Erhitzt und erschöpft: Hysterische Republik Deutschland 

Befragte man die Studenten im Frankfurter Hörsaal, die in Pullover und Schal wegen der Klimaanlage frösteln, wen sie wählen und was sie von dem im Bundestag gestern diskutierten Hitzeschutzplänen halten, wäre die Antwort in beiden Fällen: Grün.

Mittwoch war ein Hörsaal der Universität Frankfurt gefühlt auf 19 Grad runtergekühlt. Erzählt ein normal für den warmen Sommer gekleideter Teilnehmer, der älter ist als die allermeisten, die der Vorlesung in Pullovern mit Schal fröstelnd folgen. Befragte man sie, wen sie wählen und was sie von den im Bundestag gestern diskutierten Hitzeschutzplänen halten, wäre die Antwort in beiden Fällen: Grün.

„Etwas kühler kalkulierende Menschen schauen sich aus diesem Anlass die Daten der Climatic Research Unit (CRU) der University of East Anglia auf der britischen Insel an.“ Schrieb Alexander Heiden und setzte fort: „Das international angesehene Institut veröffentlicht im Auftrag der Weltbank eine Rangliste aller souveränen Staaten der Erde nach durchschnittlicher Jahrestemperatur je Land, berechnet aus den täglichen Höchst- und Tiefsttemperaturen. Von den 197 aufgeführten Ländern liegt Deutschland … Achtung, Trommelwirbel… auf Platz 167.“

Der Beobachter erinnert sich. 1976 hatte es in Bonn Ende Juni 30 Grad und blieb so zwei Wochen lang. In Köln-Stammheim wurde 16 Tage lang bis 36,6 °C gemessen und in Koblenz 17 Tage bis 36,4 °C. Die Woche über schliefen wir nachts im Freien, Samstag und Sonntag fuhren wir in die Eifel und fanden kühle Plätze im Wald. 2003, dann in Köln, hatte es bis in den August oft um 38 und 39 Grad. Auch dann ließen sich schattige Plätze finden. Aber eines brach weder in Bonn noch Köln damals aus: die nun im Bundestag zelebrierte Hitze-Hysterie als Propaganda-Vehikel der gescheiterten Wendenserie der grünen Zeitgeist-Regierungen seit Angela Merkel.

Wirtschaft. Mit der Nettoinvestitionsquote als Erfolgsbarometer konstatiert Thomas Kolbe: „Ob Bau, Infrastruktur oder Produktionskapazitäten – bereinigt um Abschreibungen“ war sie zur Mitte der 1990er fast sieben Prozent des BIP, sank in den 2010ern gegen drei Prozent und 2025 erstmals auf minus 0,23 Prozent.
„Vertreter der Degrowth-Sekte werden diesen Verfall frenetisch bejubeln“ schrieb Kolbe, bei den „urbanen Pseudo-Eliten, die der Wirtschaft ihren Ökosozialismus mit demoralisierender Überregulierung überstülpen … gilt das als Erfolgssignal.“ Er schließt: „Allerdings schreitet die fiskalische und ökonomische Erosion immer schneller fort. Sollte es der Fall sein, dass politische Stabilität auch angesichts von Islamisierung und dem Verlust der kulturellen Identität nur noch durch massive Umverteilungsmaßnahmen und gefährliche Staatsverschuldung erkauft werden kann, wird sich die Systemfrage schneller stellen, als es ihnen in Berlin lieb sein wird.“

Kriegswirtschaft. Wirtschaftlich brandheiß ist der Einstieg des Staates beim Panzerhersteller KNDS für bis zu 7,2 Milliarden Euro, wie aus vertraulichen Unterlagen der Bundesregierung für Mitglieder des Haushaltsausschusses des Bundestags hervorgeht (Spiegel). Heute soll der Haushaltsausschuss dem Kauf von 40 Prozent der Anteile an dem deutsch-französischen Unternehmen zustimmen. – VW wird seine Autos auf der Flucht vor der deutschen Degrowth-Sekte im Ausland bauen und daheim Rüstungsbetrieb werden. Kriegswirtschaft, Herr Merz, ist kein Weg zum Wohlstand für alle. Der lautet Marktwirtschaft. Die kommt nach Ihnen.

Dell nach Texas. Nicht nur in Deutschland, auch in America, dort allerdings von einem Bundesstaat in den anderen flüchten Unternehmen vor Illusionspolitikern. Dell Technologies zieht von Delaware nach Texas um. Nachdem das vorher schon Tesla, Coinbase (Krypto-Börse), SpaceX, xAI und weitere Musk-Firmen getan hatten.

