Erst der Masken-Macher, jetzt der Homestory-Held: Jens Spahn setzt erneut auf Offensive. Doch statt Sympathie erntet die Inszenierung über Leihmutterschaft heftige Kritik und noch mehr Spott.
IMAGO / Mike Schmidt
Jens Spahn will viel. Sehr viel. Allerdings will er mehr, als er kann. Das war schon beim Maskenkauf so, als Spahn sich als tougher und unkonventioneller Macher in einer Krise gerierte. Aber etwas wollen und etwas können, war schon immer zweierlei. Und so wurden eben viel zu viele Masken bestellt, die dann für noch mehr Geld erst gelagert und anschließend vernichtet werden mussten. Das war dem so viel wollenden Spahn aber einerlei.
Jetzt will Spahn wieder etwas. Er und sein Mann empfanden, dass ihnen zu ihrem Glück noch etwas fehlt. Nämlich ein Kind. Also bestellten sie eins. In den USA, weil das in Deutschland nicht so richtig erlaubt ist. Ja, manche sagen sogar, es wäre verboten. Ja, diese Menschen sagen sogar, er habe sich zusammen mit seinem Mann einen Menschen gekauft. Wie dem auch sei. Daraus entstand ein Problem. Quasi ein Dilemma. Denn Spahn wusste wohl, dass das Bestellen oder Kaufen, wie auch immer, eventuell, vielleicht nicht so ganz erlaubt sein könnte.
Was also tun? Spahn, als Stratege der CDU seit Langem äußerst erfolgreich, war um eine Lösung nicht verlegen: offensive Herangehensweise, Attacke, Vorwärtsverteidigung. Eben ganz tougher Macher. Und so kam eine selbstgemachte Homestory mit der Überschrift: „Bis jetzt wussten es nur die Familie und der Kanzler: CDU-Politiker Jens Spahn und sein Ehemann sind Papas geworden“ in die Bild. Und weiter in dieser Laubsägearbeit des kleinen Glücks:
„Es ist eine Nachricht voller Liebe, Glück und einer großen Veränderung! BILD erfuhr exklusiv: CDU-Politiker Jens Spahn (46) und sein Ehemann Daniel Funke (44) sind Eltern geworden. Ihr Sohn Georg kam per Leihmutter zur Welt. In einer sehr persönlichen Nachricht schildern die beiden Papa [Originalschreibweise Bild] jetzt ihre Gefühle, erklären, welche Rolle die Leihmutter künftig im Leben des Kindes spielen soll und warum der Name Georg für sie so wichtig ist.“
Zu dem Text der beiden Papa [Originalschreibweise Bild] kam aber noch ein Foto, das das ganze Glück der beiden Eltern auch den Bild-Lesern und den Bild-Nur-Mitlesern vermitteln sollte.
Homestorys sind nun, wie jede bildliche Inszenierung überhaupt, ein zweischneidiges Schwert. Das lernfähige System Merz, Macron und der schon ausgetauschte Starmer, die sich ebenfalls gern als Macher inszenieren wollten, sollten das wissen. Transportiert wird auf ihren Bildern, trotz aufwendiger Inszenierungen bei Empfängen und Konferenzen, nicht, wie sie es wünschen, ihre Stärke und Entschlusskraft, sondern ihre Schwäche, ihre Präpotenz, ihr Zaudern und ihr grundsätzliches Unvermögen.
Homestorys gibt es in der Regel von Prominenten, deren Prominentenstatus in letzter Zeit gelitten hat. Das heißt, Homestorys zeigen in der Regel den verzweifelten Versuch, dem schwindenden Bekanntheitsverlust, also der Währung, in der Prominenz gemessen wird, entgegenzuarbeiten. In der spanischen Illustrierten Hola! gibt es dafür seit Langem am Ende des Hefts eine spezielle Rubrik für weibliche Prominente, Fotomodelle, Sängerinnen, Schauspielerinnen und Musen, die sich, frisch getrennt, so in ihrem natürlichen Habitat darstellen können. Homestory deluxe. Jeder Interessierte kann so taxieren, ob er sich die Frischgetrennte leisten könnte und ob ihm die sich selbst präsentierende Frischgetrennte das wert wäre.
Auch Spahn musste einmal mehr erfahren, dass Wollen allein nicht genügt. Das Echo auf seine Homestory war verheerend. Die Bild schreibt jetzt zum selben Foto:
„Elternglück dank Leihmutter: Verheerendes Presseecho zu Spahns Baby. Das Babyglück von Unionsfraktionschef Jens Spahn (46) und seinem Ehemann Daniel Funke (44) sorgt weit über die Politik hinaus für Wirbel. Während viele dem Paar zur Geburt seines Sohnes gratulieren, entfacht der Weg zum Familienglück über eine Leihmutter in den USA eine heftige Debatte. Zahlreiche Medien werfen Spahn Doppelmoral vor – und gehen mit ihm hart ins Gericht.“
Nun ist der Vorwurf der Doppelmoral unbillig. Auch der Postillon weiß, dass man, um eine Doppelmoral haben zu können, erst einmal überhaupt eine Moral haben müsste. Das scheint hier nicht der Fall zu sein. Aber wie wäre es mit einem Rücktritt, solange man das noch selbst wollen kann? Und dann kann man auch bei Homestorys so richtig in die Vollen gehen. Und nach einem Rücktritt geht „Lebbe natürlich weida!“



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Ich wundere mich prinzipiell, woher das Bedürfnis kommt. Spahn hat noch in der Politik viel zu tun. Selbst für ein Haustier dürfte sie Zeit knapp sein. Hängt hier das Lebensglück ab von einem Kind? Ich kann das einfach nicht fassen.
Ganz klar inszeniert.
Er möchte den Babybrei jetzt zuhause anwärmen.
Tja, der spanische Kollege geht für Jahrzehnte in den Knast und Spahn kauft sich ein Kind……
Hier gibt es ganz offensichtlich k e i n e EU- zentrierte Rechtssprechung.