Uneingeschränkte Toleranz führt zum Verschwinden der Toleranz. Hypertoleranz wird zur Erblast für unsere Kinder – sie schafft Umstände, die sie zu bewältigen haben werden.
picture alliance/dpa | Christoph Soeder
Es ist keine Provinzposse, auch wenn sie sich beim ersten Hinsehen so darstellt: Am 30. Juni 2026 gegen 17.30 Uhr bleibt der Fahrer eines mit Passagieren besetzten städtischen Busses an einer Haltestelle für einige Minuten stehen. Er geht im Bus nach hinten, rollt seinen Gebetsteppich aus und betet für mehrere Minuten sein muslimisches Nachmittagsgebet. Die Türen des Busses lässt er geschlossen.
Das Ganze geschah in der Fürstenstraße der Marktgemeinde Ergolding, die mit der 72.000-Einwohner-Stadt Landshut via Buslinie 612 verbunden ist. Mitten also in Altbayern, mitten in Niederbayern. Die Passanten sind irritiert und melden sich beim Betreiber des ÖPNV, der mittlerweile zum Münchner Verkehrsverbund MVV der 70 Kilometer entfernten bayerischen Landeshauptstadt gehört. Der örtliche Betreiber der Buslinien, die Stadtwerke Landshut, entschuldigt sich bei den Fahrgästen; man betont, dass man die Religionsfreiheit und den Glauben des Busfahrers respektiere, die Bediensteten aber während des Liniendienstes ausschließlich ihre dienstliche Tätigkeit wahrzunehmen haben. Und fügt an: „Ein Gebet kann auch während der vorgesehenen Pausenzeiten erfolgen.“ Welche Konsequenzen die Sache für den Fahrer hat, lassen die Stadtwerke offen: „Zu arbeitsrechtlichen Maßnahmen äußern wir uns aus Datenschutz- und Persönlichkeitsgründen nicht.“
Was lehrt diese Busfahrer-Gebetsteppich-Szene?
Die Busfahrer-Gebetsteppich-Szene könnte man – isoliert für sich betrachtet – schmunzelnd als eine Art Slapstick abtun. Im Verein mit Hunderten, ja Tausenden ähnlicher Szenen aber zeigt sie, wem dieses Land mehr und mehr gehört. Zumindest im Sinne der Direktorin des jährlich mit rund 15 Millionen Steuergeldern alimentierten Deutschen Zentrums für Integrations- und Migrationsforschung (DeZIM), Professor Dr. Naika Foroutan, die meinte: Dieses Land gehört eigentlich niemandem. Will sagen: Den Deutschen nicht! Es ist dies ein Land, das somit jeder in Besitz nehmen und mit seinen Gewohnheiten prägen kann.
Dabei plappert Professorin Foroutan im Grunde nach, was Spitzenpolitiker ihr vorgegeben haben: „Der Islam gehört zu Deutschland.“ Dieses Credo ist so etwas wie Staatsräson geworden. Zur Deutschen Islamkonferenz (DIK) hatte der damalige Bundesinnenminister Schäuble (CDU) am 28. September 2006 festgestellt: „Der Islam ist Teil Deutschlands und Europas.“ Er hatte damit den Satz des Bundespräsidenten Wulff vom 3. Oktober 2010 vorweggenommen: „Aber der Islam gehört inzwischen auch zu Deutschland.“ Merkel, Söder, Laschet (alle von einer C-Partei) und die vereinte Linke aus SPD, Ex-SED und Grünen sind darauf aufgesprungen, die Kirchen hinterher. Der Schäuble-/Wulff-und-Co.-Satz gilt seither unter Androhung sozialer Ächtung als Verbot, den Islam zu kritisieren, das wäre „antimuslimischer Rassismus“, wobei freilich noch niemand erklären konnte, warum eine Religion nun sogar als Rasse gilt.