Bund und Länder seien auf der Ministerpräsidentenkonferenz (MPK) gestern einig geworden. Ab 1. September gälte stärker das Prinzip „Wer bestellt, bezahlt“, sagte Kanzler Merz. Der Beschluss „Veranlassungskonnexität“ beinhalte, der Bund zahle bei Gesetzesänderungen mit zusätzlichen Lasten für Länder und Kommunen über einer „Bagatellgrenze“ von mehr als 200 Millionen Euro pro Jahr 80 Prozent. Diese Finanzvereinbarung könne den Kommunen bereits 2027 Entlastungen von rund drei Milliarden Euro bringen und in den Folgejahren weiter anwachsen. Merz verwies auf das neue „Infrastruktur-Zukunftsgesetz“. Nach der Zustimmung des Bundesrates sollen Genehmigungsverfahren für große Infrastrukturprojekte deutlich beschleunigt werden: „Wir haben nicht nur Geld, wir haben jetzt auch die Mittel, dieses Geld schnell umzusetzen in gute Infrastruktur.“ – Ankündigungen, mal seh’n, was davon übrigbleibt.

„Pakt für den Rechtsstaat“ der Ministerpräsidentenkonferenz: Bundesweit 2.000 zusätzliche Stellen für Richter und Staatsanwälte, Mittel für IT-Infrastruktur und unterstützendes Personal. – In einem Rechtsstaat gehörte das lautlos zum laufenden Betrieb. Wird ein „Pakt für den Rechtsstaat“ ausgerufen, worum handelt es sich dann?

Die Linke und AfD. Sven Eppinger, CDU-Abgeordneter in Sachsen und Vormann der konservativen Heimatunion unterscheidet zwischen der Linken im Bund, die er als „totalitär, antisemitisch, kommunistisch mit einem Hauch Stalinismus und zumindest linksradikal“ bezeichnet, und dem Land, wo es durchaus auch „relativ vernünftige Menschen“ gebe. Eppinger will ihnen ermöglichen, Arbeit zum Wohle des deutschen Volkes und insbesondere der Menschen in Sachsen zu leisten und schließt in eine Kooperation die AfD mit ein. Jeder, der vernünftige Politik mittragen möchte, sei eingeladen, mitzumachen.

AfD-Verbot. Die „Gesellschaft für Freiheitsrechte“ legt ein „Gutachten“ von 1.500 Seiten zur Verfassungswidrigkeit der AfD vor und hält ein Verbotsverfahren vor dem Bundesverfassungsgericht für erfolgreich. „Wir haben allen Anlass, dem Gericht diese Prüfung zu ermöglichen“, sagte die CDU-Abgeordnete Elisabeth Winkelmeier-Becker dem Spiegel. Der Erste Parlamentarische Geschäftsführer der SPD-Bundestagsfraktion, Dirk Wiese, sprach sich auch dafür aus: „Die gesammelten Belege der Gesellschaft für Freiheitsrechte sind ein weiterer Baustein, um die AfD politisch und juristisch zu stellen. Die Dringlichkeit liegt auf der Hand … Aktuell gibt es in der Tat zahlreiche Hinweise darauf, dass die AfD sich zunehmend radikalisiert (HB).“ SPD-MdB Carmen Wegge sagte, das Gutachten zeige „eindrücklich, wie stark die AfD inzwischen auch auf Bundesebene von rechtsextremen Kräften durchdrungen ist und keine Abgrenzung mehr erfolgt“. Man müsse sich „jetzt auf den Weg machen zur Überprüfung der AfD vor dem Bundesverfassungsgericht und eine Bund-Länder-Arbeitsgruppe zur Vorbereitung und Einleitung des Verfahrens einrichten (RP).“ Die Arbeitsgemeinschaft sozialdemokratischer Juristen erklärte, das Gutachten schaffe ausreichende Klarheit und eine belastbare Grundlage, auf der nun endlich gehandelt werden könne. Grünen-MdB und Hamburger Ex-Justizsenator Till Steffen fordert, das Verfahren müsse nicht nur „umgehend eingeleitet“ werden, das Verwaltungsgericht Köln müsse mit den Belegen aus dem Gutachten klären, ob die AfD-Bundespartei als gesichert rechtsextrem vom Verfassungsschutz eingestuft werden durfte (Spiegel). Die Linke-MdB Clara Bünger kritisierte den zögerlichen Umgang mit Artikel 21 des Grundgesetzes: „Wir dürfen nicht länger die Mechanismen blockieren, die die Verfassung zu ihrer Selbstverteidigung vorsieht (Spiegel).“ MdB Stefan Seidler, Südschleswigscher Wählerverband (SSW) sagte dem Spiegel und der Rheinischen Post, gerade als Vertreter nationaler Minderheiten sehe er mit großer Sorge, „wenn rechtsextreme Kräfte versuchen, unseren Rechtsstaat auszuhöhlen und den Schutz von Minderheiten infrage zu stellen“. Über die Frage der Verfassungswidrigkeit entscheidet das Bundesverfassungsgericht. Das Gericht kann allerdings nicht von selbst tätig werden; nötig ist ein Prüfauftrag durch den Bundestag, den Bundesrat oder die Bundesregierung.

