Landtagswahl Mecklenburg-Vorpommern: AfD bei 38 Prozent – CDU fliegt raus

Die erste Prognose für Mecklenburg-Vorpommern zeigt eine massive Verschiebung: Die AfD liegt mit 38 Prozent vorn, die SPD folgt mit 36,5 Prozent. Für die CDU wird der Wahlabend existenziell – sie fällt unter die Fünf-Prozent-Hürde.

picture alliance/dpa | Philip Dulian

Mecklenburg-Vorpommern hat gewählt. Um 18 Uhr veröffentlichte die Forschungsgruppe Wahlen für das ZDF ihre erste Prognose für die Landtagswahl vom 20. September. Danach erreicht die AfD 38,0 Prozent, die SPD von Ministerpräsidentin Manuela Schwesig 36,5 Prozent. Die CDU landet bei 5,0 Prozent, die Linke bei 6,0 Prozent, die Grünen bei 5,5 Prozent. Das BSW kommt auf 4,8 Prozent, die FDP auf 1,0 Prozent. Die weiteren Parteien erreichen zusammen 3,2 Prozent. Doch im Laufe des Abends verschieben sich die Zahlen: Die CDU fällt wohl aus dem Landtag. Die Kanlzerpartei findet nicht mehr statt.

Gemessen an der Landtagswahl 2021 verschiebt sich das Kräfteverhältnis in einem Ausmaß, das Mecklenburg-Vorpommern seit Jahren nicht erlebt hat. Die AfD gewinnt nach der ersten Prognose sagenhafte 21,3 Prozentpunkte hinzu und steigert ihr damaliges Ergebnis von 16,7 Prozent auf 38 Prozent. Die SPD verliert 3,1 Punkte, die CDU fast 9 Punkte, die Linke 3,9 Punkte. Die Grünen büßen 0,8 Punkte ein, die FDP 4,8 Punkte.

Für Manuela Schwesig endet damit zunächst eine Aufholjagd, die der SPD in den letzten Tagen des Wahlkampfes noch die Führung in den Umfragen gebracht hatte. Das letzte ZDF-Politbarometer vor der Wahl sah die SPD bei 37 Prozent und die AfD bei 36 Prozent. Die erste Prognose dreht diese Reihenfolge wieder um und setzt die AfD anderthalb Punkte vor die Sozialdemokraten. Schwesigs stark auf ihre Person und die Auseinandersetzung mit der AfD zugeschnittener Endspurt hat den tiefen Absturz ihrer Partei aus früheren Umfragen aufgefangen; an die 39,6 Prozent von 2021 reicht die SPD nach dem ersten Stand nicht heran.

Die AfD steht damit nach der ersten Prognose vor ihrem mit Abstand stärksten Ergebnis bei einer Landtagswahl in Mecklenburg-Vorpommern. 2016 hatte sie bei ihrem ersten Einzug in den Schweriner Landtag 20,8 Prozent erreicht, 2021 waren es 16,7 Prozent. Fünf Jahre später liegt sie nun mehr als doppelt so hoch wie bei der vergangenen Wahl. Die 38 Prozent entsprechen zudem exakt dem Wert, den Infratest dimap zehn Tage vor dem Wahltag gemessen hatte.

Für die CDU beginnt der politisch brisanteste Teil des Abends bei der Zahl 5,0. Vor fünf Jahren erreichten die Christdemokraten 13,3 Prozent. Schon sechs oder sieben Prozent in den letzten Umfragen hätten das schlechteste CDU-Ergebnis bei einer Landtagswahl seit Gründung der Bundesrepublik bedeutet. Die erste Prognose drückt die Partei nun weitere acht Zehntel beziehungsweise zwei Punkte unter diese Umfragewerte und exakt auf die Schwelle, die über parlamentarische Existenz und parlamentarisches Verschwinden entscheidet. Im Verlauf des Abends fällt sie unter diese magische Zahl. Dass CDU-Wähler in großen Teilen Briefwähler sind, erklärt diese Bewegung: Briefwahlstimmen werden früher ausgezählt als Urnenstimmen, daher erscheinen die Parteien, deren Wähler briefwahl-affin sind, um 18:00 Uhr stärker als sie es dann eigentlich sind.

