenstand damit um 8,2 Prozentpunkte.

2021 endete der Wahltag bei einer Beteiligung von 70,8 Prozent. Damals fand die Landtagswahl gemeinsam mit der Bundestagswahl statt, was den Vergleich zunächst verzerren könnte. Ein Blick weiter zurück nimmt diesem Einwand einiges von seinem Gewicht: 2016 hatten um 14 Uhr ebenfalls lediglich 32,8 Prozent gewählt. Mecklenburg-Vorpommern liegt an diesem Nachmittag also rund acht Punkte über beiden früheren Landtagswahlen.

Von politischer Müdigkeit ist damit zumindest an den Wahlurnen wenig zu erkennen. 1.635 Wahllokale sind seit 8 Uhr geöffnet, rund 18.000 Wahlhelfer sind im Einsatz. 19 Parteien treten mit Landeslisten an, 402 Bewerber kämpfen um Mandate. Erstmals reicht für die Teilnahme an einer Landtagswahl in Mecklenburg-Vorpommern ein Alter von 16 Jahren; das Wahlrecht gilt für Deutsche, die mindestens 16 Jahre alt sind und die gesetzlichen Wohnsitzvoraussetzungen erfüllen.

Der hohe Zwischenstand fällt in eine Wahl, deren Ausgang bis zuletzt offen war. In den letzten Erhebungen lagen SPD und AfD sehr eng beieinander. Das ZDF-Politbarometer hatte gut eine Woche vor der Wahl 25 Prozent der Befragten als noch nicht sicher in ihrer Wahlentscheidung ausgewiesen; die jüngsten Erhebungen unmittelbar vor dem Wahltag sahen SPD und AfD ebenfalls dicht beisammen. Aus der höheren Beteiligung lässt sich seriös keine Richtung für das spätere Ergebnis ableiten. Sie zeigt zunächst, dass sehr viel mehr Wahlberechtigte den Weg ins Wahllokal gefunden haben als bei den vergangenen beiden Landtagswahlen.

Berlin liefert am selben Wahltag einen auffälligeren Vergleich. Dort meldete die Landeswahlleitung bis 12 Uhr eine Beteiligung von 27,9 Prozent, nach 23,4 Prozent bei der Wiederholungswahl 2023. Auch in der Hauptstadt steigt die Beteiligung, der Zuwachs beträgt allerdings bisher nur 4,5 Prozentpunkte. Die Zahlen beider Länder dürfen allerdings nicht einfach nebeneinandergestellt werden: Mecklenburg-Vorpommern zählt für seinen Zwischenstand die tatsächliche Stimmabgabe in den Wahllokalen. Berlin berücksichtigt in seiner veröffentlichten Quote zusätzlich ausgestellte Wahlscheine.

Rund ein Drittel der Wahlscheine entfiel nach Angaben des Berliner Landeswahlleiters auf Briefwahlunterlagen. Mecklenburg-Vorpommerns 40,7 Prozent bestehen demgegenüber aus Menschen, die bis 14 Uhr tatsächlich physisch im Wahllokal gewählt hatten. Für einen mathematisch sauberen Direktvergleich bräuchte es deshalb gleichartig erhobene Daten aus beiden Ländern.

Auch organisatorisch verlief der Wahltag im Nordosten nicht vollständig geräuschlos. In Rostock-Kassebohm war der vorgesehene Wahlraum am Morgen zeitweise nicht zugänglich. Die Stadt ließ kurzerhand einen Bus der Rostocker Straßenbahn als provisorisches Wahllokal einsetzen. Nach rund einer halben Stunde konnte der eigentliche Wahlraum in einem Schulgebäude geöffnet werden. In Rostock gibt es insgesamt 134 Wahllokale.

Ab 18 Uhr beginnt die öffentliche Auszählung. Mecklenburg-Vorpommern zählt zunächst die Zahl der Wähler, anschließend werden die Stimmzettel sortiert und unter gegenseitiger Kontrolle ausgezählt. Bei Abweichungen muss erneut gezählt werden; das vorläufige Landesergebnis kann deshalb wie 2021 bis nach Mitternacht auf sich warten lassen. Wer wissen will, was im Wahllokal mit den Stimmen geschieht, kann sich die Auszählung selbst ansehen.

Besondere Aufmerksamkeit verdient dabei Schwerin I. Dort stehen sich Ministerpräsidentin Manuela Schwesig und AfD-Spitzenkandidat Leif-Erik Holm unmittelbar als Wahlkreiskandidaten gegenüber. Schwesig ist zusätzlich über die SPD-Landesliste abgesichert, Holm tritt ohne Listenplatz an und benötigt für seinen Einzug in den Landtag das Direktmandat. Damit steckt mitten in der landesweiten Auszählung noch eine zweite Entscheidung: In einem einzigen Schweriner Wahlkreis entscheidet sich auch, ob einer der beiden Spitzenkandidaten nach dem Wahlabend überhaupt dem neuen Landtag angehört.

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