Notieren die Medien eine solche Menge an Stimmen gleichzeitig, liegt ein solcher Prüfauftrag in der Luft. Sich die AfD juristisch vom Leib zu schaffen ist den anderen Parteien natürlich viel lieber als die politische Auseinandersetzung in der Sache, die sie bis heute nicht führen und das mit der Brandmauer kaschieren. Klimatisch passte das Verbot perfekt in die Hysterische Republik Deutschland. Vom politischen Abriss der einst blühenden Wirtschaft und des Wohlstands für Alle könnte der Parteienstaat nach einem Verbot nicht mehr mit der AfD ablenken. Aber weiter als bis morgen kann die politmediale Klasse eben nicht denken.

Anzeige

Unterstützung
oder

Kommentare ( 20 )

Liebe Leser!

Wir sind dankbar für Ihre Kommentare und schätzen Ihre aktive Beteiligung sehr. Ihre Zuschriften können auch als eigene Beiträge auf der Site erscheinen oder in unserer Monatszeitschrift „Tichys Einblick“.
Bitte entwerten Sie Ihre Argumente nicht durch Unterstellungen, Verunglimpfungen oder inakzeptable Worte und Links. Solche Texte schalten wir nicht frei. Ihre Kommentare werden moderiert, da die juristische Verantwortung bei TE liegt. Bitte verstehen Sie, dass die Moderation zwischen Mitternacht und morgens Pause macht und es, je nach Aufkommen, zu zeitlichen Verzögerungen kommen kann. Vielen Dank für Ihr Verständnis. Hinweis

20 Comments
neuste
älteste beste Bewertung
Inline Feedbacks
Alle Kommentare ansehen
Haba Orwell
20 Minuten her

Apropos Justiz – Trump kriegt neuen Ärger: https://tkp.at/2026/06/26/drei-richterinnen-des-istgh-verklagen-trump-in-den-usa/ > „… Drei Richterinnen des Internationalen Strafgerichtshofs (IStGH) haben am Mittwoch (24. Juni) eine beispiellose Klage gegen US-Präsident Donald Trump und seine Regierung vor einem Bundesgericht in Manhattan eingereicht. Sie wehren sich damit gegen die massiven persönlichen Sanktionen, die Washington gegen sie verhängt hat. … Grund für die US-Sanktionen, manche nennen es Strafen, waren Ermittlungen des Gerichts zu mutmaßlichen Kriegsverbrechen von US-Soldaten in Afghanistan sowie die Ausstellung von Haftbefehlen gegen den israelischen Premierminister Benjamin Netanjahu. …“ Als es gegen Putin ging, war IStGH für die Amis ultimative Helden. Wie ich schon mal… Mehr

Haba Orwell
28 Minuten her

> Kriegswirtschaft.

Manch eine EUdSSR-Provinz könnte gerne zum Vorbild werden: https://tkp.at/2026/06/25/slowakei-verweigert-nato-gelder-fuer-die-ukraine/

> „… Auch die NATO plant neue Gelder für die Ukraine – im Raum stehen rund 70 Milliarden Euro. Kurz vor dem NATO-Gipfel in Ankara hat Robert Fico angekündigt, dass er versuchen werde, die Slowakei herauszuhalten. … Im Fall des 90-Milliarden-Euro-Kredits der EU an die Ukraine hat sich Fico eine Ausnahme ausgehandelt. Die Slowakei ist daran nicht beteiligt – anders als etwa das neutrale Österreich. …“

Neutral oder nicht – es ist bekloppt, den letzten Cent Neonazis mit goldenen Klos zu schicken.

