Die Kanzlerschaft von Friedrich Merz geht dem Ende zu

Friedrich Merz hat die CDU auf SPD-Dienstgrad herunterregiert: sämtliche Versprechen gebrochen, das Land zerstört, Wähler seiner Partei vergrault, die AfD auf Überholkurs gesetzt. Wenn er nicht vorher das Handtuch wirft, steht spätestens nach der Landtagswahl in Sachsen-Anhalt das Ende seiner politischen Karriere im Raum.

picture alliance / dts-Agentur

Versagt als Bundeskanzler hatte Friedrich Merz schon am Tag nach der Bundestagswahl. Als er die vielen Wahlversprechen unbeachtet vertrocknen ließ und das Gegenteil von dem, was er versprochen hatte, ins Werk setzte. Wenn er überhaupt etwas unternahm und nicht nur willig Lars Klingbeil folgte. Man kann nicht sagen, dass Merzens Politik keine Kontinuität zeigt, im Gegenteil. Mit Deutschland und seiner Kanzlerschaft geht es kontinuierlich bergab. Man kann auch nicht sagen, dass ihm keiner mehr zuhört, denn einen Zuhörer hat er notgedrungen immer – sich selbst. Und einer ist nicht keiner.

Doch kein Auftritt ohne Peinlichkeiten, stattdessen Erfolgsmeldungen, die keine sind – und der letzte Freund, den der deutsche Bundeskanzler hat, ist nicht etwa der amerikanische Präsident, sondern Selenskyj – jedenfalls solange Deutschland kräftig für diese Freundschaft bezahlt. Möglich, dass er noch einen weiteren Freund ausmacht, Keir Starmer, der ist wenigstens im eigenen Land noch unbeliebter als Friedrich Merz in Deutschland. In dieser Beziehung darf gewettet werden, wer von den beiden noch länger Regierungschef ist oder wer zuerst gehen muss. Merz oder Starmer? In einem jedoch brachte es Merz zur wahren Meisterschaft: darin, alles, aber auch wirklich alles falsch zu machen, was man falsch machen kann.

Friedrich Merz ganz bei der SPD
„Ich stehe nicht nur links, ich komme auch von links“
Innenpolitisch potentielle Verbündete mit wüsten Verwünschungen überzogen, die eigenen Leute irritiert, den politischen Gegner zum Koch und sich selbst zu dessen Kellner gemacht, während die Arbeitsplätze wie feiner Sand durch ein Sieb rinnen, die Inflation anheizen, die Treibstoff- und Energiepreise durch unbedachtes Reden explodieren lassen, die Insolvenzen und Geschäftsaufgaben von Rekord zu Rekord treiben und China helfen, Deutschlands Rolle als Exportweltmeister zu übernehmen, das alles ist dem Kanzler gelungen. Währenddessen laufen der Union die Wähler weg und sie muss langsam fürchten, die SPD im Verlust der Wählergunst noch zu überholen. Manch ein Abgeordneter der Union wird sich beim Gang in den Plenarsaal inzwischen fragen, ob er jemals wieder ein Mandat erringen wird.

Die AfD steht in den Umfragen bei fast 30 Prozent , die Union insgesamt bei 22 Prozent, die CSU unter 5 Prozent und käme nur durch die Grundmandatsklausel wieder in den Bundestag und die CDU selbst rast auf die 17 Prozent, bald wohl schon auf die 16 Prozent zu. Es wird immer SPDiger in der Union.

Lange werden sie sich den Niedergang in der Union nicht mehr ansehen, können sie sich ihn auch nicht mehr ansehen, weil jeder, der noch vor Tagen zum Lobe Merzens nach dem Megaphon gegriffen hatte, inzwischen merkt, wie sehr das seiner eigenen Glaubwürdigkeit schadet und er sich dabei zum Hanswurst macht.

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Für den Kanzlerwechsel steht auch ein natürliches Datum bereits fest. Es ist der 6. September 2026, der Tag der Sachsen-Anhalt-Wahl. Die CDU rast in dem Bundesland so oder so auf eine Katastrophe zu, denn in den Umfragen steht sie bei 24 Prozent, die AfD bei 42 Prozent. Und der Trend geht mit der AfD.

Im Grunde können nur noch die Wähler in Sachsen-Anhalt Friedrich Merz retten, indem sie den Trend umkehren, und die CDU als stärkste Partei aus der Wahl hervorgeht. Aber das ist doch sehr unwahrscheinlich, denn der Sauerländer ist in Sachsen-Anhalt nicht beliebt, auch weil man dort den Eindruck hat, dass der Sauerländer im Gegenzug Sachsen-Anhalt nicht in sein Herz geschlossen hat.

Dass sich hinter den Kulissen bereits drei mögliche Nachfolger warmlaufen, wird von Tag zu Tag deutlicher.

Da wäre Markus Söder, der immer häufiger in der Öffentlichkeit auftaucht, um sich als Staatsmann zu präsentieren. Wo Merz fahrig wirkt, gibt sich Söder ruhig, überlegen, doch wirkt die Ruhe, die gefällige Rhetorik nur bräsig, Dampfplauderei. Die Zeit für Reden ohne Inhalt, für Phrasenreimereien ist vorbei. Söders Pose als Staatsmann überzeugt nicht, weil auch er keine Lösungen bietet, weil man die Lösungen nur hinter der Brandmauer findet – und die will auch Söder nicht überwinden. Da helfen keine peinlichen Missgriffe in die Geschichte. Oder mit Cicero gefragt: Quo usque tandem abutere, Catilina, patientia nostra? („Wie lange noch, Catilina, wirst du unsere Geduld missbrauchen?“).

Obwohl er der unbeliebteste oder der zweitunbeliebteste Politiker im Ranking ist, läuft sich – gut maskiert – auch Jens Spahn für die Kanzlerschaft warm. Spahn zweifelt nie an sich, macht stets alles richtig – und wenn es doch schiefläuft, dann sind finstere Gesellen innerhalb oder außerhalb der Partei am Werke. Jetzt fliegt Spahn erstmal nach China. Nach Trump, nach Putin will auch Spahn zeigen, dass auch er als Maskenminister auf die Pekinger Weltbühne gehört.

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Bleibt als – vielleicht lachender Dritter im Bunde – Hendrik Wüst, der nicht auf die Vorderbühne drängt wie die beiden anderen Herrn, sondern in der Partei lieber Strippen zieht und Seilschaften schmiedet. Vielleicht will er sich als lachender Dritter präsentieren, wenn sich die beiden anderen um die Kanzlerschaft streiten.

Doch eines ist allen drei Kanzleraspiranten klar: Auch wenn alle den Königsmord herbeisehnen, liebt niemand den Königsmörder. Man hofft, um im Bild zu bleiben, dass dann der König nach der Niederlage am 6. September in Magdeburg sich selbst ins Schwert stürzt.

Eines jedoch steht fest: Keiner der drei Zaunkönige wird über die Brandmauer fliegen. Jeder von ihnen wird hingegen den Grünen und der SPD dienen, so wie Sven Schulze doch mit den Linken paktieren wird, auch wenn er verkündet, dass kein AfD-Politiker und kein Politiker der Linken unter ihm zum Minister aufrückt. Für die Linken ist es allerdings egal, ob derjenige, der die Richtung vorgibt, Minister heißt oder nicht. Es muss demokratisch aussehen, aber wir müssen alles in der Hand haben, hat schon Ulbricht gefordert.

Was jetzt folgt, ist frei nach Marx: die Farce. Und die Frage, ob Merz noch bis zum 6. September durchhält.

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