Entsprechend ungewöhnlich sieht bereits die vom ZDF veröffentlichte Sitzberechnung aus. Weil die CDU bei exakt fünf Prozent liegt und damit kleinste Verschiebungen über ihren Einzug entscheiden können, zeigt das ZDF zwei Varianten. Schafft die CDU den Einzug, entfallen nach dieser Modellrechnung 30 Sitze auf die AfD, 28 auf die SPD, fünf auf die Linke und jeweils vier auf CDU und Grüne. Fällt die CDU unter fünf Prozent, käme die AfD auf 31 Mandate, die SPD auf 30, Linke und Grüne auf jeweils fünf. Für eine absolute Mehrheit werden 36 Sitze benötigt.

Auch das BSW hängt unmittelbar unter der parlamentarischen Decke. Mit 4,8 Prozent fehlen der Partei in der ersten Prognose zwei Zehntel zum Einzug. Die FDP spielt mit einem Prozent für die Zusammensetzung des neuen Landtags keine Rolle mehr. Ihre 5,8 Prozent von 2021 wären damit nahezu vollständig verschwunden.

Für die Regierungsbildung ergibt sich schon aus der ersten Sitzprojektion eine klare rechnerische Veränderung. Die bisherige Koalition aus SPD und Linken verliert ihre Mehrheit. Eine Mehrheit aus SPD, Linken und Grünen wäre nach beiden vom ZDF dargestellten Varianten möglich: Bei einem CDU-Einzug kämen die drei Parteien gemeinsam auf 37 Sitze, ohne CDU auf 40. Ob diese Zahlen Bestand haben, hängt besonders an CDU, Grünen und BSW, deren Werte sämtlich in unmittelbarer Nähe der Fünf-Prozent-Hürde liegen.

Für Friedrich Merz liefert Mecklenburg-Vorpommern damit den nächsten schwierigen Wahlabend innerhalb von zwei Wochen. In Sachsen-Anhalt war die CDU am 6. September auf 17,2 Prozent gefallen und hatte 19,9 Prozentpunkte verloren. Vor den heutigen Wahlen bestellte Merz das CDU-Präsidium bereits für 17 Uhr ins Konrad-Adenauer-Haus ein. Kurz nach Veröffentlichung der ersten Zahlen wollte er sich öffentlich äußern. Die CDU-Ministerpräsidenten hatten ihm wenige Tage zuvor mit einer gemeinsamen Erklärung Rückendeckung gegeben.

 

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Kommentare ( 41 )

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Harry Charles
15 Tage her

DIE UNAUSWEICHLICHE WAHRHEIT vor der die CDU jetzt steht ist: nur MIT der AfD hat sie überhaupt eine Überlebenschance. In MecPom können ihre ehemaligen Abgeordneten jetzt im parlamentarischen Ruhestand weiter von der „Brandmauer“ schwafeln – die Öffentlchkeit kriget es gottlob kaum noch mit. Eine weiere gute Nachricht: Amthor ist auch raus – eine der unangenehmsten Erscheinungen in der insgesamt unerträglichen CDU. Und in der „Hauptstadt“ kann sie jetzt das Menetekel der kommunistischen Machtübernahme betrachten. Auch das geht auf ihre Kosten. Wer die Linken nicht aktiv politisch bekämpft, der macht sie stark – das ist eine Art Naturgesetz. Die CDU hat… Mehr

Verzeihtnix
15 Tage her

4,9%. Doch noch ein schöner Abend. Prost.

Teide
15 Tage her

Nach der Auszählung von 1880 von 1974 Wahlkreisen sind CDU und BSW mit 4,8% draußen.

https://wahlen.mvnet.de/dateien/ergebnisse.2026/landtagswahl/html/l_proz_zweit.html

Michael W.
15 Tage her

Da finden sich bestimmt noch ein paar Wahlzettel, falls es für die CDU wegen ein paar Stimmen eng werden könnte. Kann ja keiner nachweisen, dass die noch schnell aus dem Hut gezaubert wurden.