Haba Orwell
35 Minuten her

> „Pakt für den Rechtsstaat“ der Ministerpräsidentenkonferenz: Bundesweit 2.000 zusätzliche Stellen für Richter und Staatsanwälte, Mittel für IT-Infrastruktur und unterstützendes Personal.

Damit man für jede kritische Stimme verurteilen kann? https://tkp.at/2026/06/25/staatliche-tabus-in-deutschland-ein-kommentar-zum-fall-c-j-hopkins/

Haba Orwell
40 Minuten her

> AfD-Verbot. Die „Gesellschaft für Freiheitsrechte“ legt ein „Gutachten“ von 1.500 Seiten zur Verfassungswidrigkeit der AfD vor und hält ein Verbotsverfahren vor dem Bundesverfassungsgericht für erfolgreich.

Wenn die USA eh in Westeuropa durchregieren – keine Reaktion auf solche Versuche? Mal sollte die Hegemonie was Gutes bringen.

Juergen P. Schneider
44 Minuten her

Richtig lustig wird es, wenn der Verbotsantrag tatsächlich gestellt werden sollte. Die glauben in Berlin wirklich, sie könnten die größte Oppositionspartei verbieten, ohne dass dies massive außenpolitische Konsequenzen haben wird. Unabhängig davon wäre ein Verbot der Partei ein über die Justiz inszenierter links-grüner Staatsstreich und der Suizid der Union. Schlagartig hätte rot-grün-rot die Mehrheit im Bundestag und könnte durch ein konstruktives Misstrauensvotum Merz aus dem Amt entfernen und Klingbeil zum Kanzler wählen. Ob die ohnehin von allen guten Geistern verlassenen Unionsabgeordneten da mitspielen, wird sich zeigen.

verblichene Rose
53 Minuten her

„…Das international angesehene Institut veröffentlicht im Auftrag der Weltbank eine Rangliste aller souveränen Staaten der Erde…“
Die Liste des Instituts mag stimmen, nur ist Deutschland hier völlig falsch eingeordnet, denn Deutschland ist zwar nicht nur gefühlt kälter, sondern es ist schlicht nicht souverän. Zumindest nicht die, die man hier den Souverän nennt!

Haba Orwell
54 Minuten her

> Befragte man sie, wen sie wählen und was sie von den im Bundestag gestern diskutierten Hitzeschutzplänen halten, wäre die Antwort in beiden Fällen: Grün.

Es dürfte von der Fakultät abhängen? Ingenieurswissenschaften dürften vernünftiger bleiben als allerlei Quasselogie wie Gender Studies.

Klaus Kabel
1 Stunde her

Das grünrote „Gutachten“ für ein AfD Verbot ist so verlogen, dass es schon körperlich schmerzt. Man wirft der AfD genau das vor, was sich die Brandnauerparteien selbst heraus nehmen und es täglich praktizieren.

ChristianeB
1 Stunde her

Jetzt wird es aber langsam kurios, wenn Herr Seidler vom SSW meint, sich vor der AfD fürchten zu müssen. Ob er es glaubt, steht auf einem ganz anderem Blatt Papier.

Guzzi_Cali_2
1 Stunde her

Was würde ich mir als System-Journo blöd vorkommen, Teil einer blökenden Herde Schafe zu sein, die nichts anderes sind, als vielstimmige Lautverstärker eines fehlgeleiteten Regimes. Sie merken gar nicht, daß sie mit ihrem Verhalten am Ast sägen, auf dem sie sitzen. Das Regime wird sie solange füttern, wie sie ihm nützlich sind. Aber wenn die Reichweite immer weniger wird, werden sie fallengelassen, wie eine heiße Kartoffel. Und dann ist diese Clique genauso auf sich selbst gestellt, wie DIE Kartoffeln, die sie so verachten, weil sie sich fehlmeinend als etwas Besseres fühlen. Aber diese Erkenntnis würde das Vorhandensein eines Hirns voraussetzen… Mehr

Haba Orwell
51 Minuten her
Antworten an  Guzzi_Cali_2

> Was würde ich mir als System-Journo blöd vorkommen, Teil einer blökenden Herde Schafe zu sein, die nichts anderes sind, als vielstimmige Lautverstärker eines fehlgeleiteten Regimes.

Es gibt Blogs, wo man zwar nichts von der Klimahysterie hält, aber etliche transatlantische Narrative stärkt. Ist das Halb-System-Journo?