„Toleranz“ zugunsten der Preisgabe des Eigenen
Die Folgen erlebt man alljährlich, manchmal alltäglich: Zum Ramadan erleuchten Städte ihre Straßen und Märkte, in dieser Zeit soll es keine Prüfungen in den Schulen geben. Der Muezzinruf soll toleriert werden. Bilder von Schweinen verschwinden aus Schulbüchern, in Schul- und Betriebskantinen gibt es kein Schweinefleisch mehr. Auch für Nicht-Muslime nicht, denn es sei ja zu befürchten, dass deren Teller trotz Spülung durch das Schweinefleisch verunreinigt und dann Muslimen vorgesetzt würden.
In Schwimmbädern werden Zeiten ausgewiesen, in denen nur Musliminnen schwimmen dürfen. Umzüge von Kindergärten zu St. Martin (11. November) werden „kultursensibel“ abgeschafft und durch „Laternenumzüge“ ersetzt. Weihnachtsmärkte werden zu Lichter- oder Sternenmärkten umbenannt. Auf Prospekten, mit denen in arabischer Sprache für eine Tour durch die Alpen geworben wird, sind die Gipfelkreuze wegretuschiert. Auf Friedhöfen sollen eigene Areale ausgewiesen werden, damit „Gläubige“ nicht neben „Ungläubigen“ zur letzten Ruhe kommen.
Kotau über Kotau: „Hurra, wir kapitulieren. Von der Lust am Einknicken.“ Mit diesem Buch ging Henryk M. Broder bereits 2006 an die Öffentlichkeit. Er listete dort Hunderte von Beispielen von Appeasement gegenüber dem Islam und seiner Lobby auf. Der Busfahrer hat also genau verstanden, was los ist.
Treffen Toleranz und Intoleranz aufeinander, obsiegt immer die Intoleranz
Toleranz ist angesagt gegenüber allem – außer es ist nicht-links: Toleranz gegenüber allen anderen Menschen und Hautfarben dieser Welt, gegenüber allen Religionen, gegenüber allen möglichen sexuellen Orientierungen.
Aber all diese Toleranzen laufen hinaus auf die Toleranz eines „Nihilismus des Geltenlassens von schlechthin Allem“. So hat es Arnold Gehlen 1969 in seinem monumentalen Werk „Moral und Hypermoral“ beschrieben. Heute haben wir „kultursensible“ Hypertoleranz allenthalben, vor allem wenn bestimmte Glaubenssätze und Praktiken islamischer, nicht-deutscher bzw. nicht-europäischer Herkunft sind. Niemand möge sich doch bitte „islamophob“ aufregen über Kernbestände islamischer Kultur: Mehrfachehen, Kinderehen, Scharia-Gerichte, Ehrenmorde, die Ideologie der Inferiorität von Frauen, drastische Strafen für Ehebruch, Homophobie, Antisemitismus, die Todesstrafe für eine Konversion zum Christentum, die Verklärung von Massenmördern als Märtyrer, die Einheit von Moschee und Staat …
Solche Hypertoleranz ist ein Zeichen von Schwäche, ein Symptom von Ich-Schwäche sowie verkorkster Wir-Identität. Hypertoleranz ist ein Zeichen von Orientierungsverlust, von Indifferentismus und Anbiederung. Letztere ist es, wenn Kanzlerin Merkel in einem Anflug von Courage im Juli 2016 Muslime um Toleranz für den Schweinefleischkonsum der Deutschen bat.
Hypertoleranz wird so zum Trojanischen Pferd, das „Feinde“ im Sinne Poppers importiert. Popper (1902 – 1994) hat auf diese Gefahr im Zusammenhang mit Totalitarismen hingewiesen. In seinem großen Werk „Die offene Gesellschaft und ihre Feinde“ schrieb er: Uneingeschränkte Toleranz führe zum Verschwinden der Toleranz. Man könnte ergänzen: Hypertoleranz wird zur Erblast für unsere Kinder, weil damit Umstände geschaffen werden, die unsere Kinder zu bewältigen haben.


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