ChristopherM
15 Tage her

Also Punkt 1: Wartet erst mal die Briefwähler ab.
Punkt 2: Solange die AFD unter 51% ist, hat sie zwar eine bequeme Opposition, kann aber nichts wirklich verändern.
Gruss aus der Schweiz (die auch immer weiter gegen links driftet).

Enrico
15 Tage her

Aaaalso. Nach einer mehr als groben Überschlagsrechnung müssen im Mecklenburg-Vorpommerschen Landtag nach der Wahl nun rd. 20 !AbgeordnetInnen! (von insgesamt 79) von SPD, CDU, Grüne und FDP nach Hause. Ob sie nun dauerhaft ausschlafen dürfen, das entzieht sich meiner Kenntnis. Aber ein Anfang ist gemacht. Ich weiß daß das alles furchtbar langsam vonstatten geht, aber ich wollte auch mal was Positives vermelden.

Else Schrammen
15 Tage her

Er hat Augen, aber sieht nichts. Er hat Ohren, aber hört nichts. Er hat – nein,, müsste Verstand haben, nutzt ihn aber nicht. Bei einem Autisten würde man sagen: Er ist halt so. Aber nicht der Fritze. Hat der so grottenschlechte Redenschreiber, die immer wieder die alten Vokabeln auftischen: Aufbruch, notwendige Reformen, Veränderungen, Notwendigkeiten und einem Festhalten „seiner“ Regierung am eingeschlagenen Kurs. Wie bitte soll ein Normalbürger einen solchen Auftritt in einer solchen Situation bewerten – ohne die Hilfe von Psychi … ähm Fachleuten in Anspruch zu nehmen?!

GrafZahl04
15 Tage her

Wurde nicht vom ZDF freudig trompet bei Illner ….die SPD wird in MeckPomm gewinnen?? Wie können die Demoskopen so falsch liegen?
Am erschreckendsten ist das Ergebnis in Berlin. Das lässt mich ratlos zurück.

hoho
15 Tage her
Antworten an  GrafZahl04

Sie sind doch nicht überrascht oder doch? Die große Städte sind nun mal so. Ich glaube nicht, dass man in diesem Land bald einen Wechsel an dem Steuer hinkriegt. Dafür sind die Leute zu gut in der Birne gewaschen. Was immer klarer wird auch – die in Osten sind wach. Sie sind auch geteilt – Teil von denen schaut auf die Korruption und Zerstörung des Sozialstaates mit Schreck und dann wählt rot oder tief-rot. Eine große Gruppe wählt dann AfD weil sie einigermaßen rechnen können. Beide Gruppen werden enttäuscht wenn auch aus unterschiedlichen Gründen. Schade um das Land und um… Mehr

Phil
15 Tage her

Wer noch immer die Sozialisten wählt, hat den Ernst der Lage noch nicht erkannt.

Konradin
15 Tage her

1.Die Rede und Reaktion von Merz ist ein nur noch sprachlos machender Skandal und an Arroganz und Impertinenz nicht mehr zu übertreffen. 2.Nach diesem Skandalgeschwafel, kann man nicht umhin als zu fragen, ob Merz noch Herr seiner geistigen Kräfte ist und im Stande ist, die politischen Realitäten überhaupt noch wahrzunehmen und zu verarbeiten. 3.In Berlin, übernehmen nun antisemitische und linksextremistisch-totalitäre Rotfront-Sozialisten aus SED-Linke-SPD-Grüne. In Mecklenburg-Vorpommern wird die Sozialistin Schwesig wohl ebenso einen linkssozialistischen Rotfront-Pakt aus SPD-SED-Linke-Grüne schmieden. Deutschland und das Ausland ist geschockt. Noch viel mehr Menschen – nun auch Juden – in Deutschland werden nun mehr denn je darüber… Mehr

GermanMichel
15 Tage her
Antworten an  Konradin

Merz weiß eben dass wir 2029/2030 im Krieg sind und all das Geschwafel und die Sorgen von heute überhaupt keine Rolle mehr spielen werden

Beachtenswert, das Merz dabei Herren dient, die nicht einen einzigen Luftschutzbunker für die Zivilbevölkerung planen oder bauen, obwohl sie ganz gezielt auf einen großen Krieg hinarbeiten.